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Lidl stellt die Weichen für die Zukunft

     
 
 

20.6.05


 

Zug um Zug wird die Lidl-Welt größer und bunter. Beinahe im Monatstakt dringt der Neckarsulmer Discounter-Riese in immer neue Märkte vor. Jüngstes Beispiel ist die Aktion mit den Bahn-Fahrkarten, deren Erfolg die kühnsten Erwartungen der Eisenbahner übertroffen hat.

Das System Lidl funktioniert: Zwei Wochen lang sollte die einmalige Aktion mit den Schnäppchen-Fahrkarten dauern. Nach in paar Stunden waren die mehr als eine Million Bahn-Tickets aus dem Discounter ausverkauft.

Angesichts dieser für das Staatsunternehmen nicht alltäglichen Nachfrage hat die Bahn offensichtlich kalte Füße bekommen. Im Vorfeld der Schnäppchen-Aktion hatten die Bahn-Oberen wenigstens darüber nachgedacht, ob aus der einmaligen Aktion eine andauernde Zusammenarbeit werden könnte. "Wir werden das genau analysieren", gab Bahn-Sprecher Achim Stauß noch am Vorabend der Aktion ganz offiziell zu Protokoll. Die Analyse fiel sehr kurz aus, und die Bahn zog die Notbremse, während sich die Neckarsulmer über einen PR-Coup freuen.

Neue Lidl-Tickets mag es keine mehr geben, die rasante Fortentwicklung der Märkte immer weiter weg vom alten Discounter-Schema geht dennoch weiter. Konsequent arbeiten die Neckarsulmer daran, mit ihrer Marktmacht neue Kundengruppen zu gewinnen und an sich zu binden. Und zwar vorbei an den klassischen Vertriebswegen.

Die Drogeriebranche bebte, als Lidl im Frühjahr einige hundert zusätzliche Markenartikel aus diesem Segment ins Regel-Sortiment aufnahm. Dann folgten: Babynahrung und Markenwindeln, Tiernahrung. Oder, schon im vergangenen Herbst: die "Bild"-Zeitung.

Auch das - für die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe seit Jahrzehnten immer zentrale - Wurstsortiment ist jüngst wieder einmal aufgewertet worden. Die Schmalspurkost der Anfangsjahre, als Lidl lediglich mit einigen hundert Artikeln, und zwar ausschließlich mit nicht verderblicher Trockenware handelte, ist längst Geschichte: Einschließlich Aktions- und Saisonware zählt das Lidl-Sortiment mittlerweile 2500 bis 3000 Artikel, wie das Unternehmen der WirtschaftsStimme bestätigte.

Mit Walter Pötter ist jüngst der Mann an die Lidl-Spitze berufen worden, der das Frischesortiment der Neckarsulmer aufgebaut hat, mit dem das Unternehmen immer wieder gegen den Wettbewerb punkten konnte. Diese Personalie ist ebenfalls ein Indiz dafür, in welche Richtung die Schwarz-Gruppe die Kleinflächen-Sparte entwickeln möchte. Als bisheriger Einkaufsvorstand gilt Pötter, 61, in der Branche allerdings auch als derjenige, der für den knallharten Umgangston bei Lidl verantwortlich ist.

Quelle: Heilbronner Stimme von Manfred Stockburger

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