Es ist fast wie eine kleine Wiederauferstehung: Die Firma Lavatec ist zurück. Nach der spektakulären Pleite 2009 ist das Heilbronner Unternehmen nun wieder auf Erfolgskurs. Unter neuer Flagge freilich, mit neuem Logo, neuen Inhabern und neuer Geschäftsführung. Allerdings: Ein Teil der alten Mitarbeiter ist zurück an Bord. Nach dem kompletten Neustart im Juni sind inzwischen wieder 80 Menschen beim Hersteller von Wäschereimaschinen beschäftigt.
Eine Entwicklung, die in ihrer Rasanz selbst Wolf-Peter Graeser überwältigt. "Wir waren vor wenigen Monaten bereits optimistisch an den Start gegangen", sagt der geschäftsführende Gesellschafter der neuen Lavatec Laundry Technology GmbH, wie das Unternehmen jetzt heißt. "Doch der Erfolg und die Geschwindigkeit, mit der er sich einstellt, überraschen uns selbst." Vor der Pleite waren bei der alten Lavatec 200 Mitarbeiter angestellt, diese Zahl will Graeser wieder erreichen.
Und: Der Mann, der einst bei der Läpple AG als Vorstandschef die Fäden zog, hat sich auf die Fahnen geschrieben, bei Einstellungen möglichst die alten Mitarbeiter zu berücksichtigen. Bis zum Ende dieses Jahres soll die Beschäftigtenzahl um 20 aufgestockt werden. Die Chancen stehen gut, dass das klappt: Der Auftragsbestand liegt aktuell bei 1,9 Millionen Euro.
Kein Imageschaden
Laut der neuen Lavatec-Chefetage hat die Insolvenz der alten Firma aus dem Vorjahr nicht am guten Image gekratzt. Der Name Lavatec sei nach wie vor anerkannt in der Branche, heißt es. Obwohl die alte Lavatec unter Vorbesitzer Samir Tadros mit großen Tamtam in die Pleite rutschte: Das Vertrauen der Kunden sei zurück, die anfängliche Skepsis verflogen.
Die neue Lavatec verbucht mittlerweile große Aufträge in Deutschland, Frankreich und Australien. So hat die Firma Buchholz Textilpflege aus Baden-Baden Wäschereianlagen aus Heilbronn geordert, ebenso die Merk Textildienste aus Zirndorf. Von einem Kunden aus der Schweiz ergatterte Lavatec einen Auftrag mit einem Gesamtvolumen im sechsstelligen Eurobereich: Eine ganze Waschstraße wurde bestellt. Graesers Bilanz: "Die Auftragslage ist weit besser als erwartet. Jede Woche verlassen neue Maschinen und Anlagen unser Werk in Heilbronn und gehen in alle Welt."
Um weiter zu wachsen, hat Lavatec in den vergangenen Wochen Auslandsgesellschaften in den USA, Frankreich und Italien gegründet. Zudem haben Graeser und sein Team ein weltweites Vertriebs- und Servicenetz auf die Beine gestellt. Im Service, so ist sich der neue Lavatec-Chef sicher, sei man nun "deutlich professioneller, schneller und flexibler" unterwegs als die Vorgängerfirma.
Optimismus
Auch in der Belegschaft überwiegt wieder der Optimismus. Viele lachende Gesichter dort, wo vor nicht allzu langer Zeit nichts als Enttäuschung zu sehen war. Ein Grund: In sämtlichen Bereichen wie dem Einkauf, dem Vertrieb, dem Kundendienst, der Montage und der Fertigung wurden alte Lavatec-Beschäftigte zurückgeholt. Eine neue Perspektive, ein gutes Jahr nach der Pleite.
Hintergrund: Chronologie einer Pleite
Der Untergang der alten Lavatec gehört zu den großen regionalen Pleiten 2009. Die Geschichte: Im Februar wird erstmals bekannt, dass die Firma Personal abbauen muss. Erst sollen 100 Leute entlassen werden, dann soll eine Beschäftigungsgesellschaft die Rettung sein. Kurz bevor die Verträge unterzeichnet sind, verschwindet der damalige Firmeninhaber Samir Tadros in den Urlaub. Tadros gerät mit der IG Metall in Streit. Im Mai stellt Lavatec einen Insolvenzantrag. Das Insolvenzververfahren selber ist verworren. Der damalige Insolvenzverwalter spricht davon, dass der Antrag viel zu spät gestellt worden sei. Nach und nach folgen Teilgesellschaften in die Pleite.
Hintergrund: Waschmaschinen
Seit Mitte der 1980er Jahre werden in Heilbronn Waschmaschinen für professionelle Anwender unter dem Namen Lavatec hergestellt. Das Produkt hat in der Region aber eine noch längere Historie: Die alte Lavatec ist aus der Frankenbacher Firma Böwe-Passat hervorgegangen, deren Historie bis in die 1950er Jahre zurückreichte. Schon im Zusammenhang mit dem Übergang von Passat auf Lavatec mussten sich die Gerichte verschiedentlich mit dem Unternehmen befassen.
Zur Person: Wolf-Peter Graeser
Vor seinem Wechsel im Jahr 2004 zum Automobilzulieferer Läpple in Heilbronn war der gebürtige Heidelberger Wolf-Peter Graeser (52) beim Medizintechnikhersteller Frenesius und beim Hydraulikanbieter Luk im Management.
Quelle: Heilbronner Stimme vom 7. September 2010 von Werner Tewes
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