Unter mehr als 3.500
Weinen zu den Top 10 der deutschen Weingüter
zu gehören, das ist schon was. Weinbau Leiss aus Gellmersbach
und die WG Brackenheim im Herzen von Deutschlands „Rotweinregion
Nr. 1“ gehören dazu.
Mehr als 3.500 Weine aus 34 Ländern stellten sich im Wettstreit
um Medaillen den Juroren beim vierten großen internationalen
Weinpreis MUNDUS VINI im September 2004. 160 Juroren wurden aus
33 Ländern zum Weintesten an die Deutsche Weinstraße
eingeflogen. Es wurde geschnüffelt und geschlürft, gerechnet
und gepunktet. Ingesamt wurden mehr als 400 Medaillen an deutsche
Erzeuger vergeben: sechs Mal Großes Gold, 108 Mal Gold und
297 Mal Silber. Einmal mehr der Beweis, dass die deutschen Winzer
den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Zum Vergleich:
insgesamt wurden 13 Große Gold., 286 Gold- und 819 Silbermedaillen
vergeben.
Zwei Weingüter – ein privater und eine Genossenschaft – gehören
mit zu den TOP 10 der Deutschen Weingüter. Neben den Weingütern
Königin Victoriaberg (Rheingau), Schloss Reinhartshausen (Rheingau),
Mugler (Mittelhart/Pfalz)und Knobloch (Rheinhessen), der Bergsträsser
Winzer eG (Hessische Bergstraße) gehören auch die Weingüter
Juliusspital (Franken), Karl Pfaffmann (Pfalz/Südliche Weinstrasse)
und der Wein- und Sekthof Wilhelmshof (Franken) mit dazu.
Zwei aus der Region Heilbronn-Franken, der Deutschen Rotweinregion
Nr.1 haben es auch ganz nach oben geschafft. Das Weingut
Gerhard Leiss aus Gellmersbach und die Weingärtner-Genossenschaft
Brackenheim.
Weingärtner-Genossenschaft
Brackenheim
Im Herzen von Württemberg liegt die Weinbaugemeinde Brackenheim – mit über
800 Hektar Rebfläche die größte im Ländle
und dazu noch größte Lemberger-Metropole Deutschlands.
Hier wurde auch der erste deutsche Bundespräsident Theodor
Heuss geboren und hat seine Doktorarbeit über den „Weinbau
am Neckar“ geschrieben.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1925 dreht sich für so manchen
ansässigen Wengerter alles um die Genossenschaft. Derzeit
liefern etwa 500 Wengerter Traubenmaterial von rund 380 Hektar
Rebfläche ab – der Fokus liegt auf roten Sorten.
Rund achteinhalb Millionen Liter Wein können im modernen
Keller lagern. Das bedeutet ein hohes Maß an Logistik und
Kontrolle. Die Technik auf der einen Seite steht die Philosophie
des Hauses gegenüber. „Bei uns wird die Qualitätsphilosophie
nicht nur kommuniziert, sondern auch umgesetzt“, berichtet
Hermann Alt, seit 1968 Geschäftsführer des Unternehmens
und ergänzt: „Zum einen werden unsere Mitglieder zur
Qualität verpflichtet, zum anderen werden die angelieferten
Trauben optimal zu Wein verarbeitet.“
Die Brackenheimer waren übrigens die erste Genossenschaft
Deutschlands, die mit dem Ausbau von Weinen in Barriques begonnen
hat. Ziel von Hermann Alt ist es, den Barriquekeller um 100 Fässer
zu erweitern.
Großes Gold ging an den 2003 Brackenheimer Wolfsaugen Riesling
Eiswein, der in der Nase Ananas, Pfirsich, Apfel und Honig dazu
Marzipan und Kräuter aufs Schönste vereint. Im Mund treffen
Pfirsisch, roter Apfel, Honig, Mango und abgeriebene Orangenschale
aufeinander. Ein kräftiger säurebetonter Eiswein maskuliner
Art.
Weingut Gerhard Leiss Gellmersbach
„Wir leben die Gastlichkeit – das ist meine ganze
Philosophie“, sagt Gerhard Leiss, der großen Wert auf
Kundenbindung legt. So werden 97 Prozent der Weine ab Hof verkauft,
was auch an der Besenwirtschaft liegt, die von der Familie sechs
Wochen im Jahr betrieben wird.
Hier stehen regionale Schwäbische Spezialitäten auf
der Karte, die alle selbst hergestellt werden. Seit Generationen
macht Familie Leiss Weine im württembergischen Gellmersbach
im Landkreis Heilbronn. 1959 wurde vom gemischten Betrieb auf den
Weinbau umgestellt. Heute werden elf Hektar mit 13 Rebsorten bewirtschaftet,
allen voran der Trollinger mit 25 Prozent, gefolgt von 23 Prozent
Riesling. Zwölf Prozent fallen auf Lemberger, gefolgt von
sieben Prozent Grauburgunder und fünf Spätburgunder.
Der Rotweinanteil liegt derzeit bei 70 Prozent. Gerhard Leiss rechnet
jedoch mit Zuwächsen bei den weißen Sorten.
„Wir betreiben intensiven Weinbau“, berichtet der
Lemberger-Liebhaber. Naturnaher Anbau mit Teilzeitbegrünung
und Stroh, dazu Düngung aus eigenem Kompost halten das Ökosystem
Weinberg intakt. Die Trauben werden ausschließlich von Hand
gelesen, behutsam gekeltert und langsam vergoren. Die Weine sind
fruchtbetont, elegant und strotzen voll Energie und Kraft.
Probieren Sie die 2003 Gellmersbacher Dezberg
Riesling Spätlese
feinherb, die mit Großem Gold ausgezeichnet wurde und insgesamt
als „bester restsüßer Wein“ abschnitt: Aromen
von Banane, Vanille und Birne paaren sich mit Noten von Johannisbeere,
Kiwi und Kräutern. Ein saftiger Wein, der im Mund mit Noten
von reifen, weißen Früchten einen Hauch aufwartet und
einen kernigen, langen Abgang hat.
Quelle: Weinwelt Ausgabe Febr./März 2005
Alles zu Deutschlands Rotweinregion Nr. 1 finden Sie hier:
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