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Neckarsulmer Know-how für neuen A 6 in China

     
 
 

9.4.05


 

Leben und Arbeiten in einem der mächtigsten Wirtschaftszentren der Welt und einem für Europäer oft rätselhaften Land. Von ihrem Abenteuer in China berichten Neckarsulmer Audi-Mitarbeiter in der Heilbronner Stimme.

Per Videokonferenz zugeschaltet sind Kollegen aus Changchun. Sie alle kümmern sich um den Anlauf des neuen A 6 im Nordosten der Volksrepublik. Das boomende Reich der Mitte hat für den Audi-Konzern enorme Bedeutung. "China ist der zweitgrößte Absatzmarkt nach Deutschland", sagt Albrecht Reimold, Leiter der Planung Neckarsulm. 100 Mitarbeiter aus der Region betreuen die Einführung des neuen Modells und sind bis zu zwölf Monate in China.
Telefonkonferenzen mit Kollegen vor Ort, häufige 18-Stunden-Flüge in die Zwei-Millionen-Stadt Changchun: Den Reiz des Fremden hat das Land des Lächelns für Reimold aber noch lange nicht verloren. An den ersten Kulturschock erinnert er sich noch genau: "Die Kontraste sind krass. Auf der einen Seite die Industriemetropole mit achtspurigen Straßen und Wolkenkratzern wie in New York. Und direkt daneben: Acht Quadratmeter-Hütten, aus denen es im Winter bei minus 25 Grad schwarz herausraucht." Reimold schüttelt den Kopf. "Da klettern aber auch Leute 'raus im dunklen Geschäftsanzug".

45 000 neue A6-Modelle im Jahr werden ab Sommer in dem Werk in der Provinz Jilin vom Band rollen, 1000 Kilometer von Peking und 700 Kilometer von Wladiwostok entfernt. Zum Vergleich: In Neckarsulm sind es jährlich rund 180 000 A6. Die chinesische Version der Limousine, die zehn Zentimeter länger ist, bleibt dem Inlandsmarkt vorbehalten. Die offizielle Staatskarosse wird auch bei anderen Käufern immer beliebter. "70 Prozent sind Privatkunden", sagt Reimold.

Die fremde Kultur will auch im Umgang mit den asiatischen Kollegen respektiert sein. "Geduld ist wichtig", sagt etwa Lars Skogmo, der per Videokonferenz aus Changchun zugeschaltet ist. "Mit dem Kopf durch die Wand, das geht hier einfach nicht." Diplomatie sei sehr wichtig, offener Streit verpönt. "Man muss immer gut aufpassen, niemand zu verletzen." Die hierarchische Struktur erschwert Entscheidungen auf mittlerer Ebene. "Irgendwann geht's nicht mehr weiter. Dann muss der oberste Chef ein klares Wort sprechen."

Auch Geschäftsessen können es in sich haben. "Manches Restaurant gleicht einer Zoohandlung", erzählt Fertigungsplaner Christian Aps. An den ausgestellten Käfigen mit Schlangen, Hunden und Hühnern steht außen der Preis in Kilogramm angeschrieben. Vor der Zubereitung präsentiert der Koch am Tisch den zappelnden Fisch und die lebenden Garnelen. "Auch Quallen, Skorpione, Hühnerköpfe und Entenfüße stehen auf der Speisekarte", erzählt Ulrich Momber, der für die Innenausstattung des A6 zuständig ist. "Aber die Seidenraupen, die sind vielleicht lecker", wirft ein anderer in die Runde.

Überhaupt: Wohl fühlen sich alle im Land des Lächelns. Viele Audi-Mitarbeiter leben in einem internationalen Dorf mit Supermarkt, Restaurant und Kindergarten. "Wir führen ein privilegiertes Leben hier", sagt Lars Skogmo. Dienstleistungen, die vor allem die Ehefrauen gern in Anspruch nähmen, sind sehr billig: von der Massage bis zur Maniküre.

Quelle Heilbronner Stimme vom 6. April 2005 von Petra Halamoda

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