Die Deutsche
Akademie für Kulinaristik mit Sitz in Bad Mergentheim
hat jetzt ihren Seminarreigen eröffnet. Der Startschuss fiel
mit 27 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet bei einer Veranstaltung
zum Thema "Kochkunst" in der größten Kurstadt
Baden-Württembergs.
Die Veranstaltung zum Thema "Kochkunst" wurde von Akademie-Geschäftsführer
Otto Geisel und sowie den Sterneköchen Hans Stefan Steinheuer
und Vincent Klink geleitet. Neben den Seminaren, die sich an alle
Interessierten richten, ist auch ein Master-Studiengang geplant.
Bereits 2006 sollen die ersten Studenten aufgenommen werden.
"
Essenordnungen sind Offenbarungen über Kulturen" hat
schon Friedrich Nietzsche formuliert und damit das auf den Punkt
gebracht, was den Germanistikprofessor Dr. Alois Wierlacher letztendlich
dazu getrieben hat, die Deutsche Akademie für Kulinaristik
ins Leben zu rufen. Essen und Trinken dienen schließlich
nicht nur der Ernährung. Als Medium des Gedankenaustauschs,
der Stiftung von Gemeinschaft ist gemeinsames Essen und Trinken
eine Kontaktbrücke ersten Ranges. Doch dies hat laut Wierlacher
in Deutschland nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung
verinnerlicht. Kein Wunder, dass sein Stellvertreter Otto Geisel
bei diesem Thema neidisch nach Italien und Frankreich blickt. Denn
dort habe man ein natürliches Gespür für den Wert
regionaler Produkte und sei stolz auf sie. Essen habe in diesen
Ländern eben einen anderen Stellenwert. Auch Wierlacher weiß,
dass in Deutschland ein steiniger Weg vor der Akademie liegt. Eine
fundamentale Aufgabe sei lang vernachlässigt worden, jetzt
müsse man die Sinne wieder schärfen. "Durch Regionalität
werden Einblick und Kontrolle erst möglich", ist sich
der Germanistikprofessor sicher, weshalb er die Arbeit der Akademie,
die derzeit rund 60 Mitglieder hat, als interessant für alle
Menschen einstuft.
Die Wertigkeit der Ernährung müsse wieder in den Vordergrund
rücken, nicht der Preis. Letztendlich will Wierlacher Theorie
und Praxis zusammenführen, um mit Hilfe der Wissenschaft die
Lebensqualität zu verbessern. "Das Grundbedürfnis,
mehr zu erfahren, ist da, es muss nur freigeschaufelt werden",
ist sich der "Victoria"-Patron sicher. Die Wissensdurstigen,
und das können Mütter und Väter sein, können
sich in Einzelseminaren das für sie Interessante herauspicken,
mit dem Thema beruflich Verbundene, primär Gastronomen, haben
die Möglichkeit, ihren Horizont gewaltig zu erweitern. Menschen
mit Bachelor-Abschluss oder einem vergleichbaren können sogar
eine wissenschaftliche Ausbildung absolvieren und mit dem "Master
of Gastronomy Administration" abschließen.
Das Gesamtprogramm findet sich im ersten "Vorlesungsverzeichnis",
wie es Professor Dr. Alois Wierlacher in seinem Vorwort nennt.
Wierlacher spricht darin von einem "in Deutschland einzigartigem
Studienangebot". Sämtliche Kurse - das Spektrum reicht über
Geschmack, Gast und Gastlichkeit, Weinkultur und -beurteilung,
Marketing für Gastronomen, Restaurantkritik, Funktionswandel
in der Gastronomie bis zu Diabetes und Genuss - sind einzeln belegbar.
Doch dienen sie als erster Schritt auch zur Grundlegung des Master-Studiums,
das die Akademie als Corporate University in Kooperation mit ihren
Partnern vorbereitet. Manche Seminare sind im Vorgriff auf dieses
Studium bereits so angelegt, dass sie als modulare Bausteine dienen
und anerkannt werden können.
Der von der Akademie in Zusammenarbeit mit der Universität
Würzburg und dem Goethe-Institut Schwäbisch Hall entwickelte
Hochschulsommerkurs im August, der sich den Kulturphänomenen
des Essens, des Geschmacks und der kulturellen Essensordnung widmet,
steht ebenso auf der Jahresplanung der Akademie wie ein kulturpolitisches
Kulinaristik-Forum in Zusammenarbeit mit Slow Food Deutschland
und dem Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung
und Landwirtschaft. Ein internationaler Kongress zum Thema "Koch,
Köchin und Gesellschaft" rundet das Programm ab.
Ins Leben gerufen wurde die Deutsche Akademie für Kulinaristik,
die auch den Eckart-Witzigmann-Preis auslobt (wir berichteten),
bereits im Jahr 2000. Auf Initiative von Professor Wierlacher fand
schließlich 2003 das konzeptbildende Kolloquium "Kulturwissenschaft
und Gastronomie. Zur Grundlegung ihrer Zusammenarbeit" statt,
bei dem der Grundstein für die gemeinsame Arbeit gelegt wurde.
Zu den Partnern zählen heute Hochschulen des In- und Auslands,
Fachgebiete verschiedener Universitäten und der Berufsakademie
Ravensburg, Hoteliers und Gastronomen, der Bundesverband des Dehoga
sowie das Deutsche Historische Museum (Berlin) und das Goethe-Institut
(Schwäbisch Hall).
Weitere Informationen zu den Seminaren oder dem geplanten Master-Studiengang
gibt es bei der
Geschäftsstelle der Deutschen Akademie für
Kulinarsitik
Dr. Schier Straße 24, 97980 Bad Mergentheim,
Telefon 0 79 31 /56 15 19, Fax 56 15 20,
E-Mail: akademie@kulinaristik.de
oder im Internet unter www.kulinaristik.de.
Quelle: Fränkische Nachrichten von Olaf Borges 23.02.2005
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