Übersicht

 
 
   

Das Schlaraffenland vor der Tür

     
 
 

10.5.05


 

Deutsche Weine gewinnen in der Welt wieder stark an Bedeutung. Die neue Dynamik im Weinbau ist jedoch weniger der behäbigen Weinbaupolitik als vielmehr herausragenden Einzelleistungen von Winzern und Fachleuten zu verdanken. In zahlreichen Regionen, wie dem Taubertal, schließen sich Topwinzer zusammen und generieren Spitzenqualität.

Zu den Ideengebern und Initiatoren einer neuen, kompromisslosen Qualitätsoffensive zählt der Bad Mergentheimer Weinexperte Otto Geisel. Im FN-Interview schildert der Hotelier seinen Weg, definiert Spitzenqualität und bricht eine Lanze für die Tourismus-Region Taubertal.

FN: Wie wird man Sachverständiger für Weinbewertung?

Otto Geisel: Bestellt und vereidigt wurde ich von der Industrie- und Handelskammer Heilbronn.

FN: Welche besonderen Qualifikationen bringen Sie für dieses Amt mit?

Otto Geisel: Wichtig sind vor allem Erfahrung, fundiertes Fachwissen und eine sichere Nase.

FN: Welches Aufgabenfeld beinhaltet Ihre Tätigkeit als Sachverständiger?

Otto Geisel: Ich schreibe Expertisen für Gerichte, schätze Werte bei Erbschaften und beziffere Schäden bei Diebstahl, Wasserschäden und anderen Verlusten. In manchen Fällen handelt es sich auch um Betrug, wie Etikettenschwindel. Bei teuren Weinen kann es um sehr große Summen gehen.

FN: Welche persönliche und auch emotionale Beziehung haben Sie zum Produkt Wein?
Otto Geisel: Guter Wein ist ein herrliches Naturprodukt und gleichzeitig Kulturgut.
FN: Wie definieren Sie "bestmögliche Qualität"?

Otto Geisel: Bestmögliche Qualität kann nur im Gleichklang und Gleichgewicht von menschlichem Handeln mit der Natur entstehen.

FN: Welchen Inhalt und welche Bedeutung verbinden Sie mit dem Begriff "Genuss"?
Otto Geisel: Genuss und Lebensqualität gehören unabdingbar zusammen. Die Grundvoraussetzung für Genuss ist die Fähigkeit zu einer differenzierten geschmacklichen Wahrnehmung. Dies ist eine viel größere Leistung, als man oberflächlich vermuten sollte, - ohne elitären Anspruch.

FN: Wie entstehen "große Weine"?

Otto Geisel: Durch die Zurückhaltung und gleichzeitig das Können des Menschen.

FN: Was unterscheidet einen "Spitzen-Tropfen" von einem Massenprodukt?

Otto Geisel: Spitzenweine sind wirkliche Naturprodukte, tragen die "Handschrift" eines Mikroklimas und Bodens. Sie sind nicht kopierbar. Massenprodukte werden für ein Marktsegment designed.

FN: Welche Chancen sehen Sie für den Tourismus in der Region?

Otto Geisel: Hervorragende. Mit unserem Wein, gutem Essen und schöner Landschaft haben wir Riesenchancen. Wichtig ist, dass der regionale Tourismus ein klares Profil schafft, das sich abhebt.

FN: Wie kann dieses Profil aussehen?
Otto Geisel: Wir brauchen mehr Bewusstsein für unsere eigenständigen Produkte und müssen den besonderen Geschmack und Genuss dieser Landschaft sinnlich erfahrbar machen.

FN: Wie sollte dies konkret umgesetzt werden?

Otto Geisel: Ich biete beispielsweise in meinem Hotel konsequent regionale Produkte an. Statt Hummer kommen fränkische Flusskrebse auf den Tisch, statt Geflügel aus Frankreich Freilandhahn aus Hohenlohe und statt Steaks aus Argentinien Limpurger-Ochsen aus eigener Zucht. Dazu ist unser Wein ein hervorragender Sympathieträger. Die Region muss ihre Spitzenerzeugnisse für die Imagebildung nutzen.

FN: Und das funktioniert?

Otto Geisel: Natürlich! Unsere Gäste honorieren das. Mit der richtigen Einstellung zum Produkt schaffen wir unverwechselbare Top-Qualität. Inzwischen ist es so, dass unsere besten Tropfen den Vergleich mit den besten Burgundern oder den großen Weinen aus Italien längst nicht mehr scheuen müssen. Unsere Region hat das Potential, eine touristische Marke auszubauen, denn wir haben das Schlaraffenland vor der Haustür.

FN: Vielen Dank für dieses Gespräch.
Martin Herrmann

© Fränkische Nachrichten - 30.04.2005

Quelle und Adresse des Artikels

Wein in der Region Heilbronn-Franken

Tourismus in der Region Heilbronn-Franken
 
         
 

Heilbronn-Franken...

„Die Region Heilbronn-Franken steht in Deutschland mit an der Spitze der Bundesliga für kleine

Wirtschaftswunder.“
Dr. Michael Rogowski, ehemaliger BDI-Präsident
Bundesverband der Deutschen Industrie

"Eine Stärke der Menschen in dieser Region ist ihr Wissen und Ihre Kompetenz. Beides versetzt sie in die Lage,

neue Technologien und Prozesse zu beherrschen und damit den Standort Heilbronn-Franken wirtschaftlich attraktiv und bekannt zu machen."
Jürgen Lunemann,
Werkleiter, AUDI AG, Neckarsulm
AUDI AG