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7.6.2004
Jeunesses Musicales ist "qualitativ hervorragend"
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Der "produktive Output" der Jeunesses Musicales Deutschland
(JMD), die auf Schloss Weikersheim ihren Stammsitz hat, ist in Fachkreisen
anerkannt, "qualitativ hervorragend".
Trotzdem lässt sich der Gewinn, den das Unternehmen erwirtschaftet,
nicht in Euro und Cent messen. Am Ende der Produktionskette der
JMD stehen bestmögliche musikalische Qualität, innovative
Entwicklungen sowie internationale Begegnungen im Zeichen der Musik,
die der Völkerverständigung dienen. Was die Jeunesses
Musicales trotzdem zu einem Unternehmen macht und was die Institution
national, international und auch regional leistet, schildert Generalsekretär
Dr. Ulrich Wüster in einem Gespräch mit den FRÄNKISCHEN
NACHRICHTEN.
FN: Die Jeunesses Musicales Deutschland ist keine Firma im üblichen
Sinne. Ihre Bilanz schließt nicht mit einem Gewinn ab, sondern
mit Verlusten, die geplant sind. Was macht die JMD zu einem "Unternehmen"?
Dr. Ulrich Wüster: Die JMD ist ein Non-Profit-Unternehmen der
Musikbranche. Wir arbeiten mit unternehmerischem Geist: erfolgsorientiert,
qualitätsbewusst, mit dem Mut zu neuen Wegen unter dem Zwang
höchster Wirtschaftlichkeit - und mit entsprechender Professionalität
in Management und "Produktion".
FN: Was ist ihre Kernkompetenz?
Dr. Ulrich Wüster: Der Mehrwert, den die JMD schöpft,
ist qualitativ hochwertige musikalische Bildung für junge Musiker.
Diese Kernkompetenz äußert sich in vielfältigen
Aktivitäten, die von Weikersheim aus bundesweit und auch international
gesteuert werden. So sind wir der Fachverband der deutschen Jugendorchester,
betreiben die in Trägerschaft der Stadt stehende Musikalische
Bildungsstätte Schloss Weikersheim und veranstalten jährlich
rund 100 Kurse und Projekte zur musikalischen Bildung. Und wir betreiben
aktive kulturpolitische Arbeit.
FN: Wie lässt sich die Unternehmens- und Kulturphilosophie
der JMD beschreiben?
Dr. Ulrich Wüster: Unser Name ist unser Markenzeichen: "Jeunesses
Musicales -Musikalische Jugend. Für uns steht der junge Mensch
im Mittelpunkt aller Musik. Musik kommt aus dem Innersten des Menschen
und soll auch das Innerste wieder berühren. Wir wollen in jungen
Menschen den "göttlichen Funken" der Musik entzünden.
Musik soll nicht allein individueller Bedürfnisbefriedigung,
sondern der Gemeinschaft dienen. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten
wir mit hoch motivierten, von der Idee durchdrungenen Mitarbeitern.
FN: Wem "gehört" die JMD und welche Träger hat
die Institution?
Dr. Ulrich Wüster: Die JMD ist ein eingetragener gemeinnütziger
Verein. Sie gehört den Mitgliedern, das sind etwa 500 Einzelmitglieder
und 250 deutsche Jugendorchester mit gut 15000 Mitwirkenden als
kooperative Mitglieder.
FN: Was ist die Rolle des "Generalsekretärs"?
Dr. Ulrich Wüster: Meine Arbeit ist die operative Unternehmensführung
als Geschäftsführer. Das reicht von der Mitgliederbetreuung,
über die Betriebsorganisation bis hin zur Mittelbeschaffung.
FN: Wie kommt ein bundeszentraler Verband des Musiklebens nach Tauberfranken?
Dr. Ulrich Wüster: Durch einen historischen Zufall. Prinz Constantin
von Hohenlohe hat die JMD zur Durchführung musikalischer Sommerkurse
Mitte der 1950er Jahre nach Weikersheim eingeladen. Daraus wurde
eine eigenständige Tradition. Als das Land Baden-Württemberg
1967 das Schloss übernahm, richtete es dort eine Musikalische
Bildungsstätte ein, mit deren Leitung die JMD seitdem beauftragt
ist.
FN: Welche Rolle spielt die JMD im deutschen Musikleben?
Dr. Ulrich Wüster: Wir sind der Fachverband der Deutschen Jugendorchester
und vertreten deren Interessen. Wir vergeben alle zwei Jahre den
Deutschen Jugendorchesterpreis und sind Mitbegründer und Mitträger
des Wettbewerbs "Jugend musiziert". Wir veranstalten seit
30 Jahren den "Bundeswettbewerb Komposition", vertreten
die Interessen der musikalischen Jugend im Deutschen Musikrat und
vor allem haben wir uns der musikalischen Bildung verschrieben.
Unsere Opern- und Orchesterkurse finden national und international
hervorragende Resonanz.
FN: Die Jeunesses Musicales International ist mit Mitgliedsverbänden
in über 50 Ländern die größte kulturelle Jugendorganisation
weltweit. Wie sehen die internationalen Beziehungen der Jeunesses
Musicales Deutschland aus?
Dr. Ulrich Wüster: Die JMD ist im Präsidium der JMI vertreten
und einer der acht "High-Activity-Sections" des Weltverbandes.
Sehr wichtig ist, dass unsere Bildungsstätte in Weikersheim
ein "World Meeting Center" der Jeunesses Musicales ist.
FN: Welche Aktivitäten der JMD haben auch oder ganz speziell
eine Bedeutung für die Region?
Dr. Ulrich Wüster: In erster Linie die Musikalische Bildungsstätte
Schloss Weikersheim, die jährlich rund 25 000 Teilnehmertage
mit rund 7500 Mitwirkenden zu verzeichnen hat und etwa 50 Konzertveranstaltungen
in Weikersheim, Bad Mergentheim, Creglingen, Tauberbischofsheim
und Kloster Bronnbach durchführt. Die diesjährige Sommeroper
"Carmen" zum Beispiel begeisterte über 12 000 Menschen
im Schlosshof zu Weikersheim. Die Bildungsstätte ist eine der
großen Musikakademien in Deutschland. Hier finden Kammermusikkurse,
Internationale Opernkurse, das Treffen junger Komponisten und Vieles
mehr statt. Hier treffen sich Ensembles und Orchester zu Probenfreizeiten.
Wir nehmen hier Aufgaben einer Landesmusikakademie war. Neu ist
das Stipendium für einen Weikersheimer Stadtkomponisten, das
ab September jeweils für ein halbes Jahr vergeben wird. Dieser
wird mit der JMD zusammenarbeiten und neben der eigenständigen
Kompositionsarbeit auch Projekte mit Schulen und Musikschulen der
Region durchführen.
FN: Wie finanziert die JMD ihre Aufgaben? Reicht die öffentliche
Förderung aus, oder gibt es auch private Mittel?
Dr. Ulrich Wüster: Die Bundesverbandsarbeit erhält Zuwendungen
aus dem Bundesjugendministerium, die Bildungsstätte eine Förderung
durch das Land Baden-Württemberg, den Main-Tauber-Kreis und
die Stadt Weikersheim, die auch Rechtsträgerin der Einrichtung
ist. Dies ist aber nur ein Teil unseren schmalen Etats und die öffentlichen
Mittel bröckeln an allen Ecken und Enden. Dadurch gibt es kaum
mittelfristige Planungssicherheit. Das Engagement großer Sponsoren,
wie Würth und der Textilwerke Drews in Schrozberg, wird immer
wichtiger für uns. Aber auch mäzenatische Geldgeber und
der Verein der Freunde der JMD tragen zu mehr Bewegungsfreiheit
bei und motivieren uns durch ihre Anerkennung. Wesentliche Teile
unseres Budgets müssen wir jedoch durch unsere Kurse und Veranstaltungen
selbst erwirtschaften.
FN: Folgt die JMD dem allgemeinen Hauptstadtsog nach Berlin oder
welche Pläne gibt es für den Standort Weikersheim?
Dr. Ulrich Wüster: Wir sind seit mehr als 50 Jahren in Weikersheim
und werden dem Taubertal treu bleiben - solange die Region uns auch
die Treue hält.
FN: Welche Initiative ergreifen Sie, um das Unternehmen JMD für
die Zukunft zu rüsten?
Dr. Ulrich Wüster: Wir werden das Markenzeichen Jeunesses Musicales
Deutschland weiter entwickeln. Durch die gute Kooperation mit Stadt
und Landkreis bietet Weikersheim für uns ausbaufähige
Potenziale. Wir werden unser Mitgliedermarketing und die Öffentlichkeitsarbeit
intensivieren. Dazu benötigen wir dringend eine Fachkraft für
Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Da wir diese nur schwer
finanzieren können, hoffen wir, dass sich bei uns eine Werbeagentur
mit ihrem Know-How engagiert.
FN: Welche Wünsche und Ziele haben Generalsekretär und
Einrichtung mittel- und langfristig.
Dr. Ulrich Wüster: Wir werden die Bildungsstätte zu einer
veritablen Musikakademie mit dem Schwerpunkt der Jugendorchester-
und Opernarbeit ausbauen, wozu aber eine neue Konzerthalle, wie
sie in der mittelfristigen Planung der Stadt auch vorgesehen ist,
dringend notwendig ist. Damit ist auch verbunden, dass wir die Kulturlandschaft
der Region mit mehr hochwertigen und attraktiven Veranstaltungen
bereichern. Wir wollen mit den Bildungsträgern der Region stärker
kooperieren und unseren Standort als "World Meeting Center"
stärken. Das Kapital des Unternehmens Jeunesses Musicales besteht
in einem hohen immateriellen Wert. Es muss uns gelingen diesen einzusetzen
und weiter zu optimieren, um Ressourcen zu generieren. Gelingt uns
diese Transformation von Idealen und Ideen, Qualität und Kompetenz,
Attraktivität und Vertrauen in "Bonität" und
"Kreditwürdigkeit", dann sind wir in der Lage jenen
Mehrwert zu schöpfen, durch den unser Leben mehr wert wird.
FN: Vielen Dank für dieses Gespräch. Martin Herrmann
Quelle: Fränkische Nachrichten
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