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Essen akademisch: Kulinaristik studieren

     
 
 

23.2.05


 

Die Deutsche Akademie für Kulinaristik mit Sitz in Bad Mergentheim hat jetzt ihren Seminarreigen eröffnet. Der Startschuss fiel mit 27 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet bei einer Veranstaltung zum Thema "Kochkunst" in der größten Kurstadt Baden-Württembergs.


Die Veranstaltung zum Thema "Kochkunst" wurde von Akademie-Geschäftsführer Otto Geisel und sowie den Sterneköchen Hans Stefan Steinheuer und Vincent Klink geleitet. Neben den Seminaren, die sich an alle Interessierten richten, ist auch ein Master-Studiengang geplant. Bereits 2006 sollen die ersten Studenten aufgenommen werden.

" Essenordnungen sind Offenbarungen über Kulturen" hat schon Friedrich Nietzsche formuliert und damit das auf den Punkt gebracht, was den Germanistikprofessor Dr. Alois Wierlacher letztendlich dazu getrieben hat, die Deutsche Akademie für Kulinaristik ins Leben zu rufen. Essen und Trinken dienen schließlich nicht nur der Ernährung. Als Medium des Gedankenaustauschs, der Stiftung von Gemeinschaft ist gemeinsames Essen und Trinken eine Kontaktbrücke ersten Ranges. Doch dies hat laut Wierlacher in Deutschland nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung verinnerlicht. Kein Wunder, dass sein Stellvertreter Otto Geisel bei diesem Thema neidisch nach Italien und Frankreich blickt. Denn dort habe man ein natürliches Gespür für den Wert regionaler Produkte und sei stolz auf sie. Essen habe in diesen Ländern eben einen anderen Stellenwert. Auch Wierlacher weiß, dass in Deutschland ein steiniger Weg vor der Akademie liegt. Eine fundamentale Aufgabe sei lang vernachlässigt worden, jetzt müsse man die Sinne wieder schärfen. "Durch Regionalität werden Einblick und Kontrolle erst möglich", ist sich der Germanistikprofessor sicher, weshalb er die Arbeit der Akademie, die derzeit rund 60 Mitglieder hat, als interessant für alle Menschen einstuft.

Die Wertigkeit der Ernährung müsse wieder in den Vordergrund rücken, nicht der Preis. Letztendlich will Wierlacher Theorie und Praxis zusammenführen, um mit Hilfe der Wissenschaft die Lebensqualität zu verbessern. "Das Grundbedürfnis, mehr zu erfahren, ist da, es muss nur freigeschaufelt werden", ist sich der "Victoria"-Patron sicher. Die Wissensdurstigen, und das können Mütter und Väter sein, können sich in Einzelseminaren das für sie Interessante herauspicken, mit dem Thema beruflich Verbundene, primär Gastronomen, haben die Möglichkeit, ihren Horizont gewaltig zu erweitern. Menschen mit Bachelor-Abschluss oder einem vergleichbaren können sogar eine wissenschaftliche Ausbildung absolvieren und mit dem "Master of Gastronomy Administration" abschließen.

Das Gesamtprogramm findet sich im ersten "Vorlesungsverzeichnis", wie es Professor Dr. Alois Wierlacher in seinem Vorwort nennt. Wierlacher spricht darin von einem "in Deutschland einzigartigem Studienangebot". Sämtliche Kurse - das Spektrum reicht über Geschmack, Gast und Gastlichkeit, Weinkultur und -beurteilung, Marketing für Gastronomen, Restaurantkritik, Funktionswandel in der Gastronomie bis zu Diabetes und Genuss - sind einzeln belegbar. Doch dienen sie als erster Schritt auch zur Grundlegung des Master-Studiums, das die Akademie als Corporate University in Kooperation mit ihren Partnern vorbereitet. Manche Seminare sind im Vorgriff auf dieses Studium bereits so angelegt, dass sie als modulare Bausteine dienen und anerkannt werden können.

Der von der Akademie in Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg und dem Goethe-Institut Schwäbisch Hall entwickelte Hochschulsommerkurs im August, der sich den Kulturphänomenen des Essens, des Geschmacks und der kulturellen Essensordnung widmet, steht ebenso auf der Jahresplanung der Akademie wie ein kulturpolitisches Kulinaristik-Forum in Zusammenarbeit mit Slow Food Deutschland und dem Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Ein internationaler Kongress zum Thema "Koch, Köchin und Gesellschaft" rundet das Programm ab.

Ins Leben gerufen wurde die Deutsche Akademie für Kulinaristik, die auch den Eckart-Witzigmann-Preis auslobt (wir berichteten), bereits im Jahr 2000. Auf Initiative von Professor Wierlacher fand schließlich 2003 das konzeptbildende Kolloquium "Kulturwissenschaft und Gastronomie. Zur Grundlegung ihrer Zusammenarbeit" statt, bei dem der Grundstein für die gemeinsame Arbeit gelegt wurde. Zu den Partnern zählen heute Hochschulen des In- und Auslands, Fachgebiete verschiedener Universitäten und der Berufsakademie Ravensburg, Hoteliers und Gastronomen, der Bundesverband des Dehoga sowie das Deutsche Historische Museum (Berlin) und das Goethe-Institut (Schwäbisch Hall).

Weitere Informationen zu den Seminaren oder dem geplanten Master-Studiengang gibt es bei der

Geschäftsstelle der Deutschen Akademie für Kulinarsitik
Dr. Schier Straße 24, 97980 Bad Mergentheim,
Telefon 0 79 31 /56 15 19, Fax 56 15 20,
E-Mail: akademie@kulinaristik.de
oder im Internet unter www.kulinaristik.de.

Quelle: Fränkische Nachrichten von Olaf Borges 23.02.2005

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