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Saubere Luft in der Region

     
 
 

30.11.2004


 

Luftkurort - mit solch einem Prädikat würden sich viele Gemeinden gerne schmücken. Zwei Orte in der Region Heilbronn-Franken und zwar im Landkreis Schwäbisch Hall dürfen sich so nennen: Mainhardt und Langenburg.

Ein Jahr wurde an drei Standorten gemessen, jetzt liegt die Bestätigung schwarz auf weiß im Rathaus: "Mainhardt erfüllt die lufthygienischen Anforderungen an einen Luftkurort weiterhin ohne Einschränkung", heißt es im Gutachten des Deutschen Wetterdienstes über die Luftqualität. So möchte es das Regierungspräsidium lesen, andernfalls vergibt die Behörde das Prädikat nicht. Kosten der Messungen (natürlich für die Gemeinde): rund 10.000 Euro. Zehn Jahre darf der Teilort Mainhardt jetzt wieder die Bezeichnung "Luftkurort" führen, zur Halbzeit ist allerdings eine weitere, jedoch günstigere Luftuntersuchung nötig.

Saubere Luft, schmuckes Ortsbild: das historische Schlössle im Zentrum Mainhardts, ein ehemaliges Jagdschloss. Während sich Mainhardt Luftkurort nennen darf, sind die Gemeindeteile Geißelhardt und Bubenorbis Erholungsorte. Foto: Gemeinde

Doch auch ohne teure Messungen weiß man in Mainhardt, dass auf 460 Meter Höhen im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald die Luft gut ist - und wusste es eigentlich schon immer. "Es ist ein sauberes Dorf, wie geschaffen zum Luftkurplatz. In vieler Hinsicht kommt der Mainhardter Wald gleich nach dem Schwarzwald", schrieb ein Journalist etwa 1907 nach einem Aufenthalt in dem Dorf. Bereits im ausgehenden Mittelalter war Mainhardt ein überregional besuchtes Wildbad, die historische Römer- oder Baadquelle wurde für Heilzwecke benutzt. Der Andrang hat bereits im Jahr 1485 eine Badeordnung ("Es soll Niemand, wer er auch sei, im Badhaus zu Mainhardt den andern schlagen oder Gewalt beweisen. Wer das thut mit gewappneter Hand, dem soll ohne Gnade die rechte Hand abgehauen werden") erforderlich gemacht. Luftkurort durfte sich Mainhardt offiziell jedoch erst ab den 1930-er Jahren nennen.

Kommen dadurch die Touristen automatisch? Mitnichten. Größere Anstrengungen sind nötig. Den 60-er Jahren, als nicht wenige Familien eine oder auch zwei Wochen Urlaub im Mainhardter Wald machten, trauert man heute - bei 7162 Übernachtungen (im Jahr 2003) - nach, weiß aber, dass sich die Uhr nicht zurückdrehen lässt. Und setzt trotzdem auf den Tourismus. "Was passiert, wenn der Limes Weltkulturerbe wird?", denkt Mainhardts Bürgermeister Karl-Heinz Hedrich voraus. Der römische Wall führte einst direkt durch das heutige Mainhardt, bedeutende Überreste der Besatzungsmacht sind vorhanden. Für diesen "Tag X" und eine mögliche Zunahme des Fremdenverkehrs möchte die Gemeinde gewappnet sein, investiert in die touristische Infrastruktur und Werbung.

Nächstes Jahr wird die Gemeinde gemeinsam mit dem Fremdenverkehrsverein Mainhardt einen Stand in der boomenden Halle 4 der Stuttgarter Tourismusmesse CMT haben. 2000 Euro kostet dies die Gemeindekasse, auch Personal will gestellt sein. Der Fuxi-Erlebnispfad wird erweitert (für 16.000 Euro, wobei der Naturpark-Förderverein das Projekt üppig unterstützt), das Projekt "Erlebnisradler" (Prospekt und Ausschilderung) wird ausgeweitet (auch hier beteiligen sich Naturpark und mehrere Nachbargemeinden). Die Neugestaltung des Römer-Museums schlug mit 5000 Euro zu Buche, die Mitgliedsbeiträge in Touristikgemeinschaft Hohenlohe + Schwäbisch Hall, Verein Deutsche Limes straße, Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald und Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald kosten 3200 Euro im Jahr, verschiedene Werbemaßnahmen und das touristische Leitbild machen 16.000 Euro aus, die Materialkosten für die Wanderwegeunterhaltung belaufen sich auf 1300 Euro. Und natürlich das Mineralfreibad: Das Defizit beträgt in diesem Jahr 194.000 Euro (wobei 113.000 Euro davon Abschreibung und Verzinsung betreffen) - doch von diesem Freibad profitiert vor allem die einheimische Bevölkerung. Ganz zu schweigen von dem Engagement Privater für den Tourismus: Der Schwäbisch Albverein beispielsweise unterhält ein großes Wanderwegenetz, Familie Keith betreibt privat das Museum Mainhardt mit seinen Turmuhren und Sammlerschätzen.

Auch in Langenburg, seit 1938 offizieller Luftkurort, geht es weniger um Wellness. Aber dass Gäste wissen, dort in wirklich frischer Natur wandern und sich erholen zu könne, ist ein Trumpf. Weshalb man auch in dem Residenzstädtchen auf dem "langen Berg", 440 Meter hoch gelegen, alle zehn Jahre das Bioklima für nicht wenig Geld untersuchen lässt. Derzeit hat der Deutsche Wetterdienst wieder seine Messgeräte aufgestellt.

Rund 30.000 Übernachtungen zählte man in Langenburg im vergangenen Jahr, wobei etwa 25.000 auf das Feriendorf Roseneck entfallen. Letzteres wird weniger frequentiert, nachdem landes- und bundesweit Zuschüsse beispielsweise für Familienurlaub (zusammen-)gestrichen werden. Auch die Stadtkämmerei muss eisern haushalten, gibt aber trotzdem in diesem Jahr 2200 Euro für Fremdenverkehrsprospekte aus, 1186 Euro an Mitgliedsbeiträgen für touristische Verbände, 17.500 Euro für Werbung und "Sonstiges"...
Auch auf dem "Balkon Hohenlohes" ziehen Private mit an dem Strang, Touristen anzulocken - etwa durch das Schloss oder das Deutsche Automuseum. Die im Gegensatz zu Mainhardt extrem angespannte Haushaltslage stellt das Langenburger Freibad Jahr für Jahr auf den Prüfstand. Doch Jahr für Jahr stellt man sich in dem Städtchen gleichzeitig auch die Frage, welche Auswirkungen eine Schließung wohl auf den Fremdenverkehr hätte.

Quelle: Haller Tagblatt von Jörg Hensel www.hallertagblatt.de

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