Der Neckar wird zwischen Mannheim und Heilbronn zur Großbaustelle. Auf diesem 112 Kilometer langen Streckenabschnitt werden ab 2013 bis zum Jahr 2026 von Schwabenheim bis Kochendorf zehn Schleusen von derzeit 110 auf 140 Meter verlängert.
Dann können Containerschiffe der 135-Meter-Klasse, die vermehrt auf dem Rhein unterwegs sind, auch den Neckar befahren. Die 16 Schleusen von Heilbronn bis Plochingen werden aus wirtschaftlichen Erwägungen vorerst nicht verlängert, sondern nur instandgesetzt. Wann hier Baubeginn sein wird, vermochte Martin Schüle von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest nicht zu sagen: "Das wäre alles Spekulation. Es gibt keinen Zeitplan."
Vor diesem Hintergrund erneuerten die Regionalverbände Heilbronn-Franken und Rhein-Neckar am Montag ihre Forderung, den Neckar von Mannheim bis Plochingen als Großschifffahrtsstraße auszubauen. "Der Neckar ist nicht teilbar", sagte bei einer Informationsveranstaltung zum Ausbau der Neckarschleusen in Neckargemünd der Heilbronner Verbandsdirektor Klaus Mandel und stieß dabei auf den ungeteilten Beifall der anwesenden Landräte, Bürgermeister und Vertreter der Regionalverbände.
Arbeitsplan
Vage bleibt weiterhin der Baubeginn für den Ausbau der Schleusen im Landkreis Heilbronn. So liegt der Scopingtermin (Auswirkungen auf die Umwelt) für die Schleuse Gundelsheim schon 16 Monate zurück, für die Schleuse Kochendorf wird 2012 das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. "Die Verlängerung der Schleusen richtet sich nach der Dringlichkeit der Sanierung der Kammern", erklärte Robert Wiest vom Amt für Neckarausbau. Die meisten Schleusen sind zwischen 70 und 80 Jahre alt.
Mit der Verlängerung der zehn Schleusen geht unter anderem der Bau von fünf Schiffs-Wendestellen mit einem Durchmesser von 120 Metern einher. Eine dieser Wendestellen entsteht im Hafen Heilbronn, da die Schleuse nicht verlängert wird, eine weitere oberhalb der Staustufe Gundelsheim. Ferner werden sieben sogenannte Fischtreppen unter anderem in Gundelsheim, Kochendorf, Horkheim und Lauffen neu gebaut.
In den Jahren 2013 bis 2015 wird die Schleuse bei Lauffen saniert. Für die Grundinstandsetzung der Schleuse Besigheim läuft die Planung, bei der Schleuse Hessigheim werden 2012/13 die Tore ersetzt.
Neben der Schleusenverlängerung und der Schleusensanierung müssen auch die 27 staugeregelten Wehre, die zwischen 1915 und 1966 gebaut wurden, runderneuert beziehungsweise neu gebaut werden. Im Wehr Horkheim rücken in diesem Jahr die Bautrupps an, für das Wehr Neckarsulm beginnen die Planungstätigkeiten. Die Instandsetzung der Wehre hat eine Laufzeit bis 2056/2058.
Die Kosten für die einzelnen Baumaßnahmen schlüsselte Björn Berlenbach vom Amt für Neckarausbau auf: Grundinstandhaltung der 26 Schleusen: 200 Millionen Euro. Verlängerung der zehn Schleusen inklusive Fischtreppen: 60 Millionen Euro. Bau weiterer Fischtreppen an den restlichen Staustufen: 80 Millionen Euro. Modernisierung der Wehre: 800 Millionen Euro. In der Summe werden in den kommenden Jahrzehnten 1,14 Milliarden Euro in die Stärkung der Wasserstraße Neckar investiert. Diese Kosten trägt das Bundesverkehrsministerium als Eigentümerin der Wasserstraße. Das Anlagevermögen des Neckars bezifferte Jörg Huber vom Wasser- und Schifffahrtsamt Heidelberg auf 2,5 Milliarden Euro.
Nachtschifffahrt
In den kommenden 15 Jahren wird der Transport von Gütern auf dem Neckar um bis zu 70 Prozent zunehmen. Für Jörg Huber ist dies aber nicht gleichbedeutend mit einer deutlich stärkeren Umwelt- und Lärmbelastung: "Schon heute gilt auf dem Neckar ein 24-Stunden-Betrieb. Der Anteil der Nachtschifffahrt liegt derzeit bei etwa zehn Prozent und endet meistens gegen 24 Uhr."
Flussgeschichte
Im Schwenninger Moos, einem Hochmoor zwischen Schwarzwald und Baar, entspringt in 700 Meter Höhe der Neckar. Auf seinem 367 Kilometer langen Weg bis zur Mündung in den Rhein bei Mannheim überwindet der Fluss mehr als 600 Höhenmeter. Bereits im 7. Jahrhundert fuhren Handelsschiffe auf dem Neckar. Die wichtigsten Transportgüter waren um 1900 flussaufwärts Kohle, Getreide und ausländische Hölzer, flussabwärts Salz, Gips, Zement und Soda. Heute ist der Neckar auf 203 Kilometer mit einer durchgehenden Fahrrinnentiefe von 2,80 Metern schiffbar. Zwischen Mannheim und Plochingen werden pro Jahr etwa 7,5 Millionen Tonnen Güter befördert.
Quelle: Heilbronner Stimme vom 25.01.2012 von Joachim Friedl
Bildquelle: Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
Weitere Informationen
|