Die Bausparkasse Schwäbisch Hall will dazu beitragen, dass Millionen von Chinesen ihren großen Traum von der eigenen Wohnung verwirklichen können.
Am vergangenen Donnerstag hat das Beteiligungsunternehmen Sino-German Bausparkasse (SGB) den Startschuss für den Markteintritt in der südwestchinesischen Stadtprovinz Chongqing gegeben. Chongqing gilt mit 32 Millionen Einwohnern als größte Metropole der Welt.
Eröffnungsfeier
"Wir freuen uns, dass die chinesischen Behörden von den Vorteilen des Bausparens überzeugt sind", sagte Matthias Metz, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall, am Rande der feierlichen Eröffnungszeremonie in Chongqing, an der auch hochrangige Vertreter der Provinzregierung und des staatlichen Bankensystems teilnahmen. Metz sieht in der wachstumsstarken Industrieregion, die Speerspitze der Entwicklung Südwestchinas sein soll, ideale Voraussetzungen für das Geschäftsmodell der Haller. Denn die chinesische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, 20 Prozent der städtischen Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen − angesichts der explodierenden Wohnungspreise in den Städten ein ehrgeiziges Unterfangen. Bis 2017 sollen daher landesweit 36 Millionen Wohneinheiten gebaut werden. Dabei will die Sino-German Bausparkasse, an der die Haller 24,9 Prozent und die China Construction Bank (CCB) 75,1 Prozent halten, eine bedeutende Rolle spielen. Über 60 CCB-Filialen werden die 100 SGB-Mitarbeiter zunächst den rund fünf Millionen Menschen in der Kernstadt Chongqing Bausparverträge anbieten. Nach der Anlaufphase sollen weitere CCB-Filialen folgen. Die Metropolregierung von Chongqing fördert diese Sparform mit einem Zuschuss von einem Prozent auf die Einlagen zusätzlich zum Guthabenzinssatz.
Finanzierer
Neben dem klassischen Bausparen ist die SGB auch als Finanzierer von staatlichen Wohnungsbauprojekten und als Hypothekenfinanzierer für private und gewerbliche Kunden aktiv. "Ich bin überzeugt, dass die SGB eines Tages eine tragende Säule bei der Finanzierung chinesischer Wohnwünsche sein wird", sagte Metz in seiner Eröffnungsrede in Chongqing.
Der Expansionskurs der Haller im fernen China ist weniger ungewöhnlich, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Denn zum einen ist die Sparneigung der Chinesen traditionell sehr stark ausgeprägt − ebenso wie der Wunsch, eine eigene Wohnung in einem der zigtausend Hochhäuser, die das Stadtbild in den Metropolen prägen, zu erwerben.
Zum anderen hat die Bausparkasse bereits positive Erfahrungen im Reich der Mitte gesammelt. Seit 2004 ist die Sino-German Bausparkasse in der nordöstlichen Region Tianjin tätig, in der rund 12,3 Millionen Menschen leben. Dort hat die SGB mehr als 108 000 Bausparverträge mit einem Gesamtvolumen von 2,55 Milliarden Euro verkauft. Dazu kommen 92 Großdarlehen über 935 Millionen Euro für Bauprojekte in acht Provinzen, mit denen in erster Linie der soziale Wohnungsbau finanziert wird.
Hoher Bedarf
Für die Bausparkasse ist dies freilich nur der erfolgversprechende Anfang einer Geschichte, die noch lange weitergehen soll. Vorstandschef Metz wies bei der Eröffnungsfeier darauf hin, dass Schwäbisch Hall in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten rund acht Millionen Menschen Wohnungen oder Häuser finanziert habe. Der chinesische Wohnungsbedarf übersteige diese Zahl bei weitem. "Deshalb werden wir es erleben, dass die Sino-German Bausparkasse eines Tages mehr Wohnungen für ihre Kunden finanziert haben wird, als das Mutterunternehmen in Deutschland jemals schaffen kann", zeigte sich der Vorstandschef überaus zuversichtlich.
Bausparkasse und CCB
Die zum genossenschaftlichen Finanzverbund gehörende Bausparkasse Schwäbisch Hall ist mit einer Bilanzsumme von 43,5 Milliarden Euro, einem Vertragsbestand mit einer Bausparsumme von 225 Milliarden Euro und 6,8 Millionen Kunden die größte private Bausparkasse in Deutschland. Zudem ist das Unternehmen in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien und China aktiv. Im Vergleich zum chinesischen Partnerunternehmen China Construction Bank (CCB) nimmt sich die Bausparkasse bescheiden aus. Die CCB ist – gemessen an der Marktkapitalisierung – die zweitgrößte Bank der Welt. Sie kam 2010 auf eine Bilanzsumme von 1,27 Billionen Euro und beschäftigt rund 310 000 Mitarbeiter.
Quelle: Heilbronner Stimme vom 14.12.2011 von Jürgen Paul
Bildquelle: Bausparkasse Schwäbisch Hall
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