Wochenlange Proben liegen hinter ihnen. Lampenfieber und freudiger
Applaus noch vor ihnen. Die Laiendarsteller der Region sind auf
ihre Freilichtspiele vorbereitet.
Theaterspielen ohne Schauspielunterricht und ohne Gage, anstrengende
Proben nach einem langen Arbeitstag, geopferte Wochenenden und
schier unerträgliches Lampenfieber vor der Aufführung:
Das nehmen Hobbydarsteller in Kauf, um alljährlich zur Sommerzeit
eine treue Fangemeinde mit ihrem Spiel unter freiem Himmel zu begeistern.
In Freudenberg, Möckmühl, Neuenstadt, Künzelsau-Stetten,
Ilshofen-Leofels, Mainhardt und Rot am See-Reubach stehen interessante
Premieren an.
Die Freilichtspiele Neuenstadt zählen zu den Laienbühnen,
die auf die Unterstützung eines Profiregisseurs setzen. Heinz
Kipfer, Direktor auf dem Heilbronner Theaterschiff, leitet seit
2002 die Truppe im Schlossgraben. Bereits vor den Proben hat er
die Komödie „Der Bauer als Millionär“ des
Wiener Autors Ferdinand Raimund gekürzt und den Text „mundgerecht“ für
die Akteure aus dem Kochertal umgearbeitet. Fast 40 Rollen rund
um den Bauern Wurzel waren zu vergeben. Geld allein macht nicht
glücklich, ist die Botschaft des Zaubermärchens, das
auf der Erde und im Feenreich spielt.
Entsprechend fantasiereich sind Kostüme und Bühnenbild,
das in der Tradition der Papiertheater des 19. Jahrhunderts erstellt
wurde. Gesang und Bühnenzauber machen das poetische Volkstheater
komplett. Nach rund 60 Übungsstunden für jeden Darsteller
gibt es vom 3. bis 17. Juli 21 Vorstellungen.
Theater spielt man in der Kocherstadt seit 1958. Mittlerweile
sind die Freilichtspiele Neuenstadt weit über die Grenzen
des Landkreises Heilbronn hinaus bekannt. Vorstand Ludwig Hofmann
ist stolz darauf, dass in dieser Zeit keines der anspruchsvollen
Stücke von der klassischen Komödie bis zum skurrilen
Krimi wiederholt wurde. Eine Gerichtsstätte aus dem 17. Jahrhundert
mit historischen Sandsteinsäulen bildet den markanten Eingang
der Bühne. Der Zuschauerraum fasst 850 Personen und ist meist
ausverkauft. Die routinierten Amateure begeistern in Neuenstadt
so jährlich rund 20000 Zuschauer.
Auch in der über 1200 Jahre alten Stadt Möckmühl
hat Freilichttheater eine lange Tradition. Bereits 1927 wurde das
Heimatspiel „Herrn Götzens Ehrentag“, das Stadtpfarrer
Heinrich Gommel in den 20er-Jahren geschrieben hatte, mit großem
Erfolg aufgeführt. 30000 Zuschauer besuchten damals die Vorstellungen.
64 Jahre später initiierte der Heimatkundliche Arbeitskreis
Möckmühl eine Wiederaufnahme des Stückes. Die Freude
der Laiendarsteller am Theaterspielen und die positiven Reaktionen
ließen rasch den Wunsch nach einer Wiederholung aufkommen.
So wurde ab 1991 das Freilichttheater in Möckmühl zu
einer festen Einrichtung. Inzwischen ist aus der Laienspielschar
die Jagsttalbühne Möckmühl e.V. geworden, ein seit
1994 eingetragener, gemeinnütziger Verein mit 160 Mitgliedern,
der im Verband deutscher Freilichtbühnen e.V. Mitglied ist.
In diesem Sommer steht „Das Kaffeehaus“ von Carlo
Goldoni auf dem Spielplan in Möckmühl. Premiere ist am
24. Juni, danach gibt es bis zum 17. Juli acht weitere Aufführungen.
Spielstätte ist der Platz vor dem Ruchsener Tor, einem Teil
der wiederhergestellten Stadtmauer, die gern in das jeweilige Bühnenbild
integriert wird. Für die Zuschauer steht eine mit bequemen
Schalensitzen ausgestattete Tribüne mit einer Kapazität
von 400 Plätzen zur Verfügung.
Seit 1987 bringt der Burgschauspielverein Freudenberg im zweijährigen
Rhythmus ein neues Stück auf die Bühne. Die Besucher
können sich in diesem Sommer auf die Inszenierung des Stückes „Fremde
Stimmen“ von Bernhard Setzwein freuen. Der kreative Idealismus
der Laiendarsteller hat den Regisseur Dominik Neuner bewogen, wieder
die Leitung zu übernehmen. Mit großem Engagement hat
sich die Amateurtruppe an die dramaturgische Umsetzung gemacht.
Premiere ist am 24. Juni, sieben weitere Vorstellungen folgen bis
zum 9. Juli. Während der Pause werden die Besucher im Burghof
bewirtet. Vorstand Volker Mai freut sich, dass 285 Mitglieder dem
Verein die Treue halten und bei der Organisation kräftig mithelfen.
Im Schlossgraben der 900 Jahre alten Stauferburg Stetten stehen
in diesem Sommer zum 14. Mal die ambitionierten Hohenloher Laiendarsteller
der Künzelsauer Burgfestspiele auf der Bühne. Das spannende
Kinder- und Jugendstück „Emil und die Detektive“ von
Erich Kästner wird in diesem Jahr Jung und Alt begeistern.
Von Samstag, 2. bis Sonntag 10. Juli sind acht Vorstellungen angesetzt.
Außerdem stehen den Kindern wieder Burg und Burganlage zur
Erforschung offen.
Mit „Eine Nacht in Venedig“ gastiert die Budapester
Operettenwelt zum sechsten Mal auf Schloss Stetten. Die Johann-Strauß-Operette
wird mit ungarischem Schwung und Charme aufgeführt. Die faszinierende
Verwechslungskomödie im Karneval in Venedig wird vom 22. Juli
bis 31. Juli acht Mal auf der Burg zu sehen sein.
Mit dem Klassiker „Mutter Courage“ von Bertolt Brecht
und erstmals einem Kinderstück – „Eine Woche voller
Samstage“ von Paul Maar – hat sich die Theatergruppe
der Burgschauspiele Leofels in diesem Jahr eine besonders große
Aufgabe vorgenommen. Ihr Spielort ist die eindrucksvolle Stauferruine
Leofels aus dem 13. Jahrhundert in der Gemeinde Ilshofen. Die Laienspielgruppe
wurde 1984 von Mundartautor Fritz Frank gegründet, der sich
mit der Aufführung seiner selbst geschriebenen Stücke
auf der Burgruine Leofels einen Lebenstraum erfüllte. „Der
Reiter von Leofels“ war das erste von zehn Mundartstücken
zu historischen Ereignissen aus der Region.
Seit 1990 führt Gerd Bauer Regie, der sein Handwerk an der
Landesbühne Bruchsal gelernt hat. Unter seiner Anleitung steigerten
sich die Akteure von Stück zu Stück. Bis zum Jahr 2001
wurden ausschließlich Vorlagen von Fritz Frank gespielt.
Als er aufhörte zu schreiben, suchte die Theatergruppe nach
Stücken, die Ensemble, Spielort und der Tradition historischer
Themen gerecht wurden. Mit der Bauernoper, einem Stück über
den Bauernkrieg, „Die barmherzigen Leut’ von Martinsried“ von
Oliver Storz und „Die Tochter des Salzsieders“ von
Ulrike Schweikert wurden sie fündig und konnten weitere große
Erfolge feiern. Die 35 engagierten Amateure bauen nach wie vor
die Kulissen selbst, nähen Kostüme und tragen die Requisiten
zusammen.
Eine historische Textvorlage hat auch die Aktivität der Laienspielgruppe
in Mainhardt begründet. Der Journalist Egil Pastor hielt einst
die Geschichte „Die Räuber vom Mainhardter Wald“ in
einem Büchlein fest. Martin Herrmann schrieb die Erzählung
zu einem Stationentheater um, das im vergangenen Jahr auf dem Gögelhof
mitten in der romantischen Landschaft des Mainhardter Walds erstmals
aufgeführt wurde. Der Erfolg war so durchschlagend, dass die
Karten für die Neuauflage des Räuberstücks bereits
im Winter restlos verkauft waren. Über 60 Ensemblemitglieder
treten an elf Stationen auf. Die Zuschauer nehmen sich Klappstühle
mit oder lassen sich auf den vorbereiteten Strohballen nieder.
Vier Aufführungen sind im Juni und Juli vorgesehen. „Wir
wollen das Stück jetzt jedes Jahr spielen“, vertröstet
Martin Herrmann alle Interessierten, die keine Karten mehr bekommen
haben.
Eine Räubergeschichte war auch in Rot am See-Reubach die Grundlage
für engagiertes Laientheater. 1981 schrieb Dieter Kleinhanß,
seinerzeit noch Pfarrer in Reubach, sein erstes Theaterstück, „Räuber
im Pfarrhaus“, das von der damaligen Sportgruppe aufgeführt
wurde. Mit dem Theaterspielen im Freien wurde 1993 begonnen. In
den folgenden Jahren bis 2003 wurden jedes Jahr neue von Dieter
Kleinhanß geschriebene Theaterstücke aufgeführt.
Dem 1998 gegründeten Theaterverein gehören inzwischen
100 Mitglieder an. Seit 1999 ist das Sommertheater Mitglied im
Verband der Freilichtbühnen Deutschlands. Im vergangenen Jahr
wagten sich die Reubacher zum ersten Mal an ein Stück der
Weltliteratur und spielten Max Frischs „Biedermann und die
Brandstifter“. In diesem Jahr dürfen sich die Zuschauer
auf das humorvolle Mundartstück „Pardon, mein Freund“ von
Dirk Salzbrunn freuen. Es hat am 8. Juli Premiere und wird bis
zum 17. Juli noch fünf Mal aufgeführt.
Quelle pro-Magazin 6/2005 von Claudia Kern-Kalinke
Termine Amateurbühnen 2005
Freudenberg
„
Fremde Stimmen“ von Bernhard Setzwein
24., 25. und 26. Juni, 1., 2., 3., 8., 9. Juli, 20.30 Uhr
www.freudenberg-main.de
Leofels
„
Mutter Courage“ von Bert Brecht
24., 26., 29. Juni, 1., 2., 5., 8., 9. Juli 20.30 Uhr
„
Eine Woche voller Samstage“ von Paul Maar
29. Juni, 1., 2., 5., 8., 9. Juli 15 Uhr
www.burgschauspiele.de
Mainhardt
„
Die Räuber vom Mainhardter Wald“
Ausverkauft
Möckmühl
„
Das Kaffeehaus“ von Carlo Goldoni
24., 25. Juni, 1., 2., 8., 9., 15., 16., 17. Juli 20.30 Uhr
www.jagsttalbuehne.de
Neuenstadt
„
Der Bauer als Millionär“ von Ferdinand Raimund
3. Juni bis 17. Juli, Freitag, Samstag, Sonntag, 20.30 Uhr
Sonntag, 5. Juni nur 16 Uhr
www.neuenstadt.de
Rot am See-Reubach
„
Pardon, mein Freund“ von Dirk Salzbrunn
8., 9., 10., 15., 16., 17. Juli, 20.30 Uhr
www.reubacher-sommertheater.de
Künzelsau Schloss Stetten
„Emil und die Detektive“ von Erich Kästner
2., 3.,5., 6., 10. Juli 14.30 Uhr,
5., 6. Juli 10 Uhr, 8. Juli 20 Uhr.
„
Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß
22., 23., 24., 26., 27., 29., 30. Juli 20 Uhr, 31. Juli 15 Uhr
www.burgfestspiele.schloss-stetten.
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