Deutschland
ist aus der Sicht international tätiger Unternehmen
der attraktivste Standort in Westeuropa. Besonders geschätzt
wird Deutschland für seine Infrastruktur (Verkehrswege und
Telekommunikation), die Qualität von Forschung & Entwicklung
und die gute Ausbildung der Arbeitskräfte.
Deutschland genießt bei internationalen Unternehmen weiterhin
einen sehr guten Ruf: 16,5 Prozent der Unternehmen bezeichnen Deutschland
als einen der drei attraktivsten Standorte weltweit (Vorjahr 19
Prozent). Damit ist Deutschland aus der Sicht international tätiger
Unternehmen der attraktivste Standort in Westeuropa. Besonders
geschätzt wird Deutschland für seine Infrastruktur (Verkehrswege
und Telekommunikation), die Qualität von Forschung & Entwicklung
und die gute Ausbildung der Arbeitskräfte. Die wichtigsten
Nachteile sind aus Sicht der Investoren die Arbeitskosten und die
fehlende arbeitsrechtliche Flexibilität für Unternehmen.
Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage, die das Wirtschaftsprüfungsunternehmen
Ernst & Young unter 672 ausländischen, international tätigen
Unternehmen durchgeführt hat.
Weltweit gelten China und die Vereinigten Staaten mit 52 bzw.
39 Prozent als attraktivste Standorte, gefolgt von Indien (18 Prozent)
und Polen (17 Prozent). Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr
vom dritten auf den fünften Platz zurückgefallen.
Schlechte Noten für Arbeitskosten
und Steuerlast
Ausländische Unternehmen, die in Deutschland tätig sind,
kritisieren insbesondere die hohen Arbeitskosten (89 Prozent) und
die hohe Steuerlast (80 Prozent). Ebenfalls kritisiert wird die
mangelnde Flexibilität des Arbeitsrechts (76 Prozent).
Mehrheitlich positiv beurteilt wird hingegen die Attraktivität
des deutschen Binnenmarkts, die Qualität von Forschung und
Entwicklung und das soziale Klima. Besonders gut schneidet Deutschland
bei den Faktoren Qualifikation der Arbeitnehmer und Transport und
Logistik ab: 88 bzw. 87 Prozent der Unternehmen geben Deutschland
in diesen Bereichen gute Noten.
„Deutschland ist nicht nur als Absatzmarkt und aufgrund
seiner geografischen Lage im Zentrum Europas ein wichtiger Unternehmensstandort“,
kommentiert Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young, diese
Ergebnisse. Auch die Faktoren Qualifikation, Produktivität
und Motivation seien für Unternehmen bei der Standortwahl
von großer Bedeutung. „Aus der Sicht ausländischer
Investoren bleibt die Höhe von Löhnen und Lohnnebenkosten
Deutschlands größter Makel“, so Englisch. Hinzu
käme die dezentralen Struktur Deutschlands: „Es gibt
keine dominierenden und damit überteuerten Standorte in Deutschland,
sondern viele starke und wirtschaftlich bedeutsame Standorte, die
im Wettbewerb um Investitionen stehen.“
Deutschland dürfe sich nicht auf den insgesamt positiven
Ergebnissen der Umfrage ausruhen, warnt Englisch: „Der hohe
Regulierungsgrad, ein unflexibler Arbeitsmarkt, hohe Sozialstandards
und vor allem die hohen Arbeitskosten bleiben für Investoren
ein Ärgernis“. Die Ergebnisse zeigten zudem, dass Länder,
die noch vor zehn Jahren wirtschaftlich kaum eine Rolle gespielt
haben, zunehmend zu ernsten Konkurrenten im weltweiten Standortwettbewerb
würden: „China, Indien und die osteuropäischen
Länder drohen, Deutschland den Rang abzulaufen“.
Deutschland Top-Standort bei Forschung
und Ausbildung - schlechtere Noten für das soziale Klima
Im Vergleich mit den anderen europäischen Ländern kann
Deutschland in vielen zentralen Bereichen punkten: Jedes dritte
befragte Unternehmen gibt an, dass Deutschland der attraktivste
europäische Standort in Bezug auf Transport & Logistik
sei. Auch für Forschung & Entwicklung ist Deutschland
aus der Sicht ausländischer Unternehmen der attraktivste Standort
in Europa. Ebenso nimmt Deutschland beim Thema „Qualifikation
der Arbeitskräfte“ die Spitzenposition in Europa ein.
Allerdings bezeichnen nur noch 28 Prozent der Befragten Deutschland
als den Top-Standort in Europa in diesem Bereich – im Vorjahr
lag der Wert noch bei 40 Prozent.
Deutlich zurückgegangen ist auch die Zufriedenheit mit dem
sozialen Klima in Deutschland: Im Vorjahr hatten noch 30 Prozent
der Unternehmen Deutschland als das europäische Land mit dem
besten sozialen Klima bezeichnet, aktuell sind nur noch 17 Prozent
dieser Meinung. Damit gibt Deutschland seinen ersten Platz an Großbritannien
ab (27 Prozent). Auch beim Thema „Lebensqualität“ ist
Deutschland abgerutscht: vom zweiten auf den dritten Platz (hinter
Frankreich und Großbritannien). Nur noch 13 Prozent der ausländischen
Unternehmen bezeichnen Deutschland als den europäischen Standort
mit der höchsten Lebensqualität (Vorjahr 23 Prozent).
Zweitplatziert ist Deutschland bei den Themen „politische
Stabilität und Rechtsicherheit“ und „Zugang zu
Finanzinvestoren“ (jeweils hinter Großbritannien).
Beim Thema Arbeitskosten schneidet Deutschland schlecht ab und
belegt einen der hintersten Plätze im Ranking. Hier sind Polen,
Großbritannien, Tschechien und Spanien für internationale
Unternehmen erste Wahl.
„Deutschland ist nach wie vor bei den Arbeitskosten international
nicht konkurrenzfähig – und wird es auf absehbare Zeit
auch nicht werden“, urteilt Englisch. Für Unternehmen,
bei denen die Arbeitskosten einen großen Anteil an der Wertschöpfung
hätten, seien daher vor allem die osteuropäischen Länder
oder zunehmend auch Länder wie China oder Indien erste Wahl.
Englisch betont aber: „Billiglöhne allein sind nicht
ausschlaggebend bei der Standortwahl. Ein Unternehmen fragt immer
auch: Gibt es vor Ort einen Markt für meine Produkte, kann
ich problemlos die Produkte zum Kunden transportieren? Und vor
allem: Finde ich vor Ort genug hoch qualifizierte Arbeitskräfte?“ Gerade
in diesen Bereichen habe Deutschland nach wie vor einen guten Ruf.
Deutschlands Zukunft als High-Tech-Standort
Internationale Unternehmen sehen Deutschlands Zukunft vor allem
im High-Tech-Bereich: 38 Prozent bzw. 29 Prozent der Befragten
sind der Meinung, dass High-Tech-Produkte bzw. High-Tech-Dienstleistungen
in den kommenden drei Jahren eine herausragende Bedeutung für
die deutsche Wirtschaft haben werden. Eine wichtige Rolle werden
aus der Sicht ausländischer Unternehmen auch die Telekommunikation
(25 Prozent), die Chemische Industrie und die Automobilindustrie
(jeweils 22 Prozent) spielen. Keine besondere Bedeutung werden
hingegen die Pharmaindustrie (5 Prozent) und die deutschen Banken
(8 Prozent) haben.
Die Ergebnisse zeigen klar, wo Deutschlands Stärken liegen,
kommentiert Englisch: „Deutschland Ingenieure genießen
nach wie vor Weltruf. Ausländische Investoren wissen, dass
sie hier hervorragend ausgebildete und motivierte Arbeitskräfte
vorfinden. Deutschlands Zukunft liegt in der Forschung und Entwicklung,
im High-Tech-Bereich. Um Deutschland fit für die Zukunft zu
machen, müssen wir daher mehr für die Bildung und Ausbildung
der Arbeitskräfte zun. Wir können nicht billiger sein
als Polen oder Chinesen. Aber wir können besser sein.“
Quelle: Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
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