Naturwissenschaftliche
Nachwuchskräfte sind in Deutschland
Mangelware. Mit dem neuen "School-Lab" will das Deutsche
Luft- und Raumfahrtzentrum in Lampoldshausen in der Region Heilbronn-Franken
Schüler neugierig machen auf alles, was mit Chemie, Physik
und Mathe zu tun hat.
"
Raus aus der Schule - rein ins Labor", so wollen die Wissenschaftler
sowohl die Lehrer als auch Schülerinnen und Schüler aus
dem trockenen, theoretischen Unterricht locken, betont Bernhard
Heislbetz, Leiter des neuen DLR-Schullabors. Das europäische
Kompetenzentrum für Raketenantriebe im Hardthausener Teilort
und die Stuttgarter DLR-Institute für Verbrennungstechnik,
technische Thermodynamik, Physik, Fahrzeugkonzepte und Konstruktionsforschung
bieten hier 36 Plätze an neun Versuchstischen an, die eng
mit den laufenden Forschungsreihen der jeweiligen Standorte verknüpft
sind.
Die Experimente stammen vorwiegend aus der Luft- und Raumfahrt
sowie der Verkehrsforschung. Die Schüler experimentieren einen
ganzen Tag auf aktuellen Themengebieten. Neben der Modellierung
des Raketenflugs mittels Computerberechnungen, der Konfiguration
einer Rakete und dem Start einer Wasserrakete gibt es Vakuum- und
Höhensimulationen, Versuche zur Abwasserreinigung, Werkstofftechnologie
oder beispielsweise alternative Antriebstechnologien am Beispiel
eines Elektrobusses. Wissenschaftler der Standorte begleiten die
jeweiligen Projekte.
Durch Spaß am selbständigen Experimentieren sollen die
Schüler schon ab der Mittelstufe besser den Zugang zur Forschung
finden. Zunächst zielt das DLR in Lampoldshausen auf Gymnasien
und Berufsschulen im ganzen Land ab. "Wir wollen nachhaltig
den technischen Nachwuchs in der Region sichern", unterstreicht
Bernhard Heislbetz. Und: "Wir zeigen damit auch die Bedeutung
der Naturwissenschaften für ein High-Tech-Land wie Baden-Württemberg
auf."
In Deutschland fehlt qualifizierter Nachwuchs in Natur- und Ingenieurswissenschaften",
unterstreicht auch Dr. Michael Oschwald, Leiter Raketenantriebe
beim DLR. Er beklagt zudem die mangelnde Unterstützung der
Industrie: "Sie hat versäumt, Forscherentwicklungen aufzunehmen." Beispiel
MP3-Technologie: Diese Erfindung des Fraunhoferinstituts haben
die Deutschen verkannt und die Amerikaner vermarktet.
Laut Dr. Oskar Haidn, stellvertretender DLR-Institutsleiter, hat
das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum 250 000 Euro in Umbaumaßnahmen
und in den Aufbau von School-Lab investiert. Weitere 250 000 Euro
schätzt er als Kosten für den jährlichen Unterhalt.
Mindestens 25 Prozent sollen aus Sponsorengeldern kommen.
Ein gutes Beispiel gibt die Sparkassen-Stiftung "Jugend, soziale
Aufgaben, Naturschutz". 5000 Euro überreichte Sparkassenvorstand
Matthias Peschke von der Sparkasse Heilbronn für einen besonderen
Versuchsaufbau: "Schwerelos - Experimente im Fallturm".
Den Schülern sollen physikalische Effekte der Schwerelosigkeit
gezeigt werden, die man nur im All oder bei einem Parabelflug beobachten
kann. Peschke rechnet bei der Bedeutung des Themas "wissenschaftliche
Nachwuchskräfte" mit Nachahmern aus der Region. Denn
wie Oskar Haidn betont, ist das mit staatlichen Mitteln geförderte
School-Lab 2006 noch nicht gesichert.
Quelle Heilbronner Stimme 25. Januar 2005 von Rolf Muth
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