In Baden-Württemberg
stieg die die Einwohnerzahl im Südwesten
um 9,1 Prozent oder knapp 900 000 Personen. Und unsere Region wächst
im Land am stärksten. Spitzenreiter sind der Landkreis Heilbronn
(plus 20,7 Prozent) und der Hohenlohekreis (plus 18,1 Prozent).
Dass die Einwohnerzahl Baden-Württembergs seit 1990 prozentual
stärker als in allen anderen Ländern gewachsen ist, erklärt
die Chefin des Statistischen Landesamtes, Gisela Meister-Scheufelen,
mit der günstigen Arbeitsmarktlage. So weise Baden-Württemberg
seit August 2001 ununterbrochen die bundesweit geringste Arbeitslosenquote
aus, sagte Meister-Scheufelen bei der Vorstellung der Langzeitstudie.
Ein Fünftel der Bevölkerungszunahme seit 1990 beruht demnach
auf einem Geburtenplus, vier Fünftel auf Wanderungsgewinnen.
Als attraktive Alternative zur alten Heimat gilt der Südwesten
vor allem Bürgern der neuen Länder.
Auch 2004 ist Baden-Württemberg gewachsen, mit einem Plus von
0,2 Prozent oder knapp 25 000 Personen jedoch weit schwächer
als in den Vorjahren. Trotzdem liegt der Südwesten damit weiter
an der Spitze der Länder. So wurden im Vorjahr allein in Baden-Württemberg
mehr Kinder geboren als Menschen starben, allerdings haben inzwischen
18 der 44 Stadt- und Landkreise ein Geburtendefizit. Die Zahl aller
Geburten im Land ist mit 96 700 so niedrig wie zuletzt 1985. Es fehle
nach wie vor ein Drittel der Geburten, die notwendig wären,
um die Bevölkerungszahl ohne Zuwanderung konstant zu halten,
sagte Meister-Scheufelen. Die Entscheidung für Kinder falle
nicht nur immer seltener, sondern auch immer später. Eine Frau
bekommt nun im Durchschnitt ihr erstes Kind im Alter von knapp 30
Jahren - drei Jahre später als noch 1990.
Kommentar: Attraktive Region
Manchmal sagen nüchterne Zahlen der Statistiker mehr aus als
schmückende Worte von Landespolitikern. Um gut neun Prozent
ist die Bevölkerung in Baden-Württemberg seit der Wiedervereinigung
gewachsen. Ein bundesweit einmaliger Bevölkerungs-Boom für
den Südwesten. Spitzenreiter im Land ist die Region: Knapp
21 Prozent Zuwachs haben die Statistiker für den Landkreis
Heilbronn errechnet, über 18 Prozent für den Hohenlohekreis.
Nüchterne Zahlen, die vor allem eines zeigen: Keine Region
hat sich in den vergangenen 15 Jahren als attraktiver für
Zuwanderer, vor allem aus den neuen Ländern, erwiesen. Der
Erfolg hat viele Mütter und Väter, aber vor allem eine
Ursache: die günstige Arbeitsmarktsituation. Wer seine Heimat
verlässt, tut dies im Großteil der Fälle, um woanders
einen oder gar einen besseren Arbeitsplatz zu finden. Somit weisen
die Zahlen der Statistiker noch etwas aus: die Wirtschaftskraft
der Region.
Der Stadtkreis Heilbronn dagegen, der vom Bevölkerungswachstum
im Land unterdurchschnittlich profitiert hat, teilt das Schicksal
anderer Großstädte: In den 1980er und 1990er Jahren
zog es die Menschen - vor allem wegen der günstigeren Baulandpreise
- aufs Land. Inzwischen zeichnet sich aber eine Trendwende ab,
für die es zwei Gründe gibt: Die Immobilienpreise nähern
sich leicht an. Und zunehmend zieht es ältere Menschen aufgrund
der besseren Infrastruktur in die Zentren.
Quelle: Heilbronner Stimme vom 30. Juli 2005 von Roland Muschel
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