| Seit über zehn Jahren
ist Lidl das erfolgreichste Handelsunternehmen in Deutschland. WirtschaftsWoche
blickte hinter die Kulissen des Neckarsulmer Lebensmittelhandelskonzern.
Was haben das englische Gosforth, Saint Memme in der Champagne,
die Domstadt Speyer und das portugiesische Portalegre gemeinsam?
Genau: einen Laden der Billigkette Lidl.
Es gibt sie inzwischen in jeder mittelgroßen deutschen Gemeinde,
aber immer häufiger auch im Ausland von Schweden über
Großbritannien und Irland, Portugal, Frankreich und Griechenland
bis hin nach Polen und Tschechien.
So bekannt die Geschäfte der Billigkette Lidl mit ihrem gelb-blauen
Logo und dem schrägen "i" sind, so unbekannt ist,
was hinter den Fassaden des Einzelhandelsimperiums vorgeht und wer
der Mann ist, der alles aufgebaut hat. Dieter Schwarz, 64, Firmengründer
und Architekt der Schwarz-Gruppe aus dem schwäbischen Neckarsulm,
zu der neben Lidl auch Kaufland gehört, meidet die Öffentlichkeit
noch mehr als die Aldi-Brüder Karl und Theo Albrecht.
Während Aldi Nord und Süd seit dem Jahr 2000 Zahlen zum
Deutschland-Geschäft veröffentlichen und dadurch zumindest
ein Stück weit Einblick in ihre Umsatz- und Ertragskraft geben,
ist von den über 5650 Lidl-Discountern und rund 560 Kaufland-Märkten
weiterhin so gut wie nichts bekannt. Durch immer neue Umfirmierungen
und ein schier undurchschaubares Geflecht aus über 600 Gesellschaften
entzieht sich Schwarz bisher allen Publizitätsvorschriften.
Finanzkraft, Erlöse und Renditen sind so seit Jahrzehnten
geheim. Umsatzzahlen, die immer wieder in der Presse auftauchten,
nur geschätzt. Genaues weiß man nicht.
In ihrer neuen Ausgabe enthüllt die WirtschaftsWoche: Die
aus einem undurchsichtigen Geflecht aus über 600 Gesellschaften
bestehende Schwarz-Gruppe ist noch vor Aldi das erfolgreichste Handelsunternehmen
in Deutschland, Gründer Dieter Schwarz einer der reichsten
und erfolgreichsten deutschen Unternehmer. Seine Unternehmensgruppe
erlöste im Geschäftsjahr 2002/2003 im In- und Ausland
28,852 Milliarden Euro. Netto! - 15,8 Prozent mehr als im Vorjahr.
1990 gehörten die Neckarsulmer mit einem Erlös von 2,592
Milliarden Euro noch nicht einmal zu den Top-ten des deutschen Einzelhandels.
Seither hat die Schwarz-Gruppe ihren Umsatz verelffacht und ein
Wachstum von rund 1.000 Prozent erzielt. Europaweit beschäftigt
die Gruppe inzwischen schon rund 80.000 Mitarbeiter. Mit Kanada
soll nun demnächst erstmals auch der Schritt nach Übersee
erfolgen.
Kapital für die Expansion ist reichlich vorhanden: Selbst in
Jahren ungezügelter Expansion sank die Eigenkapitalquote der
Schwarz-Gruppe nur wenig unter die 25-Prozent-Marke. Der 64jährige
Schwarz plant derzeit, die Discountkette umzustrukturieren, um sein
Lebenswerk zu sichern. Spätestens 2005 soll die neue Struktur
funktionsfähig sein.
Auszug aus WirtschaftsWoche vom 28. Januar 2004
Beitrag von Mario Brück
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