Das Projekt war tot", sagt der Neckarsulmer Baubürgermeister über die Pläne, ein Vier-Sterne-Hotel am Bahnhof anzusiedeln. Das war 2007. Jetzt ist Klaus Grabbe überglücklich, dass seine Wiederbelebungsmaßnahmen erfolgreich waren: Ende 2013 soll in Neckarsulm ein neues Nobelhotel mit 130 Zimmern eröffnen. Große Namen sind im Gespräch, allerdings ist noch nichts spruchreif.
Teil des Gesamtprojekts rund um den Bahnhof ist ein großes Facharztzentrum mit 3000 Quadratmetern Grundfläche und ein sogenanntes Boardinghaus mit 30 Zweieinhalb-Zimmer-Wohnungen. Diese Wohnungen können längerfristig vermietet und über den Hotelservice mitbetreut werden.
Baubeginn
Damit wird in Neckarsulm nach derzeitigem Stand gleichzeitig wie in Heilbronn ein Vier-Sterne-Haus eröffnen. Die Nachbarstadt hat zuletzt Pläne für ein Mercure-Hotel am Bollwerksturm präsentiert, der Investor steht bereit. Für beide Projekte könnte Mitte des Jahres der Spatenstich erfolgen.
Über den potenziellen Betreiber des Hotels schweigt sich die Stadtverwaltung noch aus. Schließlich ist noch nichts in trockenen Tüchern, der Gemeinderat wird voraussichtlich Ende des Monats die notwendigen Beschlüsse fassen, Stadt und Investor müssen sich noch über die genaue Aufteilung der Kosten etwa für die Erschließung und neue Abwasserkanäle einigen. Eine regionale Bank stehe als Finanzierungspartner bereit. Grabbe ist zuversichtlich, dass keine unüberwindbaren Hindernisse mehr auftauchen.
Dass das Haus gut ausgelastet sein wird, steht für Grabbe außer Frage. Als es 2005 die ersten Pläne für ein Hotel am Bahnhof gab, habe eine Studie eindeutig den Bedarf festgestellt. Auch der Stadttourismus werde davon profitieren. Aber vor allem die regionale Wirtschaft freut sich. "Wir würden ein Hotel der gehobenen Klasse in unserem nahen Umfeld begrüßen", sagt der neue Audi-Werkleiter Fred Schulze. Viele Kunden und Gäste erwarteten exklusive und stilvolle Übernachtungsmöglichkeiten. Das bestätigt auch die Leiterin des Audi-Forums, Antje Maas: "Pro Jahr haben wir etwa fünf Absagen von Kulturveranstaltern, die sich aufgrund der Hotelsituation gegen uns entscheiden."
Der Entwurf des Berliner Architekturbüros Werner Behrens sieht für das Hotel eine Anordnung von sechs Häusern vor, die über eine gläserne Querspange verbunden sind − "Skywalk-ähnlich", wie Grabbe es nennt. "Städtebaulich ist das ein Riesensatz." Denn das Projekt ist die letzte Stufe auf dem Weg zu einem komplett neu gestalteten Eingangstor. Seit 1998 verfolgt Grabbe die Vision eines Stadtboulevards für die Kreisstraße 2000. Das SE-Zentrum steht bereits. Eine Tankstelle und ein aufgeräumter Park-and-Ride-Platz zeigen sich heute, wo vor wenigen Jahren noch Recyclingunternehmen mit ihren Schuttbergen das Bild bestimmten. Etwas weiter nördlich haben Audi-Forum und das Kolbenschmidt Customer-Center attraktive Glanzpunkte an der K 2000 gesetzt. Jetzt wird die Lücke jenseits der Bahnlinie geschlossen.
Konkurrenz
Der Chef des Nestor-Hotels, noch Platzhirsch in Neckarsulm, reagiert sportlich auf die neue Konkurrenz. "Es wird nicht einfacher, aber interessanter", meint Oliver Bosch. Neue Hotels hätten generell eine hohe Anziehungskraft, doch nach dem ersten Andrang würden sich die Gäste wieder verteilen. Allerdings gibt er zu bedenken, dass der Bedarf zwar groß ist, aber nur sechsmal im Jahr alle Betten in Neckarsulm belegt seien. Das Nestor hat 84 Zimmer. Nun steigt die Zahl in Neckarsulm und Heilbronn innerhalb weniger Jahre um mehrere Hundert. Für Klaus Grabbe ist die Antwort auf diese Herausforderung klar: "Der Wettbewerb kann nur über Qualität gewonnen werden."
Quelle: Heilbronner Stimme vom 13.01.2012 von Christian Gleichauf
Bildquelle: Stadt Neckarsulm
Weitere Informationen:
|