| Tianjin - Erstmals können
auch Chinesen bausparen. Der deutsche Marktführer Schwäbisch
Hall hat am Sonntag in Tianjin in Nordchina die erste deutsch-chinesische
Bausparkasse eröffnet. Das Gemeinschaftsunternehmen mit der China
Construction Bank in der zehn Millionen Einwohner zählenden Hafenstadt
nahe Peking soll in den ersten drei Jahren etwa 160.000 Verträgen
über umgerechnet knapp eine Milliarde Euro abschließen.
An dem ersten Joint Venture dieser Art in der Volksrepublik hält
Schwäbisch Hall 24,9 Prozent.
Zum Präsidenten wurde Hans-Dieter Funke berufen. Er hatte
eine ähnliche Funktion in der tschechischen Schwäbisch-Hall-Beteiligung
CMSS inne, die sich zur zweitgrößten Bausparkasse Europas
entwickelt hat. An der Eröffnung nahmen der einflussreiche
frühere chinesische Zentralbankchef und heutige Bürgermeister
der Metropole, Dai Xianglong, sowie Schwäbisch Hall-Chef Alexander
Erdland teil. Die Bausparkasse kann zunächst nur in Tianjin
operieren. 2007 wird erstmals ein positives Jahresergebnis vor Steuern
angestrebt.
Die China Construction Bank gehört zu den vier großen
Staatsbanken Chinas und ist mit einem Marktanteil von 37 Prozent
der Marktführer im Hypothekengeschäft. Allein in Tianjin
hat die Bank mehr als 300 Filialen, landesweit 22.000 mit 300.000
Mitarbeitern. Die Sparquote in Tianjin liegt bei 35 Prozent, während
sie in Deutschland nur 10 Prozent erreicht. Experten rechnen mit
einem jährlichen Zuwachs des Baufinanzierungsmarktes in China
von zehn Prozent, da sich der Staat immer weiter aus der Wohnungsversorgung
zurückzieht.
Da in China kein Privatbesitz an Grund und Boden möglich ist,
gibt es langfristige Nutzungsrechte für den Wohnungsbau und
privates Wohneigentum. Mit dem Markteintritt in China weitet Schwäbisch
Hall sein Auslandsengagement aus. Nach Tschechien, der Slowakei
und Ungarn ist Mitte des Jahres auch noch eine Bausparkasse in Rumänien
geplant. 2003 konnten europaweit 2,6 Millionen neue Verträge
über rund 39 Milliarden Euro abgeschlossen werden.
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