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Lidl erfolgreicher als Aldi
       
 
 

9.2.2004

 

  Seit über zehn Jahren ist Lidl das erfolgreichste Handelsunternehmen in Deutschland. WirtschaftsWoche blickte hinter die Kulissen des Neckarsulmer Lebensmittelhandelskonzern.

Was haben das englische Gosforth, Saint Memme in der Champagne, die Domstadt Speyer und das portugiesische Portalegre gemeinsam? Genau: einen Laden der Billigkette Lidl.
Es gibt sie inzwischen in jeder mittelgroßen deutschen Gemeinde, aber immer häufiger auch im Ausland von Schweden über Großbritannien und Irland, Portugal, Frankreich und Griechenland bis hin nach Polen und Tschechien.

So bekannt die Geschäfte der Billigkette Lidl mit ihrem gelb-blauen Logo und dem schrägen "i" sind, so unbekannt ist, was hinter den Fassaden des Einzelhandelsimperiums vorgeht und wer der Mann ist, der alles aufgebaut hat. Dieter Schwarz, 64, Firmengründer und Architekt der Schwarz-Gruppe aus dem schwäbischen Neckarsulm, zu der neben Lidl auch Kaufland gehört, meidet die Öffentlichkeit noch mehr als die Aldi-Brüder Karl und Theo Albrecht.

Während Aldi Nord und Süd seit dem Jahr 2000 Zahlen zum Deutschland-Geschäft veröffentlichen und dadurch zumindest ein Stück weit Einblick in ihre Umsatz- und Ertragskraft geben, ist von den über 5650 Lidl-Discountern und rund 560 Kaufland-Märkten weiterhin so gut wie nichts bekannt. Durch immer neue Umfirmierungen und ein schier undurchschaubares Geflecht aus über 600 Gesellschaften entzieht sich Schwarz bisher allen Publizitätsvorschriften.

Finanzkraft, Erlöse und Renditen sind so seit Jahrzehnten geheim. Umsatzzahlen, die immer wieder in der Presse auftauchten, nur geschätzt. Genaues weiß man nicht.

In ihrer neuen Ausgabe enthüllt die WirtschaftsWoche: Die aus einem undurchsichtigen Geflecht aus über 600 Gesellschaften bestehende Schwarz-Gruppe ist noch vor Aldi das erfolgreichste Handelsunternehmen in Deutschland, Gründer Dieter Schwarz einer der reichsten und erfolgreichsten deutschen Unternehmer. Seine Unternehmensgruppe erlöste im Geschäftsjahr 2002/2003 im In- und Ausland 28,852 Milliarden Euro. Netto! - 15,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

1990 gehörten die Neckarsulmer mit einem Erlös von 2,592 Milliarden Euro noch nicht einmal zu den Top-ten des deutschen Einzelhandels. Seither hat die Schwarz-Gruppe ihren Umsatz verelffacht und ein Wachstum von rund 1.000 Prozent erzielt. Europaweit beschäftigt die Gruppe inzwischen schon rund 80.000 Mitarbeiter. Mit Kanada soll nun demnächst erstmals auch der Schritt nach Übersee erfolgen.
Kapital für die Expansion ist reichlich vorhanden: Selbst in Jahren ungezügelter Expansion sank die Eigenkapitalquote der Schwarz-Gruppe nur wenig unter die 25-Prozent-Marke. Der 64jährige Schwarz plant derzeit, die Discountkette umzustrukturieren, um sein Lebenswerk zu sichern. Spätestens 2005 soll die neue Struktur funktionsfähig sein.

Auszug aus WirtschaftsWoche vom 28. Januar 2004
Beitrag von Mario Brück

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