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Modellatelier von Henry Moore erstmals in Deutschland zu sehen

     
 
 

9.6.05


 

Schwergewichtig und formenreich sind sie, die Großplastiken des Britischen Bildhauers Henry Moore. Seit mehreren Tagen bilden sie eine Skulpturenachse durch Schwäbisch Hall. Jetzt ist auch die Ausstellung "Henry Moore: Englische Bildhauerei im 20. Jahrhundert" in der Kunsthalle Würth zu sehen.

Schon der Andrang der Presse am Nachmittag zeigte das enorme Interesse an der Ausstellung. Für die feierliche Vernissage am Abend hatten sich rund 700 Gäste angekündigt. Schließlich handelt es sich um die seit Jahren umfangreichste Moore-Schau in Deutschland. Und die wurde erst durch die harmonische Zusammenarbeit mit der Henry Moore Foundation möglich, erklärte Kunsthallendirektorin und Kuratorin C. Sylvia Weber stolz und sichtlich froh. Denn angesichts der großformatigen und wahrlich schwergewichtigen Kunstwerke wurde manche logistische Herausforderung gemeistert.

Mit Wasserdampf hat Richard Deacon (vorn halblinks mit Brille) das Holz für seine Skulptur "Slippery When Wet" bearbeitet. Neben ihm beantworteten auch die Künstler Tim Scott, Barry Flanagan und David Nash die Fragen der Presse.

Der große britische Bildhauer (1898 bis 1986) steht mit seinen insgesamt rund 100 Skulpturen, Zeichnungen und Skizzen freilich im Mittelpunkt der Ausstellung. Zwischen seine teilweise an überdimensionale Handschmeichler aus warmem Holz erinnernden Skulpturen und seinen Arbeiten aus Materialien wie Bronze ist eine Nachbildung von Henry Moores Atelier gesetzt. Neben Original-Stuhl samt Sitzkissen, Tisch, Regal und diversen Werkzeugen wie Zahnbürsten, Raspel oder Löffel ist auch manche Großplastik aus der Skulpturenachse in allerdings wesentlich handlicherem Format zu entdecken. Bislang war das Atelier nur einmal in Japan zu sehen, erklärte David Mitchinson von der Henry Moore Foundation. Mit seinen in der Regel monumental und stilisierten, gesichtslosen Menschenbildern wurde Moore in den 50-er und 60-er Jahren zum Inbegriff moderner Skulptur.

Und mit den Werken von zehn weiteren Künstlern schlägt die Ausstellung einen Bogen über die vitale und abwechslungsreiche englische Bildhauerszene der Moderne. Denn: Der Einfluss Moores besteht weniger in der direkten Nachahmung, sondern vielmehr darin, dass die Bildhauerei in Großbritannien überhaupt populär wurde und sich ein Klima der Aufgeschlossenheit und der Neugier gegenüber neuen Ausdrucksweisen entwickelte.

So hat sich auch Eduardo Paolozzi, der Ende April starb, mit organischen Formen auseinander gesetzt, fügte aber mechanische Objekte ein, seine Oberflächen sind nicht glatt. "Wenn Moore als Großvater der englischen Bildhauerei bezeichnet wird, ist Barbara Hepworth sicherlich die Großmutter", schmunzelte Kurator Ian Barker. Die einzige Künstlerin der Ausstellung arbeitete wesentlich abstrakter als Moore. Anthony Caro wandte sich zu Beginn der 60-er Jahren dem Material Stahl zu, holte die Skulptur vom Sockel und stellte seine farbigen Plastiken direkt auf den Boden. Außerdem ist seine 25-teilige Skulptur "The Last Judgement" nach Aufenthalten in Venedig, Bilbao und in London jetzt wieder in die Johanniterhalle "reinstalliert", worden und dort zu sehen, erklärte Weber. Weil er die menschliche Figur für weniger ausdrucksstark hält, hat sich der Bildhauer Barry Flanagan dem Hasen zugewandt und beschert den Besuchern vergnügliche, aber auch nachdenkliche Eindrücke. Tim Scott, war Professor in Nürnberg, und schmiedet seine Skulpturen aus Stahl, weil er durch das Schmieden, die Kräfte des Materials am besten freisetzen kann, erklärte er gestern beim Rundgang. Während Moore bemüht war, Risse im Material Holz zu verdecken, macht David Nash die Risse sichtbar. Aus umgestürzten Bäumen entstehen bei ihm reizvolle Skulpturen. Richard Deacon arbeitet mit unterschiedlichsten Materialien und seine abstrakten Werke sind ein Spiel mit den Formen. Emotional, humorvoll und dekorativ sind auch die Arbeiten von Tony Cragg. Der jüngste und wohl spirituellste Künstler der Ausstellung ist Anish Kapoor. Er stellt die Farbe in den Vordergrund und erzielt mit seinen ungewöhnlichen Werken abenteuerliche Wahrnehmungseffekte.

Für Irritation sorgt Anthony Gormley Skulptur "Close V", dessen 800 Kilo schwere Figur über den Köpfen der Besucher zu schweben scheint - aber im Hause Würth ist die Befestigungstechnik freilich Ehrensache.

Quelle: Hohenlohe Live von Bettina Lober
Fotos: Arslan

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