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D O K U M E N T A T I O N
der Präsentation der Region
H E I L B R O N N - F R A N K E N
in der Vertretung des Landes
Baden-Württemberg bei der EU
am 23./24. März 2003

       
 
 

25.3.2004

Einführung durch
Dr. Christoph-E. Palmer
MdL

 

 

Starke Regionen, starkes Land, starke Union.
Die Regionen als verlässliche Partner in der EU

Europa und die Europäische Union stehen vor großen, historischen Herausforderungen: das Jahr 2004 stellt für die Union einen Wendepunkt dar. Mit dem Beitritt von zehn neuen Mitgliedstaaten am 1. Mai 2004, den Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni 2004 und der Benennung einer neuen, vergrößerten Europäischen Kommission im November 2004. Dazu kommt die Fortsetzung der Diskussion um eine europäische Verfassung.

Diese tief greifenden Veränderungen werden auch direkt in den Regionen ihren Niederschlag finden. Bereits heute werden Entscheidungen lokaler Selbstverwaltungsgremien zu einem großen Teil durch Brüsseler Vorgaben mit beeinflusst.

Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, dass das Land bei den europäischen Einrichtungen in Brüssel präsent ist und frühzeitig über aktuelle Planungen und Entwicklungen auf europäischer Ebene unterrichtet wird. Nur so können wir uns insbesondere dort, wo Land, Regionen, Städte und Gemeinden unmittelbar betroffen sind, in die Diskussion aktiv und nachhaltig einbringen.

Baden-Württemberg engagiert sich seit langem im europäischen Einigungsprozess und gilt in Brüssel als kompetenter und zuverlässiger Partner.

Das Land bringt im Ausschuss der Regionen der EU im Konzert mit anderen Vertretern aller Regionen der EU sowie der kommunalen Ebene seine Anliegen gebündelt gegenüber der EU-Kommission, dem EU-Ministerrat und dem EU-Parlament vor. Mit der Wahl des baden-württembergischen Landtagspräsidenten Peter Straub zu dessen Ersten Vizepräsidenten sind die Weichen gestellt, dass ein Vertreter Baden-Württembergs ab Februar 2004 den nächsten Präsidenten dieses Ausschusses stellen wird.

Darüber hinaus formuliert das Land gemeinsam mit seinen Partnerregionen Lombardei, Rhône-Alpes und Katalonien im Rahmen der Initiative "Vier Motoren für Europa" seit über zehn Jahren gemeinsame Positionen zu einer Vielzahl von Politikbereichen mit europäischer Dimension.

Bei der Ausarbeitung des Entwurfes für eine europäische Verfassung hat sich der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel als Vertreter des Bundesrates erfolgreich für die Stärkung des Subsidiaritätsprinzips eingesetzt. In der an den Konvent anschließenden Regierungskonferenz wurden Baden-Württemberg sowie Nordrhein-Westfalen vom Bundesrat beauftragt, die Beratungen zu begleiten und die Anliegen der deutschen Länder zu vertreten. Die Debatte zu einer europäischen Verfassung konnte nicht wie geplant mit dem Europäischen Gipfel vom Dezember 2003 abgeschlossen werden und hält weiter an. Jedoch scheint eine Einigung unter irischer Präsidentschaft noch im ersten Halbjahr 2004 greifbar. Gerade im Jahr der Wahlen zum Europäischen Parlament am 13. Juni 2004 ist dies ein wichtiges Zeichen für die Bürgerinnen und Bürger der Union. Sie sehen, dass die Europäische Union auch mit 25 Mitgliedern handlungsfähig ist.

Angesichts der Vielzahl von Akteuren in Brüssel ist es wichtig, vergleichbar mit der Vertretung des Landes beim Bund in Berlin eine gut funktionierende und effiziente Landesvertretung bei der EU zu unterhalten. Mittlerweile werden allein rund 300 Vertreter regionaler und kommunaler Interessen in Brüssel gezählt. Diese Zahl wird sich im Zuge der Erweiterung und dem zunehmenden Selbstbewusstsein der Regionen der EU noch weiter erhöhen.

Bereits 1987 hat Baden-Württemberg als eines der ersten deutschen Länder ein eigenes Informationsbüro in Brüssel eingerichtet, dessen Aufgaben vor allem in der frühzeitigen Informationsbeschaffung und -weitergabe bestanden. Die Rahmenbedingungen haben sich seit damals grundlegend geändert.

Das Land hat diesem Umstand mit dem Ausbau seiner Vertretung in Brüssel Rechnung getragen. Der Umzug in ein zentral gelegenes, neues Gebäude im EU-Viertel Brüssels ist deshalb nur konsequent.

Die Arbeit der Landesvertretung in Brüssel basiert im Wesentlichen auf folgenden vier Säulen:

- Als Frühwarnstelle des Landes macht die Vertretung in einem frühen Stadium auf Vorhaben auf europäischer Ebene aufmerksam. Dazu hat jedes Ressort einen Vertreter nach Brüssel entsandt, so dass alle Themen der Landesverwaltung abgedeckt werden können. Entsprechend bringt die Vertretung die Sicht des Landes zu verschiedenen Themen in die jeweiligen EU-Institutionen wirkungsvoll ein.

- Als "europäisches Kompetenzzentrum" ist die Vertretung Anlaufstelle für Wirtschaft, Verbände und Politik.

- Als Knotenpunkt eines baden-württembergischen Netzwerks baut die Vertretung die Kontakte auf verschiedenen Ebenen insbesondere zu Vertretern aus den EU-Institutionen aus.

- Als europäische Plattform des Landes informiert die Vertretung interessierte Gäste aus Brüssel wie auch aus dem Land mit thematisch gut vorbereiteten Veranstaltungen und Präsentationen über europäische Themen aus "erster Hand".

Damit spielt Baden-Württemberg auch in einer erweiterten Europäischen Union mit 25 Mitgliedstaaten weiterhin europapolitisch in der "ersten Liga" mit.

Ein Land ist so stark wie seine Regionen. Ihre Attraktivität und Dynamik entscheidet den Standortwettbewerb um Bevölkerung, Arbeitsplätze und Unternehmensansiedlungen. Dies gilt im Vergleich zum Bund aber auch verstärkt im Vergleich zu den anderen europäischen Regionen.

Die Region Heilbronn-Franken zählt ohne Zweifel zu den Siegerregionen in Baden-Württemberg. Keine Region im Land ist in den letzten zehn Jahren stärker gewachsen als Heilbronn-Franken. Der landesweiten Bevölkerungszunahme um 5 % steht ein Anstieg um fast 9 % in Heilbronn-Franken gegenüber.

Das gleiche positive Bild zeigt sich bei der Beschäftigungsentwicklung. Mit 3,4 % Beschäftigungszunahme seit 1992 ist die Region Heilbronn-Franken ebenfalls Spitzenreiter in Baden-Württemberg. Auch beim Wirtschaftswachstum und der Entwicklung der Exporte liegt die Region weit vorne. Der Arbeitsmarkt in der Region ist zudem sehr stabil. Er ist gekennzeichnet durch hohe Produktivität und Qualität der Arbeitskräfte bei gleichzeitiger enger Sozialpartnerschaft in den Betrieben. Die Unternehmer und die Arbeitnehmer in der Region stellen sich mit Erfolg dem weltweiten Standort- und Technologiewettbewerb. Der Wirtschaftsraum Heilbronn-Franken verfügt im Gegensatz zu den benachbarten Ballungsräumen von Stuttgart und Mannheim/Heidelberg auch über ein vergleichsweise großes und preiswertes Angebot an Gewerbe- und Industrieflächen. Dies ist ein entscheidender Faktor im Standortwettbewerb der Regionen, den es weiterhin zu nutzen gilt. Die Region besitzt das Potential, ihre Standortattraktivität in den nächsten Jahren weiter zu erhöhen und die bisher schon gute Position 17 im bundesweiten IHK-Standortranking noch weiter zu verbessern.

Die Verwirklichung des EU-Binnenmarktes sowie die anstehende EU-Erweiterung bedeuten auch für die Regionen, sich verstärkt einem "Gesamteuropäischen" Wettbewerb zu stellen. Deshalb ist es umso wichtiger, die Europafähigkeit des Landes, seiner Regionen, Städte und Gemeinden ständig weiter zu erhöhen. Die neue Landesvertretung in Brüssel bietet Akteuren aus dem Land eine hervorragende Plattform, sich über aktuelle europapolitische Entwicklungen aus erster Hand zu informieren und im Gegenzug die Stärken des Landes und seiner Regionen auf europäischer Ebene zu präsentieren.

Die Region Heilbronn-Franken hat als erste der zwölf Regionen des Landes dieses Angebot eindrucksvoll genutzt und mit der Auftaktveranstaltung am 23. März 2004 in Brüssel Zeichen gesetzt.

Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Präsentation mit rund 500 Gästen aus dem Land und Brüssel, darunter eine Vielzahl von Abgeordneten aus dem Europäischen Parlament, Vertretern aus der EU-Kommission, befreundeten Regionalvertretungen und anderer Interessenvertreter aus Brüssel konnte die Region Heilbronn-Franken einem internationalen Publikum die Leistungsfähigkeit der Region in wirtschaftlicher wie auch in kultureller Hinsicht eindrucksvoll zur Schau stellen. Hier gilt mein Dank all jenen, die zum Gelingen dieser erfolgreichen Präsentation beigetragen haben. Stellvertretend will ich an dieser Stelle ausdrücklich Herrn Professor Würth danken.

Auch danke ich dem für Industrie, kleine und mittelständige Unternehmen sowie dem Themenkomplex Informationsgesellschaft zuständigen Kommissar Liikanen, der sich trotz vieler anderer Verpflichtungen die Zeit genommen hat, an der Eröffnung der Präsentation am Abend des 23. März 2004 teilzunehmen.

Gleiches gilt für den EU-Botschafter Ungarns, Herrn Balasz, der erst vor kurzem von der ungarischen Regierung bestimmt wurde, ab 1. Mai Mitglied der Europäischen Kommission zu sein und dort im Bereich Regionalpolitik tätig sein wird.

Bei diesem wichtigen Projekt ging es aber nicht nur darum, die Stärken der Region Heilbronn-Franken darzustellen. Genauso wichtig ist es, dass die Akteure aus der Region insbesondere aus Politik und Wirtschaft mit Vertretern der europäischen Ebene ins Gespräch kommen, Probleme diskutieren, Meinungen und Ideen austauschen, und dann gemeinsam Lösungsansätze entwickeln, die auch in der Praxis und bürgernah umgesetzt werden können.

Deshalb freut es mich sehr, dass die Vertreter aus der Region Heilbronn-Franken im Rahmen der Seminare am 24. März wichtige Themen aus Sicht der Region mit Vertretern der europäischen Institutionen diskutiert haben. Dabei wurden aktuelle Entwicklungen im europäischen Verkehrsmarkt, Chancen und Visionen europäischer Forschungsförderung sowie die Liberalisierung des Dienstleistungsmarktes und Steuerharmonisierung auf europäischer Ebene intensiv diskutiert.

Ich bin mir sicher, dass diese Gespräche nachhaltige Wirkung haben und die dabei diskutierten Fragen als Chance und Herausforderung für die Zukunft begriffen werden. Gute Lösungen können gefunden werden, wenn die Verantwortlichen aus der Region, dem Land und auch aus Brüssel aufeinander zugehen. Denn es geht um nichts Geringeres als aktiv am europäischen Einigungswerk mitzuwirken.

Gerade in einem so wichtigen Jahr für Europa und die Europäische Union gilt es mehr denn je der Satz: "Baden-württembergisch denken, europäisch handeln".

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