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Ein Hohenloher in Palermo

     
 
 

21.2.05


 

Unternehmer und Mäzen Reinhold Würth fördert die Sanierung der Cappella Palatina und zeigt nebenbei Werke seiner Sammlung. Die Sammlungen und Museen WÜRTH ziehen auch in der Region Heilbronn-Franken alljährlich zehntausende Kunstliebhaber an.

Die Sizilianer sind voll des Lobes für den Unternehmer aus Hohenlohe. Schließlich bringt Reinhold Würth nicht nur Geld für die Restaurierung der Palatinischen Kapelle in Palermo - satte 2,5 Millionen Euro investiert.
Würth Italien, verteilt auf die nächsten fünf Jahre bis 2009 -, sondern beglückt sie jetzt auch noch mit der Ausstellung von Werken aus seiner reichhaltigen Kunstsammlung.

Immerhin schlummern inzwischen rund 8000 Kunstwerke in den Würthschen Depots, aber es schmerzt den Schrauben-Milliardär, dass er im Museum in Gaisbach und in der Haller Kunsthalle stets nur einen kleinen Teil seiner Schätze zeigen kann.

Doch jetzt steht auch Palermo auf seinem Ausstellungs-Programm. Schon seit Tagen hat eine Hohenloher Abordnung unter der Leitung von Halls Kunsthallendirektorin C. Sylvia Weber vor Ort die Vorbereitungen für die Ausstellung im Saal Duca di Montalto im altehrwürdigen Normannenpalast, dem Sitz des sizilianischen Regionalparlaments, getroffen. 50 Meisterwerke des Impressionismus und Expressionismus werden gezeigt. Und am vergangenen Wochenende ging's zur feierlichen Eröffnung in die Hauptstadt Siziliens. Mit an Bord der Maschine die Konzernspitze, Ehefrau Carmen, die Töchter Bettina und Marion - am Steuerknüppel sitzt der 69-Jährige freilich selbst. Und irgendwie erinnert der Kunst beflissene Kurztrip an einen ordentlichen Familienausflug.

Auftakt mit Nolde und Co.

Künftig wird bis 2009 jedes Jahr eine Ausstellung im Normannenpalast mit Werken aus der Sammlung Würth bestückt werden - so ist's zwischen Regionalparlament und der Stiftung Würth vereinbart. "Geplant sind etwa Max Ernst und Picasso, auch die Alten Meister sind im Gespräch", erklärt C. Sylvia Weber. "La Collezione Würth. Capolavori dell'impressionismo e dell'espressionismo" prangt in goldenen Lettern vom roten Transparent über dem Eingangsportal des Normannenpalastes - Beckmann, Kirchner, Nolde, Liebermann, Munch und Co. bilden jetzt den Auftakt.

Faszination Palermo

Palermo und vor allem die Capella Palatina im Normannenpalast haben es dem kunstsinnigen Unternehmer schon lange angetan. Überhaupt: Sizilien, die größte Mittelmeerinsel und vulkanischen Ursprungs, war schon allein ihrer Lage wegen ein begehrtes Objekt, eine Drehscheibe der Kulturen: Phönizier, Griechen, Römer, Byzantiner, Araber, Normannen, Staufer, Bourbonen - alle haben sie ihre Spuren hinterlassen und prägen das Gesicht der Insel und ihrer Hauptstadt: altgriechische Ruinen, mittelalterliche Kathedralen, orientalische Gärten, barocke Paläste. "Als geschichts- und kulturinteressierter Europäer muss man sich mit Sorge die Frage stellen, wo soll das viele Geld herkommen, das Italien braucht, um seine unglaubliche Fülle an Kunstwerken und Kulturgütern für die Nachwelt zu erhalten?", überlegt Reinhold Würth. Bei einem Erdbeben im Jahr 2001 sind Teile der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Cappella Palatina beschädigt worden. Und warum hat Würth beschlossen, gerade dort zu investieren? "Weil es sich hier um das Juwel aller Kirchen handelt, um das Schönste, was sich der menschliche Geist je erträumt und in die Wirklichkeit umgesetzt hat", schwärmt er. Und wer die einstige Privatkapelle der normannischen Könige betritt, erkennt, was Würth meint. Der Kirchenraum ist über und über mit Goldmosaiken ausgeschmückt, sie erzählen aus dem Alten Testament, zeigen Schöpfung, Sintflut, Arche Noah. In den Seitenschiffen sind Szenen aus dem Leben von Paulus und Petrus zu sehen. Selbst auf dem Fußboden sind Marmor- und Porphyr-Steinchen zu feinen Mustern zusammengefügt. Und besonders schön: Die Kapelle ist "in Betrieb", sie ist kein Museum für durchreisende Touristen, sondern wird richtig genutzt - etwa für Hochzeiten und Messen.

Erinnern an Friedrich II.

Sein Engagement in Palermo begründet der Gaisbacher Unternehmer auch damit, dadurch die Fäden der Geschichte wieder aufzunehmen. Er erinnert an den auf Sizilien residierenden Stauferkaiser Friedrich II. (1194-1250), dessen schriftstellerische Tätigkeit und dessen Standardwerk über die Falknerei er besonders schätze. "Und wir Württemberger sind ja auch etwas stolz darauf, dass die Staufer ihren Ursprung bei uns haben", sagt er verschmitzt. Vielleicht locke die Ausstellung ja auch ein paar Touristen aus dem deutschen Südwesten nach Sizilien, so könne sie ein kleiner Mosaikstein beim wieder Zusammenwachsen Europas sein. Das hören die Sizilianer freilich gerne, fotografieren und interviewen den kunstsinnigen Württemberger ausgiebig und sind stolz auf Signore Würth.

Quelle: Haller Tagblatt vom 19. Februar 2005 von Bettina Lober

Kunst in der Region Heilbronn-Franken
 
         
 
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