Die Verkehrsübungsanlage am Heilbronner Wartberg ist eine
der größten ihrer Art in Deutschland. Jetzt wurde die
neue Schleuderpiste fertig gestellt. Autofahrer lässt sie
ganz schön alt aussehen und die Kräfte der Physik hautnah
erleben.
Das Herzstück der neuen Trainingsanlage: Eine 50 Meter lange
Edelstahlplatte, die durch Düsenöffnungen an den Rändern
mit Regenwasser aus einer Zisterne in einen Untergrund verwandelt
wird, der wie Eis und Schnee wirkt.
Der Clou: Eine hydraulisch gesteuerte Verschieberampe an der Auffahrt
zur Schleuderplatte. Sobald die Hinterachse eines Autos auf der
Rampe ist, erfolgt ein Ruck der Rampe nach rechts oder links -
das Auto bricht auf der nassen Schleuderpiste plötzlich aus
und muss blitzschnell wieder auf Kurs gebracht werden. Nur wie?
Fahren Sie mal so mit Tempo 50 auf die Rampe zu und kuppeln Sie
dann aus, rät Kreisverkehrswacht-Chef Harald Lepple vor dem
ersten Versuch. Wie eine leere Bühnenfläche, die von
zwei Seiten bewässert wird, sieht die Piste aus der Ferne
aus. Losfahren, hoch schalten, auskuppeln - der Moment, als es
das Heck des Autos wegreißt, ist viel stärker als erwartet.
Wie von einer unbekannten Gewalt gesteuert, schlittert der Wagen
an der Grenzfläche von Edelstahl und Wasserschicht seitlich
weg. Gegenlenken! Schön gesagt. Es bringt nicht viel. Scheinbar
unzähmbar verharrt das Auto auf seiner Bahn, rutscht über
die Düsen des Plattenrands auf den Asphalt. Rund sechs Meter
ist das Auto zur Seite gedriftet - im echten Leben hätte dort
ein Brückenpfeiler stehen können.
Viel zu schwach gegengelenkt, kommentiert Lepple die erste Runde.
Versuchen, die Räder immer auf Kurs der ursprünglichen
Fahrtrichtung zu stellen, ist sein Rat für die nächste
Runde. Und wirklich: Es klappt besser. Kräftige Rechts-Links-Kombinationen
am Lenkrad nach dem Ausbrechen halten das Auto in etwa auf Kurs.
Plötzlich schaltet ein Mitarbeiter eine Wasserfontäne
als Hindernis hinzu. Diese auch noch irgendwie zu umkurven, ist
dann doch etwas für spätere Weihen...
Noch sind nicht alle Rechnungen auf dem Tisch, doch mit rund 420
000 Euro Gesamtkosten rechnet Lepple. Für ihn eine sinnvolle
Investition, denn mit der Edelstahlplatte als Nachfolgerin der
rissanfälligen Kunststoffplatte werde man mindestens zwei
Jahrzehnte keine großen Reparaturen haben. Neu sind zwei
Flutlichtstrahler, die Sicherheitstrainingskurse auch in den Abendstunden
erlauben. Bis zu 500 Liter Wasser können pro Minute auf die
Edelstahlplatte befördert werden, erläutert Bauleiter
Matthias Riemer. Das ist mehr als ein ordentliches Gewitter.
Rund 300 Kurse mit bis zu 3500 Teilnehmern werden hier am Wartberg
pro Jahr organisiert, um Autofahrern das richtige Verhalten und
die Kräfte der Physik in Extremsituationen vor Augen zu führen.
Lepple: Damit man weiß, was das Auto mit einem anstellen
kann.
Was noch fehlt, ist die geplante Schachbrett-Bremsstrecke aus glatten
und trockenen Platten. Richtig bremsen, deutet Harald Lepple an,
ist eben auch eine Kunst für sich, die Leben retten kann.
Quelle Heilbronner Stimme von Carsten Friese
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