Alle verlagern
ins Ausland - aber Layher widersteht dem Trend: Der Gerüsthersteller
aus Güglingen-Eibensbach belässt
seine Fertigung am Stammsitz. Dafür wird das Werk laufend modernisiert
- aktuell mit einer neuen Produktionslinie für Stahlböden.
Die Region ist Layher wichtig. So sehr, dass sie ihre Aufträge
fast immer an Firmen in der Umgebung vergeben. "Das ist unsere
Geschäftspolitik", sagt Geschäftsführer Helmut
Kreller. Und darum kommt die Presse für die neueste Produktionslinie
aus dem Hause Heilbronn Maschinenbau. Sie ist nicht die erste in
den Werkshallen am Stromberg: Seit 1972 arbeiten die Unternehmen
regelmäßig zusammen.
Heilbronn-Geschäftsführer Jens Mezger ist vor allem stolz
auf die technischen Raffinessen der 120 Tonnen schweren Maschine.
Der Clou sind die beiden Werkzeuge, die ihre Position je nach den
programmierten Maßen automatisch ändern. "Das ist
noch lange nicht gang und gäbe", sagt Mezger. Nun können
die Stahlböden, wie sie in Gerüsten vor allem im Industriebau
Verwendung finden, quasi rund um die Uhr produziert werden - von
gerade mal drei Mann pro Schicht.
Los geht's mit einem elf Tonnen schweren, 1,7 Kilometer langen Stahlband,
dem so genannten Coil. In der Maschine des Heilbronner Unternehmens
wird das Band drei Mal mehrfach gelocht und dann auf Länge geschnitten.
Daran schließt sich eine Art Walzstraße an, in der die
Bleche in Form gebogen werden. Nach gerade mal 15 Metern läuft
ein nahezu fertiger Stahlboden auf einen Stapel. Nur die Auflagekrallen
müssen noch dran geschweißt werden - die nötige Maschine
wird im Herbst eingebaut. Alles in allem eine Investition von fünf
Millionen Euro, erläutert Werkleiter Roland Hagmann. Sie ersetzt
die bisherige Stahlbodenfertigung, für die statt einem Stahlband
noch vor geschnittene Stahlplatten verwendet werden. Diese Maschine
werde aber nicht still gelegt: "Wir werden darauf andere Produkte
fertigen."
Denn Layher setzt auf Wachstum. Genaue Zahlen nennt das Familienunternehmen
zwar nicht, aber der Umsatz habe in den ersten drei Monaten - das
Geschäftsjahr beginnt zum 1. April - um einen zweistelligen
Prozentsatz gegenüber dem Vorjahr zugelegt.
Die Beschäftigung - in Eibensbach sind 530 Mitarbeiter angestellt
- werde eher noch zunehmen, trotz weiterer Automatisierung, kündigt
der Geschäftsführer an. "Wir produzieren derzeit in
drei Schichten an sechs Tagen pro Woche." Und zwar nur in Eibensbach
- eine Verlagerung nach Osteuropa oder gar Fernost ist ausdrücklich
kein Thema. "Durch unsere hochmoderne Produktion können
wir den Standort halten", erläutert Kreller. "Und
zwar zu weltmarktfähigen Preisen." Layher sei Marktführer
in Europa, mit mehr als 60 Prozent Marktanteil alleine in Deutschland.
Die Baubranche macht nur einen Teil des Kundenkreises aus. Die größten
Abnehmer kommen aus der Industrie - in Kraftwerken, Raffinerien und
Chemiefabriken werden Layher-Gerüste oft eingesetzt. Auch der
Schiffsbau, die Flugzeug- und die Event-Branche zählen zu den
großen Kundengruppen. "Dadurch sind wir zu einem gewissen
Teil krisensicher", sagt Kreller. Der Vertrieb werde stetig
ausgeweitet, 2005 sind Töchter in Australien, Neuseeland, Chile
und Norwegen hinzugekommen. Weltweit sind nun 900 Mitarbeiter am
Stammsitz und in 18 Tochtergesellschaften beschäftigt, davon
600 in Deutschland.
Quelle: Heilbronner Stimme vom 27. Juli 2005 von Heiko Fritze
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