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Gäbe es für die deutschen Sportführungen ein exakt
praktiziertes Ressortprinzip, er dürfte sich mit Fug und Recht
als Außenminister der Olympischen Bewegung Deutschlands verstehen:
Dr. Thomas Bach, der am 29. Dezember in Tauberbischofsheim sein
50. Lebensjahr vollendete, erfreut sich trotz seines für Spitzenfunktionäre
des Sports jugendlichen Alters erstaunlicher internationaler Reputation
- Ergebnis kluger weil stets auch mehrheitsfähiger Strategien
zur erfolgreichen Bewältigung anstehender Probleme. Dabei agiert
er mit Vorliebe als Meister der Unauffälligkeit, von dem kaum
jemand genau weiß, welche und wie viele Fäden sportpolitischer
Regieführung von seiner Hand gezogen werden können und
gezogen werden.
Fußend auf seiner glänzenden Leistungssportlaufbahn
als Florettfechter mit den Höhepunkten der Mannschaftssiege
bei den Olympischen Spielen 1976 und der Weltmeisterschaft 1977,
entwickelte er parallel zum Studium der Rechts- und Politikwissenschaft
mit dem Bestehen beider Staatsexamen 1979 und 1982 ("magna
cum laude") seinen kontinuierlichen Aufstieg als Sportfunktionär:
Aktivensprecher, Vorstandsmitglied des Bundesausschusses für
Leistungssport, Mitglied der ersten Athletenkommission des Internationalen
Olympischen Komitees, Persönliches Mitglied des Nationalen
Olympischen Komitees für Deutschland und nach zwei vergeblichen
Kandidaturen 1989 und 1990 schließlich 1991 in Nachfolge Willi
Daumes Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees.
Abgesehen von seinem FDP-Engagement in der nationalen Sportpolitik
ohne offenkundige Ambitionen, verbreiterte Dr. Thomas Bach seither
unaufhaltsam Einfluss und Wirksamkeit auf internationaler Ebene.
Nach Walther Trögers von Willi Daume betriebenem Rücktritt
als IOC-Sportdirektor avancierte der vielsprachige (Englisch, Französisch,
Spanisch) Wirtschaftsjurist zum engen Berater Juan Antonio Samaranchs
speziell für juristische und wirtschaftspolitische Sachverhalte.
Der damalige IOC-Präsident und das gesamte IOC profitierten
von Bachs vielfältigen Beziehungen, so zu adidas, Bertelsmann
und Daimler-Benz. Dabei vermied Thomas Bach sorgsam vorwitzige Drängelei
in die Zentren internationaler Beobachtung, sondern stilisierte
die ihm eigene Art verdeckter Einflussnahme. Nicht immer war dies
möglich, so nicht bei der Aufklärung des IOC-Korruptionsskandals
1998 und jüngst bei der öffentlichen Diskussion der Querelen
der Leipziger Olympiabewerbung. Erst neuerdings nimmt er öfter
Gelegenheit, in Interviews oder Statements einem breiten Publikum
seine Eloquenz vorzuführen.
Nach Willi Daume (1972 bis 1976) und Berthold Beitz (1984 bis 1988)
wählte das IOC Dr. Thomas Bach anlässlich der 111. Session
im September 2000 in Sydney als dritten Deutschen zu einem seiner
Vizepräsidenten. Auch wenn satzungsgemäß dieses
hohe Amt bei der nächstjährigen IOC-Session in Athen endet,
bleibt er als Vorsitzender oder Mitglied wichtiger Kommissionen
einer der einflussreichsten Mitgestalter des internationalen olympischen
Sports. Und mit nunmehr 50 Lebensjahren liegen wohl noch weitere
Sprossen seiner Karriereleiter vor ihm. W.K.
Unter den etwa 200 geladenen Gästen waren auch Baden-Württembergs
Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU), die ehemaligen Bundesaußenminister
Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel (beide FDP), NOK-Präsident
Klaus Steinbach, DSB-Präsident Manfred von Richthofen und Franz
Beckenbauer.
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