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Widerstandskämpferin Sophie Scholl – eine aus der Region

     
 
 

21.2.05


 

Das kleine Informationszentrum „Weiße Rose“ im hohenlohischen Forchtenberg zeigt die Geschichte der Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Mit ihrem Bruder Hans und weiteren Studenten kämpfte sie gegen das Nazi-Regime.

In Forchtenberg war einst Robert Scholl Stadtschultheiß. Im Haus des Bürgermeisters wurde auch seine Tochter Sophie geboren. Das Schicksal der späteren Widerstandskämpferin ist fast jedem bekannt, der sich mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzt. Im Turm des Würzburger Tors können Besucher mehr über den Menschen Sophie Scholl erfahren.

Renate Deck betreibt das kleine Informationszentrum privat und auf eigene Kosten: "Es muss einfach sein, dass es in der Stadt, in der Sophie Scholl geboren ist, einen Menschen gibt, der immer Ansprechpartner ist. Ob ein Kind, ein Erwachsener oder Zeitzeugen kommen - auf mich kann immer zurückgegriffen werden. Niemand braucht Bedenken zu haben, dass ich für ein Gespräch, für einen Vortrag oder für eine Stadtführung keine Zeit hätte. Ich habe signalisiert, dass ich diese Zeit habe. Es ist für mich ein Stück Leben."

Besucher immer wieder erstaunt

in Raum im Turm ist mit Bildern und Texten versehen. Dazu sind Passagen aus Sophie Scholls Tagebüchern und Briefen ausgestellt. Kaum ein Besucher vergisst, einen Kommentar in das Gästebuch zu schreiben. "Es kommen sehr verschiedene Menschen hierher. Dann heißt es 'Wir haben jetzt doch etwas gelernt', und wenn es nur war: 'Ach, die Sophie ist hier geboren. Was, im Rathaus? Wir wissen sonst alles von der Weißen Rose!' Dann kommt man ins Gespräch, besonders mit Jugendlichen. Ich hoffe, dass in diesem Bereich noch mehr auf mich zukommt", sagt Renate Deck.

Das Menschliche ist wichtig

Die Ausstellungsstücke wechseln regelmäßig. Denn Renate Deck findet immer wieder Neues über die Scholls. Dabei geht es ihr nicht um eine wissenschaftliche Betrachtung: "Es ist sicherlich nicht mein Ding, das Politische bis ins Detail wissenschaftlich zu erarbeiten. Eher interessiert mich, was zwischen den Dingen ist, das Menschliche. Ich glaube, dieses Menschliche hat es erst möglich gemacht, dass die Geschwister Scholl und die Widerstandsgruppe überhaupt die Kraft hatten, nicht nur im Stillen zu reden, sondern wirklich zu sagen: 'Und wir tun's.'"

Erinnerungen an Sophie

Renate Deck erhält immer wieder neue Bilder und Dokumente aus dem Umfeld der Scholls. Da wirken Zeitzeugen mit, Freunde und Bekannte von Sophie Scholl.
Die 89-jährige Liesel Bauer sagt über die junge Sophie: "Sie war ein bisschen zurückhaltender als Inge Scholl, die damals das Ganze eigentlich ins Rollen gebracht hat. Die Sophie, die war ein nettes, ruhiges Mädchen."

Auch die 82-jährige Lore Fass, die viele Jahre im Haushalt der Scholls tätig war, erzählt von Sophie: "Ich habe sie als fröhliches Menschenkind gekannt. Sie war damals auch sehr begeistert im Dritten Reich. Der Herr Scholl nicht, aber der Hans war Fähnleinführer, und die Mädchen waren Jungmädelführerinnen.
Sophie konnte auch sehr nachdenklich sein. Als sie in Ulm zur Schule ging, hatte sie zwei Mitschülerinnen jüdischer Abstammung. Wenn sie mit der einen von der Schule heimging, hat diese ihr dann ihr Leid geklagt. Das hat die Sophie sehr nachdenklich gestimmt."

Erinnerungsarbeit nicht immer selbstverständlich

Renate Deck über ihre Arbeit: "Heute scheint es selbstverständlich zu sein, dass man über die Geschwister Scholl spricht, über sie forscht und in Funk und Fernsehen berichtet. Das war bei uns im Hohenlohischen nicht immer selbstverständlich" - die Erinnerungsarbeit von Renate Deck hat Aufsehen erregt.

Informationszentrum "Weiße Rose"

Würzburger Tor
74670 Forchtenberg
Tel.: 0791/71615
Öffnungszeiten:
Mittwochs, 15.00 bis 18.00 Uhr und nach Absprache

Quelle Harald Holz SWR-Online

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