Mit dem
Kopf in der Welt und den Beinen fest auf heimischem Boden, das
gilt auch für Rudolf Bühler dem Chef der Bäuerlichen
Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. In Indien stelle er ein ökologisches
Gewürzprojekt vor.
Das Hällisches Landschwein ist wie das Boeuf de Hohenlohe neben
den Autos und Maschinen der Exportschlager der Region Heilbronn-Franken.
Schon zu Zeiten Napoleons hat man das feine Fleisch der Freilandrinder
nach Paris auf den Markt gefahren und am Königshof in Versailles
zu köstlichen Speisen verarbeitet.
Die Schwäbisch-Hällischen Schweine gehören zu den ältesten
Schweinerassen in Deutschland. Von einem »Hällischen Schlag« ist
in Württemberg bereits am Ende des 18. Jahrhunderts die Rede.
Diese bodenständige Rasse hatte schon die charakteristische
schwarzweiße Färbung und die tief herabhängenden
Ohren; das Schwäbisch-Hällische Schwein aber, wie wir es
heute kennen, ist erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
durch die Einkreuzung eines chinesischen Maskenschweins entstanden.
Die am Hällischen Schwein geschätzten Eigenschaften wurden
dadurch noch verbessert. Schon diese waren große Schweine mit
zartem Fleisch, die sehr fruchtbar und widerstandsfähig gegen
Krankheiten waren. 1936 waren 40 % aller Schweine in Württemberg
Schwäbisch-Hällische. Im Landkreis Schwäbisch-Hall
waren es später sogar 99 %.
Auch noch in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg war das Fleisch der
Schwäbisch-Hällischen Schweine gefragt, aber im Zuge des
wirtschaftlichen Aufschwungs änderten sich die Verbrauchererwartungen.
Der Wunsch nach magerem Fleisch hatte den Rückgang dieser Schweinerasse,
die zu höherer Fettbildung neigt, fast bis zum Verschwinden
bewirkt.
1982 wurde auf der Landesgartenschau in Schwäbisch-Hall eine
Muttersau mit ihren Ferkeln ausgestellt. Sie gehörte zu den
Attraktionen der Schau, und was anmutete wie eine Kuriosität,
wurde der Neuanfang der Schwäbisch Manischen Schweine, die hervorragende
Eigenschaften haben. Es sind widerstandsfähige, robuste und
langlebige Tiere, die sich besonders zur Freilandhaltung eignen,
wie sie auf dem Schulbauernhof praktiziert wird.
Die fruchtbaren Sauen sind mit ihren Ferkeln sehr fürsorglich
und duldsam.
Jetzt will die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch
Hall mit indischen Gewürzen das Hällische Schwein verfeinern.
Sie kooperiert mit indischen Kleinbauern, die alte Gewürzsorten
anbauen. Auf der Reise einer Delegation der Stadt Stuttgart nach
Indien hat Rudolf Bühler das Projekt vorgestellt.
Rudolf Bühler führt die "Ecoland Herbs and Spices" mit
der Familie Dominic aus Kerala als "Privat Public Partnership".
Kerala ist die Region Indiens, wo der beste Pfeffer wächst.
Und viele andere Gewürze wie Koriander, Zimt, Kardamom, Nelken,
Muskatnuss und Vanille. Während eines Gutachtens für die
Gesellschaft für technische Zusammenarbeit in Kerala kam Rudolf
Bühler der Gedanke, der Gastronomie und den Metzgereien in Deutschland
nicht nur das Qualitätsfleisch der Hällischen Schweine
und des Boeuf de Hohenlohe anzubieten, sondern auch Bio-Gewürze.
Für den Gründer der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft
sind die in Deutschland üblichen Mischgewürze ein Graus: "Zu
einem guten Fleisch gehören auch gute Gewürze", sagt
er.
Er fand einen Partner: Jose Dominic. Der war von der Idee begeistert,
ausschließlich biologisch erzeugte Gewürze zu liefern.
Seine "Natural Harvest Company" arbeitet mit drei indischen
Ureinwohnergruppen zusammen: den Urali, den Paliyukudi und den
Mannakudi. Diese Stammesgruppen bauen in den Randgebieten von geschützten
Wäldern und Naturreservaten ihre Gewürze an. Der Staat
hat ihnen kleine Landflächen in einer Art Erbpacht überlassen.
Die Kleinbauern haben ihre Gewürze schon bisher ohne Pestizide
und Herbizide angebaut, weil sie kein Geld für Spritzmittel
oder chemischen Dünger besitzen. Die Organisation "Lacon
India" unter Führung von Bobby Isaak sorgt dafür,
dass die organisch biologischen Anbaubestimmungen nach den EU-Regeln
eingehalten werden.
Nach einer Umstellungszeit von zwei Jahren, in der die Bauern verstärkt
kontrolliert werden, liefern sie ihren grünen Pfeffer und
andere Gewürze sackweise an den Sammelstellen der selbst organisierten
Komitees ab. Dort wird die Ware von einem Vertreter der "Natural
Harvest Company" genau überprüft. Entspricht sie
den guten Qualitätsbestimmungen, erhalten die Bauern bis zu
50 Prozent mehr Geld, als der übliche Tagespreis beträgt,
der in den örtlichen Zeitungen aufgelistet ist. Ist die Ware
gewogen, wird den Bauern das Geld sofort in Form eines Schecks
ausgehändigt. Rund 50 bis 60 Prozent der Pfefferernte entsprechen
durchschnittlich den gehobenen Qualitätsansprüchen der "Ecoland
Herbs and Spices", den Rest verkaufen die Kleinbauern auf
den normalen Auktionen der Gewürzhändler.
Das "Ecoland Herbs and Spices Projekt" von Rudolf Bühler
ist ein Mosaikstein innerhalb der Maßnahmen, die eine Landflucht
von Dorfbewohnern in die großen Städte verhindern sollen.
Zudem verfolgt es ökologische Ziele. Einerseits wegen des
organisch-biologischen Gewürzanbaus.
Andererseits holen die
Ureinwohner weniger Pflanzen und Gewürze aus dem Regenwald
und schützen somit die Arten der Pflanzen- und Tierwelt in
dem geschützten Dschungelbereich von zirka 600 Quadratkilometern.
Zudem können die Ureinwohner ihre Lebensbedingungen durch
den erhöhten Erlös beim Gewürzkauf verbessern, erläuterte
Bühler auf der Reise der Stuttgarter Delegation nach Indien.
Ziel der Reise, an der auch Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang
Schuster (CDU) und Ex-Staatsminister Christoph Palmer (CDU) teilnahmen
war es, die im Jahr 1986 gegründete Partnerschaft zwischen
Stuttgart und Mumbai zu vertiefen. Bombay oder Mumbai? Die heutige
konservative Stadtregierung hat den Namen der Millionen-Metropole
vor einigen Jahren in "Mumbai" geändert.
Ein weiteres Beispiel für ein "Privat Public Partnership
Project" in Indien stellten Vertreter von Daimler-Chrysler
und der Universität Hohenheim vor: Mit dem kaltgepressten Öl
der Ölpflanze Jatropha sollen bereits schon in drei Jahren
Dieselautos umweltfreundlich fahren.
Quelle: Haller Tagblatt vom 10. Februar 2005 von Bernulf Schlauch
|