In zehn
Jahren Außenstelle Bronnbach des Fraunhofer ISC
Würzburg wurden Zeichen gesetzt. Die Forschungsarbeit auf
dem Gebiet der Silicatforschung findet weltweite Anerkennung. Zahlreiche
Innovationen fanden von hier aus den Weg zum Kunden.
Zehn Jahre Außenstelle Bronnbach des Fraunhofer Instituts
für Silicatforschung (ISC) Würzburg: Dieses Jubiläum
wurde am Freitag in Bronnbach begangen, und es gab allen Grund
zum Feiern. Denn was sich in dieser Dekade hinter den altehrwürdigen
Klostermauern an hochmoderner Forschung, Wissenschaft und auch
praktischer Umsetzung etabliert und entwickelt hat, das fand bei
allen Grußrednern höchste Anerkennung. Demonstrativ
belegt wurde dieses "Erfolgsmodell" auch von verschiedenen
Vorträgen der verantwortlichen Wissenschaftler, die deutlich
machten, dass Bronnbacher Forschungsarbeit weltweit Anwendung findet
und ausstrahlt.
Professor Dr. Gerd Müller, Leiter des Frauenhofer Instituts
ISC Würzburg, erinnerte in seiner Begrüßung an
die Anfänge in Kloster Bronnbach. So habe sich die Kooperation
mit der Forschungsgemeinschaft Technisches Glas (FTG) von Anfang
an in enger und freundschaftlicher Weise "zum Wohl unserer
Partner und Bronnbachs" entwickelt. Überraschend schnell
und harmonisch habe sich auch das Bündnis mit dem Landkreis
als Hausherr der Liegenschaft von Kloster Bronnbach unter der damaligen
intensiven und entscheidenden Mitarbeit von Landrat Georg Denzer
gestaltet. Ebenso habe man auf die finanzielle Unterstützung
durch das Wirtschaftsministerium des Landes, auf die Partnerschaft
der Stadt Wertheim und die Hilfe der Industrie- und Handelskammer
Heilbronn bauen können.
Zehn Jahre Außenstelle Bronnbach des Frauenhofer ISC seien
nicht nur zehn Jahre intensiver Zusammenarbeit, sondern auch zehn
Jahre erfolgreicher wissenschaftlicher Arbeit. Dies werde nicht
nur dadurch belegt, dass sich die früheren Leiter der Außenstelle
(Dr. Dieter Fuchs, Dr. Klaus Sebastian und Dr. Hannelore Römich)
in Bronnbach qualifiziert und heute überregionale und internationale
Aufgaben übernommen hätten. In der gegenseitigen Befruchtung
des Würzburger Instituts und Bronnbach habe man in den Kompetenzfeldern
Umweltmonitoring und Kulturgüterschutz, sowie in der Mess-
und Prozesstechnik Zeichen gesetzt. Sehr erfolgreich habe sich
auch nach der Zusammenführung der Arbeitsgruppen von FTG und
ISC das Analytische Dienstleistungszentrum (Chemische Analytik,
Photoelektronenspektro- und Elektronenmikroskopie) entwickelt,
was sich auch an den wirtschaftlichen Erträgen ablesen lasse.
Die enge Kooperation zwischen FTG und ISC habe sich bewährt
und positiv gezeigt bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Messverfahren
als Schnittstelle zwischen Industrie und Wissenschaft. In Bronnbach
erfolge auch der entsprechende Gerätebau mit höchster
Präzision und kundenspezifischer Flexibilität sowie die
weltweite Vermarktung. So seien zahlreiche Innovationen in den
vergangenen zehn Jahren für die Glasindustrie auf den Weg
gebracht worden (zum Beispiel neue Methoden zur Markierung von
Glasartikeln, Kunststoffbeschichtungen auf Glasartikeln oder quecksilberfreies
Präzisionthermometer). Ebenso seien vielfältige Aufgaben
im Bereich Umweltmonotoring und High-Tech-Entwicklungen im Kulturgüterschutz
bewältigt worden, die "von Bronnbach in die Welt hinaus
strahlen", so Professor Müller.
Die zehn Jahre in Bronnbach seien schnell vergangen, hoffte Müller,
dass man auch in den kommenden zehn Jahren ähnlich erfolgreich
agieren und sich dabei "auch die Mannschaft" verdoppeln
werde. "Wir fühlen uns als Bronnbacher und sind sehr
gastlich aufgenommen worden", so Dr. Müller.
"
Die zehnjährige ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem ISC" sei
auch für die FTG ein Tag zum Feiern, betonte deren Vorsitzender
Willi Schwend. Er erinnerte an die Anfänge der Glasindustrie
in Wertheim nach dem Zweiten Weltkrieg. Bald habe man erkannt,
das man zu Forschungszwecken ein Institut benötige. So sei
1951 die FTG gegründet worden, die damit zu den ältesten
Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg zähle. In
den folgenden Jahren fungierte die FTG auf den verschiedenen Bereichen
der Glasforschung, Entwicklung von Maschinen und Hilfsgeräten.
Aufgrund von Platzmangel sei die FTG 1991 von der Ferdinand-Hotz-Straße
schließlich nach Bronnbach in das für viel Geld sanierte
Gebäude umgezogen.
"
Vier Jahre später erfolgte dann die sinnvolle Kooperation
mit dem ISC Würzburg", so Schwend. Der Gründungsgedanke
der FTG, sich durch gegenseitige Unterstützung voran zu bringen,
sei "auch heute noch der Geist, der die gemeinsame Arbeit
mit dem ISC vorantreibt". Die FTG habe bis 1995 rund vier
Millionen Euro an Mitteln der Arbeitsgemeinschaft Industrieller
Forschungsvereinigungen und seit der Kooperation mit dem ISC noch
einmal mehr als zwei Millionen Euro nach Wertheim geholt.
Die Existenz der FTG und damit auch die Grundlage der erfolgreichen
Zusammenarbeit mit dem ISC sei in der Vergangenheit durch die Hilfe
von Land, Landkreis, der Stadt Wertheim und die Treue der Mitgliedsfirmen
gefördert worden. Anerkennung sprach Schwend auch den Mitarbeitern
des Instituts für deren Erfindungsreichtum und Fleiß aus.
Besonders würdigte der Redner "die kluge Voraussicht
und geschickte Vorgehensweise des Kooperationspartners ISC in Person
von Professor Müller."
Im Anschluss an weitere Grußworte (siehe separaten Bericht)
standen zwei Vorträge auf dem Programm. So referierte Dr.
Andreas Diegeler, Leiter der Außenstelle Bronnbach, über
die "Mess- und Prozesstechnik in Bronnbach". Unterstützt
von einer Powerpoint-Präsentation, gab er dabei anschaulich
Aufschluss über die vielfältigen Wissenschaftsfelder,
die in Kloster Bronnbach erforscht und auch erfolgreich umgesetzt
werden. Dies verdeutlichte in seinem Referat ebenso Dr. Peter Mottner,
Leiter der Kompetenzfelder "Umweltmonitoring und Kulturgüterschutz" in
der Außenstelle.
Bei einer Führung durch die Räumlichkeiten des ISC konnten
sich die Gäste, Vertreter des öffentlichen Lebens und
insbesondere der Glasindustrie, auch in der Praxis von den komplexen
Forschungsarbeiten überzeugen. Dabei wurden etwa Methoden
der Klimasimulation und -prüfung im Bereich des Kulturgüterschutzes
ebenso vorgestellt wie zertifizierter Gerätebau oder Prototypen
in der Mess- und Prozesstechnik. ber
© Fränkische Nachrichten - 19.09.2005
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