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Im Heilbronner Neckarturm eröffnet die Stuttgarter Steinbeis-Stiftung
mit Mitteln des Lidl-Gründers Dieter Schwarz ihre erste Studienfiliale.
Die künftigen Absolventen sollen dort sogar bald den Doktortitel
erwerben können.
Millionenzuschüsse aus der Kasse des Lidl-Gründers Dieter
Schwarz ermöglichen es: Die Steinbeis-Hochschule Berlin eröffnet
ihre erste baden-württembergische Studienfiliale im Unterland.
Die künftigen Absolventen sollen dort sogar bald den Doktortitel
erwerben können.
Mit seinen 68 Jahren hätte sich Johann Löhn natürlich
längst aufs Altenteil zurückziehen können. Aber der
Professor mit den zwei Doktortiteln und den vielen Ämtern denkt
nicht an den Ruhestand. Im Gegenteil: Jetzt will der rührige
baden-württembergische Regierungsbeauftragte für Technologietransfer
auch noch die Bildungslandschaft im Südwesten bereichern. Vom
nächsten Jahr an sollen ehrgeizige Manager, Jungakademiker
sowie Absolventen von Fachhochschulen und Berufsakademien aus dem
Südwesten in Heilbronn nach noch höheren akademischen
Weihen greifen dürfen. Ihre Diplome wird ihnen Löhn allerdings
aus Berlin zuschicken.
Die geplante "Steinbeis Business School Heilbronn" ist
das vorerst jüngste Husarenstück des umtriebigen Physik-
und Informatikprofessors, der in Baden-Württemberg seit 1982
vor allem hinter den politischen Kulissen nachhaltig Strippen zieht.
Damals war der gebürtige Hamburger noch Rektor der Fachhochschule
Furtwangen, aber Ministerpräsident Lothar Späth schuf
für ihn erstmals in der Republik den Posten eines "Regierungsbeauftragten
für Technologietransfer". Ein Jahr später musste
ihn der Vorstand der 1971 gegründeten Stuttgarter Steinbeis-Stiftung
für Wirtschaftsförderung zähneknirschend als neuen
Vorsitzenden akzeptieren. Aber seither wird über Löhn
zumindest öffentlich weder gespottet noch gestritten.
Inzwischen hat er zur Freude der Industrie die Steinbeis-Stiftung
zu einem Netzwerk mit 565 Transferzentren und 4000 Experten ausgebaut.
Und seit einiger Zeit zeigt Löhn aller Welt auch, wie sogar
Bildung effizient und angeblich völlig unabhängig vom
Staat vermittelt werden kann.
"Wir bekommen kein Geld aus öffentlichen Töpfen",
versichert Johann Löhn in seiner Eigenschaft als Präsident
der Steinbeis-Hochschule Berlin. "Aber wir sind erfolgreich."
Vor sechs Jahren wurde die hundertprozentige Tochter der Stuttgarter
Steinbeis-Stiftung in Berlin als Privatuni gegründet und gilt
seitdem als Vorzeigemodell. Die staatlich anerkannte Hochschule
hat sich auf berufsbegleitende Studiengänge für künftige
Masters, Bachelors und Doktoren spezialisiert und damit offenbar
in der Wirtschaft einen Nerv getroffen. Derzeit werden 924 Studenten
von mehr als 300 Lehrkräften auf eine beschleunigte Karriere
vorbereitet. Bisher gab es nur in Limburg eine Filiale. Jetzt bekommt
auch Heilbronn eine.
"Wir wollen was tun für die Region Heilbronn-Franken",
kommentiert Präsident Löhn die Absicht, von April 2005
an in einem Heilbronner Bürohochhaus auf zwei angemieteten
Etagen die ersten 100 bis 150 Studenten aus Baden-Württemberg
Beruf begleitend zu unterrichten. In zwei bis drei Jahren sollen
es 350 und sechs Dutzend Dozenten sein - aber laut Löhn "kann
der Standort beliebig ausgedehnt werden". Dass Heilbronn zum
Zug kam, ist dem reichsten Bürger der Stadt zu verdanken. Der
Milliardär Dieter Schwarz, Besitzer von Lidl und Kaufland,
will das Institut und die Stipendiaten mit jährlich zwei Millionen
Euro fördern.
Im Stuttgarter Wissenschaftsministerium wird das Projekt als "sehr
sinnvoll" begrüßt. Mit der baden-württembergischen
Bildungspolitik habe das aber nichts zu tun, betont ein Sprecher
der Behörde: "Das ist eine Einrichtung nach Berliner Recht".
Übrigens nicht die einzige, deren Gründerväter im
Südwesten beheimatet sind. Auch Daimler-Chrysler hat seine
firmeneigene Hochschule nicht in Stuttgart, sondern in Berlin.
Quelle Stuttgarter Zeitung vom 11. Mai 2004 von Wieland Schmid
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