Aus Spielerei
am Taschenrechner ist ein Simulationsprogramm für
den Physik- und Chemieunterricht entstanden. In Schwäbisch Hall
sind die Abiturienten Philipp Stephani und Igor Pochorovski zu Hause,
die beim Wettbewerb "Jugend forscht" zu Landessiegern im
Fach Mathematik/Informatik gekürt worden sind.
Die Welt im Kasten" nennen die beiden Haller Abiturienten ihr
Projekt. "SphereSimulation" heißt ihr Computerprogramm.
Ausgangspunkt war eine kleine Spielerei auf Igor Pochorovskis graphischem
Taschenrechner, drei Pixel, die auf dem Minibildschirm herumhopsten
und aufeinander reagierten.
Philipp Stephani (links) und Igor Pochorovski: Die beiden 19-jährigen
Abiturienten des Gymnasiums bei St. Michael gewannen den Jugend-forscht-Landespreis
im Fach Informatik. Sie haben ein Programm entwickelt, welches
das berühmte astronomisch-physikalische Dreikörperproblem
veranschaulicht und eine ganze Menge weiterer Beziehungen von Körpern
und der auf sie einwirkenden Kräfte darstellen kann. Ideal
für den Unterricht.
Das Dreikörperproblem ist eigentlich eine klassische Fragestellung
der Himmelsmechanik: Wie bewegen sich drei Körper unter dem
Einfluss ihrer gegenseitigen Anziehung? Etwa Sonne, Erde und Mond.
Beim Computerprogramm der Haller Schüler kann man statt der
Gravitationskräfte auch andere Parameter einsetzen. Etwa:
Wie verhalten sich durch Federn verbundene Punkte (ein Netz, ein
Stoff) beim Aufprall eines Körpers? Es entsteht ein Modell
für beinahe jedes beliebige Material. Definiert man nicht
Federn, sondern die Wechselwirkung zwischen Protonen und Elektronen,
erhält man mit dem Programm eine Chemie-Simulation. Sinnvoll
für den Unterricht Etwa anderthalb Jahre arbeiten Igor und
Philipp jetzt an dem Problem. Aus den Pixeln auf dem Taschenrechner
wurde erst ein Referat im Unterricht, dann - mittlerweile hatte
Philipp Stephani das Programm auf den Computer übertragen
- hatten sie ihrem Programm auch graphisch ein Gesicht gegeben,
damit die Ergebnisse anschaulicher wurden. Erst zweidimensional,
jetzt dreidimensional.
Weg durch die Wettbewerbe
Eine in der Schule bekannt gegebene Ausschreibung brachte die beiden
zum Wettbewerb um den "Jugend-Software-Preis", der von
der Heidelberger "Klaus-Tschira-Stiftung" ausgeschriebenen
war. Sie kamen in die Endrunde, gewannen letztlich aber keinen
Preis. Eigentlich wird an dem Programm ständig etwas verbessert.
So bekam "Sphere Simulation" einige Szenarios verpasst:
einen 'chaotischen' Spaß-Raum, Beispiele aus Physik und Chemie
und natürlich das klassische Drei-Körperproblem mit Sonne,
Erde, Mond.
Beim "Jugend forscht"-Regionalwettbewerb in Künzelsau
war alles vorführbereit, Programmbeschreibung und Einsatzmöglichkeiten überzeugten
die Jury. Philipp und Igor erhielten einen ersten Preis. Schon
dorthin zu kommen, war für die beiden ein Abenteuer: Planetensimulationen
per Mausklick zu verschieben, ist kein Problem. Aber woher bekommt
man zwei DIN A1 große Plakate für den Jugend-Forscht-Stand?
Ein Copy-Shop verlangte 45 Euro für einen Plotter-Ausdruck:
unbezahlbar fürs Schüler-Taschengeld. Also teilten Philipp
und Igor den Plakatentwurf auf DIN-A4-Blätter. Die klebten
sie auf die große Plakatfläche.
Dann der Transport nach Künzelsau: ungerollt im blauen "Müllsack-Schutzmantel" -
ein Abenteuer. Ähnlich lief's einige Wochen zuvor - Igor war
nebenbei noch als einer von 60 Teilnehmern bei der Chemie-Olympiade
in Köln und gehört jetzt zu jenen 15, die weiterkamen
- als nur 14 Tage nach dem Regionalwettbewerbe Anfang März
der Landeswettbewerb im Stuttgarter Haus der Wirtschaft stattfand.
Diesmal waren die Jungforscher in einem Sterne-Hotel untergebracht,
und neben der bloßen Vorführung ihrer Arbeiten gab es
noch jede Menge Programm: Seminare, Kurse, Abendshows und eine
große Party im Aquarium der Wilhelma, wo Stephani und Pochorovski
auch erfahren haben, dass sie wiederum gewonnen hatten und nun
als eines von neun Teams aus dem Ländle Ende Mai nach Dortmund
zum Bundeswettbewerb "Jugend forscht" zugelassen sind.
Hoffen auf Beistand
Bei dessen Vorbereitung, so hoffen die beiden, werden sie nicht
nur von Lehrern und Klassenkameraden unterstützt - Chemielehrer
Gerhard Braun stellte bislang Beamer und Notebook zur Verfügung,
Mathelehrer Horst Schindler half beim Kopieren und Mitschüler
Tobias Dürr ließ zu Hause den Farblaserdrucker heiß laufen
-, sondern ganz offiziell von der Schule, vielleicht ja auch von
der Stadt Hall. "Uns wäre schon viel geholfen, wenn wir
unsere Standplakate ausdrucken und unsere Anschauungsblätter
in Kunststofffolien einschweißen könnten, ohne dass
dadurch unser Taschengeldbudget strapaziert wird", sagen die
beiden
Ach ja: Und zwischendurch haben die Jungforscher auch noch ihr
Abitur abzulegen...
Quelle: Haller Tagblatt von Ernst-Walter Hug
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