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Frischer Wind aus dem Westen in China willkommen

     
 
 

6.9.2004


Das Ländle präsentiert sich in China

Mit dabei:
Know-how
aus der Region
Heilbronn-Franken

 

Eine Delegation des Landes Baden-Württemberg hat in den chinesischen Partnerprovinzen Liaoning und Jiangsu Systeme und Instrumenten der Mittelstandsförderung vorgestellt. Die Seminare sind sehr erfolgreich verlaufen und auf großes Interesse gestoßen.

Auf Beschluss der chinesischen Zentralregierung wurde der Nordosten Chinas einschließlich der Provinz Liaoning zum wichtigen Entwicklungsgebiet erklärt“, betont Liu Ming, der Direktor des Mittelstandsamts Liaoning, in seiner Begrüßungsrede, der stolz in seinem AUDI A 6 zur Tagung fuhr. Einst Bürgermeister einer Stadt mit 2,8 Millionen Einwohnern, betreut er heute mit der Provinz Liaoning eine Region mit 8,8 Millionen Menschen. Gemeinsam mit der Zentralregierung Chinas erarbeitet er derzeit im ersten Mittelstandsamt Chinas das „Gesetz zur Förderung des Mittelstandes“. Mit seinem Amt Nr. 1 (so bezeichnen es seine Kollegen) soll er als Vorbild die Volksrepublik China auf dem Weg in die Marktwirtschaft begleiten.

Dass der Mittelstand mit seinen Unternehmen gerade hier in der Provinz Liaoning eine bedeutende Rolle spielt, das beweisen die folgenden Zahlen: Im Jahr 2003 gab es in Liaoning 1,557 Millionen kleine und mittlere Unternehmen (KMU´s). Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von 2002 auf 2003 um 25 Prozent. Im Jahr 2004 ist beim allen Unternehmen bislang ein Wachstum von plus 27 Prozent zu verzeichnen - die KMU´s haben dabei einen Anteil von ca. 48 Prozent. Der Export der KMU´s wuchs von 2002 zu 2003 um 15 Prozent auf 521 Millionen Yen (ca. 50 Millionen Euro), wobei das knapp die Hälfte des gesamten Exports ausmacht.

„Auch beim Steueraufkommen haben die kleinen und mittelständischen Unternehmen an Bedeutung gewonnen“, sagt Liu Ming. Das Aufkommen steigerte sich um 36,6 Prozent auf 221 Millionen Yen und die Investitionen im Anlagevermögen stiegen um 44,4 Prozent auf knapp 60 Milliarden Yen. Bei der im Rahmen der Privatisierung der staatlichen chinesischen Unternehmen frei werdenden Arbeitskräfte fänden rund 80 Prozent aller Arbeitslosen einen Arbeitsplatz im Mittelstand. Damit sei die Belegschaft im Mittelstand im letzten Jahr ebenfalls um etwa 16 Prozent gewachsen.

Auch in China hat man also entdeckt, dass der Schwerpunkt der Wirtschaft bei den KMU´s liegen muss, welche unterstützt und gefördert werden sollen. Durch umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen will man vor allem ausländische Investoren motivieren, nach Liaoning zu kommen. „Über 104 Prozent Steigerung bei den ausländischen Investitionen sind ein Beweis dafür, dass unser 6-Punkte-Programm ankommt“, so Wu Jiang, der Vizedirektor des BOFTEC Lianing. Die BOFTEC ist die für die Ansiedlung und Wirtschaftsförderung zuständige Institution der Provinz Liaoning.

Das „6-Punkte-Programm“ umfasst die Unterstützung bei der Finanzierung, den Technologietransfer und die Förderung der Entwicklung von hoch qualifiziertem Personal. Es gehören aber auch die Vermarktung der Produkte der Unternehmen, die Unterstützung von Unternehmensneugründungen als auch der Austausch aktueller Informationen dazu. Ein weiteres Ziel des Mittelstandsamtes ist beispielsweise der Aufbau von Bürgschafts-, Reklamations- und Dienstleistungszentren für Unternehmen. Dabei stießen die von Steffen Schoch, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH (WHF) vorgestellten Gründerzentren der Region Heilbronn-Franken, welche in der Gründerarena: Heilbronn-Franken partnerschaftlich verbunden sind, auf großes Interesse. „Hier müssen wir noch mehr darüber erfahren und den Austausch fördern. Der frische Wind aus dem Westen ist uns hierbei sehr willkommen“, äußert sich Liu Ming.

Im Rahmen des Mittelstandsseminars in Shenyang, der Hauptstadt der Provinz Liaoning stellte Bernd Scherrer vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg zunächst das Gesamtkonzept der Wirtschaftsförderung in Baden-Württemberg und die damit verbundenen Fördermodelle und Förderinstrumentarien vor. Wolfgang Müller-Kölbl ebenfalls vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg gab einen Überblick über die Förderung der KMU´s im Bereich der Auslandsmarkterschließung.

Viel diskutiert und aufmerksam analysiert wurde der Beitrag von Steffen Schoch, der einen Gesamtüberblick über die kommunale Wirtschaftsförderung am Beispiel der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken gab. „Da die finanziellen Spielräume sehr eng sind ist es besonders wichtig, dass wir die Unternehmen unserer Region in unsere Arbeit mit einbeziehen und diese in Clustern konzentrieren“, so Schoch, der dies aber gleichzeitig als Chance für eine enge und unternehmensnahe Zusammenarbeit sieht. Das gemeinsam mit der GWZ (jetzt BWI Baden-Württemberg International) und den kommunalen Wirtschaftsförderern im vergangenen Jahr erarbeitete Vermarktungsprofil für die Region Heilbronn-Franken habe dazu beigetragen, das Bewusstsein um die eigenen Stärken der Region zu schärfen, Stärkefelder auszubauen und damit die Wettbewerbsstärke und Innovationskraft der Unternehmen zu erhöhen.

Die Ausführungen zu „Heilbronn-Franken – einem starken Stück Baden-Württemberg“ stießen bei den rund 140 Zuhörern aus den Bereichen: Entwicklungs- und Restrukturierungskommission, Finanzverwaltung, Mittelstandsamt sowie aus weiteren Ämter und Behörden mit Wirtschaftsbezug auf großes Interesse. Man wolle auf jeden Fall die Aktivitäten mit Baden-Württemberg fortsetzen. Von den weltweit rund 20 Regionalpartnerschaften habe die mit Baden-Württemberg bereits jetzt den größten Inhalt. Das Seminar sei ein willkommener Anlass, diese Kooperation weiter auszubauen, denn man habe festgestellt, dass zwischen Liaoning und Baden-Württemberg sehr viele Gemeinsamkeiten bestünden. Dies betonte auch Zhang Zhiang, der Assistent des Direktor der BOFTEC in seinen abschließenden Worten. Bereits heute gäbe es 200 Investitions- und Kooperationsprojekte mit deutschen Unternehmen. Mit 768 Millionen US $ stünde Deutschland zwar erst an elfter Stelle gleichzeitig machte Zhang Zhiang aber deutlich, dass Deutschland der wichtigste europäische Handelspartner Chinas sei (Volumen 1,2 Milliarden US $) und die Zusammenarbeit zwischen Liaoning und Baden-Württemberg seien dabei von großer Bedeutung.

Am Mittwoch reist die Expertendelegation aus Baden-Württemberg weiter nach Nanjing. Auch dort werden in der Provinz Jiangsu vor einem ähnlichen Publikum die Erfahrungen in der Mittelstandsförderung und kommunalen Wirtschaftsförderung in Baden-Württemberg vorgestellt und diskutiert. Für den WHF-Chef Steffen Schoch ist es eine großartige Gelegenheit, die Region Heilbronn-Franken auch als Ansieldungsraum in China bekannt zu machen und sich als Ansprechpartner zu positionieren. Wenn auch mit Skepsis betrachtet, so ist der chinesische Markt derzeit von einem Wachstum und einer Qualität begleitet, das weltweit seines Gleichen sucht. „Die Chinesen sind schlitzohrig wie wir Schwaben. Sie analysieren mit großem Sachverstand die verschiedenen Wirtschaftssysteme in Russland, Deutschland und den USA und übertragen diese dann maßgeschneidert auf ihre eigenen Bedürfnisse. Da ist es unverzichtbar, dass eine so exportstarke Region wie Heilbronn-Franken auch im deutsch-chinesischen Zusammenspiel Flagge zeigt“, so Schoch.


Vorträge von WHF-Geschäftsführer
Steffen Schoch in China zum Download

weitere Links Infos über China
 
         
 
 

 
 
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