"Aktuelle Entwicklungen
im europäischen Verkehrsmarkt"
Leitung:
Egbert Koch,
Beobachter des Umwelt- und Verkehrsministeriums
in der Landesvertretung
Referenten:
Anja Lubenau,
Europäische Kommission,
Generaldirektion Erweiterung
Bernd Seidel,
Europäische Kommission,
Generaldirektion Energie und Verkehr
Dr. Ekkehard Hein,
Regionalverband Heilbronn-Franken
Teilnehmer:
- Helmut Himmelsbach, Oberbürgermeister Heilbronn
- Stefan Mikulicz, Oberbürgermeister Wertheim
- Georg Denzer, Landrat Main-Tauber-Kreis
- Hans Peter Albrecht, Präsidium IHK Heilbronn-Franken
- Dr. Manfred Raisch, DVR e.V. (Brüssel)
- Sepp Stöger, Magazin "Pro Region Franken"
- Hans-Dieter Ecker, "naturella"-Öhringen
- Achim Ühlin, IHK Heilbronn-Franken
- Roland Rüdinger, Rüdinger Spedition GmbH
Wesentliche Ergebnisse:
- Der Bund ist erster Ansprechpartner für sowohl nationale
als auch europäische Finanzierungsmittel, zumal Mittel für
den Ausbau des transeuropäischen Verkehrsnetzes nur zentral
vom Mitgliedstaat beantragt werden kann.
Zu den einzelnen Verkehrsträgern Straße, Wasserstraßen
und Schiene:
- Die Straße ist zunehmend überlastet, weshalb auch
im Hinblick auf die Erweiterung der EU eine Verlagerung auf andere
Verkehrsträger unentbehrlich geworden ist. Fördermittel
seitens der EU stehen im Rahmen von TEN-Verkehr und Marco-Polo auf
Antrag bereit.
- Die zwei bedeutsamsten Häfen der Region Heilbronn-Franken
(Heilbronn und Wertheim) sind aufgrund der ungenügenden Schleuseneinrichtungen
nicht für einen verstärkten Frachtverkehr geeignet. Allerdings
ist kurzfristig keine Lösung in Sicht.
- Gleiches gilt für die Probleme im Bereich des Schienenverkehrs
der Region Heilbronn-Franken.
- Die Landesvertretung in Brüssel bietet an, die Region Heilbronn-Franken
bei der Vermittlung von Gesprächspartnern aus den europäischen
Institutionen zu unterstützen.
Ergebnisse im Einzelnen:
a) Die Problematik der Verkehrssituation nach der EU-Erweiterung
Frau Lubenau schilderte in groben Zügen die Verhandlungen
im Bereich Verkehr mit den Beitrittsländern. Sie weist darauf
hin, dass bisher weniger Güterverkehr aus, sondern mehr Transporte
zu den Beitrittsländern beobachtet werden. Etwa die Hälfte
der Mittel des EU-Förderprogramms für die Beitrittsländer
ISPA (ca. 520 Mio. € jährlich) würden für den
Verkehrsausbau aufgewandt; rund die Hälfte davon im Bereich
Schienenverkehr. In den Beitrittsländern werden im Schnitt
noch ca. 40 % des Güterverkehrs über die Schiene abgewickelt.
Insbesondere wurde der technische Fortschritt in den Beitrittsländern
während des Übergangprozesses innerhalb der letzten drei
Jahre hervorgehoben. Im Hinblick auf Kontrollsysteme, hohe Bußgeldbescheide
und des Lizenzaberkennungsverfahrens bestehe sogar in manchen Beitrittsländern,
wie z.B. in Polen, bereits eine strengere Verkehrsüberwachung
als in Deutschland.
Die EU-Erweiterung werde unweigerlich zu einem höheren Verkehrsaufkommen
führen. Ziel der Europäischen Kommission sei es daher,
ein ausgewogenes Verkehrsträgernetz zu schaffen und insbesondere
den Ausbau von Schienen- und Seeverkehr zu fördern. In den
TEN-Leitlinien seien dazu prioritäre Projekte enthalten, denen
Fördermittel von insgesamt 200 Mrd. € zufließen
sollen.
Für Heilbronn-Franken als wichtiger Verkehrsknotenpunkt bedeutet
die EU-Erweiterung vor allem eine noch stärkere Belastung durch
den Straßenschwerverkehr. Aus diesem Grund soll nach Willen
der Region die Bundesautobahn A 6 auf insgesamt sechs Spuren ausgebaut
werden.
Weiter sollen bestmögliche Anschlüsse an die Fernverkehrsknotenpunkte
im Umfeld Stuttgart-Mannheim-Würzburg erzielt werden. Auch
der Achse Zürich-Singen-Stuttgart-Würzburg soll weiterhin
als Zulaufstrecke eine größere Bedeutung beigemessen
werden.
Darüber hinaus soll die Anbindung zur europäischen Binnenwasserstraße
Rhein-Main-Donau-Schwarzes Meer, die im Zuge der Osterweiterung
an Bedeutung gewinnen wird, verbessert werden.
b) Lösungsansätze
Frau Lubenau wies auf die zögerliche Beteiligung Deutschlands
an EU-Förderprogrammen hin. Grund sei vor allem, dass aus Deutschland
nur wenige Anträge auf Förderung durch die EU vorlägen.
Insbesondere betroffen seien davon TEN-Mittel und das Marco-Polo-Projekt.
Im Rahmen der TEN-Projekte sollen prioritäre Vorhaben mit
besonderer Dringlichkeit gefördert werden. Anträge auf
Bewilligung dieser Fördermittel können allerdings nur
durch die Mitgliedstaaten gestellt werden.
Marco-Polo hat die Verlagerung des Verkehrs von der Straße
auf eine Förderung für den intermodalen Verkehr zum Ziel.
Das Programm umfasst ein Budget von 100 Mio. € verteilt auf
drei Einzelmaßnahmen:
- Aktionen zur Verkehrsverlagerung,
- katalytische Aktionen, sowie
- gemeinsame Lernaktionen.
Antragsberechtigt sind kommerzielle Unternehmen aus einem EU-Mitgliedstaat
oder einem "nahegelegenen Drittstaat", z.B. Beitrittsländer,
Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR), EFTA-Staaten
sowie Mittelmeeranrainerländer.
Im September 2004 soll ein zweiter Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen
erfolgen.
c) Adressen im Internet
Marco-Polo Help Desk
Email: tren-marco-polo@cec.eu.int
Fax: +32 (0) 2-296.37.65
Internet: http://europa.eu.int/comm/transport/marcopolo/index_en.htm
Weitere EU-Fördermöglichkeiten werden in regelmäßigen
Abständen im Amtsblatt der EU veröffentlicht:
http://www.europa.eu.int/eur-lex/de/search/search_oj.html
Internetseiten der Europäischen Union zum Thema Verkehr und
TEN:
http://www.europa.eu.int/pol/trans/index_de.htm
http://www.europa.eu.int/comm/transport/index_de.html
http://www.europa.eu.int/comm/ten/index_en.html
Generaldirektion Energie und Verkehr:
http://www.europa.eu.int/comm/dgs/energy_transport/index_de.html
Verkehrskommissarin de Palacio: http://www.europa.eu.int/comm/commissioners/palacio/index_en.htm
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