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Haller Abiturienten Landessieger bei „Jugend forscht“

     
 
 

4.4.05


 

Aus Spielerei am Taschenrechner ist ein Simulationsprogramm für den Physik- und Chemieunterricht entstanden. In Schwäbisch Hall sind die Abiturienten Philipp Stephani und Igor Pochorovski zu Hause, die beim Wettbewerb "Jugend forscht" zu Landessiegern im Fach Mathematik/Informatik gekürt worden sind.

Die Welt im Kasten" nennen die beiden Haller Abiturienten ihr Projekt. "SphereSimulation" heißt ihr Computerprogramm. Ausgangspunkt war eine kleine Spielerei auf Igor Pochorovskis graphischem Taschenrechner, drei Pixel, die auf dem Minibildschirm herumhopsten und aufeinander reagierten.

Philipp Stephani (links) und Igor Pochorovski: Die beiden 19-jährigen Abiturienten des Gymnasiums bei St. Michael gewannen den Jugend-forscht-Landespreis im Fach Informatik. Sie haben ein Programm entwickelt, welches das berühmte astronomisch-physikalische Dreikörperproblem veranschaulicht und eine ganze Menge weiterer Beziehungen von Körpern und der auf sie einwirkenden Kräfte darstellen kann. Ideal für den Unterricht.

Das Dreikörperproblem ist eigentlich eine klassische Fragestellung der Himmelsmechanik: Wie bewegen sich drei Körper unter dem Einfluss ihrer gegenseitigen Anziehung? Etwa Sonne, Erde und Mond. Beim Computerprogramm der Haller Schüler kann man statt der Gravitationskräfte auch andere Parameter einsetzen. Etwa: Wie verhalten sich durch Federn verbundene Punkte (ein Netz, ein Stoff) beim Aufprall eines Körpers? Es entsteht ein Modell für beinahe jedes beliebige Material. Definiert man nicht Federn, sondern die Wechselwirkung zwischen Protonen und Elektronen, erhält man mit dem Programm eine Chemie-Simulation. Sinnvoll für den Unterricht Etwa anderthalb Jahre arbeiten Igor und Philipp jetzt an dem Problem. Aus den Pixeln auf dem Taschenrechner wurde erst ein Referat im Unterricht, dann - mittlerweile hatte Philipp Stephani das Programm auf den Computer übertragen - hatten sie ihrem Programm auch graphisch ein Gesicht gegeben, damit die Ergebnisse anschaulicher wurden. Erst zweidimensional, jetzt dreidimensional.

Weg durch die Wettbewerbe

Eine in der Schule bekannt gegebene Ausschreibung brachte die beiden zum Wettbewerb um den "Jugend-Software-Preis", der von der Heidelberger "Klaus-Tschira-Stiftung" ausgeschriebenen war. Sie kamen in die Endrunde, gewannen letztlich aber keinen Preis. Eigentlich wird an dem Programm ständig etwas verbessert. So bekam "Sphere Simulation" einige Szenarios verpasst: einen 'chaotischen' Spaß-Raum, Beispiele aus Physik und Chemie und natürlich das klassische Drei-Körperproblem mit Sonne, Erde, Mond.

Beim "Jugend forscht"-Regionalwettbewerb in Künzelsau war alles vorführbereit, Programmbeschreibung und Einsatzmöglichkeiten überzeugten die Jury. Philipp und Igor erhielten einen ersten Preis. Schon dorthin zu kommen, war für die beiden ein Abenteuer: Planetensimulationen per Mausklick zu verschieben, ist kein Problem. Aber woher bekommt man zwei DIN A1 große Plakate für den Jugend-Forscht-Stand? Ein Copy-Shop verlangte 45 Euro für einen Plotter-Ausdruck: unbezahlbar fürs Schüler-Taschengeld. Also teilten Philipp und Igor den Plakatentwurf auf DIN-A4-Blätter. Die klebten sie auf die große Plakatfläche.

Dann der Transport nach Künzelsau: ungerollt im blauen "Müllsack-Schutzmantel" - ein Abenteuer. Ähnlich lief's einige Wochen zuvor - Igor war nebenbei noch als einer von 60 Teilnehmern bei der Chemie-Olympiade in Köln und gehört jetzt zu jenen 15, die weiterkamen - als nur 14 Tage nach dem Regionalwettbewerbe Anfang März der Landeswettbewerb im Stuttgarter Haus der Wirtschaft stattfand. Diesmal waren die Jungforscher in einem Sterne-Hotel untergebracht, und neben der bloßen Vorführung ihrer Arbeiten gab es noch jede Menge Programm: Seminare, Kurse, Abendshows und eine große Party im Aquarium der Wilhelma, wo Stephani und Pochorovski auch erfahren haben, dass sie wiederum gewonnen hatten und nun als eines von neun Teams aus dem Ländle Ende Mai nach Dortmund zum Bundeswettbewerb "Jugend forscht" zugelassen sind.

Hoffen auf Beistand

Bei dessen Vorbereitung, so hoffen die beiden, werden sie nicht nur von Lehrern und Klassenkameraden unterstützt - Chemielehrer Gerhard Braun stellte bislang Beamer und Notebook zur Verfügung, Mathelehrer Horst Schindler half beim Kopieren und Mitschüler Tobias Dürr ließ zu Hause den Farblaserdrucker heiß laufen -, sondern ganz offiziell von der Schule, vielleicht ja auch von der Stadt Hall. "Uns wäre schon viel geholfen, wenn wir unsere Standplakate ausdrucken und unsere Anschauungsblätter in Kunststofffolien einschweißen könnten, ohne dass dadurch unser Taschengeldbudget strapaziert wird", sagen die beiden
Ach ja: Und zwischendurch haben die Jungforscher auch noch ihr Abitur abzulegen...

Quelle: Haller Tagblatt von Ernst-Walter Hug

 
         
 
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