Übersicht

 
 
   

Immer auf Achse für neue Lehrstellen

     
 
 

30.12.2004


 

Lehrstellenwerber der Handwerkskammer Heilbronn-Franken zieht Bilanz. Die Arbeit des ersten Lehrstellenwerbers in Baden-Württemberg stößt auch bei den überregionalen Medien auf Interesse. Norman Gmyrek (links) wird von einem Kamerateam des Südwestrundfunks einen Tag lang bei seinen Betriebsbesuchen begleitet.

54 neue Lehrverträge im Handwerk der Region gehen auf das Konto von Lehrstellenwerber Norman Gmyrek. Seit einem Jahr ist der 28-jährige Feinwerkmechanikermeister für die Handwerkskammer Heilbronn-Franken bei den Betrieben unterwegs und wirbt für neue Ausbildungsplätze im Handwerk. Im Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie dem Landkreis Schwäbisch Hall hat er bislang knapp 500 Handwerksunternehmen kontaktiert, die seit mehreren Jahren nicht mehr oder noch nie ausgebildet haben. Rund ein Drittel der Betriebe interessierten sich für das Thema Ausbildung und luden den Lehrstellenwerber zu einem Betriebsbesuch ein. Quer durch alle Berufssparten werden inzwischen neue Lehrstellen angeboten. Ein Teil der Betriebe kam für einen Besuch nicht in Frage, weil größere Veränderungen wie die Übergabe an einen Nachfolger bevorstand, oder weil der Betrieb in absehbarer Zeit geschlossen werden sollte.

Im Gespräch mit den Betriebsinhabern und Ausbildern erfuhr Norman Gmyrek, welche Bedenken die Betriebe beim Thema Ausbildung haben. Viele Unternehmer sehen in der angespannten wirtschaftlichen Lage das Hauptproblem. Das Auftragsvolumen sei oft nicht mehr kalkulierbar. „In dieser Situation arbeiten viele Betriebe gezwungenermaßen mit Aushilfskräften und reduzieren dafür ihren festen Mitarbeiterstamm“, berichtet Gmyrek. Hinzu komme der Preisdruck durch zahlreiche Kleinstbetriebe und Ich-AGs, die infolge der neuen Handwerksordnung auf den Markt strömen. Mit den klassischen, breit angelegten Geschäftsfeldern des Handwerks sei oft nicht mehr viel verdient, deshalb müssten sich immer mehr Betriebe spezialisieren. „Diese Betriebsinhaber wollen in der Regel nicht ausbilden, weil sie ihren Lehrlingen keine einseitige Ausbildung anbieten möchten“, weiß Norman Gmyrek. Andere Unternehmer sind frustriert, weil sie gutes Personal an die Industrie verlieren. „Die zahlen besser und werben uns die Fachkräfte ab“, klagen besonders kleine Unternehmen. Dabei betreuen gerade sie ihre Lehrlinge meist sehr gut, da diese für den Betrieb eine wichtige Unterstützung bedeuten. Die Auszubildenden werden für vielseitige Aufgaben eingesetzt und arbeiten schnell mit. Norman Gmyrek zeigt den Betrieben Lösungsmöglichkeiten auf. Ist der Betrieb stark spezialisiert, bietet es sich an, gemeinsam mit einem anderen Betrieb einen Ausbildungsverbund zu gründen, um ein breiteres Berufsfeld abzudecken. Indem Betriebe einen Praktikumsplatz anbieten, haben sie die Möglichkeit, den Jugendlichen sechs bis zwölf Monate lang kennen zu lernen und sich selbst als Ausbildungsbetrieb zu testen. Entschließt sich ein Betrieb, eine Lehrstelle anzubieten, fragt Gmyrek einige Wochen später nach, ob alles klappt und bietet gegebenenfalls Hilfe an.

Im kommenden Jahr geht die Reise des Lehrstellenwerbers durch die Region weiter. Sein abwechslungsreicher Job macht Norman Gmyrek Spaß - er erlebt viel. „Die Betriebsbesuche dauern manchmal nur 15 Minuten, dann wieder zwei Stunden. Ich stand schon vor verschlossenen Türen, andere haben mich mit Kaffee und Kuchen bewirtet und mir ihren Betrieb gezeigt“, erzählt Gmyrek. Er hofft, dass die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe weiter zunehmen wird und er erneut seinen Beitrag zur Erfüllung des Ausbildungspakts leisten kann.

Heilbronn-Franken Handwerkskammer