Der Kampf der Regionen hat längst begonnen", sagt Andreas Schumm. "Und er wird härter." Als neuer Geschäftsführer der regionalen Förderfirma Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH (WHF) gehört es zu den Aufgaben des 37-jährigen Volkswirts, Strategien für die Region zu entwickeln, mit denen sie sich behaupten kann.
"Wir müssen wachsam sein", sagt der nüchterne Analytiker. "Denn die Konkurrenz entsteht nicht nur in China und in Indien, sondern direkt vor der Türe", betont Schumm, der die letzten fünf Jahre als Planer beim Regionalverband gearbeitet hat. Quasi als letzte Amtshandlung in seiner alten Stelle hat er den Mitgliedern des Regionalverbands einige mahnende Worte in Sachen Zukunft auf den Weg gegeben.
Spielwiesen Heilbronn-Franken müsse sich zwar nicht verstecken, sagt der neue Hüter des regionalen Marketings. "Aber wir sind nicht mehr überall die Nummer eins im Land." Ausgefochten werde dieser Kampf auf vielen Spielwiesen, eine ganze Reihe davon finden sich in seiner Aufgabenbeschreibung − etwa beim Standortmarketing für die "Region der Weltmarktführer". Und natürlich bei der Anwerbung von Fachkräften. Mit dem Begriff des Fachkräftemangels geht Schumm aber vorsichtiger um als viele Wirtschaftsvertreter in der Region − er spricht lieber von einem Fachkräftebedarf.
In vielen Punkten setzt der Volkswirt auf Kontinuität: Die Veranstaltungsreihe Strategietreffen, die Vorgänger Steffen Schoch ins Leben gerufen hat, bleibt weiter − ebenso die Weltmarktführer-Marke, wenngleich Schumm vorsichtiger als Schoch ist, was die Definition eines Weltmarktführers angeht. Natürlich führt er auch das Akademikerstellenportal regionjobs24.de weiter. "Man darf nicht alles, was aufgebaut wurde, einfach über den Jordan kippen", sagt er. "Ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind."
Wo er auf eine Art Neubeginn anstrebt, ist im Verhältnis zu den Gesellschaftern, das in der Vergangenheit nicht optimal war. "Mehr Transparenz und mehr Kommunikation", verspricht Schumm. Er hofft, dass er auf diese Weise auch eine bessere Zusammenarbeit mit anderen Wirtschaftsförderern und Regionalverantwortlichen erreichen kann. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht fünfmal das Gleiche tun." Die Lebenswirklichkeit der Menschen in der Region sei schließlich nicht mehr auf das Lokale beschränkt.
Die Vielfalt der Region, die vielfach als Hemmschuh für die gemeinsame Entwicklung gesehen wird, hält der promovierte Raumplaner zugleich für eine Chance. "Es gibt nicht viele Ecken in Deutschland, wo auf so engem Raum so vielfältige Lebensentwürfe gelebt werden können", erklärt Schumm, der in seiner Freizeit Fahrrad fährt und gerne mal ein Fachbuch zur Hand nimmt. Einerseits setzt er auf mehr Zusammenhalt, andererseits ist es ihm wichtig, dass die verschiedenen regionalen Identitäten erhalten bleiben. Schließlich lassen sich auf diese Weise auch ganz verschiedene Personengruppen ansprechen, die es in die Region zu locken gilt. Angesichts der demografischen Entwicklung sieht er diese Aufgabe nämlich als seine dringlichste an. "Dieses Thema wird uns noch eine Weile begleiten. Konjunktur kommt und geht, aber die Demografie bleibt."
Biografie
Schumm ist kein Lautsprecher. Dass er nicht Wasser predigt, wenn es um die Attraktivität von Heilbronn-Franken geht, macht auch seine eigene Biografie deutlich: Seine Eltern stammen beide aus Ingelfingen, eine Oma lebt bis heute im Teilort Stachenhausen. Aber Andreas Schumm selbst ist in Ludwigsburg groß geworden, weil sein Vater Hohenlohe aus beruflichen Gründen verlassen hatte. Erst vor fünf Jahren ist Schumm in die Heimatregion seiner Eltern zurückgekommen. Und damit auch eine Fachkraft, die sich von der Region anlocken ließ. "Heilbronn-Franken hat noch Potenzial", ist der Rückkehrer überzeugt. Und: "Bei den nächsten Entwicklungsschritten kann und will die WHF einen Beitrag leisten."
Quelle: Heilbronner Stimme vom 23.01.2012
Bildquelle: Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH
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