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Hällisches Schwein und indischer Öko-Pfeffer

     
 
 

10.2.05


 

Mit dem Kopf in der Welt und den Beinen fest auf heimischem Boden, das gilt auch für Rudolf Bühler dem Chef der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. In Indien stelle er ein ökologisches Gewürzprojekt vor.


Das Hällisches Landschwein ist wie das Boeuf de Hohenlohe neben den Autos und Maschinen der Exportschlager der Region Heilbronn-Franken. Schon zu Zeiten Napoleons hat man das feine Fleisch der Freilandrinder nach Paris auf den Markt gefahren und am Königshof in Versailles zu köstlichen Speisen verarbeitet.

Die Schwäbisch-Hällischen Schweine gehören zu den ältesten Schweinerassen in Deutschland. Von einem »Hällischen Schlag« ist in Württemberg bereits am Ende des 18. Jahrhunderts die Rede. Diese bodenständige Rasse hatte schon die charakteristische schwarzweiße Färbung und die tief herabhängenden Ohren; das Schwäbisch-Hällische Schwein aber, wie wir es heute kennen, ist erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Einkreuzung eines chinesischen Maskenschweins entstanden.

Die am Hällischen Schwein geschätzten Eigenschaften wurden dadurch noch verbessert. Schon diese waren große Schweine mit zartem Fleisch, die sehr fruchtbar und widerstandsfähig gegen Krankheiten waren. 1936 waren 40 % aller Schweine in Württemberg Schwäbisch-Hällische. Im Landkreis Schwäbisch-Hall waren es später sogar 99 %.

Auch noch in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg war das Fleisch der Schwäbisch-Hällischen Schweine gefragt, aber im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs änderten sich die Verbrauchererwartungen. Der Wunsch nach magerem Fleisch hatte den Rückgang dieser Schweinerasse, die zu höherer Fettbildung neigt, fast bis zum Verschwinden bewirkt.

1982 wurde auf der Landesgartenschau in Schwäbisch-Hall eine Muttersau mit ihren Ferkeln ausgestellt. Sie gehörte zu den Attraktionen der Schau, und was anmutete wie eine Kuriosität, wurde der Neuanfang der Schwäbisch Manischen Schweine, die hervorragende Eigenschaften haben. Es sind widerstandsfähige, robuste und langlebige Tiere, die sich besonders zur Freilandhaltung eignen, wie sie auf dem Schulbauernhof praktiziert wird.

Die fruchtbaren Sauen sind mit ihren Ferkeln sehr fürsorglich und duldsam.

Jetzt will die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall mit indischen Gewürzen das Hällische Schwein verfeinern. Sie kooperiert mit indischen Kleinbauern, die alte Gewürzsorten anbauen. Auf der Reise einer Delegation der Stadt Stuttgart nach Indien hat Rudolf Bühler das Projekt vorgestellt.

Rudolf Bühler führt die "Ecoland Herbs and Spices" mit der Familie Dominic aus Kerala als "Privat Public Partnership". Kerala ist die Region Indiens, wo der beste Pfeffer wächst. Und viele andere Gewürze wie Koriander, Zimt, Kardamom, Nelken, Muskatnuss und Vanille. Während eines Gutachtens für die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit in Kerala kam Rudolf Bühler der Gedanke, der Gastronomie und den Metzgereien in Deutschland nicht nur das Qualitätsfleisch der Hällischen Schweine und des Boeuf de Hohenlohe anzubieten, sondern auch Bio-Gewürze. Für den Gründer der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft sind die in Deutschland üblichen Mischgewürze ein Graus: "Zu einem guten Fleisch gehören auch gute Gewürze", sagt er.

Er fand einen Partner: Jose Dominic. Der war von der Idee begeistert, ausschließlich biologisch erzeugte Gewürze zu liefern. Seine "Natural Harvest Company" arbeitet mit drei indischen Ureinwohnergruppen zusammen: den Urali, den Paliyukudi und den Mannakudi. Diese Stammesgruppen bauen in den Randgebieten von geschützten Wäldern und Naturreservaten ihre Gewürze an. Der Staat hat ihnen kleine Landflächen in einer Art Erbpacht überlassen. Die Kleinbauern haben ihre Gewürze schon bisher ohne Pestizide und Herbizide angebaut, weil sie kein Geld für Spritzmittel oder chemischen Dünger besitzen. Die Organisation "Lacon India" unter Führung von Bobby Isaak sorgt dafür, dass die organisch biologischen Anbaubestimmungen nach den EU-Regeln eingehalten werden.

Nach einer Umstellungszeit von zwei Jahren, in der die Bauern verstärkt kontrolliert werden, liefern sie ihren grünen Pfeffer und andere Gewürze sackweise an den Sammelstellen der selbst organisierten Komitees ab. Dort wird die Ware von einem Vertreter der "Natural Harvest Company" genau überprüft. Entspricht sie den guten Qualitätsbestimmungen, erhalten die Bauern bis zu 50 Prozent mehr Geld, als der übliche Tagespreis beträgt, der in den örtlichen Zeitungen aufgelistet ist. Ist die Ware gewogen, wird den Bauern das Geld sofort in Form eines Schecks ausgehändigt. Rund 50 bis 60 Prozent der Pfefferernte entsprechen durchschnittlich den gehobenen Qualitätsansprüchen der "Ecoland Herbs and Spices", den Rest verkaufen die Kleinbauern auf den normalen Auktionen der Gewürzhändler.

Das "Ecoland Herbs and Spices Projekt" von Rudolf Bühler ist ein Mosaikstein innerhalb der Maßnahmen, die eine Landflucht von Dorfbewohnern in die großen Städte verhindern sollen. Zudem verfolgt es ökologische Ziele. Einerseits wegen des organisch-biologischen Gewürzanbaus.

Andererseits holen die Ureinwohner weniger Pflanzen und Gewürze aus dem Regenwald und schützen somit die Arten der Pflanzen- und Tierwelt in dem geschützten Dschungelbereich von zirka 600 Quadratkilometern. Zudem können die Ureinwohner ihre Lebensbedingungen durch den erhöhten Erlös beim Gewürzkauf verbessern, erläuterte Bühler auf der Reise der Stuttgarter Delegation nach Indien. Ziel der Reise, an der auch Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) und Ex-Staatsminister Christoph Palmer (CDU) teilnahmen war es, die im Jahr 1986 gegründete Partnerschaft zwischen Stuttgart und Mumbai zu vertiefen. Bombay oder Mumbai? Die heutige konservative Stadtregierung hat den Namen der Millionen-Metropole vor einigen Jahren in "Mumbai" geändert.

Ein weiteres Beispiel für ein "Privat Public Partnership Project" in Indien stellten Vertreter von Daimler-Chrysler und der Universität Hohenheim vor: Mit dem kaltgepressten Öl der Ölpflanze Jatropha sollen bereits schon in drei Jahren Dieselautos umweltfreundlich fahren.

Quelle: Haller Tagblatt vom 10. Februar 2005 von Bernulf Schlauch

Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall