|
Luftkurort - mit solch einem Prädikat würden sich viele
Gemeinden gerne schmücken. Zwei Orte in der Region Heilbronn-Franken
und zwar im Landkreis Schwäbisch Hall dürfen sich so
nennen: Mainhardt und Langenburg.
Ein Jahr wurde an drei Standorten gemessen, jetzt liegt die Bestätigung
schwarz auf weiß im Rathaus: "Mainhardt erfüllt
die lufthygienischen Anforderungen an einen Luftkurort weiterhin
ohne Einschränkung", heißt es im Gutachten des
Deutschen Wetterdienstes über die Luftqualität. So möchte
es das Regierungspräsidium lesen, andernfalls vergibt die
Behörde das Prädikat nicht. Kosten der Messungen (natürlich
für die Gemeinde): rund 10.000 Euro. Zehn Jahre darf der Teilort
Mainhardt jetzt wieder die Bezeichnung "Luftkurort" führen,
zur Halbzeit ist allerdings eine weitere, jedoch günstigere
Luftuntersuchung nötig.
Saubere Luft, schmuckes Ortsbild: das historische Schlössle
im Zentrum Mainhardts, ein ehemaliges Jagdschloss. Während
sich Mainhardt Luftkurort nennen darf, sind die Gemeindeteile Geißelhardt
und Bubenorbis Erholungsorte. Foto: Gemeinde
Doch auch ohne teure Messungen weiß man in Mainhardt, dass
auf 460 Meter Höhen im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer
Wald die Luft gut ist - und wusste es eigentlich schon immer. "Es
ist ein sauberes Dorf, wie geschaffen zum Luftkurplatz. In vieler
Hinsicht kommt der Mainhardter Wald gleich nach dem Schwarzwald",
schrieb ein Journalist etwa 1907 nach einem Aufenthalt in dem Dorf.
Bereits im ausgehenden Mittelalter war Mainhardt ein überregional
besuchtes Wildbad, die historische Römer- oder Baadquelle
wurde für Heilzwecke benutzt. Der Andrang hat bereits im Jahr
1485 eine Badeordnung ("Es soll Niemand, wer er auch sei,
im Badhaus zu Mainhardt den andern schlagen oder Gewalt beweisen.
Wer das thut mit gewappneter Hand, dem soll ohne Gnade die rechte
Hand abgehauen werden") erforderlich gemacht. Luftkurort durfte
sich Mainhardt offiziell jedoch erst ab den 1930-er Jahren nennen.
Kommen dadurch die Touristen automatisch? Mitnichten. Größere
Anstrengungen sind nötig. Den 60-er Jahren, als nicht wenige
Familien eine oder auch zwei Wochen Urlaub im Mainhardter Wald
machten, trauert man heute - bei 7162 Übernachtungen (im Jahr
2003) - nach, weiß aber, dass sich die Uhr nicht zurückdrehen
lässt. Und setzt trotzdem auf den Tourismus. "Was passiert,
wenn der Limes Weltkulturerbe wird?", denkt Mainhardts Bürgermeister
Karl-Heinz Hedrich voraus. Der römische Wall führte einst
direkt durch das heutige Mainhardt, bedeutende Überreste der
Besatzungsmacht sind vorhanden. Für diesen "Tag X" und
eine mögliche Zunahme des Fremdenverkehrs möchte die
Gemeinde gewappnet sein, investiert in die touristische Infrastruktur
und Werbung.
Nächstes Jahr wird die Gemeinde gemeinsam mit dem Fremdenverkehrsverein
Mainhardt einen Stand in der boomenden Halle 4 der Stuttgarter
Tourismusmesse CMT haben. 2000 Euro kostet dies die Gemeindekasse,
auch Personal will gestellt sein. Der Fuxi-Erlebnispfad wird erweitert
(für 16.000 Euro, wobei der Naturpark-Förderverein das
Projekt üppig unterstützt), das Projekt "Erlebnisradler" (Prospekt
und Ausschilderung) wird ausgeweitet (auch hier beteiligen sich
Naturpark und mehrere Nachbargemeinden). Die Neugestaltung des
Römer-Museums schlug mit 5000 Euro zu Buche, die Mitgliedsbeiträge
in Touristikgemeinschaft Hohenlohe + Schwäbisch Hall, Verein
Deutsche Limes straße, Naturpark Schwäbisch-Fränkischer
Wald und Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald kosten
3200 Euro im Jahr, verschiedene Werbemaßnahmen und das touristische
Leitbild machen 16.000 Euro aus, die Materialkosten für die
Wanderwegeunterhaltung belaufen sich auf 1300 Euro. Und natürlich
das Mineralfreibad: Das Defizit beträgt in diesem Jahr 194.000
Euro (wobei 113.000 Euro davon Abschreibung und Verzinsung betreffen)
- doch von diesem Freibad profitiert vor allem die einheimische
Bevölkerung. Ganz zu schweigen von dem Engagement Privater
für den Tourismus: Der Schwäbisch Albverein beispielsweise
unterhält ein großes Wanderwegenetz, Familie Keith betreibt
privat das Museum Mainhardt mit seinen Turmuhren und Sammlerschätzen.
Auch in Langenburg, seit 1938 offizieller Luftkurort, geht es
weniger um Wellness. Aber dass Gäste wissen, dort in wirklich
frischer Natur wandern und sich erholen zu könne, ist ein
Trumpf. Weshalb man auch in dem Residenzstädtchen auf dem "langen
Berg", 440 Meter hoch gelegen, alle zehn Jahre das Bioklima
für nicht wenig Geld untersuchen lässt. Derzeit hat der
Deutsche Wetterdienst wieder seine Messgeräte aufgestellt.
Rund 30.000 Übernachtungen zählte man in Langenburg
im vergangenen Jahr, wobei etwa 25.000 auf das Feriendorf Roseneck
entfallen. Letzteres wird weniger frequentiert, nachdem landes-
und bundesweit Zuschüsse beispielsweise für Familienurlaub
(zusammen-)gestrichen werden. Auch die Stadtkämmerei muss
eisern haushalten, gibt aber trotzdem in diesem Jahr 2200 Euro
für Fremdenverkehrsprospekte aus, 1186 Euro an Mitgliedsbeiträgen
für touristische Verbände, 17.500 Euro für Werbung
und "Sonstiges"...
Auch auf dem "Balkon Hohenlohes" ziehen Private mit an
dem Strang, Touristen anzulocken - etwa durch das Schloss oder
das Deutsche Automuseum. Die im Gegensatz zu Mainhardt extrem angespannte
Haushaltslage stellt das Langenburger Freibad Jahr für Jahr
auf den Prüfstand. Doch Jahr für Jahr stellt man sich
in dem Städtchen gleichzeitig auch die Frage, welche Auswirkungen
eine Schließung wohl auf den Fremdenverkehr hätte.
Quelle: Haller Tagblatt von Jörg Hensel www.hallertagblatt.de
|