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„Kulturbunte“ Live-Abenteuer

     
 
 

9.6.05


 

Musikfieber in der Region: Bei Festivals von Bonfeld bis Bronnbach wird generationen- und genreübergreifend alles geboten was das Besucherherz begehrt.

Das kulturbunte Abenteuer geht vom 30. Juni bis 3. Juli in seine 19. Saison. Beim Heilbronner Gaffenberg Festival treffen in den drei Veranstaltungszelten Top-Stars der Comedy-Branche wie Michael Mittermeier auf Musikgrößen à la BAP oder die Senkrechtstarter Juli.
Die Verantwortlichen haben in diesem Jahr erneut versucht, sowohl für die jungen Zuschauer als auch für die mit dem Festival aufgewachsenen Älteren ein ansprechendes Programm zusammenzustellen. Dass das Gaffenberg Festival auch dem Nachwuchs eine Chance gibt, hat sich in der Republik herumgesprochen. Die Bewerbungen für den Kleinkunst-Preis „Heilbronner Lorbeeren“ stapeln sich schon Monate zuvor im Büro von Organisator Andreas Schoch. In den drei Sparten Kabarett, Comedy und Varieté werden im Rahmen des Festivals je fünf Künstler oder Gruppen gegeneinander antreten und um die Gunst des Publikums und einer Fachjury kämpfen.

Als das Festival 1986 unter der Bezeichnung Heilbronner Kulturtage erstmals auf dem Gelände von Europas größten Waldheim für Kinderfreizeiten durchgeführt worden war, hatte es einen Etat von 20000 Mark – und kostete keinen Pfennig Eintritt. Das Organisationsteam rund um Harry Mergel, das aus Gaffenberg-Onkeln und -Tanten – wie die Betreuer von den Kindern liebevoll genannt werden, bestand – agierte Ende der 80er-Jahre vor allem aus einem politischen Ansatz heraus: „1988 haben wir uns in die Ost-West-Problematik eingemischt,“ erinnert sich der zukünftige Heilbronner Kultur- und Sozialbürgermeister Mergel. Künstler aus der Sowjetunion und der DDR waren an einem symbolträchtigem Ort mit von der Partie. Die Waldheide mit ihren US-amerikanischen Mittelstreckenraketen, den Pershings, lag ganz in der Nähe.

Inzwischen hat sich das Festival mit einem Etat von 650000 Euro und 15000 Zuschauern an vier Tagen in der Kulturlandschaft der Region fest etabliert. Der deutschsprachige Süden bildet weiterhin die Quelle für kreative Newcomer und etablierte Künstler.
Ein besonderer Kult hat sich um den Vorverkauf entwickelt. Während heute über die Hälfte der Tickets übers Internet verkauft werden, gab es Mitte der 90er schon Stunden vor dem Verkaufsbeginn lange Schlangen am Kulturtagestand. Noch heute campieren rund 200 Gaffenberg-Fans ab den frühen Morgenstunden auf dem Heilbronner Kiliansplatz – nicht weil’s nötig ist, sondern weil’s Spaß macht.

Ein besonderer Sommer

Ein Festival der besonderen Art – und das jüngste im Veranstaltungsreigen der Region – ist der Nordheimer Blumensommer. Im Rahmen des baden-württembergischen Förderprogramms „Mehr Natur in unserer Gemeinde“ war das Städtchen im Landkreis Heilbronn 2003 Gastgeber des ersten offiziellen Blumensommers. In Nordheim wurde gepflanzt, begrünt, verändert und es wurden jede Menge Veranstaltungen organisiert. An über 80 Tage besuchten knapp 140000 Besucher die Gemeinde.
Die so genannte „kleine Gartenschau“ wurde ein überraschender Erfolg. Die Verantwortlichen planten einen Nachschlag. Im vergangenen Jahr dauerte der Blumensommer zwar „nur“ 17 Tage, doch mit 23000 Besuchern war der Grundstock gelegt für eine erneute Durchführung 2005. Vom 8. bis 24. Juli heißt es nun wieder hereinspaziert in die Gärten, Ohren und Augen auf im Zelt oder guten Appetit bei herzhaften Leckereien und Nordheimer Wein.
Dienstags und donnerstags werden Seniorennachmittage mit Orchester und Moderation organisiert, für Kinder und Jugendliche ist mit Basteln, Theater, Bilderbuchkino, Mini-Playbackshow, Kiesstrand ein umfangreiches Angebot vorbereitet. Schulen und Vereine bekommen beim Blumensommer die Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. So veranstaltet zum Beispiel der Männergesprächskreis Nordheim eine Filmnacht am 9. Juli, und zwei Klassen der Kaywaldschule für Geistig- und Körperbehinderte aus Lauffen spielen am 11. Juli ein zauberhaftes Märchen.

Als reines Musikfest ist das dreitätige Würth-Open-Air konzipiert. In seiner neunten Auflage gibt es dieses Jahr ein Revival unter dem Motto „Remember Woodstock – One more day of peace and music“ (18. Juli) auf der Bühne des Werksgeländes in Künzelsau-Gaisbach. Eröffnet wird der Freiluftkonzertreigen am 17. Juni traditionell von Justus Frantz und seiner Philharmonie der Nationen. Frantz ist ein echter Wiederholungstäter. Seit dem ersten Open-Air 1997 tritt der bekannte Dirigent mit seinen jungen Musikern im Verladehof auf. Den Abschluss bilden am Sonntag 19. Juli Udo Lindenberg, Wolfgang Ambros und Klaus Lage. In den vergangenen acht Jahren haben über 82000 Zuschauer den Weg nach Künzelsau gefunden. Von anfangs 8000 Besuchern stieg die Zahl stetig – bis auf 12000 im Jahr 2003. Nur 2004 war mit 9500 Musikfans ein Rückgang zu verzeichnen.

Aus vielen Einzelveranstaltungen haben sich im Jahr 2001 die Bronnbacher Kultouren entwickelt. In der ehemalige Zisterzienser-Abtei, zwischen Gamburg und Wertheim am Main im „lieblichen Taubertal“ gelegen, finden 2005 rund 70 Veranstaltungen statt, die in die Kategorien Bronnbacher Klassik, Gespräche, Galerie, Theater und Junges Bronnbach eingeordnet wurden. „Das Hauptaugenmerk liegt auf klassischer Musik“, sagt Diana Volkert, Mitarbeiterin im Fachbereich Kultur des Landratsamts Main-Tauber-Kreis.
So findet zum Beispiel die Kreuzgangserenade (9. Juli) bereits zum 35. Mal in Bronnbach statt. Aber auch gegenüber aktuellen Trends sind die Organisatoren aufgeschlossen: Ausstellungen, Vorträge und Workshops, wie das Philosophieseminar vom 9. bis 11. September in der Orangerie, werden erstmals in einer eigenen Kategorie präsentiert. Im renovierten Bernhard- und Josephsaal erklingen im Sommer Melodien aus allen Epochen und Genres der klassischen Musik.

Seit zehn Jahren fördert und unterstützt die Kulturstiftung Hohenlohe das vielfältige kulturelle Leben in der Region. Die Organisation des Hohenloher Kultursommers zählt seit Anbeginn zu den wichtigsten Aufgaben der Stiftung. Bei rund 60 Konzerten kommen jedes Jahr über 10000 Besucher in die unterschiedlichsten Örtlichkeiten, um klassischer Musik mit teils modernem Touch und in ungewöhnlichen Inszenierungen zu lauschen.

Bereits am Samstag, 4. Juni wird der 19. Kultursommer um 19 Uhr im Rittersaal von Schloss Neuenstein mit einem Klavierkonzert von Ragna Schirmer und dem Orchester Ensemble Momento Musicale eröffnet. Allerdings gibt es hierfür keine Eintrittskarten mehr. Für 56 Konzerte öffnen 35 historische Stätten in den Landkreisen Hohenlohe, Schwäbisch Hall, Main-Tauber und Heilbronn als besondere Spielorte ihre Türen für die Gäste.

Mit einem kleinen, aber äußerst erfolgreichen Festival wartet Bonfeld auf. Der Bad Rappenauer Stadtteil wird jedes Jahr im Juni zum Mekka für Folk-Fans, die aus der ganzen Republik anreisen. Folk im Schlosshof findet 2005 zum fünften Mal statt: vom 23. bis 25. Juni. Erstmals steigt am Donnerstag eine Session Night. Musiker aus verschiedenen Bands wollen in der Sporthalle Stimmung wie in einem irischen Music Pub verbreiten. Am Freitag und Samstag stehen Folkgrößen aus Deutschland, Irland, Kanada und den Niederlanden auf den beiden Bühnen im Hof des Bonfelder Schlosses. Neben den musikalischen Leckerbissen warten jede Menge kulinarische Spezialitäten aus Irland und Schottland wie Lachs, Irish Stew und jede Menge Alkoholisches auf die Besucher.

Neu ist das Rahmenprogramm mit einer Pipes & Drums Band, der Strassergarde und Irish Dance mit den Staufer-Irish-Dancers. Eine Neuauflage erfahren die 2004 erstmals durchgeführten Workshops – ob Whiskeyprobe oder Irischer-Tanz-Unterricht, die Organisatoren vom Sportverein Bonfeld haben sich eine Menge einfallen lassen.
Bei einer Kraichgau-Olympiade, den ersten Bonfelder Lowland-Games, angelehnt an die Wettkämpfe der schottischen Highlander, werden am Samstag Baumstämme durch die Gegend fliegen, Taue gezogen oder Wassereimer getragen.

Quelle pro Magazin 6/2005 von Birgit Rommel

Festival-Termine

Gaffenberg Festival Heilbronn

30. Juni, 20 Uhr: Dieter Hildebrandt und das Württembergische Kammerorchester. AUSVERKAUFT.
1. Juli, 18 Uhr: Global Kryner, Think Theatre, Adam Green, Ringsgwandl, Leo Bassi, BAP, Juli, Die groben Junggesellen, Lorbeeren Sparte Kabarett. 35 Euro.
2. Juli, 18 Uhr: Mnozil Brass, Katja Riemann Oktett, Ingo Insterburg, Stefan Gwildis, Ingo Oschmann, Jimmy Cliff, Naturally 7, Jan Josef Liefers, Lorbeeren Sparte Comedy. 35 Euro.
3. Juli: Paddy goes to Holyhead, Wise Guys, Kurt Krömer, Somersault, Hartmut Engler, Les Babacools, Mnozil Brass (ohne Michael Mittermeier). 25 Euro.
www.gaffenberg-festival.de
Tel. 07131/205252

Würth-Open-Air Künzelsau

17. Juni, 20.30 Uhr: Justus Frantz und die Philharmonie der Nationen.
18. Juni, 17 Uhr: Jefferson Starship, Canned Heat, Ten Years After, Iron Butterfly, Country Joe Mc Donald.
19. Juni, 18 Uhr: Udo Lindenberg, Wolfgang Ambros, Klaus Lage.
Einzelkarten pro Tag 37 Euro, Kombiticket Samstag und Sonntag 51 Euro.
www.wuerth-open-air.de
Tel. 07940/2442

Nordheimer Blumensommer

8. bis 24. Juli. Parköffnung von 10 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit beziehungsweise bis zum Ende der Veranstaltung.
Vielfältiges Programm mit Auftritten von Künstlern, Vereinen, Ausstellungen, Blumenschau. Eintritt für Erwachsene: Dauerkarte 30 Euro, Einzeleintritt 8 Euro, Spartarif Montag und Dienstag 5 Euro.
www.2005.blumensommer.de
Tel. 07133/182-114

Bronnbacher Kultouren Tauberbischofsheim

Programm ganzjährig.
www.kloster-bronnbach.de
Tel. 09341/82-276

Hohenloher Kultursommer

4. Juni bis 25. September.
Konzerte an unterschiedlichen Orten in der gesamten Region Heilbronn-Franken.
www.hohenloher-kulursommer.de
Tel. 07940/18348

Folk im Schlosshof Bad Rappenau-Bonfeld

23. Juni, 21 Uhr: Sessionnight, Sporthalle. 5 Euro.
24. Juni, 17.30 Uhr: Gael Sli, Dale Wilde Band, Rapalje, Garden of Delight. 19,50 Euro.
25. Juni, 16 Uhr: Tears for Beers, Cromdale, Bardic, Enter the Haggis, Fiddler's Green. AUSVERKAUFT. Workshops am 25. Juni in der Sporthalle kosten zwischen 5 und 10 Euro.
www.folk-im-schlosshof.de
Tel. 0172/6001008