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Zum bundesweiten „Jahr der Technik“ haben das Amt
für Straßenwesen Heilbronn und die Ingenieurkammer Baden-Württemberg
ein Projekt ins Leben gerufen, das einen detaillierten und spannenden
Einblick in das Innere bedeutender Bauwerke geben soll.
Quelle: Heilbronner Stimme – Beitrag von Joachim Friedl
Mit dem Ziel, Interessierten und Laien die faszinierende Welt
der Technik zu vermitteln, starten unter dem Motto „Technik
im Blick“ vier themenspezifische Rundgänge durch Heilbronn.
Früher wie heute sind die Ingenieure der Region Heilbronn-Franken
in Baden-Württemberg spitze. Die Dynamik der Industrialisierung
setzte in unserer Region zwar erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein.
In Heilbronn jedoch begann die Entwicklung bereits Anfang des 19.
Jahrhunderts. Die Käthchenstadt entwickelte sich gar zur bestimmenden
Industrie- und Handelsstadt in ganz Württemberg.
Nach dem Verlust der Rechte als „Freie Reichstadt“ im
Zuge der napoleonischen Landreformen gründeten Heilbronner
Bürger zahlreiche Fabriken und Manufakturen, während
sich die Bürger in anderen Städten meist ins biedermeierliche
Privatleben zurückzogen „Der Schock wurde zur Chance“,
so Christhard Schenk, Leiter des Heilbronner Stadtarchivs.
Nach dem zweiten Weltkrieg brachte diese Gründermentalität
der Menschen an Main, Neckar, Tauber, Kocher und Jagst den Aufschwung.
In der Region gab es kaum Rohstoffe, also hat man neue Technologien
entwickelt, um zu neuen Produkten zu kommen. „Wie mache ich
aus einem Kilo Eisen zwei Kilo, dieser Gedanke des Optimierens
hat sich auch nach dem Krieg fortgesetzt“, erklärt Steffen
Schoch, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken.
Manche Firmengründung war aus der Not heraus geboren. Als
die Amerikaner die Region verließen, kam die Jeans in Mode.
Also fertigte Mustang in Künzelsau Jeans. „Die Leute
sind immer zur Arbeit gegangen, haben sich Arbeit gesucht“,
so Schoch.
Heute zeigt sich die Stärke der Region Heilbronn-Franken in
der Vielfalt mittelständischer Unternehmen der verschiedensten
Wirtschaftszweige und Branchen.
Dabei fallen zwei Schwerpunkte besonders ins Gewicht. Heilbronn-Franken
besticht als Standort für die Mobilitäts- und die Prozesstechnologiebranche.
Hohe Dichte
Baden-Württemberg gilt zurecht als Zentrum der deutschen
Fahrzeugindustrie. Daran hat die Region Heilbronn-Franken einen
großen Anteil. Das Netz für Unternehmen aus der Mobilitätsbranche
und deren Zulieferer ist hier eng geknüpft. Die Fahrzeug-
und Motorenhersteller in der Region erzielten im Jahr 2000 einen
Umsatz von rund 7 Milliarden Euro, die Exportquote lag bei mehr
als 50 Prozent. Firmen- und Markennamen wie Audi, Kolbenschmidt,
Getrag, Volvo Busse, Mahle, Recaro, Läpple, Molex, Bertrandt,
ThyssenKrupp Drauz, Hyundai, Bosch Scheuerle, Agria und Temic Atmel
stehen weltweit für hohe Qualität der Mobilitätsbranche.
Im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen
arbeiten Ingenieure an der Grundlagenforschung für Antriebstechnik.
Die Fachhochschule Heilbronn mit ihrer Außenstelle Künzelsau
verfügt über ein riesiges Know-how vor allem in den Bereichen
Automotive Systems Engineering, Mechatronik und Mikrosystemtechnik.
Sie sind mit Forschungsaufträgen gefragte Partner der europäischen
Automobilindustrie und entwickeln in deren Auftrag optimierte Motorenelemente
und Fahrzeugkomponenten. Um die Firmen herum gruppierten sich Zulieferer
und unternehmensnahe Dienstleister , – heute spricht man
von einen Netzwerk (Cluster). „Der Automobilsektor ist ein
Riesenmotor für die komplette Wirtschaft“, betont Steffen
Schoch die Bedeutung dieses Clusters für die Region. Zu diesem
Markt gehört auch der Elektronik und Logistikbereich. Viele
Entwicklungen aus der Automobil- und Zulieferindustrie fließen
in andere Hochtechnologiebereiche ein. Heute arbeiten mehr als
100000 Menschen bei Fahrzeugherstellern und Zulieferern.
Das zweite große Netzwerk, das sich in der Region gebildet
hat, firmiert unter dem Stichwort „Prozesstechnologie“.
Darunter versteht man die Umwandlung von Rohstoffen in fertige
Produkte. Der Bereich Elektronik, Messtechnik, Regeltechnik und
Pneumatik sowie der Maschinen- und Anlagenbau gehören in dieses
Netzwerk. Auch hier hat sich die Fachhochschule mit ihrem Studienangebot
an den Erfordernissen der regionalen Wirtschaft ausgerichtet. Ein
Schwerpunkt dieser Branche ist dabei die Verpackungstechnologie.
Rund 80 Prozent der verpackten Güter im Lebensmittelhandel
werden auf Maschinen verpackt, die hier produziert werden, wobei
der Schwerpunkt dieser Industrie im Landkreis Schwäbisch Hall
liegt.
Die Firmen an Kocher und Jagst entstanden durchweg nach dem Krieg.
Auch in diesem Bereich waren die Tüftlermentalität und
der Fleiß der Menschen ausschlaggebend für den Aufschwung.
Der Exportanteil in der Prozesstechnologie liegt bei 50 Prozent,
Namen wie Bosch, Weinig, Marbach, Läpple, Schunk, Huber, Kaco,
Illig, ebm, R. Stahl, Bürkert, Gemü, Kärcher und
Wittenstein sind zu Weltmarken geworden.
Im Bereich Prozesstechnologie erwirtschafteten die Firmen aus
der Region Heilbronn-Franken rund 3 Milliarden Euro. Über
1000 Betriebe sind Zulieferer und Kooperationspartner. Sie erzielten
einen Umsatz von zehn Milliarden (alle Zahlen 2000). Die Unternehmen
der industriellen Prozesstechnologie beschäftigen knapp 160000
Mitarbeiter.
Mehr Chancen als Risiken
Rund 50 Prozent aller Beschäftigten der Region sind in den
Bereichen Prozesstechnologie und Mobilität tätig. Die
Region ist damit ähnlich aufgestellt wie das Land Baden-Württemberg
und repräsentiert gleichzeitig dieses erfolgreiche Bundesland.
Das birgt Chancen und Risiken. Ein dramatischer Einbruch in der
Kfz-Branche trifft die Region härter als andere Regionen.
Doch die Chancen überwiegen. Die Kfz-Branche ist eine Leitbranche,
die viele technologische Neuerungen entwickelt und die anschließend
in vielen anderen Wirtschaftsbereichen wieder zu finden sind. Man
denke nur an die Vorreiterrolle in der Verwertung von Altstoffen,
dem Einsatz sparsamerer und effektiverer Aggregate, den Umweltschutz
und Sicherheitseinrichtungen. Beide Wirtschaftszweige entwickeln
eine besonders starke Dynamik, welche durch die Ansiedlung von
Forschungszentren der Industrie noch verstärkt werden. „Die
Region ist in den am stärksten ausgeprägten Bereichen
gut aufgestellt und auf internationalen Märkten zu Hause“,
erläutert Steffen Schoch. Die meisten Firmen sind „Global
Player“. Das verringere das Risiko.
Vom 16.-25. November 2004 blickt die baden-württembergische
Ingenieurwelt wieder nach Heilbronn. Treffpunkt der vier Samstagsrundgänge
ist jeweils um 10 Uhr beim Technischen Rathaus in Heilbronn. Nach
einer 30-minütigen Einführung beginnt die dreistündige
Tour. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Rundgang I – 25. September 2004
Motto: „Schleusen, Wehre, Brücken“
Rundgang II – 2. Oktober 2004
Motto: „Trinkwasser, Regen- und Abwasserbehandlung“
Rundgang III – 9. Oktober 2004
Motto: „Straßen, Schienen, Wege“
Rundgang IV – 16. Oktober 2004
Motto: „Sport, Spaß, Kultur"
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