Übersicht

 
 
   

Hohenloher Pionierarbeit bei Erzeugung erneuerbarer Energie

     
 
 

16.2.05


 

Aktuell produzieren im Umfeld und in der Region Heilbronn-Franken rund 80 Biogasanlagen Strom und Wärme. Hohenloher Pioniere haben diese Technologie in nur zwei Jahrzehnten weltweit konkurrenzfähig gemacht.


Unübersehbar rotieren über Hohenlohe immer höhere Windräder. Ganze Scheunendächer verschwinden unter blauschimmernden Solarzellen. Eine andere Methode zur Gewinnung erneuerbarer Energie fand bislang in der öffentlichen Diskussion weniger Aufmerksamkeit: das Biogas.

Biogas langsam auf dem Vormarsch: Eine solche Anlage wandelt Mist, Gülle und Pflanzen in Biogas um, aus dem dann wiederum Strom und Wärme gewonnen werden können.

Doch das ändert sich laut Aussagen des Biogasexperten Michael Köttner gerade grundlegend. "Mit der Überarbeitung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, kurz EEG, im August 2004 hat sich die Fördersituation für Biogasanlagen grundlegend verbessert." Der Geschäftsführer des "Internationalen Biogas- und Bioenergie Kompetenzzentrums" in Weckelweiler verweist auf die gestiegene Grundvergütung von bis zu 11,3 Cent pro erzeugter Kilowattstunde und Zusatzvergütungen, die gesetzlich über 20 Jahre festgeschrieben sind. "Der wichtigste Bonus von sechs Cent wird gewährt, wenn ausschließlich Mist, Gülle und unverarbeitete Pflanzen als Grundstoffe verwendet werden", nennt Köttner die Eckdaten.

Die Gesetzesnovelle habe im Biogasbereich zu einer regelrechten Euphorie geführt. "Investitionskosten von rund 350<ET>000 Euro für eine 70- bis 80-Kilowatt-Anlage gewährleisten einen Gewinn von jährlich 20.000 Euro", so der Experte.

Zugleich warnt er eindringlich davor, den Einstieg in diese Technologie als generellen Heilsbringer für jeden landwirtschaftlichen Betrieb zu verstehen. Jede Anlage müsse bei einer Standzeit von wenigstens 20 Jahren auf die betrieblichen Voraussetzungen zugeschnitten werden. Der Landwirt muss sich entscheiden, auf welchen Flächen er dauerhaft Mais oder Roggen anbauen kann, um wichtige Grundstoffe für das Betreiben der Anlagen zu gewinnen.

Auch für die Produktion nachwachsender Rohstoffe winken beachtliche Zuschüsse. Der Weg durch den Dschungel der Genehmigungsauflagen ist nicht ganz einfach. Bei der Planung von Anlagen verweist Köttner auf das unabhängige Beratungsangebot des Kompetenzzentrums, das über das Energie-Zentrum Wolpertshausen gefördert werden kann.

Dabei profitieren der Biogasexperte und seine Mitarbeiter von den langjährigen Erfahrungen der Hohenloher Pioniere. Begonnen hat alles vor rund 20 Jahren in der Bauernschule Weckelweiler. Gerade Demeterbetriebe haben die Anregungen der Bauernschule aufgenommen und kleinere Anlagen mit Leistungen bis 15 Kilowatt erstellt. Die Pioniere wollten betriebliche Kreisläufe schließen und über die Anlagen Dünger gewinnen. Das sei gelungen, so Köttner. "Gerade Putenmist und Schweinegülle riechen sehr unangenehm." Nach Umbau dieser Stoffe in Biogasanlagen sei die Geruchsbelastung minimal, die Boden schädigende Säure sei abgebaut und ein leicht verfügbarer nährstoffreicher Dünger könne wieder auf Feldern abgebaut werden. Die Idee der Pioniere hat sich durchgesetzt. Weltweit, wie Nachfragen aus China, Indien, Chile oder Irland beweisen.

Quelle: Haller Tagblatt von Roland Schulz 16. Februar 2005

Forschung und Entwicklung in der Region Heilbronn-Franken

Energiezentrum Wolpertshausen