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Eine Delegation des Landes Baden-Württemberg
hat in den chinesischen Partnerprovinzen Liaoning und Jiangsu Systeme
und Instrumenten der Mittelstandsförderung vorgestellt. Die
Seminare sind sehr erfolgreich verlaufen und auf großes Interesse
gestoßen.
Auf Beschluss der chinesischen Zentralregierung wurde
der Nordosten Chinas einschließlich der Provinz Liaoning
zum wichtigen Entwicklungsgebiet erklärt“, betont Liu
Ming, der Direktor des Mittelstandsamts Liaoning, in seiner Begrüßungsrede,
der stolz in seinem AUDI A 6 zur Tagung fuhr. Einst Bürgermeister
einer Stadt mit 2,8 Millionen Einwohnern, betreut er heute mit
der Provinz Liaoning eine Region mit 8,8 Millionen Menschen. Gemeinsam
mit der Zentralregierung Chinas erarbeitet er derzeit im ersten
Mittelstandsamt Chinas das „Gesetz zur Förderung des
Mittelstandes“. Mit seinem Amt Nr. 1 (so bezeichnen es seine
Kollegen) soll er als Vorbild die Volksrepublik China auf dem Weg
in die Marktwirtschaft begleiten.
Dass der Mittelstand mit seinen Unternehmen gerade hier in der
Provinz Liaoning eine bedeutende Rolle spielt, das beweisen die
folgenden Zahlen: Im Jahr 2003 gab es in Liaoning 1,557 Millionen
kleine und mittlere Unternehmen (KMU´s). Das Bruttoinlandsprodukt
wuchs von 2002 auf 2003 um 25 Prozent. Im Jahr 2004 ist beim allen
Unternehmen bislang ein Wachstum von plus 27 Prozent zu verzeichnen
- die KMU´s haben dabei einen Anteil von ca. 48 Prozent.
Der Export der KMU´s wuchs von 2002 zu 2003 um 15 Prozent
auf 521 Millionen Yen (ca. 50 Millionen Euro), wobei das knapp
die Hälfte des gesamten Exports ausmacht.
„Auch beim Steueraufkommen haben die kleinen und mittelständischen
Unternehmen an Bedeutung gewonnen“, sagt Liu Ming. Das Aufkommen
steigerte sich um 36,6 Prozent auf 221 Millionen Yen und die Investitionen
im Anlagevermögen stiegen um 44,4 Prozent auf knapp 60 Milliarden
Yen. Bei der im Rahmen der Privatisierung der staatlichen chinesischen
Unternehmen frei werdenden Arbeitskräfte fänden rund
80 Prozent aller Arbeitslosen einen Arbeitsplatz im Mittelstand.
Damit sei die Belegschaft im Mittelstand im letzten Jahr ebenfalls
um etwa 16 Prozent gewachsen.
Auch in China hat man also entdeckt, dass der Schwerpunkt der
Wirtschaft bei den KMU´s liegen muss, welche unterstützt
und gefördert werden sollen. Durch umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen
will man vor allem ausländische Investoren motivieren, nach
Liaoning zu kommen. „Über 104 Prozent Steigerung bei
den ausländischen Investitionen sind ein Beweis dafür,
dass unser 6-Punkte-Programm ankommt“, so Wu Jiang, der Vizedirektor
des BOFTEC Lianing. Die BOFTEC ist die für die Ansiedlung
und Wirtschaftsförderung zuständige Institution der Provinz
Liaoning.
Das „6-Punkte-Programm“ umfasst die Unterstützung
bei der Finanzierung, den Technologietransfer und die Förderung
der Entwicklung von hoch qualifiziertem Personal. Es gehören
aber auch die Vermarktung der Produkte der Unternehmen, die Unterstützung
von Unternehmensneugründungen als auch der Austausch aktueller
Informationen dazu. Ein weiteres Ziel des Mittelstandsamtes ist
beispielsweise der Aufbau von Bürgschafts-, Reklamations-
und Dienstleistungszentren für Unternehmen. Dabei stießen
die von Steffen Schoch, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsregion
Heilbronn-Franken GmbH (WHF) vorgestellten Gründerzentren
der Region Heilbronn-Franken, welche in der Gründerarena:
Heilbronn-Franken partnerschaftlich verbunden sind, auf großes
Interesse. „Hier müssen wir noch mehr darüber erfahren
und den Austausch fördern. Der frische Wind aus dem Westen
ist uns hierbei sehr willkommen“, äußert sich
Liu Ming.
Im Rahmen des Mittelstandsseminars in Shenyang, der Hauptstadt
der Provinz Liaoning stellte Bernd Scherrer vom Wirtschaftsministerium
Baden-Württemberg zunächst das Gesamtkonzept der Wirtschaftsförderung
in Baden-Württemberg und die damit verbundenen Fördermodelle
und Förderinstrumentarien vor. Wolfgang Müller-Kölbl
ebenfalls vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg gab
einen Überblick über die Förderung der KMU´s
im Bereich der Auslandsmarkterschließung.
Viel diskutiert und aufmerksam analysiert wurde der Beitrag von
Steffen Schoch, der einen Gesamtüberblick über die kommunale
Wirtschaftsförderung am Beispiel der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken
gab. „Da die finanziellen Spielräume sehr eng sind ist
es besonders wichtig, dass wir die Unternehmen unserer Region in
unsere Arbeit mit einbeziehen und diese in Clustern konzentrieren“,
so Schoch, der dies aber gleichzeitig als Chance für eine
enge und unternehmensnahe Zusammenarbeit sieht. Das gemeinsam mit
der GWZ (jetzt BWI Baden-Württemberg International) und den
kommunalen Wirtschaftsförderern im vergangenen Jahr erarbeitete
Vermarktungsprofil für die Region Heilbronn-Franken habe dazu
beigetragen, das Bewusstsein um die eigenen Stärken der Region
zu schärfen, Stärkefelder auszubauen und damit die Wettbewerbsstärke
und Innovationskraft der Unternehmen zu erhöhen.
Die Ausführungen zu „Heilbronn-Franken – einem
starken Stück Baden-Württemberg“ stießen
bei den rund 140 Zuhörern aus den Bereichen: Entwicklungs-
und Restrukturierungskommission, Finanzverwaltung, Mittelstandsamt
sowie aus weiteren Ämter und Behörden mit Wirtschaftsbezug
auf großes Interesse. Man wolle auf jeden Fall die Aktivitäten
mit Baden-Württemberg fortsetzen. Von den weltweit rund 20
Regionalpartnerschaften habe die mit Baden-Württemberg bereits
jetzt den größten Inhalt. Das Seminar sei ein willkommener
Anlass, diese Kooperation weiter auszubauen, denn man habe festgestellt,
dass zwischen Liaoning und Baden-Württemberg sehr viele Gemeinsamkeiten
bestünden. Dies betonte auch Zhang Zhiang, der Assistent des
Direktor der BOFTEC in seinen abschließenden Worten. Bereits
heute gäbe es 200 Investitions- und Kooperationsprojekte mit
deutschen Unternehmen. Mit 768 Millionen US $ stünde Deutschland
zwar erst an elfter Stelle gleichzeitig machte Zhang Zhiang aber
deutlich, dass Deutschland der wichtigste europäische Handelspartner
Chinas sei (Volumen 1,2 Milliarden US $) und die Zusammenarbeit
zwischen Liaoning und Baden-Württemberg seien dabei von großer
Bedeutung.
Am Mittwoch reist die Expertendelegation aus Baden-Württemberg
weiter nach Nanjing. Auch dort werden in der Provinz Jiangsu vor
einem ähnlichen Publikum die Erfahrungen in der Mittelstandsförderung
und kommunalen Wirtschaftsförderung in Baden-Württemberg
vorgestellt und diskutiert. Für den WHF-Chef Steffen Schoch
ist es eine großartige Gelegenheit, die Region Heilbronn-Franken
auch als Ansieldungsraum in China bekannt zu machen und sich als
Ansprechpartner zu positionieren. Wenn auch mit Skepsis betrachtet,
so ist der chinesische Markt derzeit von einem Wachstum und einer
Qualität begleitet, das weltweit seines Gleichen sucht. „Die
Chinesen sind schlitzohrig wie wir Schwaben. Sie analysieren mit
großem Sachverstand die verschiedenen Wirtschaftssysteme
in Russland, Deutschland und den USA und übertragen diese
dann maßgeschneidert auf ihre eigenen Bedürfnisse. Da
ist es unverzichtbar, dass eine so exportstarke Region wie Heilbronn-Franken
auch im deutsch-chinesischen Zusammenspiel Flagge zeigt“,
so Schoch.

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