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30.10.2004
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Die
im Jahre 1898 von Louis und Carl Arnold gegründete Schraubenfabrik
L & C Arnold in Ernsbach begann mit der Produktion von Holzschrauben
für den Eigenbedarf der Möbelfabrik in Schorndorf. Heute
fertigt Arnold 430 Mitarbeitern bereits 3 Milliarden Befestigungselemente
bis 14 mm Durchmesser und 200 mm Länge.
„ Lösungen,
die verbinden", ist der Slogan der ARNOLD UMFORMTECHNIK GmbH & Co.
KG in Forchtenberg-Ernsbach. Seit mehr als 100 Jahren fertigt das
Unternehmen Schrauben. Die Spezialisierung auf komplizierte Verbindungselemente
in Spitzenqualität und zahlreiche innovative Produktentwicklungen,
haben Arnold Umformtechnik zu einem der Marktführer in der
Branche aufsteigen lassen. Mit 430 Mitarbeitern fertigt das Unternehmen
jährlich mehr als drei Milliarden hoch spezialisierte Befestigungselemente.
Als
wichtigsten Grundpfeiler für den internationalen Erfolg betrachtet
die Geschäftsführung die hoch motivierten Mitarbeiter
des Unternehmens. Entsprechend groß sind die Investitionen
in Qualifikation, Mitarbeiterzufriedenheit und Unternehmensidentifikation.
Die Kunden schätzen Arnold Umformtechnik als kompetenten Entwicklungspartner
für überzeugende Problemlösungen im Fertigungsprozess.
Im FN-Interview schildert Geschäftsführer Gert-Thomas
Höhn die Entwicklung des Betriebes und erfolgreiche Unternehmens-Strategien.
Gleichzeitig gibt er ein klares Bekenntnis zum Standort Ernsbach
und zur Sicherheit der Arbeitsplätze ab.
FN: Wann wurde das
Unternehmen gegründet?
Gert-Thomas Höhn: Bereits im Jahre
1898 gründeten Carl und Louis Arnold in Ernsbach eine Schraubenfabrik,
die Holzschrauben für den Eigenbedarf ihrer Möbelfabrik
in Schorndorf fertigte.
FN: Wie entwickelte sich dieser Betrieb?
Gert-Thomas
Höhn: Nach 1945 erfolgte ein eindrucksvoller Wiederaufbau.
Die Fertigungseinrichtungen wurden erweitert und das Produkt-Programm
um Blech- und Schneidschrauben ergänzt.
FN: Diese Massen-Erzeugnisse
haben aber wenig mit Ihrem aktuellen Produkt-Sortiment gemeinsam.
Gert-Thomas
Höhn: Das ist richtig. In den 70er Jahren begann ein tiefgreifender
Strukturwandel in der Produktion. Einfache Teile, wie Holzschrauben,
wurden durch technologisch wertvolle Produkte ersetzt. Die Fertigung
von gewindefurchenden Schrauben wurde aufgenommen. Wichtige Lizenzen
für Tapite, Remform und Torx wurden erworben. Mehrstufenpressen
zur Fertigung von komplizierten Zeichnungsteilen angeschafft und
der Betrieb grundlegend modernisiert.
FN: Ist Arnold immer noch
ein Familienbetrieb?
Gert-Thomas Höhn: Nein. Bedingt durch
einen Eigentumswechsel innerhalb des L & C Arnold Firmenverbandes,
wurde die Schraubenfabrik unter dem Namen "Arnold Umformtechnik" im
Jahre 1994 ein eigenständiges Unternehmen der Würth-Gruppe.
Weitere große Investitionen im Maschinenpark, der Härterei
und Galvanik waren die Folge. So wurden allein in den letzten acht
Jahren mehr als 50 Millionen Euro in das Unternehmen investiert.
FN:
Welches Produktsortiment bietet Arnold Umformtechnik?
Gert-Thomas
Höhn: Ein sehr breites. Wir fertigen rund 5000 verschiedene
Verbindungselemente und Kaltumformteile. Wir haben ein jährliches
Produktionsvolumen von mehr als drei Milliarden hochwertiger Befestigungselemente,
mit bis zu 14 Millimeter Durchmesser und 200 Millimeter Länge.
FN:
Wie hat sich das Unternehmen am Markt positioniert?
Gert-Thomas
Höhn: Wir haben in unserem Produktsegment die Marktführerschaft
in Deutschland. Diese wollen wir im Kernbereich unserer Geschäftsfelder
in den kommenden Jahren auf Europa ausweiten.
FN: Wie wollen Sie
dieses Ziel verwirklichen?
Gert-Thomas Höhn: Durch absolute
Spitzenqualität der Produkte und innovative Entwicklungen.
Wir investieren viel in Produkt-Entwicklung und -Forschung. Pro
Jahr entwickeln und produzieren wir etwa 1000 verschiedene Neuteile.
Dies erfordert sehr großes Mitarbeiter-Know-how und viel
Flexibilität. Deshalb spielt die hervorragende und fortwährende
Mitarbeiter-Qualifizierung eine tragende Säule des Qualitätsgebäudes.
Ein weiteres wichtiges Element unseres Erfolges, ist die absolute
Orientierung an den Kundenanforderungen und -wünschen.
FN:
Wie macht sich die gesteigerte Kundenorientierung bemerkbar?
Gert-Thomas
Höhn: Um den stetig wachsenden Anforderungen des Marktes gerecht
zu werden, hat Arnold Umformtechnik, als ursprünglich reines
Produktionsunternehmen, ein umfassendes Programm an Dienstleistungen
entwickelt.
FN: Wie sieht dieses aus?
Gert-Thomas Höhn: Wir
liefern unseren Kunden nicht einfach Materialien, sondern bieten
komplette Problemlösungen. Dies umfasst die Entwicklung neuer
Produkte und die Beratung in allen Produktionsbereichen. Bei der
Beratung kommt unser großes Branchen- und Anwendungs-Know-how
zum Tragen. Dabei können Fehler bei der Konstruktion schon
im Frühstadium vermieden werden und die Prozesssicherheit
bei der Verarbeitung der Produkte wird garantiert. Wir helfen unseren
Kunden damit Prozesse zu optimieren, Taktzeiten zu erhöhen
und Prozesskosten einzusparen.
FN: Für wen produzieren Sie?
Gert-Thomas
Höhn: Zu unseren Kunden zählen weltweit namhafte Markenhersteller,
die auf konstant hohes Qualitätsniveau ihrer Produkte angewiesen
sind. So beliefern wir Bosch, den Automobilzulieferer TRW, BMW,
VW, DaimlerChrysler, die Getrag oder Atomic. Wir bieten individuelle
Branchenlösungen für Autositze, Regel- und Steuertechnik,
Elektronik und Antriebstechnik. Den höchsten Produktanteil
in der Umsatzverteilung nehmen spezielle Gewindeschrauben, Gewindeformschrauben
und Spezialschrauben für Kunststoffe ein. Statistisch gesehen,
befinden sich in jedem Fahrzeug, das in Deutschland gebaut wird,
200 Teile von Arnold Umformtechnik - mit steigender Tendenz.
FN:
Wie erreicht Arnold-Umformtechnik jährliche Umsatzsteigerungen
im zweistelligen Bereich?
Gert-Thomas Höhn: Der wichtigste
Grundpfeiler für den internationalen Erfolg unserer Produkte
sind die Mitarbeiter, die Tag für Tag ihre Leistungsbereitschaft,
ihr Können und ihre hohe Identifikation mit dem Unternehmen
unter Beweis stellen, die mit Ideen für frische Impulse und
innovative Produkte sorgen.
FN: Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter
zu Spitzenleistungen?
Gert-Thomas Höhn: Wichtig sind natürlich
gute Bezahlung und Sozialleistungen sowie das Wissen, bei uns einen
sicheren Arbeitsplatz zu finden, sich auf das Unternehmen auch
in schwierigen Zeiten verlassen zu können. In den letzten
30 Jahren gab es bei uns keine betriebsbedingten Kündigungen.
Für unsere Mitarbeiter ist es auch von großer Bedeutung,
dass sie bei flachen Hierarchien beste Aufstiegsmöglichkeiten
besitzen. Wir bieten hervorragende persönliche Entwicklungschancen
durch umfangreiche Schulungsmaßnahmen und Weiterbildungsmöglichkeiten.
FN:
Beschreiben Sie die erwähnte "besondere Identifikation" der
Mitarbeiter mit dem Unternehmen.
Gert-Thomas Höhn: Bei Arnold
Umformtechnik herrscht ein geradezu familiäres "Wir-Gefühl".
Alle Mitarbeiter haben das berechtigte Empfinden, mit ihrer Arbeit
und ihrem Engagement etwas bewegen zu können. Wie groß die
Verbundenheit mit unseren Mitarbeitern ist, zeigt die außergewöhnlich
geringe Fluktuation. Manche Mitarbeiter sind in der vierten Generation
bei Arnold tätig. Arnold Umformtechnik bietet seinen Mitarbeitern
Zukunftsperspektiven.
FN: Wie ist Ihre Belegschaft strukturiert?
Gert-Thomas
Höhn: Wir arbeiten fast ausschließlich mit Fachkräften,
die eine sehr gute Qualifikation besitzen. Deshalb sind wir sind
ständig auf der Suche nach hochqualifizierten Mitarbeitern,
wie Ingenieuren, Technikern und Facharbeitern aus der Metallbranche.
Wir haben derzeit 35 Auszubildende und wollen unsere Ausbildungsquote
in der Zukunft weiter erhöhen.
FN: Was ist an Schrauben so
kompliziert, dass für die Entwicklung hohe Investitionen und
qualifizierte Mitarbeiter notwendig sind?
Gert-Thomas Höhn:
So einfach diese Teile auf den ersten Blick wirken, so kompliziert
ist doch die Produktentwicklung und -Fertigung. An unsere Produkte
werden extrem hohe Anforderungen hinsichtlich Funktionalität
und Haltbarkeit gestellt.
FN: Wo werden Ihre Produkte eingesetzt?
Gert-Thomas
Höhn: Spezialschrauben von Arnold Umformtechnik sind überall
dort zu finden, wo die Sicherheit von Menschenleben von großer
Bedeutung ist. So tragen sie im Auto dazu bei, dass der Airbag
perfekt arbeitet oder Kindersitze, Gurte und Lenksäulen optimal
befestigt sind. Unsere Erzeugnisse sind aber auch bei Ski-Bindungen
und in vielen weiteren anspruchsvollen Verwendungen zu finden.
Diese sensiblen Einsatzbereiche fordern eine "Null-Fehler-Strategie" in
der Produktion. Das ist wiederum nur mit hervorragend qualifizierten
Mitarbeitern zu machen.
FN: Viele Unternehmen Ihrer Branche verlagern
die Produktion in Billiglohn-Länder, um Produktionskosten
zu sparen. Hat Arnold-Umformtechnik ähnliche Pläne?
Gert-Thomas
Höhn: Wir sind der festen Überzeugung, dass wir durch
Technologieführerschaft, motivierte und flexible Mitarbeiter
nicht nur auf Dauer wettbewerbsfähig sind, sondern unsere
hervorragende Marktposition weiter ausbauen können.
FN: Dies
beantwortet aber noch nicht die Frage nach dem Produktionsstandort.
Gert-Thomas
Höhn: Ich gebe ein klares Bekenntnis zum Standort Ernsbach
ab. Hier sind unsere Wurzeln und von hier aus werden wir weiter
expandieren. Wir werden den Standort stärken und die Zahl
der Arbeitsplätze weiter erhöhen. Da wir uns weltweit
am Markt positionieren, müssen wir aber auch den Bedürfnissen
unserer Kunden nachkommen, in verschiedenen Kontinenten standortnah
und flexibel liefern zu können.
FN: Was bedeutet dies konkret?
Gert-Thomas
Höhn: Wir haben seit 2002 ein Tochterunternehmen in Frankreich, "Arnold & Sofradev",
das im vergangenen Jahr mit 45 Mitarbeitern rund 6 Millionen Euro
Umsatz erwirtschaftet hat. Derzeit sind wir am Aufbau eines Tochterunternehmens
in China, um die Chancen des expandierenden Marktes dort zu nutzen.
FN:
Also doch Produktionsverlagerung in ein Billiglohn-Land?
Gert-Thomas
Höhn: Mit aller Deutlichkeit: Nein! Die Produktion in Ernsbach
ist davon in keiner Weise betroffen und wird weiter ausgebaut werden.
Nicht umsonst haben wir hier in den vergangenen acht Jahren 50
Millionen Euro investiert. Wir können von hier aus aber keine
Befestigungsteile nach China verkaufen, weil allein schon die Transportkosten
verhindern würden, dass wir wettbewerbsfähig sind. Solche
Auslandsengagements werden den Standort Ernsbach stärken,
weil hier neben der Produktion auch die Entwicklung der Produkte
stattfindet. Allein in der Entwicklungssparte haben wir hier 20
Ingenieure und Techniker beschäftigt.
FN: Welche Zukunftserwartungen
haben Sie für Ihr Unternehmen?
Gert-Thomas Höhn: Sehr
gute. Ich denke, dass wir mit dem eingeschlagenen Weg auch weiterhin
mit jährlichen Zuwachsraten im zweistelligen Bereich rechnen
können. Wir werden in diesem Jahr etwa 16 Prozent Umsatz-Plus
haben und ich bin für die Zukunft sehr zuversichtlich. Qualität
und innovative Produkte haben immer einen Markt und deshalb sind
wir von einer sehr positiven Unternehmensentwicklung überzeugt.
FN:
Danke für dieses Gespräch. Martin Herrmann
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