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Die Gewinner-Region Heilbronn-Franken

     
 
 

29.10.05


 

Bei der Feier zum 150. Geburtstag der IHK Heilbronn-Franken, staunt DIHK-Präsident Braun über die Ausbildungsplatzzahlen und Ministerpräsident Günther H. Oettinger lobte diese dynamische Region, die durch ihre überdurchschnittliche Entwicklung ganz an der Spitze liege.

Die Industrie- und Handelskammer der Region Heilbronn-Franken feierte in der Heilbronner "Harmonie" gemeinsam mit rund 650 Gästen aus der gesamten Region während eines Festabends ihren 150. Geburtstag und wurde dabei von Festredner , Ministerpräsident Günther H. Oettinger, und dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Ludwig Georg Braun mit vielen anerkennenden Worten bedacht.

Ministerpräsident Oettinger sprach von der "Gewinner-Region Heilbronn-Franken" die durch ihre überdurchschnittliche Entwicklung in Baden-Württemberg an der Spitze liege. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun zeigte sich von den in der Region zur Verfügung gestellten Ausbildungsplatz-Angeboten beeindruckt. Damit liege man im Bundesvergleich sehr gut. Die 150-jährige Erfolgsgeschichte der IHK Heilbronn-Franken habe Anerkennung verdient.

Braun sprach sich ausdrücklich dafür aus, das duale Ausbildungssystem auch in der Zukunft anzuwenden. Es sei wichtig, dass "keiner verloren gehe" und dass sich die Kinder in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft wieder finden können. "Das ist unser gesellschaftlicher Auftrag." Die Politik dürfe nicht ausgrenzen, auch nicht die Leistungsschwächeren. Deshalb könne die Region darauf stolz sein, was in ihr geleistet werde. Der Präsident ermunterte die anwesenden Wirtschaftsführer und die IHK-Verantwortlichen "Mut zum eigenen Entwicklungsfortschritt zu zeigen und nicht nur auf handelnde Politiker zu warten".

Er forderte aber die Politiker auch auf, einen drastischen Abbau von Subventionen sowohl in der Wirtschaft als auch in den Sozialsystemen ins Auge zu fassen, um die bestehenden Haushaltsprobleme zu lösen. Als Beispiele führte Braun die Steinkohle-Subvention und die Zahlungen für Landwirte an. Der DIHK-Präsident ist sich sicher: "Dann kann sich Deutschland aus eigener Kraft an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen, in dem wir uns gerade befinden".

Eine der Forderungen Brauns, die er bereits am Rande der DIHK-Vollversammlung in Heilbronn in einer Pressekonferenz nannte: Mehr Arbeit zu gleichem Lohn und weniger Urlaub.
Sonst werde der Wettbewerbsdruck in Deutschland zu groß. Steuererhönungen zur Haushaltssanierung lehnt der Präsident generell zwar ab, für denkbar hält er sie aber, wenn sie in einen "Pakt für Deutschland" eingebunden seien.

Ministerpräsident Günther H. Oettinger hält die Region Heilbronn-Franken für eine "Gewinner-Region", die im Wachstumsland Baden-Württemberg durch ihre überdurchschnittliche Entwicklung eine Spitzenposition einnehme. "Wir kämpfen um jeden Arbeitgeber und um jeden Arbeitnehmer." Oettinger machte den Verantwortlichen der IHK Heilbronn-Franken Mut, ihre Arbeit wie bisher fortzusetzen. Die Kammer besteche mit ihrer Kreativität und Innovationsfreude, das bemerke man auch in der Landeshauptstadt und werde entsprechend reagieren. Der Regierungschef sprach sich auch dafür aus, das Kammerprinzip in Deutschland nicht zu verändern, denn es sei "zeitgemäßer denn je".

Auf die Bundespolitik eingehend meinte Oettinger, Deutschland habe ein "Erkenntnisproblem". Der bisherige Bundeskanzler habe nicht alles falsch gemacht, habe aber objektiv zu zaghaft gehandelt. Die eingeleiteten Schritte hätten die Bürger verängstigt. Die Quittung sei am Wahltag ausgestellt worden. Aber auch die Union, so Oettinger "hat ihren Denkzettel" bekommen. "Man darf nicht mit Androhungen wie Verlust des Kündigungsschutzes oder Mehrwertsteuererhöhung Wahlkampf machen".

Danach war aber Schluss mit Freundlichkeiten Oettingers für den politischen Gegner. Der Generationenvertrag sei ein Unding und wurde von Rot-Grün sträflich vernachlässigt. Der hinterlassene Bundeshaushalt sei eine einzige Katastrophe. Nur noch 26 Millionen Deutsche seien in Arbeit, die Zahl der Einzahler in die Sozialsysteme sinke täglich. Es sei jetzt die erste Aufgabe der Großen Koalition die anstehenden "großen Reformen mutig anzupacken und in die Tat umzusetzen". "Wenn die Haushaltsentschuldung und Konsolidierung nicht gelingt, hat die Koalition versagt", konstatierte Oettinger unter dem Beifall der Festgäste.

Dazu gehöre zum Beispiel ein vereinfachtes und europataugliches Steuerrecht, das neuen Wettbewerb schaffe. Die demografische Entwicklung zeige auch, dass das Renten- und Sozialsystem in die falsche Richtung laufe. Das wohl gut gemeinte Steinkühler-Konzept zum Thema Arbeitszeit (Die vorhandene Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen und damit die Arbeitszeit verringern) habe sich auch selbst eleminiert, weil es nicht funktionierte. Gefordert seien flexiblere Mehrarbeit und längere Lebensarbeitszeit. "Sonst ist die Rente nicht mehr finanzierbar". Auch ältere Arbeitnehmer sollten in Arbeit gehalten werden, weil sie über Erfahrungen verfügen, die man nur im Laufe der Jahre bekomme. Dazu bedürfe es aber auch der Schaffung neuer Arbeitsfelder.

Ein weiteres Spektrum der Festrede Oettingers war die Kernkraft und die Verkehrspolitik. Die Laufzeiten der bestehenden Kraftwerke müssten verlängert werden, sonst gingen noch mehr Arbeitsplätze verloren.

Baden-Württemberg als klassisches Transitland für den Fernverkehr brauche mehr Geld für den Straßenbau. Der Ausbau bestimmter Autobahnteilstücke auf sechs Fahrstreifen sei unumgänglich. Dazu solle man auch den privaten Straßenbauträger gewinnen. Die Maut sei für ihn noch immer ein Thema, auch wenn man sich dafür noch nicht so recht erwärmen könne. Überholt sei dann allerdings die nicht mehr zeitgenmäße KfZ-Steuer. Außerdem müsse die Benzinsteuer zweckgebunden verwendet werden.

Als letztes Thema sprach Günther Oettinger die Bildungspolitik an. Das Land fördere die Ganztagesschulen mit einem Milliardenprogramm und werde auch den künftigen Ausbau von Berufsakademien, Fachhochschulen und Hochschulen genau beobachten und beurteilen. "Dort wo Wachstum stattfindet und neue Arbeitsplätze entstehen, wird das Land auch in diese Einrichtungen investieren". Dazu gehöre auch der die Region Heilbronn-Franken und der Landkreis Main-Tauber, wie Oettinger abschließend unterstrich. Eine florierende BA-Außenstelle gibt es ja in Bad Mergentheim bereits. Die anwesenden Stadtoberhäupter aus dem Taubertal haben genau hingehört und werden den Ministerpräsidenten sicherlich beim Wort nehmen.

© Fränkische Nachrichten - 27.10.2005 von Redaktionsmitglied Werner Palmert siehe www.fnweb.de

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150 Jahre IHK Heilbronn-Franken

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