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Praxisschock auf neuer Schleuderpiste

     
 
 

20.9.05


 

Die Verkehrsübungsanlage am Heilbronner Wartberg ist eine der größten ihrer Art in Deutschland. Jetzt wurde die neue Schleuderpiste fertig gestellt. Autofahrer lässt sie ganz schön alt aussehen und die Kräfte der Physik hautnah erleben.

Das Herzstück der neuen Trainingsanlage: Eine 50 Meter lange Edelstahlplatte, die durch Düsenöffnungen an den Rändern mit Regenwasser aus einer Zisterne in einen Untergrund verwandelt wird, der wie Eis und Schnee wirkt.

Der Clou: Eine hydraulisch gesteuerte Verschieberampe an der Auffahrt zur Schleuderplatte. Sobald die Hinterachse eines Autos auf der Rampe ist, erfolgt ein Ruck der Rampe nach rechts oder links - das Auto bricht auf der nassen Schleuderpiste plötzlich aus und muss blitzschnell wieder auf Kurs gebracht werden. Nur wie?

Fahren Sie mal so mit Tempo 50 auf die Rampe zu und kuppeln Sie dann aus, rät Kreisverkehrswacht-Chef Harald Lepple vor dem ersten Versuch. Wie eine leere Bühnenfläche, die von zwei Seiten bewässert wird, sieht die Piste aus der Ferne aus. Losfahren, hoch schalten, auskuppeln - der Moment, als es das Heck des Autos wegreißt, ist viel stärker als erwartet. Wie von einer unbekannten Gewalt gesteuert, schlittert der Wagen an der Grenzfläche von Edelstahl und Wasserschicht seitlich weg. Gegenlenken! Schön gesagt. Es bringt nicht viel. Scheinbar unzähmbar verharrt das Auto auf seiner Bahn, rutscht über die Düsen des Plattenrands auf den Asphalt. Rund sechs Meter ist das Auto zur Seite gedriftet - im echten Leben hätte dort ein Brückenpfeiler stehen können.

Viel zu schwach gegengelenkt, kommentiert Lepple die erste Runde. Versuchen, die Räder immer auf Kurs der ursprünglichen Fahrtrichtung zu stellen, ist sein Rat für die nächste Runde. Und wirklich: Es klappt besser. Kräftige Rechts-Links-Kombinationen am Lenkrad nach dem Ausbrechen halten das Auto in etwa auf Kurs. Plötzlich schaltet ein Mitarbeiter eine Wasserfontäne als Hindernis hinzu. Diese auch noch irgendwie zu umkurven, ist dann doch etwas für spätere Weihen...

Noch sind nicht alle Rechnungen auf dem Tisch, doch mit rund 420 000 Euro Gesamtkosten rechnet Lepple. Für ihn eine sinnvolle Investition, denn mit der Edelstahlplatte als Nachfolgerin der rissanfälligen Kunststoffplatte werde man mindestens zwei Jahrzehnte keine großen Reparaturen haben. Neu sind zwei Flutlichtstrahler, die Sicherheitstrainingskurse auch in den Abendstunden erlauben. Bis zu 500 Liter Wasser können pro Minute auf die Edelstahlplatte befördert werden, erläutert Bauleiter Matthias Riemer. Das ist mehr als ein ordentliches Gewitter.

Rund 300 Kurse mit bis zu 3500 Teilnehmern werden hier am Wartberg pro Jahr organisiert, um Autofahrern das richtige Verhalten und die Kräfte der Physik in Extremsituationen vor Augen zu führen. Lepple: Damit man weiß, was das Auto mit einem anstellen kann.
Was noch fehlt, ist die geplante Schachbrett-Bremsstrecke aus glatten und trockenen Platten. Richtig bremsen, deutet Harald Lepple an, ist eben auch eine Kunst für sich, die Leben retten kann.

Quelle Heilbronner Stimme von Carsten Friese

Kreisverkehrswacht Heilbronn

 
         
 

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