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Immer leichter, aber komfortabler

     
 
 

11.4.05


 

In der Luft entscheiden weniger Zentimeter und weniger Gewicht mit über Gewinn und Verlust bei den Fluggesellschaften. Nicht erst seit dem Boom der Billigflieger stehen die Fluglinien unter einem riesigen Kostendruck.

Die Platzersparnis ist allerdings nicht den Passagieren zu Gute gekommen, stattdessen wurden die Sitzreihen enger aneinander geschoben. "Bei der Schweizer Fluglinie Swiss passen so künftig 168 Sitze in einen Flieger statt bislang 150", sagt Recaro-Marketingleiterin Catharina Lübke. Die Recaro Aircraft Seating GmbH & Co. KG in Schwäbisch Hall ist nach eigenen Angaben der weltweit drittgrößte Produzent von Flugzeugsitzen. Die Firma mit 530 Mitarbeitern im Hohenlohischen hat einen Marktanteil bei den Auslieferungen von Airbus- und Boeing-Flugzeugen von etwa 18 Prozent.

Bei Recaro werden jährlich bis zu 70 000 Fluggastsitze für Economy und Business Class zusammengebaut. Das Unternehmen, das zur Keiper-Recaro-Gruppe (Kaiserslautern) gehört, produziert sowohl in Schwäbisch Hall als auch in einem Werk im texanischen Fort Worth. Fast jeder Fluggast dürfte schon einmal in einem Recaro-Sitz Platz genommen haben: Rund 180 Fluglinien, darunter einige, die es schon nicht mehr gibt, hat Recaro schon beliefert. Weltweit kann man von 200 bis 300 Airlines ausgehen, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Manfred Egner. Zu den festen Kunden gehören beispielsweise Lufthansa, Air France, American Airlines und Qantas. Recaro streckt seine Fühler verstärkt in Richtung China und Indien aus. "Das sind Märkte, auf die wir setzen."

Den jüngsten Großauftrag haben die Sitzhersteller im Hohenlohischen Anfang des Jahres von Deutschlands zweitgrößter Fluglinie Air Berlin erhalten. Recaro wird für sie 70 A 320-Flugzeuge mit Sitzen ausstatten. Die entscheidende Rolle habe dabei die Platzeinsparung gespielt. Durch leichte Materialien wie Karbon hat Recaro zudem 500 Kilogramm Gewicht eingespart mit der Folge eines geringeren Treibstoffverbrauchs. Mit der Auftragslage ist Recaro zufrieden: "Wir haben das geplante Auftragsvolumen für 2005 schon in den Büchern und rechnen mit 140 Millionen Euro Umsatz", sagt Egner. Für 2006 erwartet er ein stärkeres Wachstum. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz 110 Millionen Euro.

Eines der Highlights des Jahres ist für Recaro die größte Messe der Flugzeugausstatter "Aircraft Interiors Expo 2005" Anfang April in Hamburg. Dort ist Recaro eines von drei Unternehmen, das seine Sitze in ein 1 : 1-Kabinenmodell des größten Passagierflugzeugs Airbus A 380 einbaut. "Bei einem solchen Projekt muss man dabei sein", sagt Egner. Dabei ist er überrascht über den Farbwunsch: Während die Sitze üblicherweise grau bis graublau sind, soll das Interieur des A 380 weiß sein. Qantas hat bereits Recaro-Sitze für einen A 380 eingekauft.

" Living Space" ist der häufigste Begriff, der bei Recaro zu hören ist. Gefühlsmäßig soll der Passagier mehr Platz haben, obwohl das objektiv und messbar nicht der Fall ist. Dazu gehören ergonomisch geformte Sitze und das Design. "Der Komfortfaktor spielt in Flugzeugen eine größere Rolle als in Autos, weil man beispielsweise 15 bis 16 Stunden im Flugzeug sitzt", sagt Egner. Um diesen möglichst optimalen "living space" in den verschiedensten Flugzeugtypen, für alle Sitzreihen und Wünsche der Airlines zu bieten, arbeiten in der Entwicklungsabteilung von Recaro rund 100 Ingenieure und Designer. Bei Belastungstests im Labor werden die Bauteile getestet. Über eine Testdauer, die etwa 600 Flügen um die Welt entspricht, werden Armlehnen und Tische hoch und runter geklappt, Fußstützen belastet oder Sitze verstellt.

Quelle Heilbronner Stimme vom 4. April 2005 von Dörthe Hein