Aktuell
produzieren im Umfeld und in der Region Heilbronn-Franken rund
80 Biogasanlagen Strom und Wärme. Hohenloher Pioniere haben
diese Technologie in nur zwei Jahrzehnten weltweit konkurrenzfähig
gemacht.
Unübersehbar rotieren über Hohenlohe immer höhere
Windräder. Ganze Scheunendächer verschwinden unter blauschimmernden
Solarzellen. Eine andere Methode zur Gewinnung erneuerbarer Energie
fand bislang in der öffentlichen Diskussion weniger Aufmerksamkeit:
das Biogas.
Biogas langsam auf dem Vormarsch: Eine solche Anlage wandelt Mist,
Gülle und Pflanzen in Biogas um, aus dem dann wiederum Strom
und Wärme gewonnen werden können.
Doch das ändert sich laut Aussagen des Biogasexperten Michael
Köttner gerade grundlegend. "Mit der Überarbeitung
des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, kurz EEG, im August 2004 hat
sich die Fördersituation für Biogasanlagen grundlegend
verbessert." Der Geschäftsführer des "Internationalen
Biogas- und Bioenergie Kompetenzzentrums" in Weckelweiler verweist
auf die gestiegene Grundvergütung von bis zu 11,3 Cent pro erzeugter
Kilowattstunde und Zusatzvergütungen, die gesetzlich über
20 Jahre festgeschrieben sind. "Der wichtigste Bonus von sechs
Cent wird gewährt, wenn ausschließlich Mist, Gülle
und unverarbeitete Pflanzen als Grundstoffe verwendet werden",
nennt Köttner die Eckdaten.
Die Gesetzesnovelle habe im Biogasbereich zu einer regelrechten
Euphorie geführt. "Investitionskosten von rund 350<ET>000
Euro für eine 70- bis 80-Kilowatt-Anlage gewährleisten
einen Gewinn von jährlich 20.000 Euro", so der Experte.
Zugleich warnt er eindringlich davor, den Einstieg in diese Technologie
als generellen Heilsbringer für jeden landwirtschaftlichen
Betrieb zu verstehen. Jede Anlage müsse bei einer Standzeit
von wenigstens 20 Jahren auf die betrieblichen Voraussetzungen
zugeschnitten werden. Der Landwirt muss sich entscheiden, auf welchen
Flächen er dauerhaft Mais oder Roggen anbauen kann, um wichtige
Grundstoffe für das Betreiben der Anlagen zu gewinnen.
Auch für die Produktion nachwachsender Rohstoffe winken beachtliche
Zuschüsse. Der Weg durch den Dschungel der Genehmigungsauflagen
ist nicht ganz einfach. Bei der Planung von Anlagen verweist Köttner
auf das unabhängige Beratungsangebot des Kompetenzzentrums,
das über das Energie-Zentrum Wolpertshausen gefördert
werden kann.
Dabei profitieren der Biogasexperte und seine Mitarbeiter von
den langjährigen Erfahrungen der Hohenloher Pioniere. Begonnen
hat alles vor rund 20 Jahren in der Bauernschule Weckelweiler.
Gerade Demeterbetriebe haben die Anregungen der Bauernschule aufgenommen
und kleinere Anlagen mit Leistungen bis 15 Kilowatt erstellt. Die
Pioniere wollten betriebliche Kreisläufe schließen und über
die Anlagen Dünger gewinnen. Das sei gelungen, so Köttner. "Gerade
Putenmist und Schweinegülle riechen sehr unangenehm." Nach
Umbau dieser Stoffe in Biogasanlagen sei die Geruchsbelastung minimal,
die Boden schädigende Säure sei abgebaut und ein leicht
verfügbarer nährstoffreicher Dünger könne wieder
auf Feldern abgebaut werden. Die Idee der Pioniere hat sich durchgesetzt.
Weltweit, wie Nachfragen aus China, Indien, Chile oder Irland beweisen.
Quelle: Haller Tagblatt von Roland Schulz 16. Februar 2005
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