Von Unternehmen wird heute sozial verantwortliches Handeln erwartet. Glaubwürdige Wertorientierung kommt vor allem bei jungen Leuten gut an und trägt zum wirtschaftlichen Erfolg bei.
Das ist die Quintessenz einer Podiumsdiskussion in der Kunsthalle Würth am 12. Juli. Zu der Gesprächsrunde hatte die BERA GmbH aus Anlass ihres 10-jährigen Firmenjubiläums eingeladen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Dirk Zupancic, Präsident der German Graduate School of Management and Law, diskutieren Dr. Ing. E. h. Manfred Wittenstein, Vorstand der Wittenstein AG, Oberkirchenrätin Cornelia Coenen-Marx von der Evangelischen Kirche Deutschland, Prof. Dr. Joachim Link von der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau und Bernd H. Rath, Gründer und Geschäftsführer der BERA, zum Thema „Wertorientierung als Erfolgsfaktor“.
Skeptiker Lügen gestraft
Anlass für die Podiumsdiskussion ist die Firmenphilosophie der BERA. Das Unternehmen sieht sich seit seiner Gründung im Jahr 2002 ethischen Werten verpflichtet. „Anerkennung und Wertschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren für mich von Anfang an die Leitlinie des Unternehmens“, sagt dazu Firmengründer Bernd H. Rath. Partnerschaft, Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BERA bekommen grundsätzlich unbefristete Arbeitsverträge und ein festes Gehalt. Rund die Hälfte verdient das gleiche Geld wie das Stammpersonal der Kunden. Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie zahleiche Zusatzleistungen vom iPhone für alle Mitarbeiter bis hin zur betrieblichen Altersvorsorge unterscheiden die BERA vom Wettbewerb. Mit diesem Profil einer werteorientierten Unternehmensführung hat die BERA das Bild der Branche neu bestimmt – und die Skeptiker Lügen gestraft.
In zehn Jahren zum Markt- und Innovationsführer entwickelt
Innerhalb von zehn Jahren hat sich die BERA zum Markt- und Innovationsführer in der Region Heilbronn-Franken entwickelt. Mit inzwischen elf Niederlassungen in Nord-Württemberg und Thüringen und über 1.400 Mitarbeitern gehört das Unternehmen zu den 20 größten Arbeitgebern in der Region. „Diese Entwicklung hat uns darin bestärkt, an unserer wertorientierten Unternehmensphilosophie mit den Säulen Partnerschaft, Nachhaltigkeit und Innovation festzuhalten“, sagt der BERA-Geschäftsführer.
Jedes Unternehmen muss wertbasiert sein
Zum Auftakt der Podiumsdiskussion ging Prof. Zupancic kurz auf die Begrifflichkeit von Wertorientierung ein. Nach seinen Ausführungen liegt Wertorientierung im Trend. Es bestehe ein tiefes Bedürfnis nach Stabilität, Zuverlässigkeit und Vertrauen. Die Menschen seien dazu bereit, freiwillig gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Werte seien Prinzipien und Orientierungsmarken für eine sinnvolle, verbindliche Lebensgestaltung. „Werte sind ein Vehikel für Sinn, den wir in unseren Handlungen verfolgen“, so Zupancic.
Bei der Antwort auf die Frage, was das für Unternehmen bedeute, waren sich Bernd H. Rath und Dr. Ing. Manfred Wittenstein einig: „Jedes Unternehmen muss wertbasiert sein“. Für den BERA-Geschäftsführer waren Werte die Voraussetzung für die Firmengründung. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde 2004 eine wertorientierte Firmenphilosophie entwickelt. Sie bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung. Auch die Wittenstein AG hat nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden Leitlinien entwickelt, die sich am Erhalt der Lebensgrundlage künftiger Generationen orientiert. Besonderer Wunsch der Mitarbeiter war es dabei, die gemeinsam definierten Werte nicht nur nach innen, sondern auch nach außen zu vertreten. „Das ist quasi der genetische Code, die DNA unseres Unternehmens“, sagte er.
Entscheidend ist die Glaubwürdigkeit
Nach Cornelia Coenen-Marx sieht sich die Kirche als fehlerhafte Organisation auf dem Weg zum sprichwörtlich gelobten Land. Die Bibel wisse, wie schwer es für den Einzelnen sei, Werten zu folgen. Prof. Link bestätigte, dass von Unternehmen sozial verantwortliches Handeln erwartet werde. Dies sei durch verschiedene Studien belegt. Entscheidend dabei sei die Glaubwürdigkeit. Für ihn persönlich liegt die Wertorientierung von Unternehmen vor allem darin, Menschen Arbeit zu geben und Arbeitsplätze zu sichern.
Gewinnorientierung ist nicht verwerflich
Bei der Frage nach Gewinnorientierung und Wachstum als Wert gab Manfred Wittenstein eine klare Antwort: „Gewinnorientierung ist nicht verwerflich“, so der Unternehmer. Gewinnorientierung sei aber nicht der Sinn von Unternehmen, sondern das Ergebnis. Als Unternehmer müsse man allerdings ein gutes Gespür entwickeln, wann Gewinn unfair wird. „Wenn man Gewinn mit gutem Gewissen vertreten kann, dann ist das in Ordnung“, sagte er. Für Cornelia Coenen-Marx ist der Zusammenhalt einer Gemeinschaft entscheidend für nachhaltigen Erfolg. „Dafür aber sind Werte notwendig, um diesen Zusammenhalt zu sichern“, so die Oberkirchenrätin.
Es werden Vorbilder gebraucht
Nach Prof. Link lassen sich Nachhaltigkeitsstrategien und der Erfolg von Werten bei der Unternehmensentwicklung messen. Voraussetzung aber sei, dass die Mitarbeiter diese Werte leben. Und dass das Top-Management vorangeht. „Wir brauchen Vorbilder, um Wertorientierung ein Gesicht zu geben“, sagte er. Das bestätigten auch Bern H. Rath und Manfred Wittenstein. Beide waren sich auch darin einig, dass ein gutes Betriebsklima das Leben von Werten fördert. „Wenn ich durch den Betrieb gehe und Menschen sehe, die lachen, die aus sich heraus strahlen, dann sagt mir mein gesunder Menschenverstand: es ist alles in Ordnung. Sehe ich das nicht mehr, weiß ich, dass etwas nicht stimmt“, so sein Eindruck. Eine wertorientierte Firmenphilosophie erleichtert es auch, Geschäfte zu machen. „Kunden suchen sich Unternehmen, auf die sie vertrauen können“, sagt Manfred Wittenstein. Auf diese Weise gewinnt auch die Kirche neue Kunden. „Die Kirche hat den Auftrag, Werte aufrecht zu erhalten“, erklärt Cornelia Coenen-Marx. Menschen die nach Wertorientierung suchen, seien Kunden der Kirche.
Weiche Faktoren für junge Leute wichtig
Nach den Erfahrungen von Bernd H. Rath sind vor allem für junge Leute weiche Faktoren wichtig. Guter Lohn und persönlichkeitsfördernde Rahmenbedingungen seien für junge Leute bei jedem Unternehmen ohnehin ein Muss. Sie würden ihre Aufmerksamkeit deshalb sehr stark auf ethische Verantwortung legen.
Dem pflichtete auch Manfred Wittenstein bei. „Junge Menschen wollen in Unternehmen Freiraum und Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt er. Die Wittenstein AG hat deshalb die alte Tradition der „Walz“ aufgegriffen, wie sie von den mittelalterlichen Zünften gepflegt wurde und heute noch im Zimmererhandwerk nachwirkt. „Wir reißen junge Leute aus der Komfortzone heraus und schicken sie drei Monate in die Welt hinaus“, sagt er. Danach kämen sie als hoch motivierte, gereifte Persönlichkeiten zurück. Aus dieser Erfahrung heraus gab er die Empfehlung: „Schauen Sie in die Schatztruhe unserer Kultur hinein und nutzen sie bewährte Traditionen.“
Mehr Wert auf Werte in Krisenzeiten
Abschließend waren sich die Diskutanten darin einig, dass sich in Krisenzeiten die Wahrheit einer Firmenphilosophie vom Marketinggag trennt. „Gerade in Krisen ist es umso wichtiger zusammenzuhalten. Hier zeigt sich, inwieweit eine Unternehmensphilosophie Menschen stärkt und Vertrauen schafft“, so Coenen-Marx. Für Prof. Link hängt der Trend zu ethischer Verantwortung unmittelbar mit den Veränderungsprozessen und bevorstehenden Krisen zusammen. „Die Notwenigkeit verantwortlicher Unternehmensführung steigt“, schlussfolgert er.
Quelle: BERA GmbH
Bildquelle: BERA GmbH, Barbara Röhr
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