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Die Marke ist mehr als die Hose

     
 
 

30.11.2004


 

Mustang Marke - das ist viel mehr als die Summe aller Produkte, die unter einem bestimmten Zeichen verkauft werden. Vielmehr spielt dabei auch eine Rolle, wo es die Ware gibt - und wie sie präsentiert wird. Genau an diesem Punkt arbeitet die Künzelsauer Mustang-Gruppe zurzeit, weil sie weg will und weg muss von dem Blue-Jeans-Image, das ihr lange Zeit gute Dienste geleistet hatte.

Schon immer gehören die Kochertäler Jeanser zu den werbeaktivsten Firmen in der Region. Zwischen fünf und zehn Prozent des Umsatzes - vor ein paar Jahren lag der immerhin noch bei über 300 Millionen Mark - steckt Inhaber Heiner Sefranek in Anzeigen in trendigen Magazinen. "True Style never dies" verkündet die Werbung: wahrer Stil ist unsterblich. Bei den Kunden ist in den vergangenen Jahren aber immer weniger davon angekommen. "Ein Großteil der Werbung ist verpufft", sagt Heiner Sefranek. "Weil unsere Kunden nur selten eine wirkliche Mustang-Welt erleben konnten."

Schließlich versprechen die Anzeigen mehr als drei Paar blaue Hosen im Regal, und nur die wenigsten Mustang-Händler zeigten in der Vergangenheit das volle Sortiment.
Um die Marke Mustang klarer zu definieren, gehen die Künzelsauer deswegen mittlerweile einen anderen Weg: Über Flächenkonzepte verschaffen sie ihrem "True Style" den Raum, sich den Kunden zu zeigen. 25 Quadratmeter ist die Mindestgröße einer solchen Mustang-Fläche. Im Gegensatz zu früher bestücken die Künzelsauer die Regale und Displays in Eigenverantwortung. Denn: "Der Fachhandel hat uns viel zu sehr in eine Schublade gesteckt."

Die Verkaufsdaten aus der Kasse des Kunden werden online zurück nach Hohenlohe übertragen, damit, was fehlt, immer schnell wieder nachgeliefert werden kann - und der Kunde immer ein komplettes Mustang-Bild sieht. Also nicht nur Blue Jeans, sondern auch Oberteile, Gürtel, Schuhe. Demnächst soll sogar - wie Gürtel und Schuhe in Lizenz gefertigt - ein Mustang-Duft dazukommen. "Mustang ist von der Jeans- zu einer Lifestyle-Marke geworden", erklärt Heiner Sefranek. Wie das funktioniert, beobachtet er zurzeit in Hamburg, wo in zwei großen Einkaufszentren eigene Mustang-Geschäfte eröffnet wurden. "Die Kundschaft ändert sich von Woche zu Woche. Zuerst kamen Leute, die einen Jeans-Shop erwarteten, mittlerweile werden wir viel modischer wahrgenommen."

Im Zentrum der ganze Marke steht für Sefranek das Wort "true". Aber wie lässt sich das auf eine Fläche übersetzen? Zum Beispiel mit Materialien: Anfangs waren die Mustang-Präsentiertische noch weiß. Das war dem Chef zu sauber. Zu unecht. Jetzt liegen die Jeans auf einem grob geschweißten Tisch aus Stahlgitter. "Unverschnörkelt", nennt Sefranek das. "Schließlich ist die Jeans ein demokratisches Produkt. Und sie war mal Berufsbekleidung." Im Gegensatz zu "aufgebrezelten" Wettbewerbern wie Diesel mache er nicht jede modische Welle mit. "Es muss funktional sein und sinnvoll erscheinen. Schließlich ist ein Mustang kein Dressurpferd."

Das spiegelt sich auch im Design der Mustang-Shops wider, wo der Kunde Ware kaufen kann, die nicht ver-, sondern bekleidet, wie Sefranek es formuliert. Und: Alles ist so konzipiert, dass es kombinierbar ist und nicht nach vier Wochen wieder obsolet. Der Anspruch ist hoch. Über 150 Kunden haben die Künzelsauer mittlerweile auf Flächenkonzepte umgestellt. Bis in vier Jahren sollen alle Geschäfte, die Mustang führen, auf diese Art und Weise beliefert werden - wobei es auch weiterhin, wie Sefranek betont, modischere und jeansigere Varianten der Ausstattung geben wird. Je nachdem, wie der Fachhändler seinen Laden und seine Kundschaft einschätzt.

Der Erfolg ist verblüffend. Um mindestens 20 und um bis zu 80 Prozent sind die Umsätze dort nach oben geschnellt, wo sich Mustang als Marke breitmachen darf. Obwohl der Einzelhandel immer noch in der Krise steckt und deswegen auch weiterhin viele Mustang-Kunden die Segel streichen, rechnet Heiner Sefranek erstmals seit einem halben Dutzend Jahren für 2004 bei der Marke Mustang wieder mit einem leichten Umsatzzuwachs.

Mit einem selbst entwickelten Computerprogramm kann ein Geschäft (wie hier in Dresden) virtuell in einen Mustang-Shop verwandelt werden. Das Programm zeigt nicht nur das neue Erscheinungsbild, sondern berechnet auch, welche Umsatz und Gewinn der Händler erwarten kann. (Foto: Mustang)

Quelle: Heilbronner Stimme von Manfred Stockburger siehe www.stimme.de

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