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13.9.2004
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Neben der produzierenden Industrie spielt die Landwirtschaft vor
allem mit dem Wein-, Obst- und Gemüseanbau eine bedeutende
Rolle. Über 800.000 Liter Fruchtsäfte produziert die
Firma Karls Säfte in Gerchsheim.
Es ist alles andere als ein "Saftladen", den Franz-Josef
Karl in Gerchsheim führt, obwohl die Produkte des kleinen
- aber feinen - Unternehmens zu dieser Wortspielerei einladen:
Fruchtsäfte aller Art. Aus einer kleinen, nebenberuflich betriebenen
Mosterei hat Familie Karl einen Betrieb mit neun Mitarbeitern aufgebaut.
Im Mittelpunkt ihres Schaffens steht die Herstellung von reinen,
unverfälschten Säften aus Früchten der Region Heilbronn-Franken.
Vom Hobbygärtner bis hin zu nebenberuflichen Obstbauern hat "Karls
Säfte" an die tausend Obstlieferanten. Durchschnittlich
laufen pro Jahr rund 800 000 Liter hochwertiger Qualitätssaft
aus den Pressen der Firma Karls Säfte. Gepresst wird nahezu
alles, was die heimischen Bestände hergeben: Äpfel, Birnen,
Quitten, Himbeeren, Sauerkirschen, Stachelbeeren, Schwarze und
Rote Johannisbeeren. Das Unternehmen von Franz-Josef Karl liefert
nicht nur hervorragende Qualitätssäfte, sondern sorgt
mit seiner regionalen Produktionsstruktur auch für den Erhalt
der gebietstypischen Streuobstkulturen. Eine optimale Symbiose
von unternehmerischem Denken, Kundenvorteil und Naturschutz.
Im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten erläutert
Franz-Josef Karl die Geheimnisse guter Fruchtsäfte und die
regionalen Besonderheiten seines Betriebes.
FN: Wo liegen die Ursprünge Ihres Betriebes?
Karl: Mein Vater Friedrich Karl war Bäcker- und Konditormeister
und begann 1957 nebenberuflich Most für Kunden zu pressen.
Im Jahr 1963 begannen wir selbständig Apfelsaft herzustellen.
Später kam Johannisbeernektar hinzu.
FN: Wie ging es weiter?
Karl: Ich hatte in den 60er Jahren eine kaufmännische Lehre
absolviert und übernahm den Betrieb 1982, wobei ich sofort
auf Vollerwerb umgestiegen bin. Seitdem firmieren wir unter "Karls
Säfte".
FN: Wie haben Sie Ihr Unternehmen strukturiert?
Karl: Mir war von Beginn an klar, dass man sich in diesem Sektor
nur dann am Markt behaupten kann, wenn die Produktion wesentlich
erhöht und die Qualität optimiert wird. Um kundengerecht
liefern zu können, haben wir die Produktpalette ausgeweitet
und auch exotische Säfte und Nektare in die Füllerei
mit aufgenommen, wobei der absolute Schwerpunkt nach wie vor bei
den heimischen Früchten liegt.
FN: Wie haben Sie die notwendigen beruflichen Qualifikationen erworben?
Karl: Zunächst durch die praktische Arbeit in der Mosterei
meines Vaters. Um optimale Voraussetzungen für die Qualitätsherstellung
zu gewährleisten, legte ich 1986 die Prüfung zum Industriemeister
für Fruchtsaft- und Getränketechnik erfolgreich ab.
FN: Wie haben Sie die anfallenden Arbeiten bewältigt?
Karl: Zunächst habe ich nur mit meiner Ehefrau Barbara und
Aushilfskräften gearbeitet. Während der Saison ging das
rund um die Uhr: am Tag gepresst und am Abend abgefüllt. 1987
habe ich dann den ersten Lehrling für Fruchtsaft- und Getränketechnik
ausgebildet.
FN: Wie hat sich Ihr Betrieb in den Folgejahren entwickelt?
Karl: Das Produktions- und Lagervolumen nahm ständig zu, auch
wenn es wegen wechselnder Ernteerträge immer wieder zu Schwankungen
kommt. Neben der Saftherstellung haben wir auch einen Getränkehandel
und -vertrieb aufgebaut. Dies erforderte eine wesentliche Ausweitung
der Lagerkapazitäten, so dass wir 1993 im Industriegebiet
von Gerchsheim eine große Lagerhalle errichtet haben. Inzwischen
haben wir neun Mitarbeiter: vier in der Produktion (darunter ein
Auszubildender), drei in Verkauf und Büro sowie zwei im Vertrieb.
FN: Vermarkten Sie ausschließlich eigene Produkte?
Karl: Nein. Unser Getränkemarkt bietet von heimischen Bieren,
Weinen, Mineralwässern, Limonaden und Spirituosen die gesamte
Palette an Getränken, die Kunden wünschen.
FN: Wann und warum haben Sie Ihren Produktionsstandort verlagert?
Karl: Da die Kapazitäten im Ortsbereich von Gerchsheim längst
zu eng bemessen waren, sind wir im Jahr 2003 komplett in das Industriegebiet
umgesiedelt. So konnten wir hier eine Produktionsanlage nach modernsten
Gesichtspunkten errichten. Bei unserer Obstannahme laufen die Äpfel
durch eine Anschwemmrinne zur Maische-Mühle und von dort zur
Siebband-Presse. Daneben haben wir hier eine Pasteurisationsstation,
unser Tanklager und eine Abfüllanlage sowie ein Verkaufs-
und Vertriebszentrum. Neben der Obstannahmestelle in Gerchsheim
betreiben wir eine Filiale in Ochsenfurt. Damit die Früchte
ortsnah angeliefert werden können, besteht auch die Möglichkeit,
bei unserem Partner, der Firma Getränkehandel Ott in Königshofen
Streuobst abzugeben. Bei weiteren Partnern, wie Getränkepark
Schimmer in Gerlachsheim und Getränkehandel Kaltenbach in
Grünsfeld, ist es ebenfalls möglich, die Saft-Wert-Scheine
gegen Karls Apfelsaft einzutauschen.
FN: Von wo kommen die Früchte, die von Ihnen gepresst werden?
Karl: Ausschließlich aus der Region Main-Tauber-Franken.
Unsere Äpfel und Birnen kommen von den heimischen Streuobstbeständen.
Die Beeren aus den Gärten der Menschen von hier. Es ist wesentlicher
Teil unserer Unternehmensphilosophie, keine "weit gereisten" Äpfel
und schon gar keine Konzentrate heimischer Produkte zu verwenden.
FN: Wer sind Ihre Lieferanten?
Karl: Das reicht vom Hobbygärtner mit einigen Kilogramm Beeren
und wenigen Sack Äpfeln bis zum Nebenerwerbs-Obstbauern mit
mehreren Tonnen Äpfeln und anderen Früchten. Die Anlieferung
bietet sehr vielen Menschen die Möglichkeit, ihr Obst auf
sinnvolle Weise zu verwerten. Sie erhalten dafür ein Spitzenerzeugnis
von höchster Güte und Qualität, das nicht nur gut
schmeckt, sondern durch seinen unverwechselbaren Charakter und "inneren
Werte" überzeugt. Insgesamt haben wir so an die tausend
Lieferanten.
FN: Welche Vorteile sehen Sie in der Verarbeitung heimischen Obstes?
Karl: Kurze Anfahrtswege ermöglichen eine rasche Verarbeitung
und dies ist eine wesentliche Voraussetzung für optimale Qualität.
Ein weiterer Vorteil ist, dass wir unsere Lieferanten kennen und
so direkt Einfluss auf die Qualität des gelieferten Obstes
nehmen können. Es besteht ein hervorragendes Vertrauensverhältnis,
das allen Beteiligten auf Dauer nutzt. Ein nicht zu unterschätzender
Nebeneffekt ist der Erhalt und Ausbau der regionaltypischen Streuobstwiesen.
Durch die Möglichkeit, das Obst zu verwerten, besteht für
die Streuobstwiesenbesitzer ein Anreiz, diese zu erhalten. Solche
Biotope bieten für viele Tiere und Pflanzen Lebensraum.
FN: Was geschieht mit den Abfallprodukten des Pressens?
Karl: Von Abfallprodukten zu sprechen ist verkehrt. Der Trester
wird für die Wildtierfütterung im Wald oder von Schäfern
für die Fütterung ihrer Tiere genutzt. Ein perfekter
Naturkreislauf.
FN: Wie schaffen Sie Spitzenqualität bei den Säften?
Karl: Neben der Obstqualität ist die schnelle Verarbeitung
der Schlüssel zum Erfolg. Alle Lieferungen werden bei uns
am Tag des Eingangs verarbeitet. Während der Kampagne können Äpfel
täglich angeliefert werden, so dass sie von der Ernte direkt
in die Presse wandern. Auch bei den Beeren legen wir Wert darauf,
dass diese frisch geerntet gepresst werden, um daraus unsere Direktsäfte
und Nektare herzustellen.
FN: Was unterscheidet Säfte und Nektare?
Karl: Bei Säften sind jegliche Zusätze verboten. Der
Direktsaft ist eigentlich die flüssige, unverfälschte
Form der Frucht. Der Begriff "Nektar" bedeutet, dass
Zucker und Wasser zugesetzt werden dürfen, ein Mindestfruchtgehalt,
der für jede Frucht gesetzlich vorgeschrieben ist, muss dabei
jedoch eingehalten werden. Auf die Zugabe von Wasser und Zucker
ist man bei Früchten angewiesen, bei denen das für einen
harmonischen und runden Geschmack wichtige Fruchtzucker-Fruchtsäure-Verhältnis
von Natur aus nicht gegeben ist, wie es z.B. bei der Johannisbeere
oder der Zitrone der Fall ist, oder bei solchen, die als reiner
Muttersaft zu dickflüssig sind, wie z.B. bei Bananen.
FN: Was unterscheidet Direktsäfte von solchen aus Konzentrat?
Karl: Direktsäfte sind völlig rein. Ihre Herstellung
und Verarbeitung erfordert viel Fingerspitzengefühl und Aufwand.
Der Geschmack variiert dabei mit dem gepressten Obst und lässt
sich in kein starres Schema einordnen. Dagegen bieten Säfte
aus Konzentrat eine immer gleichbleibende Geschmacksoberfläche.
Um das Konzentrat herzustellen, wird der ursprüngliche Saft
in seine Bestandteile zerlegt und später wieder zusammengesetzt.
Dabei ist auch der Zusatz von Aromastoffen zulässig. Damit
lässt sich ein gleichbleibender Geschmack steuern.
FN: Erläutern Sie dies genauer.
Karl: Zur Verdeutlichung: Es ist nicht notwendig, bei Säften
aus heimischen Früchten Konzentrat zu verwenden. Bei exotischen
Sorten wie Banane, Ananas, Pfirsich oder Maracuja, lässt es
sich allerdings fast nicht vermeiden, auf Konzentrate zurückzugreifen.
Denn für diese Produkte, welche wir nur in geringen Mengen
füllen, wäre der Transport zu teuer. Dies würde
sich leider negativ auf die Kosten verlagern, welche wir an unsere
Kunden weitergeben müssten; deshalb verwenden wir bei diesen
Säften und Nektaren Konzentrate von hohem Qualitätsstandard,
bei denen Aromastoffe hinfällig sind.
FN: Machen Sie auch Fruchtsaftgetränke?
Karl: Nein, weil wir auf Frucht und nicht auf Aromen setzen. Der
moderne Mensch wird mit Aromastoffen zugeschüttet und verliert
seinen natürlichen Geschmack, dies ist bedenklich. Deswegen
breche ich eine Lanze für reine Säfte ohne Aromazusatz.
Da schmeckt man unverfälschte Natur. Das ist gesund. Natürlich
ist die Herstellung von reinen Säften aufwändiger.
FN: Welche Produktionskapazitäten stehen Ihnen zur Verfügung?
Karl: Wir sind in der Lage, pro Tag 80 Tonnen Äpfel zu verarbeiten.
Dies entspricht durchschnittlich etwa 50 000 Liter Presssaft. Bei
Beerenfrüchten sind die Produktionsmengen natürlich wesentlich
geringer.
FN: Wie vermarkten Sie die Säfte, die bei Ihnen gepresst werden?
Karl: Mit unserem neuesten Produkt, dem Sommerfruchtnektar, sind
es über 30 Sorten Fruchtsäfte und Nektare, die wir im
eigenen Getränkemarkt anbieten und verkaufen oder an Gaststätten
und Getränkemärkte in unserem Umkreis liefern. Der Großteil
aber wird von den Obst-Lieferanten selbst genutzt. Rund 80 Prozent
der Lieferanten lassen sich für die abgegebene Menge Obst
Wertscheine für Saft geben. Sie können dann während
eines Jahres eine bestimmte Menge Saft abholen. So können
sie quasi ihren eigenen Saft konsumieren und haben die Gewissheit,
optimale Qualität zu erhalten.
FN: Welche Erwartungen haben Sie für die Zukunft Ihres Betriebes?
Karl: Eigentlich recht gute. Immer mehr Menschen besinnen sich
auf ihre Gesundheit und damit natürliche Produkte wie unsere
Säfte. Die Zahl unserer Lieferanten und Kunden hat von Jahr
zu Jahr kontinuierlich zugenommen und wenn die Nachfrage weiter
ansteigt, werden wir auch weiter expandieren. Die Nachfolge im
Betrieb ist ebenfalls gesichert. Wir haben drei Kinder, von denen
unsere älteste Tochter Laura bereits ihre Ausbildung am Institut
für Frucht- und Gemüsetechnologie in Weihenstephan sehr
erfolgreich abgeschlossen hat.
FN: Vielen Dank für dieses Gespräch.
Quelle: Martin Herrmann Fränkische Nachrichten
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