Übersicht

 
 
   

Salz - das weiße Gold

     
 
 

21.2.05


 

Das „weiße Gold“ hat schon vor vielen hundert Jahren die Menschen der Region reich gemacht. Die einstmals freien Reichsstädte Heilbronn und Schwäbisch Hall zeugen noch heute von diesen Wohlstand.

Rasend schnell fegen tropische Wirbelstürme über das Meer hinweg. Es ist sengend heiß. Unter der Wasseroberfläche halten es nur Algen und Bakterien aus. Sie bedecken den Meeresboden mit einem schleimigen, gallertartigen Teppich. Weit und breit keine Muschel, keine Schnecke, kein Fisch: das Wasser ist so salzig, dass sie darin nicht überleben können.

"Süddeutschland war praktisch eine große Salzpfanne", beschreibt Thomas Aigner, Professor am Geologischen Institut in Tübingen, die Entstehung der Salzlager vor 200 Millionen Jahren. Es ist die Zeit des Mittleren Muschelkalks. Süddeutschland liegt unter Wasser. Vom großen Weltozean schwappt nur gelegentlich frisches, nährstoffreiches Wasser in das lebensfeindliche Meer herüber. Das heiße Klima bringt das flache Wasser zum Verdunsten. Salz kristallisiert aus, senkt sich zu Boden und bildet bis zu 40 Meter dicke Ablagerungen.
Das Salz, das hier damals fast jegliches Leben vernichtete, wurde später für die Menschen zur Lebensgrundlage.

Salz führte zu Macht und Reichtum

Die gesamte Region Heilbronn-Franken gründet auf salzigem Boden. Schwäbisch Hall, Friedrichshall, Niedernhall - über die Herkunft der Silbe "hall" ist man sich uneinig, zumindest aber deutet sie auf frühe Salzgewinnung hin. So haben die Kelten im Schwäbisch Haller Raum schon 500 vor Christus aus einer salzhaltigen Quelle Salz gewonnen.
Das lebensnotwendige Mineral war so wertvoll, dass es zeitweise sogar als Zahlungsmittel verwendet wurde. Römische Beamte und Legionäre erhielten ihren Sold oft in Form einer Ration Salz. Daher kommt auch die Bezeichnung "Salär" für Lohn oder Gehalt. Doch auch in Ortschaften ohne das Wörtchen "hall" im Namen spielte die Salzgewinnung über Jahrhunderte eine bedeutende wirtschaftliche Rolle und führte besonders im Mittelalter zu Macht und Reichtum: unter anderem in Heilbronn, Offenau, Bad Wimpfen und Bad Rappenau.

Vom Sieden und Sprengen

So wie die Salzlager entstanden, gewannen die Menschen früher das Salz: durch das Eindampfen von Sole - salzhaltigem Wasser - in Pfannen oder anderen offenen Gefäßen. Dabei nutzten sie vorhandene Solequellen oder gewannen die Sole bergmännisch. Bis heute ist eine Methode die "kontrollierte Bohrloch-solung". Dabei wird normales Wasser ins Bergwerk eingeleitet. Es sättigt sich bis zu 27 Prozent mit Salz - dann ist es so salzig wie das Wasser des Toten Meeres - und wird wieder herausgepumpt. Beim anschließenden Sieden, dem Eindampfen der gesättigten Sole, kristallisiert das Salz aus.

Eine andere Methode der Salzgewinnung ist der bergmännische Abbau von Steinsalz. Das Salz wird aus dem Berg gesprengt, zerkleinert und gereinigt. Dabei entsteht ein grobes Salz für die Industrie. In Heilbronn wird so seit 1885 bis heute Salz gewonnen.
Das Steinsalz aus Heilbronn ist auch heute noch einer der wichtigsten Bodenschätze in Süddeutschland und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region. Erst kürzlich wurde im Heilbronner Salzbergwerk ein neuer Schacht aufgemacht.

Nur ein kleiner Rest als Speisesalz

ur ein kleiner Rest des in Heilbronn gewonnenen Salzes wird zu Speisesalz weiterverarbeitet. Ein Vielfaches von dem, was wir zum Würzen brauchen, geht in die chemische Industrie. Sie bezieht täglich 10-12.000 Tonnen und stellt daraus Soda, Chlor und Natrium her. Das sind Grundstoffe bei der Herstellung von Textilien, Wasch- und Kunststoffen, Papier und vielem mehr.
Das Baden in Sole hilft bei zahlreichen Krankheiten und Zipperlein. So erfreut sich das Salz auch in den anderen Städten - in denen heute kein Salz mehr gewonnen wird - in flüssiger Form noch großer Beliebtheit: Solebäder gibt es in Bad Mergentheim, Neckarsulm, Niedernhall, Ingelfingen, Schwäbisch Hall, Bad Wimpfen, Bad Friedrichshall und in Bad Rappenau.

Das Heilbronner Salz spielt nicht nur als Industrierohstoff, sondern auch als Streusalz eine große Rolle. Nach der Vorstellung der Heilbronner sitzt die Heilige Barbara im Himmel mit Frau Holle zusammen - so sorgt die Schutzpatronin der Bergleute dafür, dass es viel schneit, damit viel Streusalz gebraucht wird.

Quelle: SWR Online von Judith Jensen

Salzwerke

Museen in Heilbronn-Franken