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Chinesische Unternehmen entdecken die Region

     
 
 

3.10.05


 

Immer mehr chinesische Unternehmen siedeln sich im Ausland an. Zu den Hindernissen der chinesischen Bürokratie gesellt sich teilweise auch deutsche Ratlosigkeit über das exotische Land. Die regionale Wirtschaftsförderung unterstützt diese Unternehmen bei der Ansiedelung. China das "Land des Lächelns" zu nennen ist eine Floskel. Dass die 34-jährige Zhang Aihua lächelnd auf dem Heilbronner Marktplatz sitzt, hat allerdings einen Grund. Soeben hat Zhang zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Ma Li den GmbH-Vertrag für ihre neuen Firma Bonniehong in Heilbronn unterschrieben. Von nun an wird sie medizinische Bildgebungs- und biochemische Untersuchungsgeräte von Heilbronn aus nach China exportieren.

Beide Frauen waren schon zuvor in dieser Sparte tätig. Mit Deutschland hatte Zhang allerdings kaum zu tun. Der Kontakt wurde über Thomas Zheng hergestellt, der von seiner Firma Leete in Nürnberg aus chinesische Geschäftsleute für Deutschland anwirbt. "Seit Chinas WTO-Beitritt ist der Aufbruch lokaler Unternehmen ins Ausland ein zentrales Thema", sagt Zheng. Die Firma bekommt von Stadt- und Provinzregierungen den Auftrag, mittelständische Unternehmen bei der Ansiedelung zu unterstützen.

"Deutschland hat einen guten Namen in China", sagt Zheng. Und Stuttgart sei in den Geschäftskreisen bekannt. "Audi, Daimler, Porsche, Bosch", zählt der Chinese auf. "Wir empfehlen deshalb gerne Heilbronn an unsere Partner. Auch, weil rund um Heilbronn viele Firmen angesiedelt sind." Für den regionalen Wirtschaftsförderer Steffen Schoch sind das Vorteile, die die Stadt besser nutzen müsste. "Wir haben die Chancen, mehr chinesische Geschäftsleute anzulocken", ist er überzeugt.

Ganz allgemein scheine Deutschland aber schlecht auf das chinesische Wirtschaftswachstum und künftige Investoren eingestellt, kritisiert Schoch. Die Ansiedelung von Bonniehong ist für seine Vision eines besseren Austauschs zwischen China und Heilbronn ein erster Erfolg, energisch hat er sich engagiert, um Zhang und Ma bei Behördengängen und allgemeinen Fragen zu unterstützen. "Bei einer Behörde kam zunächst die Antwort: „China, das ist kein EU-Land, oder?", berichtet Schoch kopfschüttelnd. Auf einer Bank bekamen die beiden Frauen statt eines Kontos erst einmal einen dicken Stapel Vorschriften und Informationen ausgehändigt - auf Deutsch. Von Englisch keine Spur, von Chinesisch ganz zu schweigen. "Wir verpassen da etwas", klagt Schoch.

Internationale Geschäftsansiedelungen bedeuten immer viel Bürokratie. In diesem Fall würden die bürokratischen Hürden aber teilweise unnötig durch mangelndes Interesse verstärkt. Zheng nickt. Auch in China gelte es viel Bürokratie zu bewältigen. Die chinesischen Behörden haben in den vergangenen zwei Jahren aber auf die stark steigende Zahl von chinesischen Firmengründungen im Ausland reagiert und die Verfahren deutlich effizienter gemacht.

Trotzdem ist eine Menge Papierkram gefordert: Eine Empfehlung durch die lokale Regierung und die Berufsverbände benötigen chinesische Firmen, die im Ausland aktiv werden wollen. Danach prüfen die Ministerien für öffentliche Sicherheit, für Handel und das Außenministerium. Firmen- und Persönlichkeitsprofile müssen erstellt werden, Vermögens- und Berufsurkunden werden verlangt. Erst dann sind von deutscher Seite aus die Arbeitsagenturen, Wirtschaftsförderung und Ausländerbehörden am Zug und überprüfen ihrerseits, ob sie Interesse an der Ansiedelung haben. "Acht weitere Firmen" habe man in für Heilbronn in Reichweite, sagt Schoch. Im Oktober will die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH (WHF) auf einer einwöchigen China-Reise weiter für die Region als Standort werben. Zusammen mit Thomas Zheng. "Das wird ein Erfolg", sagt dieser. "Wir werden sie mit Chinesen überschwemmen". Er lächelt dabei.

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