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Voller Idealismus – Laiendarsteller treten auf

     
 
 

8.6.05


 

Wochenlange Proben liegen hinter ihnen. Lampenfieber und freudiger Applaus noch vor ihnen. Die Laiendarsteller der Region sind auf ihre Freilichtspiele vorbereitet.

Theaterspielen ohne Schauspielunterricht und ohne Gage, anstrengende Proben nach einem langen Arbeitstag, geopferte Wochenenden und schier unerträgliches Lampenfieber vor der Aufführung: Das nehmen Hobbydarsteller in Kauf, um alljährlich zur Sommerzeit eine treue Fangemeinde mit ihrem Spiel unter freiem Himmel zu begeistern. In Freudenberg, Möckmühl, Neuenstadt, Künzelsau-Stetten, Ilshofen-Leofels, Mainhardt und Rot am See-Reubach stehen interessante Premieren an.

Die Freilichtspiele Neuenstadt zählen zu den Laienbühnen, die auf die Unterstützung eines Profiregisseurs setzen. Heinz Kipfer, Direktor auf dem Heilbronner Theaterschiff, leitet seit 2002 die Truppe im Schlossgraben. Bereits vor den Proben hat er die Komödie „Der Bauer als Millionär“ des Wiener Autors Ferdinand Raimund gekürzt und den Text „mundgerecht“ für die Akteure aus dem Kochertal umgearbeitet. Fast 40 Rollen rund um den Bauern Wurzel waren zu vergeben. Geld allein macht nicht glücklich, ist die Botschaft des Zaubermärchens, das auf der Erde und im Feenreich spielt.

Entsprechend fantasiereich sind Kostüme und Bühnenbild, das in der Tradition der Papiertheater des 19. Jahrhunderts erstellt wurde. Gesang und Bühnenzauber machen das poetische Volkstheater komplett. Nach rund 60 Übungsstunden für jeden Darsteller gibt es vom 3. bis 17. Juli 21 Vorstellungen.

Theater spielt man in der Kocherstadt seit 1958. Mittlerweile sind die Freilichtspiele Neuenstadt weit über die Grenzen des Landkreises Heilbronn hinaus bekannt. Vorstand Ludwig Hofmann ist stolz darauf, dass in dieser Zeit keines der anspruchsvollen Stücke von der klassischen Komödie bis zum skurrilen Krimi wiederholt wurde. Eine Gerichtsstätte aus dem 17. Jahrhundert mit historischen Sandsteinsäulen bildet den markanten Eingang der Bühne. Der Zuschauerraum fasst 850 Personen und ist meist ausverkauft. Die routinierten Amateure begeistern in Neuenstadt so jährlich rund 20000 Zuschauer.

Auch in der über 1200 Jahre alten Stadt Möckmühl hat Freilichttheater eine lange Tradition. Bereits 1927 wurde das Heimatspiel „Herrn Götzens Ehrentag“, das Stadtpfarrer Heinrich Gommel in den 20er-Jahren geschrieben hatte, mit großem Erfolg aufgeführt. 30000 Zuschauer besuchten damals die Vorstellungen. 64 Jahre später initiierte der Heimatkundliche Arbeitskreis Möckmühl eine Wiederaufnahme des Stückes. Die Freude der Laiendarsteller am Theaterspielen und die positiven Reaktionen ließen rasch den Wunsch nach einer Wiederholung aufkommen. So wurde ab 1991 das Freilichttheater in Möckmühl zu einer festen Einrichtung. Inzwischen ist aus der Laienspielschar die Jagsttalbühne Möckmühl e.V. geworden, ein seit 1994 eingetragener, gemeinnütziger Verein mit 160 Mitgliedern, der im Verband deutscher Freilichtbühnen e.V. Mitglied ist.

In diesem Sommer steht „Das Kaffeehaus“ von Carlo Goldoni auf dem Spielplan in Möckmühl. Premiere ist am 24. Juni, danach gibt es bis zum 17. Juli acht weitere Aufführungen. Spielstätte ist der Platz vor dem Ruchsener Tor, einem Teil der wiederhergestellten Stadtmauer, die gern in das jeweilige Bühnenbild integriert wird. Für die Zuschauer steht eine mit bequemen Schalensitzen ausgestattete Tribüne mit einer Kapazität von 400 Plätzen zur Verfügung.

Seit 1987 bringt der Burgschauspielverein Freudenberg im zweijährigen Rhythmus ein neues Stück auf die Bühne. Die Besucher können sich in diesem Sommer auf die Inszenierung des Stückes „Fremde Stimmen“ von Bernhard Setzwein freuen. Der kreative Idealismus der Laiendarsteller hat den Regisseur Dominik Neuner bewogen, wieder die Leitung zu übernehmen. Mit großem Engagement hat sich die Amateurtruppe an die dramaturgische Umsetzung gemacht. Premiere ist am 24. Juni, sieben weitere Vorstellungen folgen bis zum 9. Juli. Während der Pause werden die Besucher im Burghof bewirtet. Vorstand Volker Mai freut sich, dass 285 Mitglieder dem Verein die Treue halten und bei der Organisation kräftig mithelfen.

Im Schlossgraben der 900 Jahre alten Stauferburg Stetten stehen in diesem Sommer zum 14. Mal die ambitionierten Hohenloher Laiendarsteller der Künzelsauer Burgfestspiele auf der Bühne. Das spannende Kinder- und Jugendstück „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner wird in diesem Jahr Jung und Alt begeistern. Von Samstag, 2. bis Sonntag 10. Juli sind acht Vorstellungen angesetzt. Außerdem stehen den Kindern wieder Burg und Burganlage zur Erforschung offen.

Mit „Eine Nacht in Venedig“ gastiert die Budapester Operettenwelt zum sechsten Mal auf Schloss Stetten. Die Johann-Strauß-Operette wird mit ungarischem Schwung und Charme aufgeführt. Die faszinierende Verwechslungskomödie im Karneval in Venedig wird vom 22. Juli bis 31. Juli acht Mal auf der Burg zu sehen sein.

Mit dem Klassiker „Mutter Courage“ von Bertolt Brecht und erstmals einem Kinderstück – „Eine Woche voller Samstage“ von Paul Maar – hat sich die Theatergruppe der Burgschauspiele Leofels in diesem Jahr eine besonders große Aufgabe vorgenommen. Ihr Spielort ist die eindrucksvolle Stauferruine Leofels aus dem 13. Jahrhundert in der Gemeinde Ilshofen. Die Laienspielgruppe wurde 1984 von Mundartautor Fritz Frank gegründet, der sich mit der Aufführung seiner selbst geschriebenen Stücke auf der Burgruine Leofels einen Lebenstraum erfüllte. „Der Reiter von Leofels“ war das erste von zehn Mundartstücken zu historischen Ereignissen aus der Region.

Seit 1990 führt Gerd Bauer Regie, der sein Handwerk an der Landesbühne Bruchsal gelernt hat. Unter seiner Anleitung steigerten sich die Akteure von Stück zu Stück. Bis zum Jahr 2001 wurden ausschließlich Vorlagen von Fritz Frank gespielt. Als er aufhörte zu schreiben, suchte die Theatergruppe nach Stücken, die Ensemble, Spielort und der Tradition historischer Themen gerecht wurden. Mit der Bauernoper, einem Stück über den Bauernkrieg, „Die barmherzigen Leut’ von Martinsried“ von Oliver Storz und „Die Tochter des Salzsieders“ von Ulrike Schweikert wurden sie fündig und konnten weitere große Erfolge feiern. Die 35 engagierten Amateure bauen nach wie vor die Kulissen selbst, nähen Kostüme und tragen die Requisiten zusammen.

Eine historische Textvorlage hat auch die Aktivität der Laienspielgruppe in Mainhardt begründet. Der Journalist Egil Pastor hielt einst die Geschichte „Die Räuber vom Mainhardter Wald“ in einem Büchlein fest. Martin Herrmann schrieb die Erzählung zu einem Stationentheater um, das im vergangenen Jahr auf dem Gögelhof mitten in der romantischen Landschaft des Mainhardter Walds erstmals aufgeführt wurde. Der Erfolg war so durchschlagend, dass die Karten für die Neuauflage des Räuberstücks bereits im Winter restlos verkauft waren. Über 60 Ensemblemitglieder treten an elf Stationen auf. Die Zuschauer nehmen sich Klappstühle mit oder lassen sich auf den vorbereiteten Strohballen nieder. Vier Aufführungen sind im Juni und Juli vorgesehen. „Wir wollen das Stück jetzt jedes Jahr spielen“, vertröstet Martin Herrmann alle Interessierten, die keine Karten mehr bekommen haben.

Eine Räubergeschichte war auch in Rot am See-Reubach die Grundlage für engagiertes Laientheater. 1981 schrieb Dieter Kleinhanß, seinerzeit noch Pfarrer in Reubach, sein erstes Theaterstück, „Räuber im Pfarrhaus“, das von der damaligen Sportgruppe aufgeführt wurde. Mit dem Theaterspielen im Freien wurde 1993 begonnen. In den folgenden Jahren bis 2003 wurden jedes Jahr neue von Dieter Kleinhanß geschriebene Theaterstücke aufgeführt. Dem 1998 gegründeten Theaterverein gehören inzwischen 100 Mitglieder an. Seit 1999 ist das Sommertheater Mitglied im Verband der Freilichtbühnen Deutschlands. Im vergangenen Jahr wagten sich die Reubacher zum ersten Mal an ein Stück der Weltliteratur und spielten Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“. In diesem Jahr dürfen sich die Zuschauer auf das humorvolle Mundartstück „Pardon, mein Freund“ von Dirk Salzbrunn freuen. Es hat am 8. Juli Premiere und wird bis zum 17. Juli noch fünf Mal aufgeführt.

Quelle pro-Magazin 6/2005 von Claudia Kern-Kalinke

Termine Amateurbühnen 2005

Freudenberg
„ Fremde Stimmen“ von Bernhard Setzwein
24., 25. und 26. Juni, 1., 2., 3., 8., 9. Juli, 20.30 Uhr
www.freudenberg-main.de

Leofels
„ Mutter Courage“ von Bert Brecht
24., 26., 29. Juni, 1., 2., 5., 8., 9. Juli 20.30 Uhr
„ Eine Woche voller Samstage“ von Paul Maar
29. Juni, 1., 2., 5., 8., 9. Juli 15 Uhr
www.burgschauspiele.de

Mainhardt
„ Die Räuber vom Mainhardter Wald“
Ausverkauft

Möckmühl
„ Das Kaffeehaus“ von Carlo Goldoni
24., 25. Juni, 1., 2., 8., 9., 15., 16., 17. Juli 20.30 Uhr
www.jagsttalbuehne.de

Neuenstadt
„ Der Bauer als Millionär“ von Ferdinand Raimund
3. Juni bis 17. Juli, Freitag, Samstag, Sonntag, 20.30 Uhr
Sonntag, 5. Juni nur 16 Uhr
www.neuenstadt.de

Rot am See-Reubach
„ Pardon, mein Freund“ von Dirk Salzbrunn
8., 9., 10., 15., 16., 17. Juli, 20.30 Uhr
www.reubacher-sommertheater.de

Künzelsau Schloss Stetten
„Emil und die Detektive“ von Erich Kästner
2., 3.,5., 6., 10. Juli 14.30 Uhr,
5., 6. Juli 10 Uhr, 8. Juli 20 Uhr.
„ Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß
22., 23., 24., 26., 27., 29., 30. Juli 20 Uhr, 31. Juli 15 Uhr
www.burgfestspiele.schloss-stetten.