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Lehrstellenwerber der Handwerkskammer Heilbronn-Franken zieht
Bilanz. Die Arbeit des ersten Lehrstellenwerbers in Baden-Württemberg
stößt auch bei den überregionalen Medien auf
Interesse. Norman Gmyrek (links) wird von einem Kamerateam des
Südwestrundfunks einen Tag lang bei seinen Betriebsbesuchen
begleitet.
54 neue Lehrverträge im Handwerk der Region gehen auf das
Konto von Lehrstellenwerber Norman Gmyrek. Seit einem Jahr ist
der 28-jährige Feinwerkmechanikermeister für die Handwerkskammer
Heilbronn-Franken bei den Betrieben unterwegs und wirbt für
neue Ausbildungsplätze im Handwerk. Im Stadt- und Landkreis
Heilbronn sowie dem Landkreis Schwäbisch Hall hat er bislang
knapp 500 Handwerksunternehmen kontaktiert, die seit mehreren Jahren
nicht mehr oder noch nie ausgebildet haben. Rund ein Drittel der
Betriebe interessierten sich für das Thema Ausbildung und
luden den Lehrstellenwerber zu einem Betriebsbesuch ein. Quer durch
alle Berufssparten werden inzwischen neue Lehrstellen angeboten.
Ein Teil der Betriebe kam für einen Besuch nicht in Frage,
weil größere Veränderungen wie die Übergabe
an einen Nachfolger bevorstand, oder weil der Betrieb in absehbarer
Zeit geschlossen werden sollte.
Im Gespräch mit den Betriebsinhabern und Ausbildern erfuhr
Norman Gmyrek, welche Bedenken die Betriebe beim Thema Ausbildung
haben. Viele Unternehmer sehen in der angespannten wirtschaftlichen
Lage das Hauptproblem. Das Auftragsvolumen sei oft nicht mehr kalkulierbar. „In
dieser Situation arbeiten viele Betriebe gezwungenermaßen
mit Aushilfskräften und reduzieren dafür ihren festen
Mitarbeiterstamm“, berichtet Gmyrek. Hinzu komme der Preisdruck
durch zahlreiche Kleinstbetriebe und Ich-AGs, die infolge der neuen
Handwerksordnung auf den Markt strömen. Mit den klassischen,
breit angelegten Geschäftsfeldern des Handwerks sei oft nicht
mehr viel verdient, deshalb müssten sich immer mehr Betriebe
spezialisieren. „Diese Betriebsinhaber wollen in der Regel
nicht ausbilden, weil sie ihren Lehrlingen keine einseitige Ausbildung
anbieten möchten“, weiß Norman Gmyrek. Andere
Unternehmer sind frustriert, weil sie gutes Personal an die Industrie
verlieren. „Die zahlen besser und werben uns die Fachkräfte
ab“, klagen besonders kleine Unternehmen. Dabei betreuen
gerade sie ihre Lehrlinge meist sehr gut, da diese für den
Betrieb eine wichtige Unterstützung bedeuten. Die Auszubildenden
werden für vielseitige Aufgaben eingesetzt und arbeiten schnell
mit. Norman Gmyrek zeigt den Betrieben Lösungsmöglichkeiten
auf. Ist der Betrieb stark spezialisiert, bietet es sich an, gemeinsam
mit einem anderen Betrieb einen Ausbildungsverbund zu gründen,
um ein breiteres Berufsfeld abzudecken. Indem Betriebe einen Praktikumsplatz
anbieten, haben sie die Möglichkeit, den Jugendlichen sechs
bis zwölf Monate lang kennen zu lernen und sich selbst als
Ausbildungsbetrieb zu testen. Entschließt sich ein Betrieb,
eine Lehrstelle anzubieten, fragt Gmyrek einige Wochen später
nach, ob alles klappt und bietet gegebenenfalls Hilfe an.
Im kommenden Jahr geht die Reise des Lehrstellenwerbers durch die
Region weiter. Sein abwechslungsreicher Job macht Norman Gmyrek
Spaß - er erlebt viel. „Die Betriebsbesuche dauern
manchmal nur 15 Minuten, dann wieder zwei Stunden. Ich stand schon
vor verschlossenen Türen, andere haben mich mit Kaffee und
Kuchen bewirtet und mir ihren Betrieb gezeigt“, erzählt
Gmyrek. Er hofft, dass die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe
weiter zunehmen wird und er erneut seinen Beitrag zur Erfüllung
des Ausbildungspakts leisten kann.
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