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Eichholzgruppe eines der größten Bahnbau-Unternehmen
Deutschlands
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7.6.2004
Erfolg mit Ausdauer, innovativem Geschick und
Sachverstand
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Der Vater war Reichsbahnbeamter
und gründete ein Unternehmen für Gleisbau. Der Sohn formte
mit Ausdauer, innovativem Geschick und Sachverstand daraus eines der
größten Bahnbau-Unternehmen Deutschlands. Der Systemanbieter
für Schienenverkehrswege hat vor wenigen Tagen die Lizenz als
Eisenbahnverkehrsunternehmen erhalten und beginnt in wenigen Tagen
mit eigenständigem Gütertransport auf dem Schienenweg. Manfred
Eichholz erläutert im FN-Interview die Erfolgsstrategie seines
Unternehmens, strategische Planungen und die Zukunftsperspektiven
seiner Branche.
FN: Die Eichholz-Gruppe wurde 1923 gegründet. Was sind wesentliche
Stationen und Meilensteine der Unternehmensentwicklung?
Manfred Eichholz: Der Grundstein für das Unternehmen wurde mit
der Gründung der Firma Schlüntz 1923 in Heidelberg gelegt.
Mein Vater, der Reichsbahnbeamter war, beteiligte sich 1948 an der
Wiedergründung des Unternehmens, das nun unter "Schlüntz
und Eichholz" in Lauda firmierte und übernahm es 1970 in
Eigenregie. Im Jahr 1990 begann ich, Niederlassungen und Tochterfirmen
in Ostdeutschland aufzubauen. Seit zwei Jahren sind wir Aktiengesellschaft.
FN: Welche Unternehmens- und Unternehmerphilosophie hat zur erfolgreichen
Entwicklung des Unternehmens beigetragen?
Manfred Eichholz: Unser Motto ist: Mit Sachverstand an die Spitze
und Führen durch Vorbild. Wichtige Erfolgsfaktoren in unserem
Gewerbe sind Weitblick, Zähigkeit und Ausdauer. Markt und Projekte
sind sehr langfristig angelegt und bedingen hervorragende Planung.
FN: Welche Unternehmensstruktur weist die Eichholz-Gruppe auf?
Manfred Eichholz: Unser Überbau ist eine Holding-Aktiengesellschaft.
Darunter sind die fünf Geschäftsbereiche "Süd",
mit Sitz am Hauptstandort Lauda, "Ost" mit den Standorten
Berlin, Halle und Dresden, "Nord" mit den Standorten Köln
und Hannover sowie "Gleisbaumaschinen" mit Sitz in Lauda
und der neue Geschäftsbereich "Eichholz Verkehr und Logistik",
der in Berlin angesiedelt werden soll. Mit "Verkehr und Logistik"
bieten wir Schienenverkehrsleistungen in ganz Deutschland.
FN: Welche Auslandsgeschäfte tätigt das Unternehmen?
Manfred Eichholz: Wir arbeiten in Skandinavien und einigen europäischen
Ländern. Seit einigen Wochen sind wir an einem dreijährigen
Projekt für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke in Taiwan beteiligt.
Weltweit gibt es nur wenige Unternehmen, welche die dort geforderte
"Feste-Fahrbahn" bauen können. Wir gehören dazu.
FN: Welche Bedeutung hat die Standortwahl Lauda für Ihr Unternehmen
gehabt?
Manfred Eichholz: Der Main-Tauber-Kreis war bei der Firmengründung
ein strukturschwaches Gebiet und wir konnten problemlos notwendige
Arbeitskräfte rekrutieren. Heute haben wir den Vorteil, dass
man von Lauda aus im Hinblick auf die großen Ballungszentren
Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart und Nürnberg sehr zentral
liegt und diese in Tagestouren gut erreichen kann. Dies ermöglicht
schnellen Einsatz bei Bedarf.
FN: Sie bezeichnen Ihr Unternehmen als "Systempartner im Bahnbau
- 5 Meter rund um die Schiene". Was verstehen Sie darunter?
Manfred Eichholz: Das bedeutet, dass wir Komplettlösungen fünf
Meter rund um die Schiene anbieten. Das beginnt beim klassischen Oberbau,
dem Ingenieurbau, dem Tief- und Spezialtiefbau, der Instandhaltung
und natürlich dem Bahnsteig- und Brückenbau. Fünf Meter
rund um die Schiene machen wir einfach alles - weltweit.
FN: Welche Marktposition hat die Eichholz-Gruppe und wie sieht die
Konkurrenz-Situation aus?
Manfred Eichholz: Die Positionierung als Systemanbieter für Schienenverkehrswege
macht die Eichholz-Gruppe zu einem gesuchten Partner für komplizierte
und solide Problemlösungen. Wir zählen zu den Marktführern
der Branche. Das Umsatzvolumen unserer Gruppe hat im Jahr 2002 rund
90 Millionen Euro erreicht.
FN: Wo sehen Sie die wesentlichen Stärken Ihres Unternehmens?
Manfred Eichholz: Das sind Flexibilität, Schnelligkeit, Planungsgenauigkeit
und absolute Einsatzbereitschaft. Das haben wir gerade beim Bau der
Hochgeschwindigkeitsstrecke Frankfurt - Köln bewiesen. Dort haben
wir ein sehr großes Baulos mit 40 Kilometern fester Fahrbahn
verwirklicht und es geschafft, in 100 Tagen 70 Kilometer Gleis zu
bauen. So etwas geht nur mit einem hervorragenden, hochqualifizierten
Mitarbeiter-Stamm, der in jeder Situation mit der Unternehmensführung
mitzieht. Dies ist unsere Hauptstärke.
FN: Die positive Entwicklung des Unternehmens wurde auch durch Produkt-
und konzeptionelle Innovationen ermöglicht. Setzen Sie dabei
auf Eigenentwicklungen Ihrer 60 Ingenieure oder kaufen Sie wichtige
Patentrechte?
Manfred Eichholz: Wir entwickeln selbst. Das hebt uns von den Mitbewerbern
ab und beweist, dass wir mehr können. Die Innovativkraft ist
ein wichtiger Aspekt in der Bewertung durch die Kunden. Aufgrund des
extrem hohen Sicherheitsaspektes im Bahnbau sind die Hürden für
die Einführung neuer Produkte jedoch sehr hoch und verlangen
lange Planungs- und Erprobungsphasen von zwei bis vier Jahren.
FN: Welche Bedeutung hat Eichholz als Arbeitgeber?
Manfred Eichholz: Wir bieten sichere Arbeitsplätze mit sehr guten
Verdienstmöglichkeiten und sind ständig auf der Suche nach
qualifiziertem Personal. Wir brauchen immer weniger Mitarbeiter an
der Schaufel und immer mehr Facharbeiter. Während 1992 noch 53
Prozent unserer Belegschaft angelernte Fachwerker und 25 Prozent Facharbeiter
waren, hat sich diese Zahl in nur zehn Jahren bis 2002 fast umgekehrt:
43 Prozent Facharbeiter und 22 Prozent Fachwerker. Diese Entwicklung
wird sich fortsetzen.
FN: Welcher Stellenwert wird vor diesem Hintergrund der Ausbildung
bei Eichholz eingeräumt?
Manfred Eichholz: Gut acht Prozent unserer Mitarbeiter sind Auszubildende.
Konkret bedeutet dies, dass wir fortwährend mehr als 50 junge
Menschen in den Sparten Gleisbauer, Betonbauer Industriekaufmann,
Kanalbauer, Diplom-Betriebswirt (BA), Praktika Ingenieure, Bürokaufmann,
Industriemechaniker und Informatikkaufmann ausbilden, wobei die Gleisbauer
mit 23 Auszubildenden den Löwenanteil stellen. Wir haben Spezialmaschinen,
für die es in ganz Deutschland nur etwa 50 Fachkräfte gibt,
die sie bedienen können. Wir brauchen Spezialisten und deshalb
steht die Ausbildung bei uns an höchster Stelle. In den kommenden
Jahren wollen wir unsere Ausbildungsquote auf zehn Prozent steigern.
FN: Welche Erwartungen haben Sie an Ihre Arbeitnehmer und Auszubildenden?
Manfred Eichholz: Loyalität, Einsatzbereitschaft und darüber
hinaus vor allem Kompetenz und Sachverstand. Unsere Mitarbeiter müssen
vor Ort eigenständig arbeiten und Verantwortung übernehmen.
Der Bahnbau ist ein sicherheitstechnisch hochsensibler Bereich und
die Arbeiten müssen perfekt ausgeführt werden. Selbst beim
einfachen Gleisbau sind nur Toleranzen von wenigen Millimetern gestattet.
Unsere Bauleiter vor Ort haben allein oft eine Umsatzverantwortung
von bis zu drei Millionen Euro. Sicherheit und Genauigkeit sind oberstes
Gebot. Dies erfordert großes Verantwortungsbewusstsein.
FN: Wie beurteilen Sie die Zukunfts- und Entwicklungschancen Ihrer
Branche und Ihres Unternehmens?
Manfred Eichholz: Wir erwarten in Mitteleuropa eine wesentliche und
überproportionale Zunahme des Schienenverkehrs, weil die Straßen
jetzt schon überfüllt sind und sich diese Situation noch
wesentlich verschärfen wird. Die Entwicklung der Bahn als das
Massenverkehrssystem der Zukunft lässt sich nicht aufhalten.
Neue Bahnstrecken müssen gebaut, alte saniert werden. Schon jetzt
sind viele große Bahnbau-Projekte in den Ballungszentren geplant
und Eichholz hat ausgezeichnete Perspektiven.
FN: Welche konkreten Planungen hat die Eichholz-Gruppe mittel- und
langfristig?
Manfred Eichholz: Wir wollen wesentlich expandieren, unsere Marktposition
ausbauen und planen Investitionen im großen Stil. Mittelfristig
wird das Personal bis 2008 auf etwa 950 Mitarbeiter aufgestockt. Um
unser Angebot zu komplettieren, haben wir seit einigen Tagen die Lizenz
als Eisenbahnverkehrsunternehmen. Dies bedeutet, dass wir zukünftig
selbständig Gütertransporte, insbesondere Baumaterialtransporte
für uns selbst, aber auch für andere Unternehmen durchführen
werden. Das erhöht unsere Flexibilität wesentlich. Derzeit
haben wir schon sechs Züge laufen. In fünf Jahren sollen
es zehn und in zehn Jahren 20 sein. Unsere Entwicklung zum Komplett-Dienstleister
fünf Meter rund um die Schiene wird durch den eigenständigen
Bahntransport abgerundet.
FN: Unterstützt die Eichholz-Gruppe über ihre Unternehmenstätigkeit
hinaus auch regionale Projekte durch Sponsoring?
Manfred Eichholz: Wir sind stark in der Jugendförderung des Sports
engagiert. So sichern wir durch Zuwendungen ganz wesentlich die Jugendarbeit
des FV Lauda und über den Nachwuchs auch die sportliche Zukunft
der Oberliga-Mannschaft. Auch an anderen Standorten leisten wir bedeutende
Zahlungen für die Jugendarbeit, so beim Eishockey-Team "Eislöwen"
Dresden oder in der Ringer-Jugendarbeit. Hintergrund dieses Engagements
ist, dass sich nach meiner Auffassung Kinder und Jugendliche, die
aktiv Sport treiben, sehr positiv entwickeln und auch später
im Berufsleben bereit sind, sich zu engagieren und Leistung zu bringen.
FN: Vielen Dank für dieses Gespräch.
(Das Gespräch führte FN-Mitarbeiter Martin Herrmann)
Quelle Fränkische Nachrichten
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