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"Appetithappen" aus Porzellan im Grafschaftsmuseum Wertheim

     
 
 

29.12.2004


 

Tintenfässchen, Sandstreuer und weitere Kostbarkeiten aus Porzellan, werden bald im Hofgartenschlösschen in Wertheim zu sehen sein. Bis das soweit ist, zeigt das Grafschaftschaftsmuseum „Appetithappen“ auf das was dort zu erwarten sein wird.

Es lohnt sich, mit offenen Augen durch das Grafschaftsmuseum zu gehen. Häufig finden sich kleine Preziosen auch außerhalb der großen Ausstellungen. So wie zurzeit. In einigen Vitrinen im Haus zu den vier Gekrönten werden - für voraussichtlich ein Jahr - 23 neue Objekte aus der Porzellansammlung von Dr. Carla Müller präsentiert. Sie alle stammen aus der Zeit des späten 19. Jahrhunderts bis etwa 1860/70, wurden in französischen Manufakturen gefertigt und haben ein gemeinsames Thema: das Schreiben.

Bei der Schau handelt es sich um weitere "Appetithappen" auf das, was nach der Fertigstellung im Hofgartenschlösschen dauerhaft zu sehen sein wird, so Museumsleiter Dr. Jörg Paczkowski, der gemeinsam mit Dr. Constanze Neuendorf-Müller der Presse die neuen Stücke vorstellte.

Ausgewählt wurden in der Hauptsache Tintenfässer mit allem, was dazu gehört: Sei es der Behälter für die Feder, sei es das Fässchen für die Tinte oder den Sandstreuer zum Ablöschen. Dabei sind die unterschiedlichsten Motive, besonders häufig aber ein Delfin zu sehen. So auf einem Objekt um 1830 aus der Manufaktur Villard und Cil aus Bordeaux. Ein anderes Kleinod zeigt Tintenfass und Streuer mit Delfin auf vier Krallenfüssen und wurde um 1810/20 gefertigt. Noch älter ist der "Amor auf Delfin" von 1773 aus der Porzellanfabrik in der Rue de la Roquette, Paris.

Liebesgott Amor war ebenfalls ein häufig gewähltes Motiv. In der Porzellansammlung ist er schlafend auf einer Liege (um 1825/35) oder als Maler (1810/20), aber auch als Federhalter (1820/30) dargestellt. In einer anderen romantischen Darstellung bringt ein Hund einen Liebesbrief fort (1810/20) und betätigt sich so praktisch als Amors Bote.

Das alles geschieht "unter den Augen" des berühmten Heinrich Hofmann, Hauptmann im Großbritannischen Generalstab, Künstlers und Kulturpolitikers, der von einem Gemälde herabblickt und dem weitere Ausstellungsstücke in dem Raum gewidmet sind. So gibt es, passend zum Thema, eine Auswahl seiner Schriftstücke oder Briefe seines Bruders. Hofmann, geboren am 21. Mai 1779, ging 1796 nach England und nahm unter anderem aktiv am Krieg gegen Frankreich teil. Im Jahr 1816 nahm er seinen Abschied aus der Armee "und gelangte durch die Freundschaft mit Georg Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg und dessen Sohn Adolf zu einer herausragenden Stellung am Wertheimer Hof und im Leben der Stadt Wertheim", wie es in einer kurzen biografischen Notiz heißt. Hofmann arbeitete unter anderem an der Planung der Gewerbeschule mit, nahm an der Vorbereitung der Michaelis-Messe teil und war beim Wertheimer Hoftheater für die biedermeierliche Dekoration zuständig. Am 22. Juli 1866 starb er, hoch angesehen, in Wertheim.

Die 23 neuen Porzellanstücke stammen aus der rund 750 Exponate umfassenden Privatsammlung von Dr. Carla Müller und werden in absehbarer Zeit als Stiftung an die Stadt Wertheim kommen.

Quelle: Fränkische Nachrichten

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