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Abu-Ghraib-Zyklus erstmals in Deutschland zu sehen

     
 
 

11.11.05


 

Erstmals ist der aufrüttelnde, umfassende Abu-Ghraib-Zyklus in Deutschland zu sehen. Der größte Teil der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall ist angefüllt mit dem schönen, starken, aber auch dekorativen Werk Boteros. Freude sollten seine Gemälde vermitteln, Vergnügen sollten sie machen, das war ein Grundsatz Fernando Boteros. Doch dann kamen im vergangenen Jahr die Fernsehbilder von Folter und Entwürdigung im Gefängnis von Abu Ghraib, und vieles wurde anders. "Manchmal muss man etwas ändern, aber nicht unbedingt seinen eigenen Stil. Der Stil, der bleibt", sagte Fernando Botero gestern beim Pressetermin vor der Ausstellungseröffnung.

Und so zeigt sich die Schau nun auch: Der größte Teil der Kunsthalle Würth ist angefüllt mit dem "schönen, starken, aber auch dekorativen Werk" Boteros, wie die Ausstellungskuratorin Dr. Beate Elsen-Schwedler es beschreibt. Pralle Früchte, dralle Frauen, opulente Tanzszenen, Musikinstrumente oder auch einmal ein Stierkampf, mit solchen Motiven in kräftiger Farbigkeit, mit flächigem Malstil und mit Großzügigkeit in den Formaten entfalten Boteros Bilder und Skulpturen eine angenehme Wirkung, obwohl er schon seit langem auch kritische politische Botschaften transportiert. Zum ersten Mal in der jungen Geschichte der Haller Kunsthalle Würth ist fast das ganze Haus einem einzigen Künstler gewidmet: Fernando Botero (links).

Die Schau stößt auf großes Interesse bei den überregionalen Medien. Foto: Arslan Und dann kommt diese Wand in der Ausstellung, die den Weg versperrt und neben der die Warnung angebracht ist, dass die dahinter verborgenen Bilder Kindern nicht ohne vorbereitende Vermittlung zugänglich gemacht werden sollten. In der Tat, der inzwischen etwa 70 Werke umfassende Abu-Ghraib-Zyklus zeigt heftige Gewaltdarstellungen, brutale Szenen der Erniedrigung und des Schmerzes. Die Fernseh- und Zeitungsbilder aus Abu Ghraib haben den Künstler entsetzt und einen kreativen Schub verursacht, der noch nicht abgeschlossen ist. Botero übersetzt die schnelllebigen Tagesnachrichten in bleibende Eindrücke, wie Picasso es mit "Guernica" tat.

Seinen Stil hat er dabei nur zum Teil geändert. Die Figuren bleiben drall, die Formensprache des Künstlers ist unverkennbar. Doch die Farbigkeit ist oft reduziert auf Schwarz-Weiß-Zeichnungen, in denen die roten Blutflecken umso mehr hervortreten. Diese beiden Räume der Kunsthalle sollte man gesehen haben, aber man verlässt sie auch wieder gerne. Mit der Ausstellung Fernando Botero ist der Kunsthalle Würth einmal mehr ein großer Coup gelungen.

Es ist seit vielen Jahren die erste Botero-Retrospektive in Deutschland, und die Aktualität der Abu-Ghraib-Bilder heizt das Interesse von Fernsehen, Radio und Fachpresse noch mehr an. Dr. Beate Elsen-Schwedler, Kirsten Fiege und C. Sylvia Weber haben mit Auswahl und Hängung der Exponate einen umfassenden Eindruck vom Werk Boteros geschaffen.

Ergänzt wird die Schau durch einige reizvolle Werke mexikanischer Kunst aus der Sammlung Würth.

Info: Bis 17. April täglich 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 5 Euro, Dauerkarte 7 Euro. Katalog mit Texten von Werner Spies und Mario Vargas Llosa.

Quelle: www.hallertagblatt.de von Monika Everling

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