Das kleine
Informationszentrum „Weiße Rose“ im
hohenlohischen Forchtenberg zeigt die Geschichte der Widerstandskämpferin
Sophie Scholl. Mit ihrem Bruder Hans und weiteren Studenten kämpfte
sie gegen das Nazi-Regime.
In Forchtenberg war einst Robert Scholl Stadtschultheiß.
Im Haus des Bürgermeisters wurde auch seine Tochter Sophie
geboren. Das Schicksal der späteren Widerstandskämpferin
ist fast jedem bekannt, der sich mit der deutschen Vergangenheit
auseinandersetzt. Im Turm des Würzburger Tors können
Besucher mehr über den Menschen Sophie Scholl erfahren.
Renate Deck betreibt das kleine Informationszentrum privat und
auf eigene Kosten: "Es muss einfach sein, dass es in der Stadt,
in der Sophie Scholl geboren ist, einen Menschen gibt, der immer
Ansprechpartner ist. Ob ein Kind, ein Erwachsener oder Zeitzeugen
kommen - auf mich kann immer zurückgegriffen werden. Niemand
braucht Bedenken zu haben, dass ich für ein Gespräch,
für einen Vortrag oder für eine Stadtführung keine
Zeit hätte. Ich habe signalisiert, dass ich diese Zeit habe.
Es ist für mich ein Stück Leben."
Besucher immer wieder erstaunt
in Raum im Turm ist mit Bildern und Texten versehen. Dazu sind
Passagen aus Sophie Scholls Tagebüchern und Briefen ausgestellt.
Kaum ein Besucher vergisst, einen Kommentar in das Gästebuch
zu schreiben. "Es kommen sehr verschiedene Menschen hierher.
Dann heißt es 'Wir haben jetzt doch etwas gelernt', und wenn
es nur war: 'Ach, die Sophie ist hier geboren. Was, im Rathaus?
Wir wissen sonst alles von der Weißen Rose!' Dann kommt man
ins Gespräch, besonders mit Jugendlichen. Ich hoffe, dass
in diesem Bereich noch mehr auf mich zukommt", sagt Renate
Deck.
Das Menschliche ist wichtig
Die Ausstellungsstücke wechseln regelmäßig. Denn
Renate Deck findet immer wieder Neues über die Scholls. Dabei
geht es ihr nicht um eine wissenschaftliche Betrachtung: "Es
ist sicherlich nicht mein Ding, das Politische bis ins Detail wissenschaftlich
zu erarbeiten. Eher interessiert mich, was zwischen den Dingen
ist, das Menschliche. Ich glaube, dieses Menschliche hat es erst
möglich gemacht, dass die Geschwister Scholl und die Widerstandsgruppe überhaupt
die Kraft hatten, nicht nur im Stillen zu reden, sondern wirklich
zu sagen: 'Und wir tun's.'"
Erinnerungen an Sophie
Renate Deck erhält immer wieder neue Bilder und Dokumente
aus dem Umfeld der Scholls. Da wirken Zeitzeugen mit, Freunde und
Bekannte von Sophie Scholl.
Die 89-jährige Liesel Bauer sagt über die junge Sophie: "Sie
war ein bisschen zurückhaltender als Inge Scholl, die damals
das Ganze eigentlich ins Rollen gebracht hat. Die Sophie, die war
ein nettes, ruhiges Mädchen."
Auch die 82-jährige Lore Fass, die viele Jahre im Haushalt
der Scholls tätig war, erzählt von Sophie: "Ich
habe sie als fröhliches Menschenkind gekannt. Sie war damals
auch sehr begeistert im Dritten Reich. Der Herr Scholl nicht, aber
der Hans war Fähnleinführer, und die Mädchen waren
Jungmädelführerinnen.
Sophie konnte auch sehr nachdenklich sein. Als sie in Ulm zur Schule
ging, hatte sie zwei Mitschülerinnen jüdischer Abstammung.
Wenn sie mit der einen von der Schule heimging, hat diese ihr dann
ihr Leid geklagt. Das hat die Sophie sehr nachdenklich gestimmt."
Erinnerungsarbeit nicht immer selbstverständlich
Renate Deck über ihre Arbeit: "Heute scheint es selbstverständlich
zu sein, dass man über die Geschwister Scholl spricht, über
sie forscht und in Funk und Fernsehen berichtet. Das war bei uns
im Hohenlohischen nicht immer selbstverständlich" - die
Erinnerungsarbeit von Renate Deck hat Aufsehen erregt.
Informationszentrum "Weiße Rose"
Würzburger Tor
74670 Forchtenberg
Tel.: 0791/71615 Öffnungszeiten:
Mittwochs, 15.00 bis 18.00 Uhr und nach Absprache
Quelle Harald Holz SWR-Online
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