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    „Das war eine runde Sache“ // Mentorin und Mentee erzählen vom Mentorinnen-Programm

    Als Voahirana Klein und Ute Wichmann sich zum ersten Mal begegneten, hatten beide schnell das Gefühl: „Bei uns stimmt die Chemie.“ Die Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken hatte aus den zwei Frauen ein Tandem im Rahmen des Mentorinnen-Programms gemacht. Mentoring ist ein zusätzliches Angebot der Kontaktstellen Frau und Beruf Baden-Württemberg für Frauen mit Migrationshintergrund. Im Rahmen des Mentorings unterstützt eine beruflich erfahrene Mentorin ihre Mentee mit ihrem Wissen und ihren Kontakten bei der Berufswegplanung und beim Aufbau eigener Netzwerke.

    Das Tandem

    Voahirana Klein war als Au-pair aus Madagaskar nach Deutschland gekommen. Hier lernte sie zunächst die Sprache, betreute die Kinder ihrer Gastfamilie und studierte schließlich Kulturwirtschaft an der Uni Passau. Beim Studium traf die 32-Jährige auch ihren jetzigen Mann. Sie arbeitete ein paar Jahre als Kundenberaterin in internationalen Unternehmen, suchte dann aber nach neuen beruflichen Perspektiven.

    Ute Wichmann ist seit zwölf Jahren in einem international agierenden Unternehmen der Lebensmittel-Branche tätig, inzwischen in der Abteilung Geschäftsprozessmanagement. Jüngere Frauen beruflich zu unterstützen, ist der Betriebswirtin schon länger ein Anliegen, und so war sie sofort begeistert, als sie vom Mentorinnen-Programm erfuhr.

    Die Zusammenarbeit

    Das Projekt startete für Ute Wichmann mit einem Kompetenztraining, das sie gemeinsam mit allen Mentorinnen des Programms absolvierte. „Das Training war ganz wichtig“, erzählt sie, „denn dort habe ich zum Beispiel den Unterschied zwischen Mentoring und Coaching gelernt. Ich selber hatte schon mal an einem Coaching für Frauen in Führungspositionen teilgenommen und erfuhr nun, dass das Wesen des Mentorings Beratung und Begleitung ist. Das bedeutet: Die Mentee gibt Themen und Fragestellungen vor, die wir dann gemeinsam bearbeiten. Man kann sagen: Sie führt, ich folge begleitend.“

    Das erste Treffen zwischen Ute Wichmann und ihrer Mentee Voahirana Klein fand ganz zwanglos in einem Café statt. Danach trafen sich die beiden aber nur noch in einem Raum des Welcome Centers Heilbronn. „Ein ungestörter Ort ist ganz wichtig“, erklärt Ute Wichmann, „denn beim Mentoring kommt ja Persönliches zur Sprache.“ Und: „Wir haben immer wieder mit Wandfolie gearbeitet, die wir aufgespannt und dann mit thematischen Inhalten zu Voahiranas Fragestellungen gestaltet haben. Wir erstellten beispielweise einen Zeitstrahl, ein Persönlichkeitsprofil, eine Stärken-Schwächen-Analyse und ähnliches – das gehört nicht an einen öffentlichen Ort!“

    „Frau Wichmann hat zum Beispiel einen Beamer mitgebracht, mit dem wir an einer Präsentation gearbeitet haben. Das hat mich wirklich begeistert!“, blickt Voahirana Klein zurück. „Unsere Treffen haben wir schon sehr professionell gestaltet.“

    Das Tandem traf sich meist alle 14 Tage, blieb aber zwischendurch telefonisch, per Skype, WhatsApp oder E-Mail in Kontakt.

    Bei den persönlichen Begegnungen konzentrierten sich die Frauen auf ein Thema. „Ich habe immer ein paar Tage vor dem Termin nachgefragt, was diesmal Thema sein soll und das dann vorbereitet“, erzählt die Mentorin. „Aber Voahirana hat auch oft Methoden aus dem Projektmanagement zur Bearbeitung eines Themas vorgeschlagen und auf sich selbst angewendet. Sie hatte dazu eine siebenmonatige Weiterbildung gemacht und hat das ganz strukturiert auf unsere Arbeit übertragen. Davon bin ich wirklich beeindruckt!“

    Große Wirkung

    Voahirana Klein fühlte sich vom Mentorinnen-Programm „gleich angelockt“ und erkannte dessen Chancen. Sie wurde nicht enttäuscht: Gemeinsam mit ihrer Mentorin erstellte sie Bewerbungsunterlagen und entwickelte eine Bewerbungsstrategie. „Das System in Madagaskar ist ja total anders. Ich habe sehr viel gelernt, zum Beispiel, wie ich mich am besten ausdrücke, welche Formulierungen ich nicht benutzen sollte usw. Diese zwei Stunden Treffen waren immer sehr intensiv. Am meisten hat mich die Potentialanalyse beeindruckt, die wir gemacht haben. Ich konnte dabei meine Stärken und Schwächen ermitteln, auch, wie mich andere wahrnehmen und habe gelernt, wie ich das alles für mich nutzen kann.“

    Voahirana Klein absolvierte außerdem ein dreimonatiges Praktikum in der Firma ihrer Mentorin. „Frau Wichmann ist eine starke Frau, die sich in einer Männerwelt behauptet, und auch ihre Karrierelaufbahn fand ich sehr spannend. Deshalb und weil sie selber länger im Ausland gelebt und gearbeitet hat, versteht sie sehr gut, wie ich mich fühle – das hat mir sehr geholfen!“

    Ute Wichmann bestätigt: „Ich habe in Spanien gelebt und weiß, wie schwierig es ist, sich etwas aufzubauen. Ich habe großen Respekt vor Voahirana Klein, was sie hier schon alles erreicht hat! Und ich bin stolz auf sie, dass sie aus eigener Kraft eine Stelle bekommen hat.“

    Nach dem Abschluss ihrer Weiterbildung und einer Reise in die Heimat dauerte es nur drei Wochen und Voahirana Klein bekam einen Job. „Ich habe mich von Frau Wichmann ja die ganze Zeit unterstützt gefühlt – das war sehr wichtig für mich – und nun, wenn ich meine neue Stelle antrete, ist es immer noch sehr beruhigend für mich zu wissen, dass ich sie bei Bedarf ansprechen kann. Dafür bin ich wirklich dankbar!“

    „Für mich war das ebenfalls eine lehrreiche Zeit“, erklärt Ute Wichmann. „Als Mentorin muss man sich auch ständig selber reflektieren, denn ich kann nur weitergeben, wohinter ich auch selber stehe. Und ich gebe Voahirana Klein gerne weiterhin Hilfestellung und Unterstützung, wo es geht. Sie ist mir sehr ans Herz gewachsen.“

    Mentorin und Mentee haben beschlossen, in Kontakt zu bleiben, obwohl das Programm nach sieben Monaten Laufzeit inzwischen beendet ist. Das Mentorinnen-Programm war für beide eine bereichernde Erfahrung!

    Bildquelle: Kontaktstellen Frau und Beruf Baden-Württemberg
    Quelle: WHF GmbH, bzw.: http://www.frauundberuf-bw.de/frau-beruf/erfolgsgeschichten/ute-wichmann/

     

     

     

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