Zug um Zug
wird die Lidl-Welt größer und bunter. Beinahe
im Monatstakt dringt der Neckarsulmer Discounter-Riese in immer
neue Märkte vor. Jüngstes Beispiel ist die Aktion mit
den Bahn-Fahrkarten, deren Erfolg die kühnsten Erwartungen
der Eisenbahner übertroffen hat.
Das System Lidl funktioniert: Zwei Wochen lang sollte die einmalige
Aktion mit den Schnäppchen-Fahrkarten dauern. Nach in paar
Stunden waren die mehr als eine Million Bahn-Tickets aus dem Discounter
ausverkauft.
Angesichts dieser für das Staatsunternehmen nicht alltäglichen
Nachfrage hat die Bahn offensichtlich kalte Füße bekommen.
Im Vorfeld der Schnäppchen-Aktion hatten die Bahn-Oberen wenigstens
darüber nachgedacht, ob aus der einmaligen Aktion eine andauernde
Zusammenarbeit werden könnte. "Wir werden das genau analysieren",
gab Bahn-Sprecher Achim Stauß noch am Vorabend der Aktion
ganz offiziell zu Protokoll. Die Analyse fiel sehr kurz aus, und
die Bahn zog die Notbremse, während sich die Neckarsulmer über
einen PR-Coup freuen.
Neue Lidl-Tickets mag es keine mehr geben, die rasante Fortentwicklung
der Märkte immer weiter weg vom alten Discounter-Schema geht
dennoch weiter. Konsequent arbeiten die Neckarsulmer daran, mit
ihrer Marktmacht neue Kundengruppen zu gewinnen und an sich zu
binden. Und zwar vorbei an den klassischen Vertriebswegen.
Die Drogeriebranche bebte, als Lidl im Frühjahr einige hundert
zusätzliche Markenartikel aus diesem Segment ins Regel-Sortiment
aufnahm. Dann folgten: Babynahrung und Markenwindeln, Tiernahrung.
Oder, schon im vergangenen Herbst: die "Bild"-Zeitung.
Auch das - für die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe seit Jahrzehnten
immer zentrale - Wurstsortiment ist jüngst wieder einmal aufgewertet
worden. Die Schmalspurkost der Anfangsjahre, als Lidl lediglich
mit einigen hundert Artikeln, und zwar ausschließlich mit
nicht verderblicher Trockenware handelte, ist längst Geschichte:
Einschließlich Aktions- und Saisonware zählt das Lidl-Sortiment
mittlerweile 2500 bis 3000 Artikel, wie das Unternehmen der WirtschaftsStimme
bestätigte.
Mit Walter Pötter ist jüngst der Mann an die Lidl-Spitze
berufen worden, der das Frischesortiment der Neckarsulmer aufgebaut
hat, mit dem das Unternehmen immer wieder gegen den Wettbewerb
punkten konnte. Diese Personalie ist ebenfalls ein Indiz dafür,
in welche Richtung die Schwarz-Gruppe die Kleinflächen-Sparte
entwickeln möchte. Als bisheriger Einkaufsvorstand gilt Pötter,
61, in der Branche allerdings auch als derjenige, der für
den knallharten Umgangston bei Lidl verantwortlich ist.
Quelle: Heilbronner Stimme von Manfred Stockburger
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