Das „weiße Gold“ hat schon vor vielen hundert
Jahren die Menschen der Region reich gemacht. Die einstmals freien
Reichsstädte Heilbronn und Schwäbisch Hall zeugen noch
heute von diesen Wohlstand.
Rasend schnell fegen tropische Wirbelstürme über das
Meer hinweg. Es ist sengend heiß. Unter der Wasseroberfläche
halten es nur Algen und Bakterien aus. Sie bedecken den Meeresboden
mit einem schleimigen, gallertartigen Teppich. Weit und breit keine
Muschel, keine Schnecke, kein Fisch: das Wasser ist so salzig,
dass sie darin nicht überleben können.
"Süddeutschland war praktisch eine große Salzpfanne",
beschreibt Thomas Aigner, Professor am Geologischen Institut in
Tübingen, die Entstehung der Salzlager vor 200 Millionen Jahren.
Es ist die Zeit des Mittleren Muschelkalks. Süddeutschland
liegt unter Wasser. Vom großen Weltozean schwappt nur gelegentlich
frisches, nährstoffreiches Wasser in das lebensfeindliche
Meer herüber. Das heiße Klima bringt das flache Wasser
zum Verdunsten. Salz kristallisiert aus, senkt sich zu Boden und
bildet bis zu 40 Meter dicke Ablagerungen.
Das Salz, das hier damals fast jegliches Leben vernichtete, wurde
später für die Menschen zur Lebensgrundlage.
Salz führte zu Macht und Reichtum
Die gesamte Region Heilbronn-Franken gründet auf salzigem
Boden. Schwäbisch Hall, Friedrichshall, Niedernhall - über
die Herkunft der Silbe "hall" ist man sich uneinig, zumindest
aber deutet sie auf frühe Salzgewinnung hin. So haben die
Kelten im Schwäbisch Haller Raum schon 500 vor Christus aus
einer salzhaltigen Quelle Salz gewonnen.
Das lebensnotwendige Mineral war so wertvoll, dass es zeitweise
sogar als Zahlungsmittel verwendet wurde. Römische Beamte
und Legionäre erhielten ihren Sold oft in Form einer Ration
Salz. Daher kommt auch die Bezeichnung "Salär" für
Lohn oder Gehalt. Doch auch in Ortschaften ohne das Wörtchen "hall" im
Namen spielte die Salzgewinnung über Jahrhunderte eine bedeutende
wirtschaftliche Rolle und führte besonders im Mittelalter
zu Macht und Reichtum: unter anderem in Heilbronn, Offenau, Bad
Wimpfen und Bad Rappenau.
Vom Sieden und Sprengen
So wie die Salzlager entstanden, gewannen die Menschen früher
das Salz: durch das Eindampfen von Sole - salzhaltigem Wasser -
in Pfannen oder anderen offenen Gefäßen. Dabei nutzten
sie vorhandene Solequellen oder gewannen die Sole bergmännisch.
Bis heute ist eine Methode die "kontrollierte Bohrloch-solung".
Dabei wird normales Wasser ins Bergwerk eingeleitet. Es sättigt
sich bis zu 27 Prozent mit Salz - dann ist es so salzig wie das
Wasser des Toten Meeres - und wird wieder herausgepumpt. Beim anschließenden
Sieden, dem Eindampfen der gesättigten Sole, kristallisiert
das Salz aus.
Eine andere Methode der Salzgewinnung ist der bergmännische
Abbau von Steinsalz. Das Salz wird aus dem Berg gesprengt, zerkleinert
und gereinigt. Dabei entsteht ein grobes Salz für die Industrie.
In Heilbronn wird so seit 1885 bis heute Salz gewonnen.
Das Steinsalz aus Heilbronn ist auch heute noch einer der wichtigsten
Bodenschätze in Süddeutschland und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor
für die Region. Erst kürzlich wurde im Heilbronner Salzbergwerk
ein neuer Schacht aufgemacht.
Nur ein kleiner Rest als Speisesalz
ur ein kleiner Rest des in Heilbronn gewonnenen Salzes wird zu
Speisesalz weiterverarbeitet. Ein Vielfaches von dem, was wir zum
Würzen brauchen, geht in die chemische Industrie. Sie bezieht
täglich 10-12.000 Tonnen und stellt daraus Soda, Chlor und
Natrium her. Das sind Grundstoffe bei der Herstellung von Textilien,
Wasch- und Kunststoffen, Papier und vielem mehr.
Das Baden in Sole hilft bei zahlreichen Krankheiten und Zipperlein.
So erfreut sich das Salz auch in den anderen Städten - in
denen heute kein Salz mehr gewonnen wird - in flüssiger Form
noch großer Beliebtheit: Solebäder gibt es in Bad Mergentheim,
Neckarsulm, Niedernhall, Ingelfingen, Schwäbisch Hall, Bad
Wimpfen, Bad Friedrichshall und in Bad Rappenau.
Das Heilbronner Salz spielt nicht nur als Industrierohstoff, sondern
auch als Streusalz eine große Rolle. Nach der Vorstellung
der Heilbronner sitzt die Heilige Barbara im Himmel mit Frau Holle
zusammen - so sorgt die Schutzpatronin der Bergleute dafür,
dass es viel schneit, damit viel Streusalz gebraucht wird.
Quelle: SWR Online von Judith Jensen
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