Die Würth-Gruppe
baut im Haller Solpark eine Fabrik für
die Großproduktion von Solaranlagen. In der 55 Millionen Euro
teuren Produktionsstätte werden 120 Menschen arbeiten. Die Investition
im Solpark ist selbst für den Würth-Konzern ein großer
Wurf.
Reinhold Würth ließ es sich nicht nehmen, gestern auf
der Bilanzpressekonferenz die Nachricht selbst zu verkünden: "Die
Entscheidung ist für den Standort Hall gefallen - das Ding geht
in die Gänge." Zu 99 Prozent sei sicher, dass die Würth
Solar von Marbach am Neckar nach Hall ziehe und ihre jährliche
Produktionsmenge verzehnfache, kündigte der Vorsitzende des
Beirats der Würth-Gruppe an. 120 Mitarbeiter in Fertigung und
Verwaltung sollen dort beschäftigt werden, 67 von ihnen arbeiten
zurzeit noch in der Pilotanlage in Marbach. Der Standort am Neckar
wird aufgegeben. Die Würth Solar GmbH ist Teil der Sparte Würth-Electronik
und gehört damit auch zum Gesamtkonzern der Würth-Gruppe.
Schon in diesem Jahr kann der Bau des Gebäudes für die
Großproduktion in Hall beginnen. Von 2007 an soll die Fertigung
voll ausgelastet sein, dann werden jedes Jahr zirka 200000 Solarmodule
das Werk verlassen. Auf ihnen wird die Kraft der Sonne, mit der so
genannten Photovoltaik-Technik, über metallbeschichtete Glasplatten
in elektrischen Strom umgewandelt. Die Module wurden vom Würth
Solar-Mitgesellschafter, dem Zentrum für Sonnenenergie- und
Wasserstoff-Forschung in Stuttgart, entwickelt. Anders als herkömmliche
Modelle, die aus Silizium bestehen, werden die neuartigen "CIS-Module" mit
Kupfer, Indium und Selenid beschichtet. Die Technik soll noch ressourcenschonender
sein. Professor Reinhold Würth rechnet in großen Dimension: "Wo
die Grenzen für die Solarenergie sind, ist noch nicht abzuschätzen".
Die Würth-Gruppe habe schon in Mali Tests gemacht und verkaufe
die Photovoltaikanlagen auch schon in Brasilien. Das Verkaufspotenzial
vor allem in den Zonen um den Äquator sei enorm, zumal Entwicklungshilfeprojekte
Solaranlagen finanzieren, sagte Reinhold Würth.
Großer Schritt für Würth
"
Die Investition ist keine kleine Sache", betonte der stellvertretende
Sprecher des Würth-Konzerns, Rolf Bauer. Selbst für einen
Konzern mit einem Rekordumsatz von 6,2 Milliarden Euro im Jahr
2004 sind 55 Millionen kein Pappenstiel. Denn: "Es ist die
größte Einzelinvestition der Würth-Gruppe in ihrer
Geschichte", sagte Bauer. Obwohl in Ostdeutschland staatliche
Subventionen locken, will das Unternehmen in Hall bauen. "Wir
wollen im Land bleiben", sagte Bauer.
"Eine beachtliche Investition", kommentierte Halls Oberbürgermeister
Hermann-Josef Pelgrim. "Wir haben über ein Jahr lang
intensive und vertrauensvolle Gespräche geführt",
erläuterte Pelgrim am Telefon. "Ich bin froh, dass sie
zu einem vollen Erfolg geführt haben." Eine Kooperation
mit den Stadtwerken, die ebenfalls auf Solarenergie setzen, würde
sich anbieten.
Im ersten Bauabschnitt werde die Würth Solar auf einer Fläche
von drei Hektar ihre Produktionshalle aufbauen. Später kämen
noch zwei Hektar hinzu. "Für einen Startschuss noch in
diesem Jahr steht nichts im Weg", sagte der Oberbürgermeister.
Die Mitarbeiter aus Marbach will Pelgrim, wenn es soweit ist, bei
der Wohnungssuche unterstützen und ihnen Bauplätze vermitteln. "Die
Würth Solar ist wohl die größte Ansiedlung in Hall
aus einem Guss", sagt Pelgrim. Kann Hall mit steigenden Steuereinnahmen
rechnen? Dazu der Haller OB: "Wir hoffen natürlich, dass
die Produktion bald prosperiert und einen Betriebsüberschuss
erzielt."
Quelle: Tobias Würth in Haller Tagblatt vom 13. Mai 2005
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