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7.6.2004
Hohe Qualität und aktive Produkt-Innovationen
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Udo Wirthwein ist ein "Musterexemplar" des erfolgreichen
Unternehmers. Mit Weitblick, Tatkraft, Durchsetzungsvermögen
und innovativen Ideen hat der Creglinger eine Unternehmensgruppe
geformt, die mit ausgeprägter Produktdiversifikation in mehreren
Sparten Marktführerschaft errungen hat. "Von Creglingen
in die ganze Welt" ist nicht nur ein Slogan, sondern Fakt:
Die technischen Kunststoffteile der Wirthwein AG werden in zahlreiche
Länder rund um den Globus exportiert.
Um den Lieferwünschen von Großkunden orts- und zeitnah
nachkommen zu können, errichtete die Wirthwein AG sechs Zweigbetriebe
in Deutschland und Polen. Mit der Gründung der "Carolina
Technical Plastics Corp." und dem Bau einer 4500 qm großen
Produktionshalle in North Carolina, hat das Unternehmen in diesem
Jahr den "Sprung über den großen Teich" gewagt.
In einem Gespräch mit den FRÄNKISCHEN NACHRICHTEN erläutert
der "Selfmademan" die Entwicklung seines Unternehmens
und die Zukunftsperspektiven der Wirthwein AG.
FN: Das Unternehmen wurde 1949 durch Ihren Vater Walter Wirthwein
gegründet. Wie fing alles an?
Udo Wirthwein: Mein Vater fing 1949 im Keller meines Elternhauses
in Creglingen an, kleine Achtkantpflöcke aus Holz zum Verdübeln
von Bahnschwellen zu produzieren. Schon als Schuljunge wurde ich
nach den Unterrichtsstunden in die Produktion eingespannt. Anfang
der fünfziger Jahre haben wir eine Scheune umgebaut, um den
gestiegenen Bedarf decken zu können. Mit der ersten Fabrikhalle
und der Herstellung von Holzteilen für die Bahn sind wir groß
geworden. Ein Meilenstein war 1967 die Produktionsumstellung auf
technische Kunststoffteile. Wir haben völlig neue Produkte
entwickelt und es ging steil aufwärts.
FN: Was sind heute die Kernkompetenzen der Firma Wirthwein?
Udo Wirthwein: Wir sind heute in sehr unterschiedlichen Sparten
tätig. Wir produzieren technische Kunststoffe und Werkzeugformen
für Abnehmer aus der Bahnindustrie, für den Hausgerätesektor
sowie die Elektro- und Automobilindustrie. So stellen wir Schienenbefestigungskomponenten
und Kabelkanäle für den Bahnbedarf, Laugenbehälter
für Waschmaschinen und Gehäuse für Staubsauger für
Bosch-Siemens, Lüfterräder für Ventilatoren der ebm-Werke
und Kunststoffteile für Kraftfahrzeuge her. Daneben haben wir
einen Innenausbaubetrieb, Winkler Design in Röttingen, der
die gesamten Küchen- und Thekenanlagen in den ICE-Zügen
der Deutschen Bahn und Betriebscasinos für namhafte Großbetriebe
herstellt.
FN: Welche Unternehmens- und Unternehmerphilosophie haben zur erfolgreichen
Entwicklung des Unternehmens beigetragen?
Udo Wirthwein: Durchsetzungsvermögen, unternehmerische Visionen,
Weitblick - aber auch Risikobereitschaft. Als ich 1991 unser erstes
Unternehmen nach der Wende in Brandenburg aufgebaut habe, gab es
dort noch keine Infrastruktur, aber ich erkannte die Marktchancen
und investierte.
FN: Welche Führungsstruktur weist Wirthwein auf?
Udo Wirthwein: Ich setze auf flache Hierarchien und kurze Wege.
Anstehende Aufgaben können durch einen direkten Informationsfluss
schneller bearbeitet und vorangetrieben werden. Die Steuerung und
Überwachung aller Betriebe erfolgt von der Creglinger Zentrale.
So bin ich immer über alle wichtigen Vorgänge informiert
und kann umgehend reagieren. Ich versuche meine Mitarbeiter bestmöglich
für ihre Tätigkeit zu begeistern und ihnen eigenverantwortliche
Freiräume zu gewähren.
FN: Bahngesellschaften in aller Welt sind auch heute noch, nach
über 50 Jahren, ein wesentliches Standbein der Wirthwein AG.
Worin sehen Sie den Schlüssel zu einer erfolgreichen, langjährigen
Kundenbindung?
Udo Wirthwein: Hohe Qualität, absolute Zuverlässigkeit,
ständige Liefertreue und aktive Produktinnovationen. Der Preis
steht nicht an erster Stelle.
FN: 1989, das Jahr der Deutschen Einheit, war für Sie und die
Firma der Aufbruch zu neuen Ufern. Was waren für Sie die Gründe
unmittelbar nach der Wende einen Produktionsstandort in den Neuen
Ländern aufzubauen?
Udo Wirthwein: Ich erkannte die vielfältigen Chancen, die sich
in den neuen Bundesländern boten, insbesondere das marode Streckennetz
der damaligen Reichsbahn und den enormen Sanierungsbedarf. Gleichzeitig
war es aber auch ein sehr hohes Risiko, Millionenbeträge in
neue Betriebe zu investieren.
FN: Eine weitere strategisch bedeutende Neuausrichtung war 1995
der konsequente Ausbau der Sparte Kunststofftechnik für den
Hausgerätemarkt. Wer ist dort Ihr Hauptabnehmer? Wie haben
Sie dort in kürzester Zeit den Sprung zu einem namhaften Hauptlieferanten
geschafft?
Udo Wirthwein: Hauptabnehmer ist Bosch-Siemens Hausgeräte.
Wir haben unsere gute Lieferantenstellung durch innovative Produktentwicklungen
und absolute Lieferzuverlässigkeit erreicht. Mit dem Laugenbehälter
aus Kunststoff für Waschmaschinen zum Beispiel, wurde ein völlig
neues Produkt hergestellt. Die Produktentwicklung mit Bosch-Siemens
hat hervorragend funktioniert. Die neuen Teile haben sich durchgesetzt.
Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass wir die Produkte
optimal weiterentwickeln und so Kundennutzen generieren. Wir haben
in der Entwicklung und Konstruktion hervorragende Leute beschäftigt.
Als mittelständisches Unternehmen reagieren wir sehr schnell
auf neue Anforderungen. Dies ist ein wichtiger Vorteil gegenüber
Großbetrieben.
FN: Welche Marktposition hat die Wirthwein AG in Deutschland und
Europa und wie sieht die Konkurrenzsituation für das Unternehmen
aus?
Udo Wirthwein: In bestimmten Marktsegmenten, wie den Laugenbehältern
oder Kunststoff-Spezialteilen für die Bahnen, sind wir Marktführer.
Dies haben wir vor allem unserem Engagement in der Produktentwicklung
zu verdanken. So wurden wir für unseren Kunststoff-Kabelkanal,
der im Bahnbau eingesetzt wird, mit dem Baden-Württembergischen
Innovationspreis ausgezeichnet.
FN: Welche Bedeutung hat Wirthwein als Arbeitgeber?
Udo Wirthwein: Wir haben derzeit bei vollautomatischen Produktionsabläufen
320 Mitarbeiter, bei steigender Tendenz. Allein am Hauptstandort
Creglingen sind 110 Personen beschäftigt. Als Gewerbesteuerzahler
sind wir eine feste und bedeutende Größe für Creglingen.
Unsere Produktionsbetriebe in den neuen Bundesländern, in Polen
und zukünftig in den USA bedeuten eine Stärkung des Hauptstandortes
Creglingen, denn von hier werden die Produktionsmittel und das Know-how
bezogen. In Creglingen laufen alle Fäden zusammen, Synergieeffekte
zwischen den einzelnen Werken werden koordiniert. Wir stellen immer
qualifizierte Mitarbeiter ein. Derzeit sind wir auf der Suche nach
Diplom-Ingenieuren (FH) für Projektmanagement Automotive, Kunststoff-Verfahrenstechnikern
mit Fachrichtung Spritzgießen sowie Werkzeugmechanikern für
den Spritzgussformenbau.
FN: Welche weitere Zielgruppen beliefern Sie bzw. wollen Sie weiter
ausbauen?
Udo Wirthwein: Neben unseren bisherigen Kundenbindungen wollen wir
insbesondere im Automobilsektor stärker Fuß fassen. Wir
haben bereits Aufträge von DaimlerChrysler und konkrete Projektkontakte
zu weiteren wichtigen Firmen, wie zum Beispiel BMW. Die Bahn- und
Hausgeräteindustrie sollen kontinuierlich weiter ausgebaut
werden.
FN: Wie sehen Sie die deutschen Ausbildungsmodelle und welchen Stellenwert
messen Sie ihnen bei?
Udo Wirthwein: Das duale Ausbildungssystem in Deutschland ist einzigartig.
Nur durch gute Ausbildung lässt sich der technologische Vorteil
unseres Landes auf Dauer sichern. Die Ausbildungsquote in unseren
Betrieben beläuft sich kontinuierlich auf mehr als 10 Prozent
des Personalbestandes. Hieraus rekrutieren wir unser geschultes
Fachpersonal. Wir arbeiten dabei auch eng mit Berufsschulen, fabi
und Berufsakademien zusammen. Die Erfahrung zeigt, dass Mitarbeiter,
die wir selbst ausbilden, genauestens unsere Anforderungsprofile
kennen und entsprechende Qualifikationen besitzen. Chancen der Weiterbildung
bieten sich insbesondere jetzt durch den Aufbau unseres Produktionsbetriebes
in den USA, wo insbesondere junge Führungskräfte und Facharbeiter
auch für längere Zeiträume entsendet werden.
FN: Wie und wo sehen Sie die Zukunfts- und Entwicklungschancen Ihrer
Branche und Ihres Unternehmens?
Udo Wirthwein: Unsere hervorragende Innovationskraft sichert den
Unternehmens- und Markterfolg. Wir setzen auf modernste Produktionsmaschinen
und einen sehr hohen Automatisierungsgrad. Die Marktbereiche in
denen wir tätig sind, wie beispielsweise der Bahnbau, sind
Zukunftsmärkte.
FN: Sie haben zwei Söhne. Wie ist es um Ihre Nachfolge bestellt?
Udo Wirthwein: Mein ältester Sohn Marcus ist als Diplom-Ingenieur
bei Daimler-Chrysler in Stuttgart beschäftigt und Frank als
Diplom-Betriebswirt mit Masterabschluss bei Stabilus in Koblenz.
Beide haben sich zukünftig für einen Eintritt in unser
Unternehmen entschieden und ich freue mich darauf.
FN: Wie sieht Ihr Leben neben dem beruflichen Alltag aus? Was sind
Ihre Hobbys?
Udo Wirthwein: Ich spiele etwas Golf und fahre gerne mit meiner
Harley-Davidson durch unsere schöne Landschaft - doch leider
habe ich bisher für beides viel zu wenig Zeit. Das Unternehmen
geht noch immer vor.
FN: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Udo Wirthwein: Das Wichtigste ist Gesundheit. Mit 65 würde
ich gerne kürzer treten, um mit meiner Frau die Dinge zu unternehmen,
zu denen man jetzt keine Zeit findet.
FN: Vielen Dank für dieses Gespräch.
(Das Gespräch führte FN-Mitarbeiter Martin Herrmann)
Quelle: Fränkische Nachrichten
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