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Keimzelle der Technik liegt in unserer Region!

     
 
 

20.9.2004

"Jahr der Technik" gibt Einblicke in bedeutende Bauwerke

 

Zum bundesweiten „Jahr der Technik“ haben das Amt für Straßenwesen Heilbronn und die Ingenieurkammer Baden-Württemberg ein Projekt ins Leben gerufen, das einen detaillierten und spannenden Einblick in das Innere bedeutender Bauwerke geben soll.

Quelle: Heilbronner Stimme – Beitrag von Joachim Friedl

Mit dem Ziel, Interessierten und Laien die faszinierende Welt der Technik zu vermitteln, starten unter dem Motto „Technik im Blick“ vier themenspezifische Rundgänge durch Heilbronn.

Früher wie heute sind die Ingenieure der Region Heilbronn-Franken in Baden-Württemberg spitze. Die Dynamik der Industrialisierung setzte in unserer Region zwar erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein. In Heilbronn jedoch begann die Entwicklung bereits Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Käthchenstadt entwickelte sich gar zur bestimmenden Industrie- und Handelsstadt in ganz Württemberg.

Nach dem Verlust der Rechte als „Freie Reichstadt“ im Zuge der napoleonischen Landreformen gründeten Heilbronner Bürger zahlreiche Fabriken und Manufakturen, während sich die Bürger in anderen Städten meist ins biedermeierliche Privatleben zurückzogen „Der Schock wurde zur Chance“, so Christhard Schenk, Leiter des Heilbronner Stadtarchivs.

Nach dem zweiten Weltkrieg brachte diese Gründermentalität der Menschen an Main, Neckar, Tauber, Kocher und Jagst den Aufschwung. In der Region gab es kaum Rohstoffe, also hat man neue Technologien entwickelt, um zu neuen Produkten zu kommen. „Wie mache ich aus einem Kilo Eisen zwei Kilo, dieser Gedanke des Optimierens hat sich auch nach dem Krieg fortgesetzt“, erklärt Steffen Schoch, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken. Manche Firmengründung war aus der Not heraus geboren. Als die Amerikaner die Region verließen, kam die Jeans in Mode. Also fertigte Mustang in Künzelsau Jeans. „Die Leute sind immer zur Arbeit gegangen, haben sich Arbeit gesucht“, so Schoch.
Heute zeigt sich die Stärke der Region Heilbronn-Franken in der Vielfalt mittelständischer Unternehmen der verschiedensten Wirtschaftszweige und Branchen.

Dabei fallen zwei Schwerpunkte besonders ins Gewicht. Heilbronn-Franken besticht als Standort für die Mobilitäts- und die Prozesstechnologiebranche.

Hohe Dichte

Baden-Württemberg gilt zurecht als Zentrum der deutschen Fahrzeugindustrie. Daran hat die Region Heilbronn-Franken einen großen Anteil. Das Netz für Unternehmen aus der Mobilitätsbranche und deren Zulieferer ist hier eng geknüpft. Die Fahrzeug- und Motorenhersteller in der Region erzielten im Jahr 2000 einen Umsatz von rund 7 Milliarden Euro, die Exportquote lag bei mehr als 50 Prozent. Firmen- und Markennamen wie Audi, Kolbenschmidt, Getrag, Volvo Busse, Mahle, Recaro, Läpple, Molex, Bertrandt, ThyssenKrupp Drauz, Hyundai, Bosch Scheuerle, Agria und Temic Atmel stehen weltweit für hohe Qualität der Mobilitätsbranche. Im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen arbeiten Ingenieure an der Grundlagenforschung für Antriebstechnik. Die Fachhochschule Heilbronn mit ihrer Außenstelle Künzelsau verfügt über ein riesiges Know-how vor allem in den Bereichen Automotive Systems Engineering, Mechatronik und Mikrosystemtechnik. Sie sind mit Forschungsaufträgen gefragte Partner der europäischen Automobilindustrie und entwickeln in deren Auftrag optimierte Motorenelemente und Fahrzeugkomponenten. Um die Firmen herum gruppierten sich Zulieferer und unternehmensnahe Dienstleister , – heute spricht man von einen Netzwerk (Cluster). „Der Automobilsektor ist ein Riesenmotor für die komplette Wirtschaft“, betont Steffen Schoch die Bedeutung dieses Clusters für die Region. Zu diesem Markt gehört auch der Elektronik und Logistikbereich. Viele Entwicklungen aus der Automobil- und Zulieferindustrie fließen in andere Hochtechnologiebereiche ein. Heute arbeiten mehr als 100000 Menschen bei Fahrzeugherstellern und Zulieferern.

Das zweite große Netzwerk, das sich in der Region gebildet hat, firmiert unter dem Stichwort „Prozesstechnologie“. Darunter versteht man die Umwandlung von Rohstoffen in fertige Produkte. Der Bereich Elektronik, Messtechnik, Regeltechnik und Pneumatik sowie der Maschinen- und Anlagenbau gehören in dieses Netzwerk. Auch hier hat sich die Fachhochschule mit ihrem Studienangebot an den Erfordernissen der regionalen Wirtschaft ausgerichtet. Ein Schwerpunkt dieser Branche ist dabei die Verpackungstechnologie. Rund 80 Prozent der verpackten Güter im Lebensmittelhandel werden auf Maschinen verpackt, die hier produziert werden, wobei der Schwerpunkt dieser Industrie im Landkreis Schwäbisch Hall liegt.

Die Firmen an Kocher und Jagst entstanden durchweg nach dem Krieg. Auch in diesem Bereich waren die Tüftlermentalität und der Fleiß der Menschen ausschlaggebend für den Aufschwung. Der Exportanteil in der Prozesstechnologie liegt bei 50 Prozent, Namen wie Bosch, Weinig, Marbach, Läpple, Schunk, Huber, Kaco, Illig, ebm, R. Stahl, Bürkert, Gemü, Kärcher und Wittenstein sind zu Weltmarken geworden.

Im Bereich Prozesstechnologie erwirtschafteten die Firmen aus der Region Heilbronn-Franken rund 3 Milliarden Euro. Über 1000 Betriebe sind Zulieferer und Kooperationspartner. Sie erzielten einen Umsatz von zehn Milliarden (alle Zahlen 2000). Die Unternehmen der industriellen Prozesstechnologie beschäftigen knapp 160000 Mitarbeiter.

Mehr Chancen als Risiken

Rund 50 Prozent aller Beschäftigten der Region sind in den Bereichen Prozesstechnologie und Mobilität tätig. Die Region ist damit ähnlich aufgestellt wie das Land Baden-Württemberg und repräsentiert gleichzeitig dieses erfolgreiche Bundesland. Das birgt Chancen und Risiken. Ein dramatischer Einbruch in der Kfz-Branche trifft die Region härter als andere Regionen. Doch die Chancen überwiegen. Die Kfz-Branche ist eine Leitbranche, die viele technologische Neuerungen entwickelt und die anschließend in vielen anderen Wirtschaftsbereichen wieder zu finden sind. Man denke nur an die Vorreiterrolle in der Verwertung von Altstoffen, dem Einsatz sparsamerer und effektiverer Aggregate, den Umweltschutz und Sicherheitseinrichtungen. Beide Wirtschaftszweige entwickeln eine besonders starke Dynamik, welche durch die Ansiedlung von Forschungszentren der Industrie noch verstärkt werden. „Die Region ist in den am stärksten ausgeprägten Bereichen gut aufgestellt und auf internationalen Märkten zu Hause“, erläutert Steffen Schoch. Die meisten Firmen sind „Global Player“. Das verringere das Risiko.

Vom 16.-25. November 2004 blickt die baden-württembergische Ingenieurwelt wieder nach Heilbronn. Treffpunkt der vier Samstagsrundgänge ist jeweils um 10 Uhr beim Technischen Rathaus in Heilbronn. Nach einer 30-minütigen Einführung beginnt die dreistündige Tour. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Rundgang I – 25. September 2004
Motto: „Schleusen, Wehre, Brücken“

Rundgang II – 2. Oktober 2004
Motto: „Trinkwasser, Regen- und Abwasserbehandlung“

Rundgang III – 9. Oktober 2004
Motto: „Straßen, Schienen, Wege“

Rundgang IV – 16. Oktober 2004
Motto: „Sport, Spaß, Kultur"