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Tintenfässchen, Sandstreuer und weitere Kostbarkeiten aus
Porzellan, werden bald im Hofgartenschlösschen in Wertheim
zu sehen sein. Bis das soweit ist, zeigt das Grafschaftschaftsmuseum „Appetithappen“ auf
das was dort zu erwarten sein wird.
Es lohnt sich, mit offenen Augen durch das Grafschaftsmuseum zu
gehen. Häufig finden sich kleine Preziosen auch außerhalb
der großen Ausstellungen. So wie zurzeit. In einigen Vitrinen
im Haus zu den vier Gekrönten werden - für voraussichtlich
ein Jahr - 23 neue Objekte aus der Porzellansammlung von Dr. Carla
Müller präsentiert. Sie alle stammen aus der Zeit des
späten 19. Jahrhunderts bis etwa 1860/70, wurden in französischen
Manufakturen gefertigt und haben ein gemeinsames Thema: das Schreiben.
Bei der Schau handelt es sich um weitere "Appetithappen" auf
das, was nach der Fertigstellung im Hofgartenschlösschen dauerhaft
zu sehen sein wird, so Museumsleiter Dr. Jörg Paczkowski,
der gemeinsam mit Dr. Constanze Neuendorf-Müller der Presse
die neuen Stücke vorstellte.
Ausgewählt wurden in der Hauptsache Tintenfässer mit
allem, was dazu gehört: Sei es der Behälter für
die Feder, sei es das Fässchen für die Tinte oder den
Sandstreuer zum Ablöschen. Dabei sind die unterschiedlichsten
Motive, besonders häufig aber ein Delfin zu sehen. So auf
einem Objekt um 1830 aus der Manufaktur Villard und Cil aus Bordeaux.
Ein anderes Kleinod zeigt Tintenfass und Streuer mit Delfin auf
vier Krallenfüssen und wurde um 1810/20 gefertigt. Noch älter
ist der "Amor auf Delfin" von 1773 aus der Porzellanfabrik
in der Rue de la Roquette, Paris.
Liebesgott Amor war ebenfalls ein häufig gewähltes Motiv.
In der Porzellansammlung ist er schlafend auf einer Liege (um 1825/35)
oder als Maler (1810/20), aber auch als Federhalter (1820/30) dargestellt.
In einer anderen romantischen Darstellung bringt ein Hund einen
Liebesbrief fort (1810/20) und betätigt sich so praktisch
als Amors Bote.
Das alles geschieht "unter den Augen" des berühmten
Heinrich Hofmann, Hauptmann im Großbritannischen Generalstab,
Künstlers und Kulturpolitikers, der von einem Gemälde
herabblickt und dem weitere Ausstellungsstücke in dem Raum
gewidmet sind. So gibt es, passend zum Thema, eine Auswahl seiner
Schriftstücke oder Briefe seines Bruders. Hofmann, geboren
am 21. Mai 1779, ging 1796 nach England und nahm unter anderem
aktiv am Krieg gegen Frankreich teil. Im Jahr 1816 nahm er seinen
Abschied aus der Armee "und gelangte durch die Freundschaft
mit Georg Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg und
dessen Sohn Adolf zu einer herausragenden Stellung am Wertheimer
Hof und im Leben der Stadt Wertheim", wie es in einer kurzen
biografischen Notiz heißt. Hofmann arbeitete unter anderem
an der Planung der Gewerbeschule mit, nahm an der Vorbereitung
der Michaelis-Messe teil und war beim Wertheimer Hoftheater für
die biedermeierliche Dekoration zuständig. Am 22. Juli 1866
starb er, hoch angesehen, in Wertheim.
Die 23 neuen Porzellanstücke stammen aus der rund 750 Exponate
umfassenden Privatsammlung von Dr. Carla Müller und werden
in absehbarer Zeit als Stiftung an die Stadt Wertheim kommen.
Quelle: Fränkische Nachrichten
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