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24.2.05
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Heilbronn-Franken
steht in Deutschland mit an der Spitze der Bundesliga für kleine Wirtschaftswunder. Das betont Dr. Michael Rogowski
der ehemalige BDI-Präsident beim Forum Wirtschaft in der IHK
Heilbronn-Franken.
Das deutsche Wirtschaftswunder ist längst Geschichte und
untrennbar mit dem ersten Wirtschaftsminister der Bundesrepublik
Ludwig Erhard verbunden. Fast 50 Jahre später reist ein profilierter
Wirtschaftsführer durch die Lande und wirbt für ein neues
Wirtschaftswunder.
Michael Rogowski will die Fesseln sprengen - am Arbeitsmarkt, bei
Bürokratie und Steuern, in der Tarifpolitik, im Wahlrecht
und beim Föderalismus. "Der macht Deutschland zur Schnecke",
rügt der frühere Präsident des Bundesverbandes der
deutschen Industrie (BDI) das Reformtempo im Land. Der kleinste
gemeinsame Nenner, erfahren die 400 Zuhörer beim "Forum
der Wirtschaft" rasch, widerstrebt dem Topmanager. Er liebt
den großen Wurf, die Sprache in Bildern und Visionen. Deutscher Ängstlichkeit
und Risikoscheu stellt er Traumbilder gegenüber, wie das Land
im Jahre 2014 aussehen soll.
Das Land braucht Visionen
Rogowski, der knallharte Industrie-Präsident überrascht
mit Emotionen. "Wir brauchen Bilder, die Mut machen und Botschaften
transportieren," wirbt er für eine Werbekampagne. Mit
wenigen Bildern soll Deutschland seine Stärken demonstrieren,
Impulse nach innen und außen setzen, beispielsweise als Wellness-Land,
als Insel des Wohlstands, als Weltmeister der Nanotechnologie.
Bei der Fußball-Weltmeister schafft 2006 wird ein Anfang
gemacht und Rogowski sprüht geradezu vor Ideen.
Im munteren Dialog mit Chefredakteur Wolfgang Bok ist der Heidenheimer
kaum zu bremsen, wie sich Deutschland als "Land der Ideen" vermarkten
lässt. Kritische Nachfragen bügelt er elegant ab: "Wenn
man will, kann man alles negativ sehen." Dass kein deutscher
Autobauer und Bierbrauer Hauptsponsor der WM ist, sondern Hyundai
aus Korea und Budweiser aus USA, ficht den Wirtschaftswundermann
nicht an. Kontern ist seine Devise: Ein Daimler als Kunstwerk vor
dem Brandenburger Tor ist doch viel wirkungsvoller. Oder "Fischer-Dübel" und "Würth-Schrauben" in
der Chinesischen Mauer unter der selbstironischen Überschrift: "Bei
uns ist eine Schraube locker!"
Die Charm- und Bilderoffensive ist aber nur die halbe Antwort auf
die Frage: "Wie schafft Deutschland ein neues Wirtschaftswunder?" Rogowski
dreht bei der Gemeinschaftsveranstaltung unserer Zeitung mit der
Industrie- und Handelskammer an allen Schrauben, die in seiner
Reichweite liegen: "Weil der Druck auf Deutschland vor allem
aus Osteuropa weiter zunehmen wird". Die Menschen dort sind
arbeitsam, haben eine gute Ausbildung und kennen keine 35-Stunden-Woche. "Wollen
wir nicht weiter zurückfallen und unsere Arbeitsmarktprobleme
lösen, brauchen wir wenigstens doppelt so viel Wachstum wie
heute und wieder mehr Wertschöpfung in Deutschland." Die
Botschaft ist klar, selbst wenn der Topmanager dabei etwas ungeduldig
wirkt: "Hartz IV ist noch zu soft. Wir brauchen noch mehr
Hartz-Gesetze, einen effektiveren Niedriglohnsektor, ein geringeres
Arbeitslosengeld II, eine Lockerung des Kündigungsschutzes,
eine betriebliche Tarifpolitik, längere und flexiblere Arbeitszeiten
und eine Reform der Mitbestimmung."
Mehr Markt und weniger Staat macht den Leuten Angst", deutet
Bok die letzten Wahlergebnisse und fragt: "Es gibt die These,
wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem?" Wie
zur Abwehr schnellen Rogowskis Hände in die Höhe und
er fällt Bok ins Wort: "Nein, die Hartz-Proteste haben
gezeigt, wir wissen noch nicht, was die Stunde geschlagen hat." Richtig
sei aber: "Wer immer in Deutschland aufräumt, kriegt
was auf den Hut."
Agenda 2010 ist der Anfang
Heute gilt das für den Kanzler und die SPD. Die "Agenda
2010" wertet Rogowski als Wende, als Auftakt zu tiefer gehenden
Reformen. "Doch die Akteure hat schon wieder der Mut verlassen",
kritisiert er den Reformstopp von Rot-Grün. Und der Union
schreibt er ins Stammbuch: "Zu wenig Alternativen, kein Gesamtkonzept".
Da will es Bok schon etwas genauer wissen: "Wer ist ihnen
als nächster Kanzler lieber - Schröder oder Merkel?" Salomonisch
umschifft der ehemalige BDI-Präsident diese Klippe: "Merkel
ist fähig, kann strategisch denken, hat ein gutes Netzwerk
aufgebaut. Doch Schröder ist der Mann des Augenblicks." "Das
Rennen ist völlig offen", fügt er noch an. Bei der
nächsten Antwort erlaubt sich dieser nüchtern analysierende
Wirtschaftsführer doch etwas zu träumen. Bok hatte gefragt,
was er denn von einer großen Koalition von SPD und CDU/CSU
halte. "Nichts", verzieht Rogowski abschätzig die
Mundwinkel, "wegen des kleinsten gemeinsamen Nenners" und
dem dadurch verursachten Schneckentempo bei Reformen. Ein neues
Wahlrecht, ein Mehrheitswahlrecht könnte den Stau auflösen.
Angemessene Gewinne
Da war er wieder, der "Rigorowski", wie ihn einige Medien
wegen seines forschen Querdenkens titulierten. Von seinen eigenen
Ideen überzeugt, die Botschaften klar formulierend, manchmal
scharfzüngig, stets dynamisch, nur einmal erlaubt er sich
zwei, drei Sekunden länger zum Nachdenken. "In den vergangenen
Jahren wurde ja einiges reformiert, wann sind denn die Bosse mit
den Rahmenbedingungen einmal zufrieden?", bringt Bok den öffentlichen
Unmut über Managergehälter, Rekordgewinne und weiteren
Arbeitsplatzabbau auf den Punk. "Was ist ein angemessener
Gewinn?", fragt Rogowski zurück und schiebt die nüchterne
Antwort nach: "Wir müssen uns mit dem Ausland vergleichen,
denn nur, wo viel Geld verdient wird, wird auch investiert."
Die Medien sind schuld
Das war kleines Wirtschafts-Einmaleins und dann folgte ein kleiner
Knigge für Manager am Beispiel der Deutschen Bank. Ihr Vorstandsvorsitzender
hatte eine Gewinnverdoppelung und weiteren Arbeitsplatzabbau auf
einer Pressekonferenz bekannt gegeben. "Der Zeitpunkt war
dackelhaft", streut Rogowski Asche aufs Haupt seiner Zunft.
Und bei den Managergehältern sei viel Neid im Spiel. Außerdem,
reicht er den Schwarzen Peter weiter: "Die Medien sind wie
böse Geier, die viel Frust im Land herbeischreiben." Der
Chefredakteur spielt den Ball elegant zurück: "Die Medien
gibt es so wenig wie die Unternehmer."
Quelle: Heilbronner Stimme von Detlef Hintze
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