Unternehmer
und Mäzen Reinhold Würth fördert die Sanierung
der Cappella Palatina und zeigt nebenbei Werke seiner Sammlung. Die
Sammlungen und Museen WÜRTH ziehen auch in der Region Heilbronn-Franken
alljährlich zehntausende Kunstliebhaber an.
Die Sizilianer sind voll des Lobes für den Unternehmer aus Hohenlohe.
Schließlich bringt Reinhold Würth nicht nur Geld für
die Restaurierung der Palatinischen Kapelle in Palermo - satte 2,5
Millionen Euro investiert.
Würth Italien, verteilt auf die nächsten
fünf Jahre bis 2009 -, sondern beglückt sie jetzt auch
noch mit der Ausstellung von Werken aus seiner reichhaltigen Kunstsammlung.
Immerhin schlummern inzwischen rund 8000 Kunstwerke in den Würthschen
Depots, aber es schmerzt den Schrauben-Milliardär, dass er im
Museum in Gaisbach und in der Haller Kunsthalle stets nur einen kleinen
Teil seiner Schätze zeigen kann.
Doch jetzt steht auch Palermo auf seinem Ausstellungs-Programm. Schon
seit Tagen hat eine Hohenloher Abordnung unter der Leitung von Halls
Kunsthallendirektorin C. Sylvia Weber vor Ort die Vorbereitungen
für die Ausstellung im Saal Duca di Montalto im altehrwürdigen
Normannenpalast, dem Sitz des sizilianischen Regionalparlaments,
getroffen. 50 Meisterwerke des Impressionismus und Expressionismus
werden gezeigt. Und am vergangenen Wochenende ging's zur feierlichen
Eröffnung in die Hauptstadt Siziliens. Mit an Bord der Maschine
die Konzernspitze, Ehefrau Carmen, die Töchter Bettina und Marion
- am Steuerknüppel sitzt der 69-Jährige freilich selbst.
Und irgendwie erinnert der Kunst beflissene Kurztrip an einen ordentlichen
Familienausflug.
Auftakt mit Nolde und Co.
Künftig wird bis 2009 jedes Jahr eine Ausstellung im Normannenpalast
mit Werken aus der Sammlung Würth bestückt werden - so
ist's zwischen Regionalparlament und der Stiftung Würth vereinbart. "Geplant
sind etwa Max Ernst und Picasso, auch die Alten Meister sind im Gespräch",
erklärt C. Sylvia Weber. "La Collezione Würth. Capolavori
dell'impressionismo e dell'espressionismo" prangt in goldenen
Lettern vom roten Transparent über dem Eingangsportal des Normannenpalastes
- Beckmann, Kirchner, Nolde, Liebermann, Munch und Co. bilden jetzt
den Auftakt.
Faszination Palermo
Palermo und vor allem die Capella Palatina im Normannenpalast haben
es dem kunstsinnigen Unternehmer schon lange angetan. Überhaupt:
Sizilien, die größte Mittelmeerinsel und vulkanischen
Ursprungs, war schon allein ihrer Lage wegen ein begehrtes Objekt,
eine Drehscheibe der Kulturen: Phönizier, Griechen, Römer,
Byzantiner, Araber, Normannen, Staufer, Bourbonen - alle haben sie
ihre Spuren hinterlassen und prägen das Gesicht der Insel und
ihrer Hauptstadt: altgriechische Ruinen, mittelalterliche Kathedralen,
orientalische Gärten, barocke Paläste. "Als geschichts-
und kulturinteressierter Europäer muss man sich mit Sorge die
Frage stellen, wo soll das viele Geld herkommen, das Italien braucht,
um seine unglaubliche Fülle an Kunstwerken und Kulturgütern
für die Nachwelt zu erhalten?", überlegt Reinhold
Würth. Bei einem Erdbeben im Jahr 2001 sind Teile der aus dem
12. Jahrhundert stammenden Cappella Palatina beschädigt worden.
Und warum hat Würth beschlossen, gerade dort zu investieren? "Weil
es sich hier um das Juwel aller Kirchen handelt, um das Schönste,
was sich der menschliche Geist je erträumt und in die Wirklichkeit
umgesetzt hat", schwärmt er. Und wer die einstige Privatkapelle
der normannischen Könige betritt, erkennt, was Würth meint.
Der Kirchenraum ist über und über mit Goldmosaiken ausgeschmückt,
sie erzählen aus dem Alten Testament, zeigen Schöpfung,
Sintflut, Arche Noah. In den Seitenschiffen sind Szenen aus dem Leben
von Paulus und Petrus zu sehen. Selbst auf dem Fußboden sind
Marmor- und Porphyr-Steinchen zu feinen Mustern zusammengefügt.
Und besonders schön: Die Kapelle ist "in Betrieb",
sie ist kein Museum für durchreisende Touristen, sondern wird
richtig genutzt - etwa für Hochzeiten und Messen.
Erinnern an Friedrich II.
Sein Engagement in Palermo begründet der Gaisbacher Unternehmer
auch damit, dadurch die Fäden der Geschichte wieder aufzunehmen.
Er erinnert an den auf Sizilien residierenden Stauferkaiser Friedrich
II. (1194-1250), dessen schriftstellerische Tätigkeit und dessen
Standardwerk über die Falknerei er besonders schätze. "Und
wir Württemberger sind ja auch etwas stolz darauf, dass die
Staufer ihren Ursprung bei uns haben", sagt er verschmitzt.
Vielleicht locke die Ausstellung ja auch ein paar Touristen aus dem
deutschen Südwesten nach Sizilien, so könne sie ein kleiner
Mosaikstein beim wieder Zusammenwachsen Europas sein. Das hören
die Sizilianer freilich gerne, fotografieren und interviewen den
kunstsinnigen Württemberger ausgiebig und sind stolz auf Signore
Würth.
Quelle: Haller Tagblatt vom 19. Februar 2005 von Bettina Lober
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