Musikfieber
in der Region: Bei Festivals von Bonfeld bis Bronnbach wird generationen-
und genreübergreifend alles geboten was
das Besucherherz begehrt.
Das kulturbunte Abenteuer geht vom 30. Juni bis 3. Juli in seine
19. Saison. Beim Heilbronner Gaffenberg Festival treffen in den
drei Veranstaltungszelten Top-Stars der Comedy-Branche wie Michael
Mittermeier auf Musikgrößen à la BAP oder die
Senkrechtstarter Juli.
Die Verantwortlichen haben in diesem Jahr erneut versucht, sowohl
für die jungen Zuschauer als auch für die mit dem Festival
aufgewachsenen Älteren ein ansprechendes Programm zusammenzustellen.
Dass das Gaffenberg Festival auch dem Nachwuchs eine Chance gibt,
hat sich in der Republik herumgesprochen. Die Bewerbungen für
den Kleinkunst-Preis „Heilbronner Lorbeeren“ stapeln
sich schon Monate zuvor im Büro von Organisator Andreas Schoch.
In den drei Sparten Kabarett, Comedy und Varieté werden
im Rahmen des Festivals je fünf Künstler oder Gruppen
gegeneinander antreten und um die Gunst des Publikums und einer
Fachjury kämpfen.
Als das Festival 1986 unter der Bezeichnung Heilbronner Kulturtage
erstmals auf dem Gelände von Europas größten Waldheim
für Kinderfreizeiten durchgeführt worden war, hatte es
einen Etat von 20000 Mark – und kostete keinen Pfennig Eintritt.
Das Organisationsteam rund um Harry Mergel, das aus Gaffenberg-Onkeln
und -Tanten – wie die Betreuer von den Kindern liebevoll
genannt werden, bestand – agierte Ende der 80er-Jahre vor
allem aus einem politischen Ansatz heraus: „1988 haben wir
uns in die Ost-West-Problematik eingemischt,“ erinnert sich
der zukünftige Heilbronner Kultur- und Sozialbürgermeister
Mergel. Künstler aus der Sowjetunion und der DDR waren an
einem symbolträchtigem Ort mit von der Partie. Die Waldheide
mit ihren US-amerikanischen Mittelstreckenraketen, den Pershings,
lag ganz in der Nähe.
Inzwischen hat sich das Festival mit einem Etat von 650000 Euro
und 15000 Zuschauern an vier Tagen in der Kulturlandschaft der
Region fest etabliert. Der deutschsprachige Süden bildet weiterhin
die Quelle für kreative Newcomer und etablierte Künstler.
Ein besonderer Kult hat sich um den Vorverkauf entwickelt. Während
heute über die Hälfte der Tickets übers Internet
verkauft werden, gab es Mitte der 90er schon Stunden vor dem Verkaufsbeginn
lange Schlangen am Kulturtagestand. Noch heute campieren rund 200
Gaffenberg-Fans ab den frühen Morgenstunden auf dem Heilbronner
Kiliansplatz – nicht weil’s nötig ist, sondern
weil’s Spaß macht.
Ein besonderer Sommer
Ein Festival der besonderen Art – und das jüngste im
Veranstaltungsreigen der Region – ist der Nordheimer Blumensommer.
Im Rahmen des baden-württembergischen Förderprogramms „Mehr
Natur in unserer Gemeinde“ war das Städtchen im Landkreis
Heilbronn 2003 Gastgeber des ersten offiziellen Blumensommers.
In Nordheim wurde gepflanzt, begrünt, verändert und es
wurden jede Menge Veranstaltungen organisiert. An über 80
Tage besuchten knapp 140000 Besucher die Gemeinde.
Die so genannte „kleine Gartenschau“ wurde ein überraschender
Erfolg. Die Verantwortlichen planten einen Nachschlag. Im vergangenen
Jahr dauerte der Blumensommer zwar „nur“ 17 Tage, doch
mit 23000 Besuchern war der Grundstock gelegt für eine erneute
Durchführung 2005. Vom 8. bis 24. Juli heißt es nun
wieder hereinspaziert in die Gärten, Ohren und Augen auf im
Zelt oder guten Appetit bei herzhaften Leckereien und Nordheimer
Wein.
Dienstags und donnerstags werden Seniorennachmittage mit Orchester
und Moderation organisiert, für Kinder und Jugendliche ist
mit Basteln, Theater, Bilderbuchkino, Mini-Playbackshow, Kiesstrand
ein umfangreiches Angebot vorbereitet. Schulen und Vereine bekommen
beim Blumensommer die Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. So
veranstaltet zum Beispiel der Männergesprächskreis Nordheim
eine Filmnacht am 9. Juli, und zwei Klassen der Kaywaldschule für
Geistig- und Körperbehinderte aus Lauffen spielen am 11. Juli
ein zauberhaftes Märchen.
Als reines Musikfest ist das dreitätige Würth-Open-Air
konzipiert. In seiner neunten Auflage gibt es dieses Jahr ein Revival
unter dem Motto „Remember Woodstock – One more day
of peace and music“ (18. Juli) auf der Bühne des Werksgeländes
in Künzelsau-Gaisbach. Eröffnet wird der Freiluftkonzertreigen
am 17. Juni traditionell von Justus Frantz und seiner Philharmonie
der Nationen. Frantz ist ein echter Wiederholungstäter. Seit
dem ersten Open-Air 1997 tritt der bekannte Dirigent mit seinen
jungen Musikern im Verladehof auf. Den Abschluss bilden am Sonntag
19. Juli Udo Lindenberg, Wolfgang Ambros und Klaus Lage. In den
vergangenen acht Jahren haben über 82000 Zuschauer den Weg
nach Künzelsau gefunden. Von anfangs 8000 Besuchern stieg
die Zahl stetig – bis auf 12000 im Jahr 2003. Nur 2004 war
mit 9500 Musikfans ein Rückgang zu verzeichnen.
Aus vielen Einzelveranstaltungen haben sich im Jahr 2001 die Bronnbacher
Kultouren entwickelt. In der ehemalige Zisterzienser-Abtei, zwischen
Gamburg und Wertheim am Main im „lieblichen Taubertal“ gelegen,
finden 2005 rund 70 Veranstaltungen statt, die in die Kategorien
Bronnbacher Klassik, Gespräche, Galerie, Theater und Junges
Bronnbach eingeordnet wurden. „Das Hauptaugenmerk liegt auf
klassischer Musik“, sagt Diana Volkert, Mitarbeiterin im
Fachbereich Kultur des Landratsamts Main-Tauber-Kreis.
So findet zum Beispiel die Kreuzgangserenade (9. Juli) bereits
zum 35. Mal in Bronnbach statt. Aber auch gegenüber aktuellen
Trends sind die Organisatoren aufgeschlossen: Ausstellungen, Vorträge
und Workshops, wie das Philosophieseminar vom 9. bis 11. September
in der Orangerie, werden erstmals in einer eigenen Kategorie präsentiert.
Im renovierten Bernhard- und Josephsaal erklingen im Sommer Melodien
aus allen Epochen und Genres der klassischen Musik.
Seit zehn Jahren fördert und unterstützt die Kulturstiftung
Hohenlohe das vielfältige kulturelle Leben in der Region.
Die Organisation des Hohenloher Kultursommers zählt seit Anbeginn
zu den wichtigsten Aufgaben der Stiftung. Bei rund 60 Konzerten
kommen jedes Jahr über 10000 Besucher in die unterschiedlichsten Örtlichkeiten,
um klassischer Musik mit teils modernem Touch und in ungewöhnlichen
Inszenierungen zu lauschen.
Bereits am Samstag, 4. Juni wird der 19. Kultursommer um 19 Uhr
im Rittersaal von Schloss Neuenstein mit einem Klavierkonzert von
Ragna Schirmer und dem Orchester Ensemble Momento Musicale eröffnet.
Allerdings gibt es hierfür keine Eintrittskarten mehr. Für
56 Konzerte öffnen 35 historische Stätten in den Landkreisen
Hohenlohe, Schwäbisch Hall, Main-Tauber und Heilbronn als
besondere Spielorte ihre Türen für die Gäste.
Mit einem kleinen, aber äußerst erfolgreichen Festival
wartet Bonfeld
auf. Der Bad Rappenauer Stadtteil wird jedes Jahr im Juni zum Mekka
für Folk-Fans, die aus der ganzen Republik anreisen. Folk
im Schlosshof findet 2005 zum fünften Mal statt: vom 23. bis
25. Juni. Erstmals steigt am Donnerstag eine Session Night. Musiker
aus verschiedenen Bands wollen in der Sporthalle Stimmung wie in
einem irischen Music Pub verbreiten. Am Freitag und Samstag stehen
Folkgrößen aus Deutschland, Irland, Kanada und den Niederlanden
auf den beiden Bühnen im Hof des Bonfelder Schlosses. Neben
den musikalischen Leckerbissen warten jede Menge kulinarische Spezialitäten
aus Irland und Schottland wie Lachs, Irish Stew und jede Menge
Alkoholisches auf die Besucher.
Neu ist das Rahmenprogramm mit einer Pipes & Drums Band, der
Strassergarde und Irish Dance mit den Staufer-Irish-Dancers. Eine
Neuauflage erfahren die 2004 erstmals durchgeführten Workshops – ob
Whiskeyprobe oder Irischer-Tanz-Unterricht, die Organisatoren vom
Sportverein Bonfeld haben sich eine Menge einfallen lassen.
Bei einer Kraichgau-Olympiade, den ersten Bonfelder Lowland-Games,
angelehnt an die Wettkämpfe der schottischen Highlander, werden
am Samstag Baumstämme durch die Gegend fliegen, Taue gezogen
oder Wassereimer getragen.
Quelle pro Magazin 6/2005 von Birgit Rommel
Festival-Termine
Gaffenberg Festival Heilbronn
30. Juni, 20 Uhr: Dieter Hildebrandt und das Württembergische
Kammerorchester. AUSVERKAUFT.
1. Juli, 18 Uhr: Global Kryner, Think Theatre, Adam Green, Ringsgwandl,
Leo Bassi, BAP, Juli, Die groben Junggesellen, Lorbeeren Sparte
Kabarett. 35 Euro.
2. Juli, 18 Uhr: Mnozil Brass, Katja Riemann Oktett, Ingo Insterburg,
Stefan Gwildis, Ingo Oschmann, Jimmy Cliff, Naturally 7, Jan Josef
Liefers, Lorbeeren Sparte Comedy. 35 Euro.
3. Juli: Paddy goes to Holyhead, Wise Guys, Kurt Krömer, Somersault,
Hartmut Engler, Les Babacools, Mnozil Brass (ohne Michael Mittermeier).
25 Euro.
www.gaffenberg-festival.de
Tel. 07131/205252
Würth-Open-Air Künzelsau
17. Juni, 20.30 Uhr: Justus Frantz und die Philharmonie der Nationen.
18. Juni, 17 Uhr: Jefferson Starship, Canned Heat, Ten Years After,
Iron Butterfly, Country Joe Mc Donald.
19. Juni, 18 Uhr: Udo Lindenberg, Wolfgang Ambros, Klaus Lage.
Einzelkarten pro Tag 37 Euro, Kombiticket Samstag und Sonntag 51
Euro.
www.wuerth-open-air.de
Tel. 07940/2442
Nordheimer Blumensommer
8. bis 24. Juli. Parköffnung von 10 Uhr bis zum Einbruch
der Dunkelheit beziehungsweise bis zum Ende der Veranstaltung.
Vielfältiges Programm mit Auftritten von Künstlern, Vereinen,
Ausstellungen, Blumenschau. Eintritt für Erwachsene: Dauerkarte
30 Euro, Einzeleintritt 8 Euro, Spartarif Montag und Dienstag 5
Euro.
www.2005.blumensommer.de
Tel. 07133/182-114
Bronnbacher Kultouren Tauberbischofsheim
Programm
ganzjährig.
www.kloster-bronnbach.de
Tel. 09341/82-276
Hohenloher Kultursommer
4. Juni bis 25. September.
Konzerte an unterschiedlichen Orten in der gesamten Region Heilbronn-Franken.
www.hohenloher-kulursommer.de
Tel. 07940/18348
Folk im Schlosshof Bad Rappenau-Bonfeld
23. Juni, 21 Uhr: Sessionnight, Sporthalle. 5 Euro.
24. Juni, 17.30 Uhr: Gael Sli, Dale Wilde Band, Rapalje, Garden
of Delight. 19,50 Euro.
25. Juni, 16 Uhr: Tears for Beers, Cromdale, Bardic, Enter the
Haggis, Fiddler's Green. AUSVERKAUFT. Workshops am 25. Juni in
der Sporthalle kosten zwischen 5 und 10 Euro.
www.folk-im-schlosshof.de
Tel. 0172/6001008
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